Nachtschmerzen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2017
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Nachtschmerzen können in verschiedenen Körperregionen auftreten. Meist klagen jedoch Arthrosepatienten oder werdende Mütter vor allem über ein nächtliche Schmerzen in den Extremitäten.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nachtschmerzen?

Unter Nachtschmerz versteht sich eine in Ruhe oder des Nachts auftretende Schmerzsymptomatik. Diese ist zunächst unspezifisch und muss in Ursache, Lokalisation, Häufigkeit und Folgen beurteilt werden. Ein Schmerz kann mit hinweisenden Adjektiven umschrieben werden, doch meist ist dies für den Patienten nicht so einfach.

Man unterscheidet z. B. drückenden, ziehenden, reißenden, stechenden oder brennenden Schmerz. Der Arzt oder Therapeut kann durch eine gute Beschreibung von Qualität, Lokalisation und der Angabe, ob der Schmerz in Ruhe oder Bewegung auftritt, verschiedene Muster erkennen. Wenn eine Symptomatik immer wieder zur gleichen Zeit oder bei einer bestimmten Haltung auftritt, sollte in jedem Fall zur Abklärung ein Arzt aufgesucht werden.

Ursachen

Am häufigsten beschreiben Patienten mit Gelenkerkrankungen die Symptomatik. Hier gibt es verschiedene Abstufungen. Eine unspezifische Schmerzhaftigkeit eines Gelenkes bezeichnet man als Arthralgie. Unter Arthrose versteht sich der zunehmende Verschleiß der Gelenksstrukturen. Gehen diese mit wiederkehrenden entzündlichen Prozessen einher, spricht man von Arthritis oder Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.

Bei diesen Erkrankungen sind Ruheschmerzen keine Seltenheit. Vor allem nach Überlastungen klagen die Patienten über eine anhaltende Symptomatik. Weiterhin kann nach Verletzung z. B. der Schulter oder des Knies sowie Operationen mit anschließender Ruhigstellung eine ähnliche Symptomatik auftreten. Bei Beteiligung des Kapsel-Band-Apparates sind die Strukturen oftmals gereizt und reagieren empfindlich.

Über Nachtschmerzen klagen auch werdende Mütter. Es raubt ihnen vor allem den Schlaf, da die Beine schmerzen. Die Ursache hierfür kann eine vermehrte Einlagerung von Lymphflüssigkeit im Gewebe sein. Man spricht von einer physiologischen Einlagerung von bis zu sechs Litern. Jedoch kann dies einen Druckschmerz auslösen. Auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose können beispielsweise Erscheinungen wie das Restless-Legs-Syndrom mit sich bringen. Dies geht mit unkontrollierten Bewegungen und Schmerzen bei Ruhe und Nacht einher.

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Diagnose & Verlauf

Unter Nachtschmerz versteht sich eine in Ruhe oder des Nachts auftretende Schmerzsymptomatik.

Bei Gelenkerkrankungen, der häufigsten Ursache für Nachtschmerz, kann diagnostisch durch Röntgen, Blutbild und einer umfassenden Funktionsprüfung des betroffenen Gelenks vorgegangen werden. Der Gelenksverschleiß ist meist auf der Bildgebung sichtbar. Mittels visuellem und Tastbefund kann die Diagnose präzisiert werden.

Oftmals sind bei Verschleißerscheinungen auch Veränderungen oder Verdickungen an der Kapsel erkennbar. Bei der Funktionsüberprüfung können Krepitationsgeräusche wahrgenommen werden oder es wird ein Bewegungsschmerz vom Patienten angegeben. Der Ruhe- oder Nachtschmerz wird ausgelöst, wenn die Arthrose „aktiviert“ ist, d. h. ein entzündlicher Vorgang in der Gelenksflüssigkeit abläuft. Dabei wird zunehmend Knorpel angegriffen und abgebaut.

Dies verändert die Statik des Gelenks und führt im Verlauf der Erkrankungen zu Schonhaltungen. Weitere Symptome solcher Gelenkserkrankungen sind die typische Morgensteifigkeit und Belastungsschmerzen der betroffenen Strukturen. Allgemein verläuft die Erkrankung chronisch progredient.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: R52 Schmerz, anderenorts nicht klassifiziert) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Nachtschmerzen entstehen häufig durch Gelenkschmerzen (Arthralgie), was verschiedene Komplikationen hat. Zum einen kann die Symptomatik zu unruhigen Nächten führen, so dass am nächsten Tag ein Schlafmangel herrscht und damit die Konzentration und Leistungsfähigkeit abnimmt, so dass der berufliche Alltag und das Sozialleben stark beeinträchtigt wird. Auch herrscht beim Betroffenen eine gewisse Gereiztheit.

Zusätzlich erhöht sich, wenn der Schlafmangel chronisch wird das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Auch das Risiko von Übergewicht, Diabetes oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird dabei erhöht. Stammen die Nachtschmerzen von den Gelenken, so können weitere Komplikationen folgen. Bei Gelenkerkrankungen kommt es hierbei häufig zu einer Morgensteifigkeit, die einige Minuten lang andauern kann und die Bewegung beeinträchtigt.

Außerdem können die Schmerzen nicht nur nachts auftreten, sondern auch am Morgen, so dass der Alltag eingeschränkt wird. Zudem kann es an den Gelenken zu einem Verschleiß des Gelenkknorpels kommen, der Arthrose. Dieser degenerative Prozess ist nicht wieder reversibel. Der Gelenkknorpel kann so stark abgenutzt werden, so dass die beiden Knochen, die das Gelenk bilden, aufeinander reiben und so stärkste Schmerzen verursachen. Die Knochen können dabei trümmern und es bilden sich Hohlräume in den Knochen (Geröllzysten). Das Gelenk entzündet sich während dieses Prozesses und schwillt dabei an.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Frage, wann eine ärztliche Behandlung erforderlich und damit ein Arztbesuch angezeigt ist, kann nur dem konkreten Einzelfall nach beantwortet werden. Ein Patient sollte alle relevanten Belange ermitteln. Es ist eine objektive Risikoabwägung durchzuführen. Dabei ist es durchaus ratsam, sich in Zweifelsfällen für einen Arztbesuch zu entscheiden. Allerdings sollte die Überschreitung einer gewissen Risikoschwelle Voraussetzung eines Arztbesuches sein. Denn aus medizinischer Sicht sind zahlreiche Leiden nicht behandlungsbedürftig.

Bei Nachtschmerzen ist zu berücksichtigen, dass die erholsame Nachtruhe für den Organismus unverzichtbar ist. Bei langanhaltendem Schlafmangel oder Schlafbeschwerden drohen nicht nur unerhebliche physische und psychische Beeinträchtigungen. Die auftretende Schmerzsymptomatik sollte deshalb ausgiebig beobachtet und ggf. notiert werden. Vor einem Arztbesuch sollten die Betroffenen den Schmerz lokalisieren und Häufigkeit sowie Intensität des Schmerzes beschreiben können. Dies ist eine unverzichtbare Voraussetzung für einen erfolgreichen Arztbesuch.

Die Betroffenen sollten immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn sie sich durch die auftretenden Schmerzen erheblich in ihrem Schlaf beeinträchtigt sehen. Treten die Schmerzen hingegen bloß gelegentlich und ohne gravierende Einschränkungen auf, so ist ein Arztbesuch nicht unbedingt zwingend.

Wer sich für die Konsultation eines Arztes entscheidet, sollte sich zunächst an den Hausarzt wenden. Dieser kann erste Ursachen abklären und ggf. an Facharzte wie z. B. Orthopäden verweisen. Auch die Hinzuziehung eines Physiotherapeuten ist möglich.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung dieser fortschreitenden Erkrankungen ist sehr langwierig und muss genau auf den Patienten zugeschnitten werden. Das Ziel ist dabei immer Schmerzreduktion und -prophylaxe und eine Eindämmung des Gelenkverschleißes.

Einerseits muss der Entzündungsprozess medikamentös therapiert werden. Hierbei kann er unterdrückt werden oder es wird eine kontrollierte Entzündungsreaktion hervor gerufen, welche unter Aufsicht der einzelnen Entzündungsphasen bis zur Narbenheilung begleitet wird. Dabei kann das entstehende Bindegewebe entsprechend behandelt werden. Weiterhin müssen Funktion des Gelenks, Bewegungsausmaß und Kraft sowie die umliegenden Strukturen betrachtet, gestärkt oder zumindest erhalten werden.

Der Patient erhält auf ihn zugeschnittene Kräftigungs- und Dehnungsübungen, die er mehrmals täglich zur Therapie und Vorbeugung allgemeiner Symptome und auch des nächtlichen Schmerzes durchführen sollte. Unterstützend kann er durch thermische Medien die Symptome der Akut- und chronischen Phase abschwächen. Innerhalb der akuten Phase lindert leichte Kühlung die Beschwerden. Diese kann durch die Anlage eines nasskalten Tuches mit angepasster Wassertemperatur für den Patienten in wohltuendem Bereich realisiert werden.

Sollte die Anlage als unangenehm empfunden werden, befindet sich der Patient bereits in der chronischen Phase. Hier kann besser mit Wärme agiert werden. Ob diese feucht oder trocken sein sollte, hängt wieder vom Wohlbefinden des Patienten ab. Die Gefäße weiten sich, die Muskulatur entspannt. Es kommen Kirschkernkissen, Heizkissen, Rotlicht oder auch wärmende Salben zum Einsatz.

Ist der Gelenksverschleiß weit fortgeschritten, gibt es die Möglichkeit des Gelenksersatzes. Diese Totalendoprothesen werden häufig bei Knie- oder Hüftarthrosen angewendet. Die Intervention sollte intensiv mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Denn auch hier kann es im Anschluss durch die veränderte Haltung und Lagerung des Gelenkes in der Nacht zu Beschwerden kommen.

Aussicht & Prognose

Nachtschmerzen sind in jedem Fall unangenehm und treten vor allem bei werdenden Müttern auf. In den meisten Fällen handelt es sich um Schmerzen in Gelenken, sodass ein gewöhnlicher Schlaf nicht mehr möglich ist. Dies führt oft zu einem Schlafmangel am nächsten Tag, welcher sich in Stress und in einer depressiven Stimmung ausdrücken kann. Die Konzentration und die Leistungsfähigkeit sinken, sodass das soziale Leben und der berufliche Alltag stark beeinträchtigt werden.

Meistens verschwinden die Nachtschmerzen nach nur einigen Tagen. Falls sie allerdings länger anhalten sollten, muss ein Arzt aufgesucht werden. So können die Nachtschmerzen auch durch chronische Erkrankungen herbeigeführt werden. Diese Erkrankungen beeinflussen das Herz-Kreislauf System negativ und sollten auf jeden Fall untersucht werden. Falls nach den Nachtschmerzen auch am Morgen eine Morgensteifigkeit auftritt, muss sofort ein Arzt um Rat gefragt werden.

Oft treten die Nachtschmerzen nicht nur nachts auf, sondern auch mitten am Tag. Es können Verspannungen in den Gelenken entstehen, die zu starken Schmerzen führen. Eine allgemeine Therapie existiert nicht, in der Regel werden bei der Behandlung den Schmerzen und Entzündungen vorgebeugt. Sie findet vor allem durch Dehnübungen statt, sodass die chronischen Schmerzen gelindert werden können. Ob die Behandlung erfolgreich ist, hängt stark vom physischen Zustand des Patienten ab.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung eines arthrotisch bedingten Nachtschmerzes ist es wichtig frühzeitig diagnostische Maßnahmen zu ergreifen und eine passende medikamentöse und therapeutische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Regelmäßige Therapie, Bewegung und eine gesunde Ernährung sind die Hauptpfeiler der Schmerzprophylaxe.

Das können Sie selbst tun

Gegen Nachtschmerzen hilft allgemein ein gesunder Lebensstil. Dazu gehören auf jeden Fall gesunde Ernährung und einige sportliche Aktivitäten. Die Nachtschmerzen können damit zwar nicht komplett eingeschränkt oder vermieden werden, allerdings wirkt sich eine gesunde Lebensweise immer positiv auf den menschlichen Körper aus. In den meisten Fällen sind die Nachtschmerzen nicht reversibel, sodass es keine Behandlung gibt, die die Nachtschmerzen komplett verhindert.

Vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen sollte der Körper entspannt werden. Dies kann mit Hilfe von Dehnübungen und Yoga getan werden. Die Nachtschmerzen können damit weitestgehend verhindert werden. Sollten die Nachtschmerzen relativ stark sein, können auch Schmerzmittel eingenommen werden. Hier sollten Betroffene darauf achten, dass die Schmerzmittel nicht über einen zu langen Zeitraum eingenommen werden.

Es empfiehlt sich, schon bei den kleinsten Anzeichen für Nachtschmerzen einen Arzt aufzusuchen und die Ursache für diese Schmerzen ausfindig zu machen. Damit können Folgeschäden und Schmerzen im höheren Alter in der Regel vermieden werden. Gegen die Nachtschmerzen hilft auch eine gute Matratze und die richtige Position des Kopfkissens. Auch tagsüber sollte der Körper geschont und nicht unnötigen Belastungen oder Stress ausgesetzt werden.

Bücher über Schmerzen

Quellen

  • Basler, H.-D., Franz, C., et al.: Psychologische Schmerztherapie. Springer, Berlin 2004
  • Kürten, L.: Chronischer Schmerz. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bonn 2001
  • Striebel, H. W.: Therapie chronischer Schmerzen. Schattauer, Stuttgart 2002

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