Rheuma

Letzte Aktualisierung am 25. Februar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Rheuma, Rheumatoide Arthritis oder chronische Polyarthritis sind Begriffe für eine rheumatische Krankheit. Rheuma lässt sich zudem in entzündliche und degenerative rheumatische Erkrankungen untergliedern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Rheuma?

Rheuma ist der Oberbegriff für eine Vielzahl von schmerzhaften Zuständen des Stütz- und Bewegungsapparates. Nicht immer sind nur die Knochen betroffen, sondern auch das Bindegewebe an und in den Gelenken. Rheuma, welches sich am Bindegewebe abspielt wird zu den Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen) gezählt. Kollagen ist ein eiweissartiger Bestandteil des Bindegewebes.

Kollagenes Bindegewebe ist in der Haut, in Knochen, Sehnen, Knorpel, Muskeln und Blutgefäßen vorhanden. Kollagen gibt anderen Strukturen des Körpers Festigkeit und Halt. Degenerative Gelenkerkrankungen, wie z.B. die Arthrose zählen zu den rheumatischen Erkrankungen. Dank moderner medizinischer Diagnostik kann man heute die ca. 200 verschiedenen Rheumaerkrankungen besser diagnostizieren, wenn auch noch nicht gänzlich heilen.

Ursachen

Für die Erkrankung Rheuma gibt es eine Vielzahl von Ursachen. An erster Stelle steht ein fehlgesteuertes Immunsystem (Autoimmunerkrankung). Das Immunsystem erkennt manche körpereigenen Strukturen als Fremdkörper an und versucht so diese zu bekämpfen, was Entzündungsreaktionen zur Folge hat. Heute lassen sich die Autoantikörper labortechnisch sehr gut differenzieren, so dass eine Früherkennung möglich ist.

Die Autoimmunerkrankung Rheuma hat eine familiäre Komponente, d.h. in manchen Familien kommen rheumatische Erkrankungen gehäuft vor. Infektionen mit Streptokokken, Borrelien, Chlamydien oder Einwirkungen von Feuchtigkeit, Kälte oder Giftstoffen können Rheuma auslösen. Die Schuppenflechte kann die Gelenke und/oder die Wirbelsäule zusätzlich befallen. Das Auftreten von Rheuma ist an bestimmte Vorgänge im Blut gebunden. Man nimmt an, dass eine besondere Form von Allergie vorliegt. Diese bewirkt eine Sensibilisierung der Gelenkflächen.

Das menschliche Immunsystem kann diese dann als fremdes Gewebe erkennen und reagieren. Rheuma heißt übersetzt "fließen, strömen, reißen". Und genau so schildern Betroffene die Schmerzen bei Rheuma.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Erste Anzeichen für Rheuma ist die sogenannte Morgensteifigkeit, die mit leichten Schmerzen verbunden sein kann. Nach eigenen Minuten Bewegung werden die betroffenen Gelenke wieder beweglicher. Dabei kann es sich um einen oder mehrere Finger handeln. Ebenso können die Fußgelenke betroffen sein. Im weiteren Krankheitsverlauf verlängert sich die Dauer der Morgensteifigkeit deutlich. Die schmerzhaften Gelenkbeschwerden können auch bereits im Ruhezustand auftreten.

In den betroffenen Gelenkbereichen bilden sich Schwellungen. Die Bewegungseinschränkungen verstärken sich. Außer funktionalen Beschwerden können Formveränderungen eintreten. Die auftretenden Schmerzen können sich als ziehend, reißend oder fließend darstellen. Neben den Gelenken können bei einer entzündlichen rheumatoiden Erkrankung (Arthritis) auch Knochen, Muskeln und Bänder betroffen sein. Die Anzahl der betroffenen Körperstellen wird größer.

Davon ist die linke wie die rechte Körperhälfte betroffen. Die Beschwerden können auch an größeren Gelenken wie dem Schultergelenk oder Kniegelenk auftreten. Über einen langen Zeitraum können sich durch Rheuma knöcherne Deformierungen bilden. Bei einer rheumatischen Erkrankung in Form einer Arthritis beeinträchtigen die entzündlichen Prozesse auch die Organe und das Nervensystem.

Es können sich allgemeine Krankheitsgefühle wie Nachtschweiß, Erschöpfung und übermäßige Müdigkeit sowie eine Gewichtsabnahme einstellen. Rheumatische Symptome können schubweise auftreten. Bei einer rheumatischen Erkrankung in Form von Gicht treten plötzlich heftige Schmerzen an einem bestimmten Gelenk auf (Gichtanfall). Anzeichen für ein Weichteilrheuma sind Schmerzen an Muskeln, Sehnen, Knorpeln sowie im Fettgewebe.

Krankheitsverlauf

Infogramm zu den Schmerzregionen und den betroffenen Gelenken bei rheumatoider Arthritis. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Rheuma als Erkrankung hat im Verlauf viele Gesichter. Sie kann akut, in Schüben oder chronisch verlaufen. Rheuma macht sich bemerkbar durch Druckempfindlichkeit, Schmerzhaftigkeit und Steifheit der Muskeln und Gelenke. Viele Betroffenen klagen im Anfangsstadium über Müdigkeit und morgendliche Steifheit des gesamten Bewegungsapparates. In diesem Stadium lassen sich nur leichte Veränderungen im Blutbild erkennen.

Sind einige Gelenke dann in der akuten Phase geschwollen, entzündet und sehr schmerzhaft, bleiben Deformationen (sichtbare Veränderungen) zurück. Einige Rheumaerkrankungen aus dem Bereich der Kollagenosen haben in Ihrem Krankheitsbild Abgeschlagenheit, Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust als Begleitsymptome. Rheuma kann aber auch mehrere Jahre ohne Erkrankungsanzeichen und somit auch ohne Beeinträchtigung des Alltags ablaufen.

Komplikationen

Rheuma oder eine rheumatoide Arthritis können verschiedene Komplikationen hervorrufen. Diese Gefahr besteht besonders dann, wenn eine geeignete Behandlung ausbleibt. Zu den häufigsten Folgeerscheinungen rheumatischer Erkrankungen zählen Schwellungen an den Fingergrund- und Fingermittelgelenken. Die Veränderung der Gelenke geht schleichend voran und kann bis zu zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Während sich einige Gelenke überstrecken, nehmen andere eine Beugefehlhaltung ein. Nicht selten kommt es auf der Gelenkstreckseite zur Bildung von sogenannten Rheumaknoten. Im angrenzenden Bereich leiden die betroffenen Personen häufig unter Knochenschwund (Osteoporose), wobei der Knochen seine Festigkeit verliert. Im Randbereich der Gelenke entstehen zudem Knochendefekte, die von der Medizin als Erosionen bezeichnet werden. Selbst mit Hilfe einer medizinischen Therapie lassen sich die Beschwerden oft nur lindern.

Eine weitere Komplikation stellt die Ausbreitung der Rheumaknoten in die Eingeweide dar. Oft zeigen sich die Knoten schmerzfrei, in manchen Fällen verursachen sie jedoch Beschwerden, wovon in erster Linie stark beanspruchte Körperregionen betroffen sind.

Schreitet das Rheuma weiter voran, wirkt sich dies negativ auf die Greiffunktionen der Hände aus. Dies kann wiederum die Pflegebedürftigkeit der Betroffenen zur Folge haben. So leiden rund zehn Prozent aller Rheuma-Patienten unter schweren Behinderungen. Im schlimmsten Fall tritt die Zerstörung der erkrankten Gelenke ein.

Ebenfalls zu den Rheuma-Folgeerkrankungen gehört das Karpaltunnelsyndrom. Dabei erfolgt eine Druckschädigung der Nerven durch die rheumatoide Arthritis, die neben Schmerzen auch Lähmungen der Handmuskeln hervorruft.

Behandlung & Therapie

Die Behandlungsmöglichkeiten für Rheuma sind dank der Forschung sehr vielfältig geworden und speziell auf die einzelnen rheumatischen Erkrankungen besser einsetzbar. Trotz allem steht im Akutfall Cortison (Kortison) als Medikament an erster Stelle. Cortison lässt die Entzündung abklingen. Der chronische Verlauf von Rheuma spricht ebenfalls sehr gut auf Cortison an. Mittlerweile gibt es neuartige Cortisonpräparate, die mit Ihre Wirkung in der Nacht einsetzen, so dass die morgendliche Steifheit geringer ausfällt.

Bringt Cortison nicht die erhoffte Linderung, so kommen Immunsuppressiva zum Einsatz. Dies sind Medikamente, die die natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegen das eigene Gewebe hemmen. Durch den Einsatz von Immunsuppressiva kann die Cortisongabe verringert werden. Jeder Rheumatiker sollte zusätzlich seine Ernährung auf die Erkrankung umstellen. Da Cortison die Knochen entkalkt, sollte eine ausreichende Calciumzufuhr nicht fehlen. Ommega-3-Fettsäuren und Vitamin E haben eine positive Wirkung auf Rheuma. Spaziergänge, Schwimmen und Krankengymnastik lindern Schmerzen bei Rheuma.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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