Krim-Kongo-Fieber

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 14. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Krim-Kongo-Fieber wird durch Viren ausgelöst. Die Infektionswege erfolgen von Tier zu Mensch oder von Mensch zu Mensch. Die Erkrankung hat zahlreiche Symptome, die den ganzen Organismus beeinträchtigen und von harmlosen grippeähnlichen Beschwerden bis zu schwerwiegenden Komplikationen reichen. Es gibt bislang keine Impfung gegen die Krankheit, eine Therapie durch Ribavirin ist möglich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Krim-Kongo-Fieber?

Das Krim-Kongo-Fieber-Virus gehört zur Familie der Bunyaviren. Die Krankheitserreger sind in grasfressenden Haus- und Wildtieren, zum Beispiel Kühen, Hasen, Ziegen und Schafen, vorhanden.
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Das Krim-Kongo-Fieber, oder Hämorrhagisches Krim-Fieber, manchmal als CCHF (Crimean-Congo Haemorrhagic Fever) abgekürzt, ist eine durch Viren hervorgerufene Erkrankung. Sie kommt vorwiegend in Süd-Ost-Europa (unter anderem in Bulgarien, Ungarn, Rumänien, der Ukraine und der Türkei), im mittleren Osten (in Syrien, Irak, Iran, Afghanistan) und in zahlreichen Ländern Afrikas und Asiens vor.

Die Sterblichkeitsrate beträgt 2 bis 50 % und ist vor allem vom Virusstamm abhängig. Wenn es aufgrund des Krim-Kongo-Fiebers zu einem Todesfall kommt, tritt dieser in der zweiten Krankheitswoche ein. Der Tod erfolgt durch das Versagen mehrerer Organe. Der krankheitserregende Virus wurde erstmals 1956 auf dem Gebiet der heutigen Republik Kongo aus dem Blut von Menschen isoliert.

Zeitgleich wurden Erkrankungsfälle auf der Halbinsel Krim in der Ukraine dokumentiert. Aus diesem Grund erhielt die Krankheit den Namen Krim-Kongo-Fieber. Als 2006 in der Schwarzmeerregion der Türkei mehrere Menschen am Krim-Kongo-Fieber gestorben sind, wurde die Krankheit wieder neu thematisiert.

Ursachen

Das Krim-Kongo-Fieber-Virus gehört zur Familie der Bunyaviren. Die Krankheitserreger sind in grasfressenden Haus- und Wildtieren, zum Beispiel Kühen, Hasen, Ziegen und Schafen, vorhanden.

Die Krankheit wird in erster Linie durch die Hyalomma-Zecken übertragen. Über 30 Arten der Zecke wurden bereits als Überträger identifiziert. Die Hyalomma-Zecken leben in warmen Regionen südlich des Balkans. Sie sind durch ihre weiß-braunen gebänderten Beine gekennzeichnet. Die Krankheit überträgt sich nicht nur durch den Biss von Zecken vom Tier auf die Menschen, sondern auch durch einen unmittelbaren Kontakt mit dem Fleisch oder Blut vom infizierten Tier.

Unter den Menschen überträgt sich der Virus durch Schmierinfektion (durch infizierte Körpersekrete wie Urin, Speichel, Blut oder Stuhl), aber eine Tröpfcheninfektion ist auch nicht auszuschließen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Krim-Kongo-Fieber verläuft zunächst ohne eindeutige Symptome. Nach einer Inkubationszeit von einem Tag bis zu zwei Wochen stellen sich die ersten Beschwerden ein. Die Betroffenen fühlen sich zunächst krank und müde, typisch sind grippeähnliche Symptome, die rasch an Intensität zunehmen.

Zu Fieber und Schüttelfrost kommen Muskel- und Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Oberbauchschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden hinzu. Viele Patienten leiden an Übelkeit und Erbrechen, aber auch an Durchfall und Bluterbrechen. Außerdem kann es zu Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Depressionen kommen.

Äußerlich kann das Krim-Kongo-Fieber an der charakteristischen Gesichtsrötung bemerkt werden. Diese tritt nach drei bis fünf Tagen auf und kann sich bis zur Bindehaut und bis in den Rachen ausbreiten. Teilweise treten Hautblutungen oder Schwellungen auf. Das deutlichste Anzeichen ist die Einstich- oder Bissstelle, die bei einer Infektion durch Tiere auftritt und im Verlauf der Erkrankung anschwillt und sich entzündet.

Die Symptome nehmen in den ersten Tagen an Intensität zu, bevor sie nach ein bis zwei Wochen langsam wieder abklingen. Eine ärztliche Behandlung vorausgesetzt, ruft das Fieber keine ernsten Komplikationen hervor. Erfolgt keine Therapie, kann die Erkrankung ernste Beschwerden hervorrufen und schließlich zum Tod des Betroffenen führen.

Diagnose & Verlauf

Die Symptome der Erkrankung erscheinen plötzlich nach einer Inkubationszeit von einem bis 13 Tagen. Die Inkubationszeit ist vom Übertragungsweg abhängig. Die Infektion durch einen Zeckenbiss ruft die Symptome etwas schneller hervor als eine Infektion von Mensch zu Mensch. Die Erkrankung kann zahlreiche Zeichen haben.

Neben allgemeinen, grippeähnlichen Symptomen treten neurologische, gastrointestinale und opthalmologische Symptome auf. Als erstes Symptom tritt Fieber auf, das über 5 bis 12 Tage konstant anhält. Neben dem Fieber sind Schüttelfrost, Reizbarkeit, vergrößerte Lymphknoten, Muskel- und Gliederschmerzen, Oberbauchschmerzen, Kopfschmerzen, Depressionen, Stimmungsschwankungen, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten.

Für die Krankheit typische Symptome sind Gesichtsödeme, Gesichts-, Rachen- und Bindehautrötung. Ein Teil der Erkrankten erleidet ab dem 3. bis 5. Tag Komplikationen in Form vom hämorrhagischen Verlauf. Im Zuge dessen kommt es zu Darmblutungen, Bluterbrechen und Hautblutungen. Die Blutungsneigung steigt bei den betroffenen Patienten. In wenigen Fällen verläuft das Krim-Kongo-Fieber inapparent, also symptomlos.

Da die Krankheit von Viren hervorgerufen wird, erfolgt die Diagnose in Laboreinrichtungen. Die Antikörper gegen das Virus können ab dem 6. Tag der Erkrankung nachgewiesen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt können die Beschwerden immer stärker werden, je nach dem Infektionsweg und der Art des Virus.

Komplikationen

Das Krim-Kongo-Fieber muss auf jeden Fall von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Ohne Behandlung kann diese Erkrankung den Tod des Betroffenen begünstigen. Diese leiden dabei an den üblichen Symptomen und Beschwerden einer Grippe. Es kommt zu einem starken Fieber und weiterhin auch zu einer Abgeschlagenheit. Nicht selten leiden die Patienten dabei auch an Schüttelfrost und an einer Gereiztheit.

Es treten Bauchschmerzen und Kopfschmerzen ein, die die Lebensqualität des Betroffenen erheblich verringern. Ebenso kann eine Rötung im Gesicht eintreten. Nicht selten kommt es auch zu Hautblutungen oder blutigem Erbrechen, welches nicht selten mit Panikattacken oder Schweißausbrüchen verbunden ist. Ebenso kommt es zu einer verringerten Belastbarkeit des Patienten und die Betroffenen klagen über Stimmungsschwankungen oder über Depressionen. Nicht selten treten auch Blutungen im Darm auf.

In der Regel kann das Krim-Kongo-Fieber relativ gut mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf. Bei einer frühzeitigen Behandlung können auch die meisten Beschwerden eingeschränkt werden, sodass es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Dabei wird auch die Lebenserwartung des Patienten nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da das Krim-Kongo-Fieber eine hohe Sterblichkeitsrate hat, sollte schnellstmöglich ein Arztbesuch erfolgen, sobald sich verschiedene gesundheitliche Beeinträchtigungen zeigen. Zu ihnen gehören Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Bei Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder einem anderen diffusen Schmerzerleben sollte ein Arzt konsultiert werden. Krämpfe, Einschränkungen des Bewegungsapparates oder Störungen der Konzentration sowie Aufmerksamkeit sind untersuchen und behandeln zu lassen.

Betroffene leiden an Beschwerden der Muskulatur, verschiedenen Funktionsstörungen und Problemen der Verdauung. Kommt es zu Bluterbrechen, liegt ein besorgniserregender Zustand vor. Ein Arztbesuch ist unverzüglich vonnöten. Ebenfalls auffällig sind Anzeichen wie Schüttelfrost, ein allgemeines Unwohlsein sowie Verfärbungen der Gesichtshaut. Leidet der Betroffene unter einem Abfall des gewohnten Leistungsniveaus, Schlafstörungen oder Auffälligkeiten des Herz-Rhythmus, ist ein Arzt zu konsultieren. Das Krim-Kongo-Fieber tritt vorrangig bei Menschen auf, die sich in Asien, im mittleren Osten, Süd-Ost-Europa oder Afrika aufhalten. Daher sollten insbesondere Anwohner oder Besucher dieser Regionen einen Arzt aufsuchen, wenn sie an den beschriebenen Unregelmäßigkeiten leiden.

Nehmen vorhandene Beschwerden an Umfang und Intensität zu oder kommt es zur Entwicklung neuer Symptome, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Versagen einzelne Funktionssysteme des Organismus, wird ein Rettungsdienst benötigt. Bei einem Kreislaufzusammenbruch oder dem Verlust des Bewusstseins besteht akuter Handlungsbedarf. Da Lebensgefahr besteht, müssen Anwesende Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreifen und einen Notarzt rufen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung ist primär darauf ausgerichtet, dass die Vitalfunktionen gesichert werden. Während der Ansteckungsgefahr werden die infizierten Patienten auf einer Isolierstation versorgt. Es gibt bislang keine Impfung gegen das Krim-Kongo-Fieber, eine Therapie ist jedoch möglich. Diese erfolgt mit Ribavirin, einem Nukleosid-Analogon, das DNA- und RNA-Viren bekämpfen kann. Die Wirksamkeit von Ribavirin ist bislang nicht abschließend beurteilbar.


Aussicht & Prognose

Wie bei vielen Krankheiten, die bevorzugt in der Dritten Welt auftreten, hängt die auch die Prognose beim Krim-Kongo-Fieber stark von der Qualität der medizinischen Versorgung ab. Das bisher regional auftretende Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber (CCHF) wird durch Zecken übertragen.

Oftmals führt ein eher milder Krankheitsverlauf zu einer guten Prognose. Die Patienten haben in diesem Fall nur wenige Symptome. Doch das Krim-Kongo-Fieber kann auch einen schweren oder gar tödlichen Verlauf nehmen. Bisher ist Deutschland nicht vom Krim-Kongo-Fieber betroffen. Andere europäische Länder wie Griechenland, die Türkei, Albanien, Bulgarien oder Serbien haben jedoch bereits eine geringe Zahl an Betroffenen zu vermelden gehabt. Daher sind einige Todesfälle durch dieses Fieber bereits durch die europäische Presse gegangen.

Wenn die medizinische Versorgung eine fachgerechte Behandlung des Krim-Kongo-Fiebers sicherstellt, ist die Prognose recht gut. Problematisch ist jedoch, dass das Krim-Kongo-Fieber in Gegenden mit einer weniger guten Infrastruktur gelegentlich mit anderen Zecken-bedingten Erkrankungen verwechselt wird. Prekär ist, wenn das Krim-Kongo-Fieber mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder der Borreliose verwechselt wird. Bei einer solchen Fehldiagnose wird die Infektion meist falsch oder zu spät behandelt. Das verschlechtert die Prognose, vor allem bei einem schweren Verlauf des Krim-Kongo-Fiebers. Bislang gibt es keine schützende Impfung gegen das hämorrhagische Krim-Kongo Fieber. Zeckenschutz ist jedoch möglich.

Vorbeugung

Als erste und wichtigste vorbeugende Maßnahme gilt der Schutz gegen Zecken. Dieser erfolgt durch das Tragen geschlossener, heller Kleidung und durch Vergrämungsmittel. Auf diese Schutzmaßnahmen ist immer zu achten, vor allem bei einem Aufenthalt in Ländern, in denen das Vorkommen der Hyalomma-Zecken nachgewiesen ist. Es ist auf jeden Fall zu empfehlen, den ganzen Körper auf Zecken abzusuchen und gegebenenfalls die Zecken zu entfernen.

Nachsorge

Beim Krim-Kongo-Fieber sind in den meisten Fällen die Maßnahmen einer Nachsorge stark eingeschränkt. Die Krankheit muss in erster Linie schon früh von einem Arzt erkannt werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder zu weiteren Beschwerden kommt. Dabei wirkt sich eine frühe Diagnose positiv auf den weiteren Verlauf aus und kann auch eine weitere Verschlechterung der Beschwerden verhindern.

Der Betroffene sollte daher schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen des Krim-Kongo-Fiebers einen Arzt aufsuchen. Nach einer Infektion sollte der Kontakt zu anderen Menschen auf jeden Fall vermieden werden, damit es nicht zu einer Ansteckung kommt. Die Krankheit selbst wird dabei in der Regel mit Hilfe von Medikamenten behandelt.

Dabei ist immer auf eine richtige Dosierung und auch auf eine regelmäßige Einnahme zu achten, um die Beschwerden dauerhaft zu lindern. Bei Unklarheiten oder bei Fragen ist immer zuerst ein Arzt zu konsultieren. Der Betroffene sollte sich bei dieser Krankheit auf jeden Fall ausruhen und seinen Körper schonen. Von anstrengenden oder stressigen Tätigkeiten sollte abgesehen werden. Falls das Krim-Kongo-Fieber nicht rechtzeitig oder nicht ausreichend behandelt wird, kann es zu einer verringerten Lebenserwartung des Betroffenen kommen.

Das können Sie selbst tun

Bei Verdacht auf das Krim-Kongo-Fieber sollte sich der Betroffene sofort in das nächste Krankenhaus begeben. Aufgrund der Ansteckungsgefahr, müssen infizierte Patienten auf einer Isolierstation behandelt werden.

Nachdem die akute Krankheitsphase überstanden ist, gelten ähnliche Maßnahmen wie für andere Infektionskrankheiten. Der Betroffene benötigt Bettruhe, um die Nachwirkungen der Erkrankung gut zu überstehen. Außerdem sollte er viel Flüssigkeit aufnehmen und auf eine schonende Diät achten. Bewährt haben sich Wasser und Tee sowie Hühnerbrühe und Zwieback. Ein geeignetes Hausmittel ist ein Teeaufguss aus Holunderblüten, Schafgarbe und Lindenblüten, denn diese Heilpflanzen unterstützen das Immunsystem und bringen den Körper zum Schwitzen. In Rücksprache mit dem Arzt können Wadenwickel angewendet werden. Auch homöopathische Mittel wie Belladonna oder Aconitum helfen gegen die typischen Fiebersymptome.

Sollte das Krim-Kongo-Fieber nach einer Woche nicht vollständig abgeklungen sein, muss der Arzt informiert werden. Womöglich liegt eine ernste Komplikation vor, die von dem Betroffenen selbst nicht behandelt werden kann. Bei depressiven Verstimmungen kann bereits ein ausgedehntes Gespräch mit Freunden oder ein Spaziergang an der frischen Luft helfen. Im Zweifelsfall sollte ein Therapeut aufgesucht werden.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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