Ribavirin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Dass Hepatitis C (170 Millionen Infizierte weltweit) und HIV (40 Millionen Infizierte) globale Probleme darstellen, wird von kaum jemand bezweifelt. Beiden Virusinfektionen ist gemein, dass keine vollständige Heilung, sondern nur eine Abmilderung bzw. Unterdrückung des Krankheitsverlaufs möglich ist. Hierbei spielt unter anderem der Viren hemmende Wirkstoff Ribavirin eine wichtige Rolle.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ribavirin?

Ribavirin ist ein Virustatikum. Als solches gehört es zu den wenigen Wirkstoffen, die überhaupt in der Therapie gegen Viren eingesetzt werden können. Es ist seit 1993 in Deutschland unter dem Handelsnamen Virazole® (Schweiz/Österreich: Copegus®, Rebetol®) erhältlich. Zur Hepatitis C-Therapie wird es in Kombination mit Interferon alpha-2b (Intron A®) verabreicht.

Chemisch gesehen handelt es sich um den Zucker Ribose, an den ein Triazol-Carboxamid-Molekül gebunden ist. Entscheidend ist hierbei, dass Ribavirin dadurch zu einem sogenannten Nucleosidanalogon wird: Es hat eine ähnliche Struktur wie Guanosin, ein Baustein (Nucleosid), der in RNA und DNA vorkommt.

RNA ist der Erbgutsubstanz DNA sehr ähnlich und spielt unter anderem im menschlichen Stoffwechsel eine entscheidende Rolle; manche Viren besitzen RNA sogar als Erbgutmaterial.

Pharmakologische Wirkung

Ribavirin wird nach Einnahme zunächst in der Leber in Ribavirinphosphat umgewandelt. Das so entstandene Stoffwechselprodukt wirkt auf mindestens zwei Wegen virustatisch.

Zum einen bindet das Molekül an das Enzym IMP (Inosinmonophosphat-Dehydrogenase), das indirekt für die Herstellung von Guanosintriphosphat (GTP) in den Zellen verantwortlich ist. GTP ist ein Baustein jedes Viren-Erbguts. Ist davon zu wenig vorhanden, kann das Virus seine Erbsubstanz nicht vermehren; es können keine neuen Viren entstehen.

Zum anderen wird Ribavirinphosphat aufgrund seiner nucleosidähnlichen Struktur sozusagen fälschlicherweise in RNA oder DNA von Viren eingebaut. Die Vervielfältigung der Erbsubstanz wird von Enzymen namens Polymerasen vorgenommen, welche die DNA/RNA-Einzelstränge entlanglaufen und jeweils die passenden Komplementärbausteine anheften.

Gerät nun eine Polymerase an einen falschen Baustein, wird das empfindliche Wechselspiel zwischen Enzym und Erbgutstrang so gestört, dass sie ihre Aktivität einstellt und "abfällt". Man kann dies mit einer kleinen Münze vergleichen, die einen Zug zum Entgleisen bringt. Weitere Wirkmechanismen werden in der Forschung ebenfalls diskutiert.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Ribavirin ist ein Virustatikum. Als solches gehört es zu den wenigen Wirkstoffen, die überhaupt in der Therapie gegen Viren eingesetzt werden können.

Ribavirin wird neben den bereits genannten Einsatzgebieten auch bei RSV-(Respiratory-Syncytial-Virus), Influenza- und Herpesviren angewandt. Retroviren werden jedoch nicht erfasst.

Das Robert-Koch-Institut rät mittlerweile von einer Anwendung bei RSV ab, da keine eindeutige Wirksamkeit festgestellt werden konnte. Bei einigen tropischen Virusinfektionen wie dem Lassa-Fieber oder dem Krim-Kongo-Fieber könnte Ribavirin der einzige wirksame Arzneistoff sein, wobei Studiendaten auch hier einen Effekt nur in frühen Stadien der Krankheiten nahelegen.

Die Einnahme erfolgt gegen das RSV in Form eines Sprays, bei Hepatitis C und den anderen Viruserkrankungen wird das Medikament als Kapseln dargereicht. Der gleichzeitige Verzehr einer fettreichen Mahlzeit scheint die Aufnahme im Darmtrakt zu verbessern.

Schwangere Frauen sollten Ribavirin gar nicht einnehmen. Paaren mit Kinderwunsch wird eine Wartezeit von 6 Monaten nach Beendigung der Therapie empfohlen. Grund ist die möglicherweise fortpflanzungsschädigende Wirkung des Mittels (siehe unten).

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Risiken & Nebenwirkungen

Die wohl schlimmste Nebenwirkung von Ribavirin ist die hämolytische Anämie, einer Form der Blutarmut, bei der die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) zerstört werden.

Das chemisch modifizierte Stoffwechselprodukt von Ribavirin sammelt sich besonders in den Erythrozyten, weil diesen die enzymatische Ausstattung zum Entfernen der Moleküle fehlt. Wird Ribavirinphosphat nicht eliminiert, schwächt es die Zellen in ihrem Kampf gegen schädliche Moleküle (z.B. freie Radikale) derart, dass diese zerstört werden oder programmierten "Selbstmord" begehen.

Eine zweite mögliche, aber bisher nur in Tierversuchen nachgewiesene Nebenwirkung ist die Schädigung der Fortpflanzungsfähigkeit. Die oben angeführten 6 Monate Latenz rühren daher, dass Ribavirin erst nach dieser Zeit vollständig aus dem Körper ausgeschieden ist. Da Erythrozyten den Stoff anhäufen (siehe oben), muss eine ganze Lebensspanne dieser Zellart abgewartet werden.

Ribavirin sollte nicht zusammen mit Zidovudin und Didanosin eingenommen werden, da dadurch starke Nebenwirkungen wie Sauerstoffmangel durch akute Anämie und Leberschädigungen durch die mitochondriale Toxizität auftreten können.

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