Infantile Cerebralparese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Juli 2017
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Die Infantile Cerebralparese (ICP) ist eine Hirnschädigung, die sowohl vor der Geburt, als auch während des Geburtsvorgangs und danach stattfinden kann. Die Symptome sind vielfältig, eine Heilung ist nicht möglich. Jedoch können die Beschwerden durch den frühzeitigen Einsatz verschiedener Therapien abgeschwächt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine infantile Cerebralparese?

Die infantile Cerebralparese ist eine Haltungs- und Bewegungsstörung die durch einen frühkindlichen Hirnschaden verursacht wird. Die Schädigung kann bereits vor der Geburt verursacht werden, aber auch während des Geburtsvorgangs und im ersten Jahr nach der Geburt.

Infantil bedeutet „das Kind betreffend, kindlich“, cerebral kommt vom lateinischen Begriff cerebrum für „Gehirn“ und parese ist die medizinische Bezeichnung für „Lähmung“. Die Störungen der infantilen Cerebralparese sind sehr vielfältig, je nachdem welche Region im Gehirn geschädigt ist. Typisch sind eine zu starke Muskelspannung und mangelnde Bewegungskoordination.

Häufig kommt es zu Krampfanfällen, manchmal liegt eine Intelligenzminderung und Auffälligkeiten im Verhalten vor. Die infantile Cerebralparese kommt eher selten vor, nur etwa 0,5% der Neugeborenen sind davon betroffen. Bei Jungen tritt die Krankheit öfter auf als bei Mädchen; Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für infantile Cerebralparese.

Ursachen

Die infantile Cerebralparese kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, doch nicht immer kennt man die genauen Vorgänge, die zu der Hirnschädigung geführt haben. Zu den pränatalen (vorgeburtlichen) Ursachen der infantilen Cerebralparese gehören Vergiftungen durch erhöhten Alkohol- oder Medikamentenkonsum der Mutter, Infektionserkrankungen wie Toxoplasmose oder Röteln, eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind, eine Versorgungsschwäche der Plazenta oder auch Stoffwechselstörungen.

Perinatal (während der Geburt) kann infantile Cerebralparese durch Sauerstoffmangel verursacht werden, wenn beispielsweise die Nabelschnur abgedrückt wird. Aber auch durch Hirnblutungen, die bei schwierigen Geburten entstehen können, kann es zu einer infantilen Cerebralparese kommen.

Auch die Ablösung der Plazenta ist eine mögliche Ursache für die infantile Cerebralparese. Nach der Geburt (postnatal) können Infektionen oder ein Hirntrauma (Verletzung des Gehirns) die Erkrankung hervorrufen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die häufigsten Symptome der infantilen Cerebralparese sind Haltungs- und Bewegungsstörungen. Doch es treten weit mehr und sehr unterschiedliche Beschwerden bei der Erkrankung auf, je nachdem welche Gehirnareale von der Schädigung betroffen sind.

Die Ärzte sprechen hier von verschiedenen Syndromen der infantilen Cerebralparese, das heißt von mehreren gemeinsam auftretenden Symptomen. Am häufigsten ist das spastische Syndrom, bei welchem die Muskelspannung erhöht ist, Krämpfe entstehen und es zu Lähmungen kommen kann.

Beim hypotonen Syndrom der infantilen Cerebralparese ist hauptsächlich das Kleinhirn geschädigt. Das führt zu einer sehr geringen Muskelspannung mit überdehnten Gelenken; die Kinder leiden oft unter geistiger Behinderung und manchmal kommt es zu epileptischen Anfällen. Beim kongenitalen (angeborenen) Ataxie Syndrom der infantilen Cerebralparese haben die Kinder Schwierigkeiten, ihre Bewegungen zu kontrollieren und zu koordinieren. Sie haben Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen und sind in ihrer Bewegungsentwicklung verlangsamt.

Das dyskinetische Syndrom schließlich ist gekennzeichnet von einer wechselnden Muskelspannung, von spastischen Lähmungen und von sogenannten Athetosen (unkontrollierte heftige Bewegungen der Gliedmaßen). Da Bewegungs- und Haltungsstörungen auch durch andere Ursachen ausgelöst werden können, muss der Arzt das betroffene Kind genau untersuchen und eine ausführliche Anamnese erstellen. Erst durch die Ergebnisse aller Untersuchungen und durch eine genaue Beobachtung des Kindes, kann er sicher die Diagnose für infantile Cerebralparese stellen.

Komplikationen

Bei dieser Krankheit kommt es zu einer starken Beschädigung des Gehirns. In der Regel ist es nicht möglich, diese Beschwerden kausal zu behandeln, sodass für den Betroffenen nur eine symptomatische Therapie zur Verfügung steht. Die Patienten leiden dabei an starken Störungen der Bewegung und der Konzentration. Ebenso können Gleichgewichtsstörungen auftreten, die den Alltag des Betroffenen deutlich einschränken.

Die Bewegung der Muskeln ist beim Patienten ebenfalls eingeschränkt und es kommt zu Krämpfen oder zu epileptischen Anfällen. Diese können auch zum Tode führen. In einigen Fällen leiden die Patienten auch an Lähmungen oder an Spastiken. Vor allem Kinder können dadurch Opfer von Mobbing oder von Hänseleien werden. Die allgemeine Entwicklung des Kindes wird durch die Krankheit deutlich gestört und eingeschränkt.

Möglicherweise ist der Betroffene im Erwachsenenalter auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Ebenso können Sehstörungen auftreten. Auch die Intelligenz des Patienten ist in den meisten Fällen verringert. Die Behandlung zielt vor allem auf die Reduktion der Symptome ab. Allerdings ist in vielen Fällen auch die psychologische Behandlung der Eltern oder der Angehörigen notwendig.

Behandlung & Therapie

Die infantile Cerebralparese benötigt eine umfangreiche Behandlung mit Therapien aus verschiedenen Bereichen. Der Erfolg ist maßgeblich von einem frühzeitigen Beginn der Behandlungen abhängig. Die infantile Cerebralparese kann nicht geheilt werden, aber man kann das betroffene Kind bestmöglich in seiner Entwicklung und seinen Fähigkeiten unterstützen.

In der Regel wird ein Therapieplan erstellt, nach dem vorgegangen wird. Die Kinder werden gefördert durch Logopädie, Physio- und Ergotherapie. Man verbessert dadurch ihre Beweglichkeit, ihre Sprechfähigkeit und die Bewältigung ihres Alltags. Zusätzlich können Neuroleptika (nervenberuhigend) und Antispastika (gegen Verkrampfung der Muskeln) die Therapie unterstützen.

Um eine bessere Beweglichkeit zu erreichen, können Funktionsschienen, Gehhilfen und andere Hilfsmittel eingesetzt werden. Bei stark verkürzte Sehnen, übermäßigen Fehlstellungen von Gelenken oder wenn die Wirbelsäule sehr verkrümmt ist, werden bei der infantilen Cerebralparese auch operative Eingriffe vorgenommen. Dabei werden Sehnen verlängert; Nerven durchtrennt, um verkrampfte Muskeln zu entspannen; Knochen umgestellt, um Gelenke wieder in die anatomisch richtige Stellung zu bringen oder instabile (lockere) Gelenke versteift.

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Vorbeugung

Man kann gegen infantile Cerebralparese nicht vorbeugen, aber mit regelmäßigen Untersuchungen in der Schwangerschaft können krankhafte Vorgänge früh erkannt und möglicherweise behandelt werden. Ist ein Kind an infantiler Cerebralparese erkrankt, so ist zwar keine Heilung möglich, aber man kann die Symptome und die Behinderungen abschwächen, indem man frühzeitig mit der Behandlung beginnt.

Bücher über Infantile Cerebralparese

Quellen

  • Korinthenberg, R., Panteliadis, C.P., Hagel, C. (Hrsg.): Neuropädiatrie – Evidenzbasierte Therapie. Urban & Fischer, München 2014
  • Michaelis, R., Niemann, G.W.: Entwicklungsneurologie und Neuropädiatrie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010

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