Intelligenzminderung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Intelligenzminderung

Von Intelligenzminderung sind statistisch gesehen etwa drei Prozent der Bevölkerung betroffen. Unterschieden werden unterschiedliche Schweregrade von der sogenannten „Borderline-Intelligenz“ bis hin zu „schwerster Intelligenzminderung“. Es handelt sich hierbei um eine Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Intelligenzminderung?

Definiert ist Intelligenzminderung als eine unvollständige oder stehen gebliebene Entwicklung der geistigen Fähigkeiten, die das Intelligenzniveau betreffen (Sprache, Kognition, soziale und motorische Fähigkeiten). Je nach Intelligenzquotient werden verschiedene Stufen unterschieden: Bei einem IQ von 70 bis 84 wird von einer sogenannten „Borderline-Intelligenz“ gesprochen. Betroffene lernen langsamer und haben Schwierigkeiten, Schulstoff aufzunehmen.

Eine leichte Intelligenzminderung ist durch einen IQ zwischen 50 und 69 gekennzeichnet, was dem Alter eines neun- bis zwölfjährigen Kindes entspricht. Die Betroffenen können meist in Förderschulen für Lernbehinderte aufgefangen werden und sind schulfähig. Eine mittelgradige Intelligenzminderung bezeichnet einen IQ zwischen 35 und 49, was dem Intelligenzgrad von Sechs- bis Neunjährigen entspricht.

Beträgt das Intelligenzalter drei bis unter sechs Jahren (was einem IQ von 20 bis 34 entspricht), sprechen Fachleute von einer schweren Minderbegabung. Beträgt der IQ unter 20, lautet die Diagnose schwerste Intelligenzminderung, was starke Einschränkungen des Sprachvermögens, der Kontinenz und der Beweglichkeit mit sich bringt. Je nach Schweregrad benötigen die Betroffenen mehr oder weniger Fürsorge und einen geschützten Rahmen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Intelligenzminderung sind häufig nicht mehr genau feststellbar. Jedoch gibt es einige Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Minderbegabung deutlich erhöhen. Oft ist eine Intelligenzminderung genetisch-chromosomal bedingt (zum Beispiel bei Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt), ebenso sind stoffwechselbedingte Störungen denkbar.

Eine Minderbegabung kann auch die Folge eines hirnorganischen Entwicklungsdefekts sein, wie sie zum Beispiel bei Epilepsie auftritt, oder aber hormonell bedingt sein. Möglich ist es ebenfalls, dass die Mutter sich während der Schwangerschaft virale oder bakterielle Infektionen zugezogen hat (etwa Röteln) oder aber Drogen (Nikotin, Heroin), Medikamente oder Alkohol konsumiert hat beziehungsweise sich fehl- oder mangelernährt hat.

Frühgeburtlichkeit oder Geburtstraumen können gleichfalls bleibende Schäden zur Folge haben und Ursachen darstellen. In manchen Fällen tritt die Intelligenzminderung aber auch postnatal auf. Sie kann die Begleiterscheinung einer Infektion sein, wie sie die Meningitis darstellt, die durch Zeckenbisse übertragen wird. Festgestellt wurde ebenso, dass Impfschäden oder niedrige Vitamin-D-Blutwerte eine Rolle spielen können, da letztere ungünstig für die Gehirnleistung sind.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Es gibt zahlreiche Symptome, Beschwerden und Anzeichen, die auf eine Intelligenzminderung hinweisen. Allerdings ist es wichtig, diese von anderen psychischen Erkrankungen und von Demenz abzugrenzen. Dies ist Aufgabe einer sorgfältigen Diagnostik.

Generell treten bei Minderbegabung oft folgende Anzeichen auf: So weisen Betroffene häufig eine ausgesprochene Passivität und psychische Abhängigkeit auf sowie eine niedrige Frustrationstoleranz. Aus diesem Grunde sind sie sehr häufig auf Fürsorge und einen geschützten Rahmen angewiesen. Eine gestörte Impulskontrolle, Selbstverletzungen und Aggressivität können ebenfalls Hinweise auf eine Intelligenzminderung sein.

Menschen mit Minderbegabung verfügen ferner über eine verminderte Anpassungsfähigkeit an die Anforderung des alltäglichen Lebens und sind sehr oft in der verbalen und non-verbalen Kommunikation gestört, was das Zusammenleben mit der Umwelt schwierig machen kann, da sie sich häufig nur schwer verständlich machen können und ihrerseits massive Verständnisschwierigkeiten haben.

Schon einfache Aufgaben können unüberwindliche Probleme darstellen, was die Betroffenen in ihrer sozialen Entwicklung hemmen kann. Soziale Anpassungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und möglicherweise auch körperliche Symptome sind weitere Anzeichen einer Minderbegabung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um die richtige Diagnose zu stellen, stehen im Wesentlichen zwei Instrumente zur Verfügung: Dies ist zum einen der klinische Eindruck, der sich aus der Beobachtung ergibt, und zum anderen die Messung des Intelligenzquotienten durch Intelligenztests. Letztere vermitteln verlässlich Informationen über den Schweregrad der Minderbegabung.

Ist eine Intelligenzminderung vorhanden, kann diese nicht mehr aufgehoben, sondern nur in ihren Auswirkungen geringfügig gemildert werden. Die Betroffenen sind auf gute Lebens- und Arbeitsbedingungen und oft auf intensive Fürsorge angewiesen, ansonsten droht sozialer Rückzug, Vereinsamung und Isolation, da die Umwelt meist wenig Verständnis aufbringt.

Komplikationen

Die Auswirkungen und Beschwerden bei einer Intelligenzminderung hängen sehr stark von der Ausprägung dieser Krankheit ab. In der Regel wird der Alltag des Patienten durch die Intelligenzminderung erheblich erschwert. Auch die Eltern und Angehörigen leiden dabei sehr oft an psychischen Beschwerden oder an Depressionen. Die meisten Patienten sind durch diese Minderung in ihrem Denken und Handeln eingeschränkt.

Weiterhin kann es zu starken Stimmungsschwankungen oder zu Denkstörungen kommen. Im schlimmsten Fall sind die Betroffenen aggressiv und können auch ein selbstverletzendes Verhalten zeigen. Nicht selten führt eine Intelligenzminderung zu sozialen Problemen, sodass vor allem Kinder in der Schule oder im Kindergarten aus Gruppen ausgeschlossen werden. Weiterhin kann es auch zu Mobbing oder zu Hänseleien kommen.

Auch das Lernen ist durch die Intelligenzminderung deutlich erschwert, sodass der Patient im Erwachsenenalter in den meisten Fällen ebenfalls an dieser Krankheit leiden wird. Die Behandlung dieser Krankheit erfolgt durch verschiedene Therapien und Förderungen. In einigen Fällen benötigen die Patienten einen besonderen Schutz, da sie Gefahren nicht richtig einschätzen und sich dabei verletzen könnten.

Ebenso ist in einigen Fällen eine Behandlung in einer geschlossenen Klinik notwendig. Ob die Behandlung der Intelligenzminderung zu einem positiven Krankheitsverlauf führt, kann allerdings nicht universell vorausgesagt werden.

Therapie & Behandlung

Eine Behandlung der Ursache der Intelligenzminderung ist zumeist nicht mehr möglich, da diese in der Regel hirnorganisch bedingt irreversibel ist. Umso mehr Bedeutung kommt der Prävention und Vorbeugung zu. Möglich ist es aber, Betroffene während ihrer Entwicklung sehr früh zu fördern und auf diese Weise vorhandene Ressourcen zu stärken und Schwächen abzumildern. Eine gute Integration in Familien oder in speziellen Einrichtungen ist bei Fürsorgebedürftigkeit außerdem notwendig.

Betroffene haben oft einen besonderen Schutz nötig, da sie aufgrund ihrer psychosozialen Konstitution eher Gefahr laufen, vernachlässigt oder missbraucht zu werden. Je nach Schweregrad sind auch Förderschulen für Lernbehinderte geeignet, wenn eine Schulfähigkeit vorhanden ist. Minderbegabte benötigen generell optimale Lebens- und Arbeitsbedingungen, um sich bestmöglich entfalten zu können.

Während sie in vergangenen Zeiten überwiegend in Heimen untergebracht wurden, werden inzwischen andere Lebensformen gefördert. So existieren beispielsweise das Betreute Wohnen oder verschiedene integrative Therapieprogramme, die die soziale Eingliederung verbessern und Hospitalisierung vorbeugen sollen. Auf diese Weise soll den Betroffenen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden.

Sind neben der Intelligenzminderung zusätzlich Verhaltensstörungen vorhanden, kann auch eine medikamentöse Therapie Sinn machen, um den Leidensdruck für die Betroffenen und für die Umwelt zu verringern. Eine medikamentöse Therapie für die Intelligenzminderung selbst gibt es jedoch nicht. Diese kann lediglich geringfügig abgemildert, nicht jedoch aufgehoben werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Um einer Intelligenzminderung vorzubeugen, sollten zunächst Vorsorgemaßnahmen in der Schwangerschaft in Anspruch genommen werden. Viele Fehlentwicklungen können schon pränatal festgestellt und aufgehalten werden. Auch sollten werdende Mütter auf eine möglichst gesunde Lebensweise achten und auf Drogen und Alkohol in jeglicher Form verzichten.

Im Kindesalter sollten Eltern Maßnahmen zur Früherkennung von möglichen Krankheiten ergreifen, um so beizeiten eingreifen zu können. Letztlich ist Prävention bei Minderbegabung die beste Alternative, da diese später nur geringfügig verbessert, aber nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Das können Sie selbst tun

Der Betroffene kann in der Regel keine Maßnahmen ergreifen, die kausal wirken, da die Störung meist hirnorganisch bedingt und irreversibel ist. Darüber hinaus kann sich der Patient aufgrund seiner geistigen Retardierung oftmals ohnehin nicht selbst helfen. Gefordert sind stattdessen die Angehörigen und das soziale Nahfeld.

Eltern, die bei ihrem Kind Entwicklungsstörungen beobachten, sollten zeitnah handeln. Kognitive Beeinträchtigungen bei Kindern zeigen sich in der Regel dadurch, dass sich sowohl ihre motorischen als auch ihre sozialen Fähigkeiten nicht altersgerecht entwickeln. Viele betroffene Kinder zeigen außerdem eine stark verzögerte Sprachentwicklung. Der Wortschatz und die Fähigkeit, komplexe Satzgefüge zu bilden, liegen weit hinter dem Gleichaltriger zurück. Eltern sollten in solchen Fällen unverzüglich einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen abklären zu lassen. Liegt tatsächlich eine Intelligenzminderung vor, ist es wichtig, dass das Kind möglichst früh optimal gefördert wird. Mittels psychologischer und pädagogischer Maßnahmen können vorhandene Defizite nicht immer kompensiert, meist jedoch gemindert werden.

Kinder mit einer Intelligenzminderung können außerdem nur selten eine normale Schule besuchen. Da geeignete Sonderschulplätze häufig knapp sind, ist es wichtig, dass sich die Familien der Betroffenen wenigstens zwölf bis 18 Monate vor Erreichen des schulpflichtigen Alters um einen geeigneten Betreuungsplatz kümmern. Sofern sich abzeichnet, dass der Betroffene lebenslang auf ein geschütztes Umfeld angewiesen ist, sollten sich Eltern rechtzeitig über alle angebotenen Betreuungsalternativen informieren, um die bestmögliche Versorgung ihres Kindes gewährleisten zu können.

Bücher über Intelligenzminderung

Quellen

  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Kochen, M.M.: Duale Reihe. Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Thieme, Stuttgart 2012

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: