Koordinationsstörungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Oktober 2017
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Eine Koordinationsstörung fasst alle Störungen zusammen, die einen Menschen daran hindern, die Bewegungen seines Körpers richtig auszuführen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Koordinationsstörungen?

Koordination bedeutet wortwörtlich etwas zu regeln. Der Körper regelt seine Funktionen durch Koordination, sodass er je nach Situation sinnvoll genutzt werden kann. Ist die körperliche Koordination gestört, gibt es Gründe dafür, die behandelt und in den manchen Fällen behoben werden können.

Liegt eine solche Störung der Koordination vor, entsteht ein schwer zu kontrollierender und nicht mehr geordneter Ablauf von Bewegungen, der meist ein Zusammenspiel mehrerer falsch funktionierender Muskelgruppen ist.

Dieser Zustand wird als Ataxie bezeichnet. Auch die Koordination vereinzelter Muskelgruppen kann gestört sein. Als Untergruppe der Ataxie spricht man in diesem Fall von einer Asynergie. Es gibt Störungen der essentiellen und der nicht essentiellen Koordination.

Ursachen

Grundsätzlich erlernt ein Mensch seine Koordination in der Kindheit. Beispiele für erlernte Koordination wären das Erlernen des Gehens oder das Benutzen der Hände. Genauso wird Koordination durch Training und Gewohnheit erlernt. Beide Lernvorgänge müssen in gleicher Art und Weise stattfinden um die Ausführung bestimmter Bewegungen nicht zu blockieren.

Eine körperliche Ursache für eine Koordinationsstörung können Schäden am Nervensystem sein. Im Großhirn werden die beiden Körperseiten durch linke und rechte Gehirnhälfte gesteuert. Beide Gehirnhälften sind durch Nervenstränge miteinander verbunden. Meistens werden beide Hälften des Körpers gleichzeitig benutzt. Es ist beispielsweise durch Unterernährung möglich, dass eine der beiden Hirnhälften im Kindesalter unterentwickelt geblieben ist. Dies wirkt sich entsprechend auf die Koordination des Körpers aus.

Liegen Schädigungen im Kleinhirn vor, können automatische Handlungen wie Essen oder die aufrechte Haltung des Körpers nicht mehr ausgeführt werden. Wird das Gehirn durch einen Unfall verletzt, kann es dazu kommen, dass die Befehle des Gehirns an bestimmte Muskelgruppen nicht mehr ankommen. Medikamente und Drogen können die Nervenleitfähigkeit durch die Blockade der Schaltstellen an den Neurotransmittern beschädigen.

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Diagnose & Verlauf

Grundsätzlich erlernt ein Mensch seine Koordination in der Kindheit. Beispiele für erlernte Koordination wären das Erlernen des Gehens oder das Benutzen der Hände.

In der Medizin spricht man in Bezug auf Koordinationsstörungen von einer Dystonie. Die Fokale Dystonie bezieht sich auf die Störung einzelner Muskelgruppen, die Generelle Dystonie bezeichnet die Störung mehrerer Muskelgruppen.

Typische Diagnosen einer Dystonie sind der Lidkrampf, der spasmodische Schiefhals, die dsytone Stimmstörung und der Schreibkrampf. Auch die responsive Dystonie bei der zu Beginn eine Fehlstellung der Beine auftritt, ist typisch.

Oft wird die responsive Dystonie fälschlicherweise im Sinne einer orthopädischen Krankheit diagnostiziert. Da eine Koordinationsstörung in vielen Fällen den ganzen Körper betrifft, kann sie sich sehr vielfältig äußern und ist oft schwer zu diagnostizieren. Neben Problemen beim Wasserlassen, Muskelverkrampfungen, Atemnot oder Brustschmerzen, um nur einige wenige Symptome zu nennen, fühlt sich ein Erkrankter oft reizüberflutet, erschöpft, leidet unter Kopfschmerzen und Schwindel.

Eine eindeutige Diagnose wird meist nur in leichteren Fällen und bei Störungen, die vorübergehend sind, erstellt. Viele Mediziner sprechen von einer „Verlegenheitsdiagnose“, aufgrund der zahlreichen unterschiedlichen Symptome und der Schwierigkeit der genauen Beschreibung. Diese Diagnose ist schwierig zu beweisen.

Komplikationen

Koordinationsstörungen führen zu immensen Belastungen im Alltag. Die Bewegungen können nicht in der Form vorgenommen werden, wie sie im Kopf gedacht und geplant sind. Insbesondere bei unbewussten Abläufen führt das zu einer starken emotionalen und mentalen Belastung für den Betroffenen. Stress stellt sich ein, die Nerven sind strapaziert und eine Reizbarkeit ist möglich.

Das allgemeine Wohlbefinden ist deutlich herabgesetzt. In einigen Fällen droht die Berufsunfähigkeit. Die Störungen der Koordination erhöhen das Unfallrisiko. Bei einigen Menschen führt der Stress zu Herzrasen, einem erhöhten Blutdruck und Herz-Kreislauf-Problemen. Menschen mit einer Koordinationsstörung werden häufig als geistig gestört, Alkoholiker oder Drogenabhängige angesehen. Das Gefühl der Isolation stellt sich ein und kann weitere psychische Störungen auslösen.

Bei einer Behandlung der Koordinationsstörungen kommt es häufig zur Gabe von Medikamenten. Diese haben Nebenwirkungen, wie ein apathischen Verhalten, Kopf- und Magenschmerzen oder Appetitlosigkeit. Entspannungsverfahren werden durchgeführt, die von einigen Menschen als unangenehm empfunden werden.

Kommt es zu einer Therapie, die gegen den Willen des Patienten eingeleitet wird, sind die Erfolge sehr gering oder gar nicht vorhanden. Der Patient sieht selbst häufig nicht den Zusammenhang zwischen einer psychischen Problematik und körperlichen Beschwerden. Darüber hinaus stellen sich die Erfolge bei vielen Betroffenen nur langsam ein. Das führt zu einer Unzufriedenheit.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Sollten die Koordinationsstörungen vor allem nach dem Konsum von Alkohol oder anderen Drogen auftreten, so ist kein Besuch beim Arzt notwendig. In der Regel verschwinden die Koordinationsstörungen dann von selbst, wenn der Körper die jeweilige Droge abgebaut hat. Ein Arzt sollte allerdings aufgesucht werden, wenn der Drogenkonsum nicht mehr gestoppt werden kann und er sich zu einer Sucht entwickelt.

Sollten die Koordinationsstörungen nur kurzzeitig auftreten und wieder von alleine verschwinden, so ist ebenfalls kein Besuch beim Arzt notwendig. Diese können durch kurzzeitige Symptome oder andere Einflüsse auftreten und sind in der Regel ungefährlich. Eine ärztliche Behandlung ist dann notwendig, wenn die Störungen der Konzentration dauerhaft auftreten und das Leben des Patienten erschweren. In vielen Fällen können keine körperlich anstrengenden Tätigkeiten mehr durchgeführt werden. Falls es zu solch starken Einschränkungen kommt, müssen die Koordinationsstörungen durch einen Arzt behandelt werden. Die Behandlung ist auch dann notwendig, wenn neben den Koordinationsstörungen Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten.

In der Regel ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner, welcher die Ursache der Koordinationsstörungen erkennt und den Betroffenen danach zu einem Spezialisten weiterleitet.

Behandlung & Therapie

Einer Koordinationsstörung, der ein Nicht-Erlernen bestimmter Bewegungsabläufe zugrunde liegt, wird durch Krankengymnastik entgegen gewirkt. Eine Umstellung der Ernährung kann hilfreich sein. Hat die Störung medikamentöse Ursachen, werden Medikamente ab- oder ersetzt.

Es sollte darauf geachtet werden, dass Betroffene psychisch geschont werden. Bei der Behandlung einer Koordinationsstörung ist es besonders wichtig, körperliche Symptome nicht isoliert zu behandeln, sondern auch die Ursachen.

Deshalb werden medikamentöse Therapien mit Physiotherapie und Psychotherapie, genauso wie Entspannungsverfahren, kombiniert eingesetzt. Begonnen wird im Regelfall mit einer entspannenden, körperlichen Therapie.

Hilft diese nicht, wird der Patient normalerweise an einen Psychotherapeuten überstellt. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Behandlung individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt wird.

Aussicht & Prognose

Falls die Koordinationsstörungen nach dem Konsum von Alkohol oder anderen Drogen auftreten, so stellen sie keine besondere Komplikation dar und verschwindet wieder von selbst, wenn die Droge vom Körper komplett abgebaut wurde. Falls die Substanzen über einen langen Zeitraum eingenommen werden, können sie jedoch Nerven beschädigen, sodass es zu dauerhaften Koordinationsstörungen kommt.

Durch die Koordinationsstörungen kommt es in der Regel zu starken Belastungen im Alltag des Betroffenen. So können bestimmte Handlungen nicht mehr ohne Weiteres durchgeführt werden. Dies führt zu Stress und oft auch zu psychologischen Problemen. Durch die Koordinationsstörungen ist es dem Betroffenen oft nicht möglich, der Arbeit nachzugehen. Das Symptom wird auch oft von einem Herzrasen begleitet, das im schlimmsten Falle zu einem Herzinfarkt führen kann.

In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung durch die Verabreichung von Medikamenten. In vielen Fällen muss der Patient in eine Klinik eingewiesen werden, um die Koordinationsstörungen zu behandeln. Die weiteren Aussichten bei diesem Symptom hängen dabei stark vom Willen des Patienten ab, die Krankheit zu besiegen. Oft werden neben der Behandlung mit Medikamenten auch Physiotherapien eingesetzt, die in der Regel die Erfolgschancen erhöhen.

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Vorbeugung

Bei der Vorbeugung von Koordinationsstörungen ist als einziges wirksames Mittel das körperliche Training zu nennen. Es gibt speziell entwickelte Bewegungskurse, die die Koordination fördern und das Gehirn trainieren. Allerdings sind sich Ärzte einig, dass eine gezielte Vorbeugung von Koordinationsstörungen nahezu unmöglich ist.

Das können Sie selbst tun

Koordinationsstörungen können sowohl durch den Arzt als auch zu Hause nur beschränkt geheilt werden. In der Regel hängt der weitere Verlauf der Krankheit seht stark von der Ursache der Koordinationsstörungen ab. In den meisten Fällen können Koordinationsstörungen durch eine geeignete Krankengymnastik bekämpft werden. Neben der Krankengymnastik selbst kann der Patient auch zu Hause bestimmte sportliche Übungen durchführen und dabei seine Extremitäten trainieren. Dieses Training wirkt sich positiv auf die Koordinationsstörungen aus und verhindert diese ebenfalls. Vor allem im höheren Alter ist es wichtig, sich viel zu bewegen und alle Körperregionen regelmäßig zu trainieren.

Für die Heilung der Koordinationsstörungen wirkt sich eine Umstellung der Ernährung auf gesundes und fettarmes Essen in der Regel positiv aus. Falls die Koordinationsstörungen durch den Missbrauch von Alkohol und Drogen aufgekommen sind, muss die jeweilige Sucht bekämpft werden. Dies kann privat, mit Hilfe einer Selbsthilfegruppe oder in einer speziellen Klinik geschehen. In der Regel verschwinden die Koordinationsstörungen wieder, falls die Abhängigkeit besiegt wurde.

Koordinationsstörungen können durch psychische Belastungen verstärkt werden. Daher sollten sie vermieden werden. Dazu zählen vor allem Mobbing, Ausgrenzung und Depressionen. In seltenen Fällen werden Koordinationsstörungen auch vererbt. Hier gibt es leider keine Möglichkeit zur Behandlung oder zur Selbsthilfe.

Bücher über Koordinationssstörungen

Quellen

  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S., et al.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis. 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013
  • Klußmann, R., Nickel, M.: Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Springer, Wien 2009
  • Poeck, K.; Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

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