Nerven

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Ein Nerv ist ein geschlossenes, seilartiges Bündel von Nervenfasern mit einer Umhüllung aus Bindegewerbe im peripheren Nervensystem. Dieser bildet im Zusammenspiel mit anderen Nerven den Weg für elektrochemische Impulse, die entlang der Nervenfasern zu den peripheren Organen übertragen werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nerven?

Die Gesamtheit aller Nervenzellen (Neuronen) und Gliazellen (Isolation und Verbindung der Neuronen) wird als Nervensystem bezeichnet. Gehirn und Rückenmarkt bilden das Zentrale Nervensystem (ZNS), alle Nerven außerhalb des ZNS gehören zum Peripheren Nervensystem (PNS).

Die einfachsten Nerven sind unipolare Nerven - einfache Sinneszellen wie beispielsweise die der Augen, biopolare Nervenzellen hingegen übertragen sensorische Impulse. Die häufigsten Nervenzellen sind sogenannte multipolare Zellen, die vor allem im Rückenmark auftreten. Afferente Nerven leiten Signale von sensorischen Neuronen, beispielsweise den Mechanorezeptoren in der Haut, an das zentrale Nervensystem.

Efferente Nerven wiederum leiten Signale vom zentralen Nervensystem zu den Muskeln und Drüsen. Zum PNS gehören sowohl die Spinalnerven (Verbindung zum Rückenmark durch die Wirbelsäule), die Hirnnerven (Verbindung zum Hirnstamm) als auch die Nerven des Eingeweidenervensystems (Enterisches Nervensystem).

Anatomie & Aufbau

Neuronen haben spezielle Strukturen, um schnell und präzise Signale an andere Zellen zu senden. Jede Nervenzelle bildet eine schnurförmige Struktur, die aus einem Zellkörper mit Fortsätzen, sogenannten Axonen (Nervenfasern) besteht.

Innerhalb eines Nervs wird jedes Axon durch eine Schicht aus Bindegewebe (Endoneurium) umgeben. Dieses Endoneurium besteht aus einer inneren Hülle aus Glykocalix sowie einem äußeren empfindlichen Netzwerk von Kollagenfasern. Innerhalb des Endoneuriums sind die einzelnen Nervenfasern von einem Proteinliquid, ähnlich der Cerebrospinalflüssigkeit im zentralen Nervensystem, umgeben.

Die Nervenfasern sind in Gruppen (Faszikeln) gebündelt und nochmals von Bindegewebe (Perineurium) umhüllt. Das den gesamten Nerv umhüllende Bindegewebe wird als Epineurium bezeichnet. Das Wachstum der Nerven endet normalerweise in der Pubertät, kann aber mit einem molekularen Mechanismus erneut stimuliert werden.

Funktionen & Aufgaben

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau einer Nervenzelle. Klicken, um zu vergrößern.

Primäre Funktion der Nerven und des Nervensystems ist es, den Körper zu sensomotorisch zu steuern. Dies geschieht durch Extrahieren von Informationen aus der Umgebung unter Verwendung von Sinnesrezeptoren, dem Senden von Signalen, die diese Informationen in das zentrale Nervensystem kodieren, dem Verarbeiten der Information für eine angemessene Reaktion und dem Senden von Ausgangssignalen an Muskeln oder Drüsen, um die betreffende Reaktion zu aktivieren.

Selbst im Nervensystem einer einzigen Spezies wie dem Menschen existieren Hunderte verschiedener Arten von Neuronen, mit einer breiten Vielfalt von Morphologien und Funktionen. Der Austausch zwischen ihnen erfolgt in Form elektrochemischer Nervenimpulse mit Geschwindigkeiten bis zu 120 m/s.

Sie wandern von einem Neuron zum nächsten, beim Kreuzen einer Synapse wird die betreffende Nachricht von einem elektrischen Impuls zu einer chemischen Botschaft (Neurotransmitter) und anschließend wieder in einen elektrischen Impuls umgewandelt.

Die Verbindungen zwischen den Neuronen bilden neuronale Schaltkreise, die eine Wahrnehmung erzeugen und das Verhalten des Organismus bestimmen.

Krankheiten

Das Nervensystem ist ebenso wie der übrige Organismus störanfällig, ob infolge genetischer Defekte, physischer Schäden aufgrund von Traumata oder Gift, Infektionen oder einfachen Alterungsprozessen. Der medizinische Fachbereich der Neurologie beschäftigt sich mit den Ursachen von Fehlfunktionen des Nervensystems und deren Behandlung bzw. Prävention.

Im peripheren Nervensystem ist die am häufigsten vorkommende Art von Problemen ein Ausfall der Nervenleitgeschwindigkeit, die eine Vielfalt von Ursachen haben kann. Dazu gehören diabetische Neuropathie und demyelinisierende Erkrankungen wie Multiple Sklerose und amyotrophe Lateralsklerose. Ein eingeklemmter Nerv tritt auf, wenn Druck auf einen Nerv gelegt wird, beispielsweise aufgrund von Schwellungen bei einer Verletzung oder infolge einer Schwangerschaft.

Nervenschäden oder eingeklemmte Nerven sind in der Regel begleitet von Schmerzen, Taubheit, Schwäche oder Lähmung, die teilweise weit vom eigentlichen Ort der Schädigung wahrgenommen werden können. Ist ein Nerv beschädigt, treten ausstrahlende Schmerzen in allen Bereichen, aus denen die Nervenzelle einen Input erhält, auf. Diagnostiziert werden Störungen der Nerven in der Regel durch eine körperliche Untersuchung, einschließlich der Prüfung von Reflexen, Laufen und anderer gerichteter Bewegungen, Muskelreaktionen und Sensorik in Ergänzung durch ein EMG.

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