Spitzfuß

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Unter einem Spitzfuß versteht man eine entweder angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Fehlstellung im Fuß, bei welcher eine Hochstellung der Ferse vorliegt was zu Problemen im Gangbild und auf das Skelett zur Folge hat.

Inhaltsverzeichnis

Definition Spitzfuß

Beim Spitzfuß liegt ein Fersenhochstand vor, sodass nur der Ballen den Boden beim Gehen berührt. Der Spitzfuß befindet sich in einer dauerhaften Beugeposition, welche auch passiv nicht korrigierbar ist.

Der Spitzfuß wird auch als Pes equinus (Pferdefuß) bezeichnet, da fast alle Vierfüßer mit dem Ballen- bzw. Zehenbereich des Fußes auftreten. Beim Menschen ist der Spitzfuß aber nicht physiologisch, da das Körpergewicht nur auf dem Vorfuß lastet und so der stabile Stand nicht gewährleistet werden kann.

Zu Unsicherheiten im Gang kommt es außerdem durch den nicht vorhandenen Abrollvorgang.

Ursachen

Die Ursachen für einen Spitzfuß können sehr unterschiedlich sein. Zunächst kann man zwischen angeborenem und erworbenem Spitzfuß unterscheiden.

Beim angeborenen Spitzfuß liegt zum Beispiel eine Unterentwicklung des Unterschenkels oder auch eine Fehlhaltung im Mutterleib vor. Man bezeichnet den Spitzfuß in diesem Falle auch als Klumpfuß. Der Spitzfuß entwickelt sich aber meistens erst nach der Geburt, beispielsweise durch Kinderlähmung, eine Störung des Nervensystems, nach einer Verletzung des Sprunggelenks (was zu einer verkürzten Achillessehne geführt hat) oder aber durch mechanische Ursachen wie lange Bettlägerigkeit.

Meistens liegt jedoch eine gestörte Nervenfunktion vor, sodass die Wadenmuskulatur verkürzt ist oder die Nerven gelähmt sind. Ein habitueller Spitzfuß liegt vor, wenn Kinder in der Phase des Laufen Lernens zu häufig auf den Zehen gehen.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Fersenhochstand: Die Ferses des Fußes hochgestellt.
  • Gestörtes Gehen: Das Abrollen und das Gehen auf dem Hacken ist unmöglich
  • Starke Bidlung von Schwielen an den Füßen durch das gestörte Gangbild

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose fällt bei einem Spitzfuß nicht sehr schwer, da die Fehlstellung selbst für einen Laien sehr auffällig ist. Der Gang wird bei der Untersuchung ebenfalls vom Arzt untersucht sowie das passive Bewegen des Fußes.

Um die genaue Ursache zu finden benötigt man jedoch diagnostische Mittel wie Röntgenbild, Elektromyographie oder Muskelbiopsien (Entnahme von Gewebe). Nicht nur der Fuß, sondern auch die anderen Gelenke der unteren Extremität sowie die Wirbelsäule werden untersucht, um die Auswirkungen von einem Spitzfuß feststellen zu können.

Der Verlauf hängt beim Spitzfuß von der Ursache ab, zum Beispiel hat der habituelle Spitzfuß noch eine gute Prognose im Kindesalter, er bildet sich mit dem Wachstum oftmals selbst zurück. Bei anderen Spitzfuß- Arten ist der Verlauf jedoch etwas umfangreicher und länger; meist kann er nicht komplett zurückgebildet werden. Die Folge sind Probleme in Knie, Becken und Wirbelsäule.

Komplikationen

Das beim Spitzfuß veränderte Gangbild können weitere Fehlstellungen auftreten. Langfristig kann es dadurch zu Gelenkverschleiß, arthritischen Erkrankungen und anderen Komplikationen der Knochen und Gelenke kommen. Häufig bilden sich durch die ungewöhnliche Gangart sichtbare Schwielen an den Füßen. Diese sind meist mit starken Schmerzen und einem Druckgefühl verbunden und können sich selten auch zu Abszessen oder ernsten Entzündungen entwickeln.

Auf lange Sicht ruft die hohe Belastung des Kniegelenks arthrotische Gelenkveränderungen hervor. Bei Kindern kann es zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule im Lendenbereich kommen und die Hüfte kann sich verschieben. Dadurch entsteht eine funktionelle Fehlhaltung. Begleitend dazu treten oftmals chronische Schmerzen auf. Diese belasten den Betroffenen langfristig auch psychisch und können beispielsweise Depressionen auslösen.

Ein chirurgischer Eingriff kann mit Nervenschäden, Blutungen und Entzündungen verbunden sein. Nach der Operation kann es zu Wundheilstörungen, Nachblutungen und überschießender Narbenbildung kommen. Der Einsatz von Schmerzmitteln kann bei einigen Betroffenen Neben- und Wechselwirkungen sowie allergische Reaktionen hervorrufen. Bei falscher Verwendung können unter Umständen auch orthopädische Hilfsmittel Komplikationen auslösen, die das Grundleiden in vielen Fällen noch verstärken.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung bei einem Spitzfuß ist ebenfalls abhängig von der Ursache und vor allem dem Schweregrad. Wenn keine Verkürzung der Wadenmuskulatur vorhanden ist, können einfache aber konsequente aktive Bewegungen den Spitzfuß mindern.

Dies erfolgt durch physikalische Therapie. Oftmals bekommen Patienten eine Unterschenkel-Stehgipse, welche den Fuß stabilisiert und über mehrere Woche den Fuß in die normale Position zurück bringen soll. Selten wird bei einem Spitzfuß eine Operation durchgeführt, nur dann, wenn die Achillessehne verlängert werden muss aufgrund einer zu starken Verkürzung.

Vor allem erfolgreich ist diese OP bei Kindern; bei Erwachsenen wird im schlimmsten Fall eine Gelenkversteifung des oberen Sprunggelenks durchgeführt, wenn der Knorpel schon stark abgenutzt ist. Außerdem kann der Spitzfuß mit orthopädischen Schuhen behandelt werden.

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Vorbeugung

Einem Spitzfuß kann auf jeden Fall aktiv vorgebeugt werden. Auch beispielsweise bei längerer Bettlägerigkeit kann durch ausreichend Lagerung am Fußende der Fuß in der Normalstellung fixiert werden.

Krankengymnastik ist notwendig, um die verkürzte Muskulatur zu dehnen, sowohl aktiv als auch passiv. Außer bei einem Achillessehnenriss ist es wichtig, dass bei Verletzungen des Fußes dieser ebenfalls in der Neutralstellung fixiert wird, damit ein Spitzfuß vermieden werden kann.

Nach einem Riss der Achillessehne ist die richtige physikalische Therapie besonders wichtig, um den Fuß in die richtige Stellung zurück zu bringen und keinen dauerhaften Spitzfuß zu bekommen. Hierbei ist auch das Dehnen der Wadenmuskulatur die wichtigste Komponente.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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