Lernstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
Startseite » Krankheiten » Lernstörung

Eine Lernstörung ist eine Entwicklungsstörung, die bei Kindern dazu führt, dass sie in der Schule und beim sonstigen Lernen nicht mit ihren Altersgenossen mithalten können. Es werden verschiedene Arten der Lernstörung unterschieden, die alle einer entsprechenden Therapie bedürfen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Lernstörung?

Unter einer Lernstörung verstehen Experten eine kindliche Entwicklungsstörung, die sich auf schulische Fertigkeiten bezieht. Die Betroffenen haben bei ansonsten normaler Intelligenz Schwierigkeiten, mit anderen Kindern in Schule und Kindergarten mitzuhalten.

Die Lernstörung kann sich beispielsweise auf das Lesen, Schreiben oder Rechnen beziehen. Dabei muss es sich nicht immer um eine Minderung der entsprechenden Fähigkeiten handeln, sondern kann auch etwa im Falle einer Hyperlexie das deutlich verfrühte Erwerben der Lesefähigkeit bedeuten.

Unter Umständen kann eine Lernstörung auf eine Erkrankung wie das Asperger-Syndrom hindeuten. Betroffene Kinder sollten daher untersucht und angemessen therapiert werden. Oftmals ist durch solche eine Therapie eine deutliche Verbesserung der Lernfähigkeit und somit auch eine soziale Integration in den Schul- und späteren Arbeitsalltag möglich.

Ursachen

Die Ursachen für eine Lernstörung können vielfältig sein. Wie bereits eingangs erwähnt, kann es sich um eine Erkrankung wie Autismus oder das Asperger-Syndrom handeln, die zu einer derartigen Entwicklungsstörung bzw. Auffälligkeit führt.

Oftmals kann bei den betroffenen Kindern aber keine direkte Erkrankung oder Behinderung festgestellt werden. In diesen Fällen sind es meist mehrere Faktoren, die zu der Lernstörung führen. Zum einen kann das soziale Umfeld des betroffenen Kindes eine Veränderung der Lernfähigkeit zur Folge haben, etwa wenn ein übermäßiger Erwartungsdruck ausgeübt wird und das Kind aus Versagensangst nicht richtig lernen kann.

Auch die Schule selbst bzw. die anderen Mitschüler und die Lehrkraft können eine Lernstörung begünstigen, wenn sich das Kind beispielsweise nicht wohlfühlt oder Angst hat, in die Schule zu gehen. Letztendlich kann auch das Kind selbst durch biologische oder auch psychologische Faktoren für eine Lernstörung prädestiniert sein.

Typische & häufige Lernstörungen

Diagnose & Verlauf

Eine Lernstörung fällt meist dann auf, wenn die betroffenen Kinder im Vergleich zu ihren Altersgenossen auffällige Schwierigkeiten haben, in der Schule mitzukommen. Fällt der Lehrkraft eine solche Schwäche auf, sollte er die Eltern kontaktieren, damit diese Kenntnis nehmen und gegebenenfalls einen Psychologen besuchen.

Dieser kann anhand einfacher Tests herausfinden, ob und um welche Lernstörung es sich handelt. Auch die Ursachen sollten erforscht werden. Bleiben Lernstörungen unbehandelt, führen sie zu sozialer Isolation und einem schwindenden Selbstbewusstsein bei den Betroffenen. Unter Umständen schwänzen sie die Schule, um sich dem Druck nicht auszusetzen.

Ein Einstieg in ein normales Berufsleben wird in der Folge aufgrund schlechter Schulnoten erschwert. Es entsteht ein Teufelskreis, der nicht von alleine zu durchbrechen ist.

Komplikationen

Eine Lernstörung kann isoliert auftreten oder mit anderen Lernstörungen einhergehen. Beispielsweise treten Dyskalkulie und Legasthenie überdurchschnittlich oft gemeinsam auf. Darüber hinaus können sie von anderen psychischen und Verhaltensstörungen begleitet werden. Kinder mit ADHS weisen häufiger eine Lernstörung auf, die das Lesen, Schreiben oder Rechnen beeinträchtigt als Altersgenossen ohne ADHS.

Aus einer Lernstörung ergeben sich häufig Komplikationen für den Schulalltag und das Lernen insgesamt, obwohl eine spezifische Lernstörung wie Legasthenie nicht mit einer verminderten Intelligenz einhergehen muss. Kinder, denen das Lesen schwer fällt, haben oft Mühe, sich in anderen Schulfächern wissen anzueignen, zu recherchieren oder Lektüren zu lesen. Dazu benötigen sie oft mehr Zeit als ihre Schulkameraden. Ohne entsprechenden Ausgleich können diese Kinder somit bei der Benotung benachteiligt sein.

Auch mit einem entsprechenden Ausgleich wie zusätzlicher Zeit bei Tests und Prüfungen können jedoch Komplikationen auftreten. Für andere Kinder und Eltern ist es zum Teil nicht nachvollziehbar, warum ein legasthenisches Kind mehr Zeit für Aufgaben erhält. Daraus können Unmut und Neid entstehen, was die sozialen Beziehungen des Kindes in der Schule beeinträchtigen kann.

Des Weiteren können Kinder mit einer Lernstörung Ängste oder Niedergeschlagenheit entwickeln, die sich zu einer Angststörung oder zu einer Depression entwickeln können. Auch aggressives oder oppositionelles Verhalten ist möglich. Diese Komplikationen müssen bei der Behandlung zusätzlich berücksichtigt werden.

Behandlung & Therapie

Wurde eine Lernstörung diagnostiziert, ist es besonders von Bedeutung, die genaue Ursache dafür zu kennen. Liegt beispielsweise eine Erkrankung oder eine Behinderung vor, ist es möglich, dass das betroffene Kind nicht in der Lage ist, ein normales Lernverhalten an den Tag zu legen und eventuell eine speziell darauf abgestimmte Schule besuchen muss.

Ist die Lernstörung auf soziale und ähnliche Faktoren zurückzuführen, kann durch eine angemessene Therapie in vielen Fällen ein normales Lernverhalten und so auch eine reguläre Schul- und Berufslaufbahn erreicht werden. Hierbei muss besonders das Selbstvertrauen des Kindes gestärkt werden, denn nur, wenn es an die eigenen Fähigkeiten glaubt, kann es Fortschritte erzielen. Ein langsames und behutsames Vorgehen von Eltern, Lehrern und Therapeuten ist daher zwingend erforderlich.

Spezieller Nachhilfeunterricht, der auf die Anforderungen des Kindes abgestimmt ist, kann bei der Bewältigung des Lernstoffs helfen und auch dafür sorgen, dass das Kind Spaß am Lernen entwickelt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Einer Lernstörung kann nicht direkt vorgebeugt werden. Eltern sollten ihrem Kind grundsätzlich Selbstvertrauen und Spaß am Lernen vermitteln und es ohne Druck unterstützen, auch wenn Probleme auftreten. Zeigen sich die ersten Anzeichen einer Lernstörung, sollte der Kinderarzt aufgesucht werden, damit rechtzeitig mit einer entsprechenden Behandlung begonnen werden kann.

Das können Sie selbst tun

Selbsthilfegruppen, die sich mit dem Thema Lernstörungen beschäftigen, richten sich häufig an die Eltern der betroffenen Kinder. Die Selbsthilfegruppen können unterschiedlich ausgerichtet sein: Einige konzentrieren sich auf die gegenseitige emotionale Unterstützung oder besprechen allgemeine Erziehungsfragen, während andere über gezielte Maßnahmen zur Förderung der Kinder in den Mittelpunkt rücken.

Die Lernstörung führt in vielen Fällen dazu, dass das Kind sich minderwertig fühlt und kein Vertrauen in die eigenen Leistungen hat. Einige Kinder leiden in der Schule unter Mobbing. Schlechte Schulnoten, die eine Folge der Lernstörung sind, werden oft fälschlicherweise auf eine mangelnde Intelligenz zurückgeführt. Erfolgserlebnisse im Alltag können das Selbstbewusstsein wieder stärken. Dazu bieten sich Aktivitäten an, die dem Kind Freude bereiten und die es sicher beherrscht. Dazu eignen sich sowohl Sport als auch kreative Beschäftigungen, Musik und andere Freizeitbeschäftigungen. Auszeiten und Phasen ohne jeglichen Leistungsdruck sind ebenfalls wichtig. Das Kind sollte in keinem Fall auf seine Lernstörung reduziert werden.

Angststörungen und Depressionen können leicht gedeihen, wenn das Kind zu versagen glaubt. Auch dabei können Selbsthilfemaßnahmen und Veränderungen im Alltag positive Auswirkungen haben – allerdings sollte eine mögliche Depression, Angststörung oder andere psychische Störung auch durch eine ausgebildete Fachkraft behandelt werden, zum Beispiel durch einen Pädagogen oder Kinder- und Jugendtherapeuten.

Bücher über Legasthenie

Quellen

  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Kochen, M.M.: Duale Reihe. Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Thieme, Stuttgart 2012
  • Mader, F., Weißgerber, H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Heidelberg 2014

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: