Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche, LRS)

Etwa 4 Prozent aller Schüler in Deutschland sind von einer Legasthenie betroffen, mit einem Verhältnis von 3:2 deutlich mehr Jungen als Mädchen. Wie ist die Lese-Rechtschreib-Schwäche definiert? Welche Ursachen liegen ihr zugrunde und mit welchen Maßnahmen lässt sich die Legasthenie therapieren?

Inhaltsverzeichnis

Definition Legasthenie

Bei einer Legasthenie, auch Lese-Rechtschreib-Schwäche oder LRS genannt, handelt es sich um eine Teilleistungsstörung. Die Lese-Rechtschreib-Leistungen liegen deutlich unter dem Niveau, das aufgrund der Intelligenz, des Alters und der Beschulung zu erwarten wäre.

Als Symptome der Lesestörung treten Defizite im Lesetempo, in der Lesegenauigkeit sowie im Leseverständnis auf: Buchstaben werden ausgelassen, hinzugefügt oder verdreht, die Lesegeschwindigkeit ist sehr niedrig und Gelesenes kann nicht wiedergegeben werden.

Die Rechtschreibstörung äußert sich unter anderem in Form von Verdrehungen der Buchstaben. So wird das b häufig als d, das p als q oder das u als n verschriftet. Ebenso ist das Auslassen oder Umstellen von Buchstaben oder das Einfügen falscher Buchstaben häufig.

Typisch für die Legasthenie ist die Fehlerinkonstanz: Bei den Fehlern gibt es also keine Systematik, sondern dasselbe Wort wird auf unterschiedliche Weise fehlerhaft geschrieben.

Ursachen für Legasthenie

Als Ursache der Legasthenie ist insbesondere eine unzureichende phonologische Bewusstheit anzusehen. Diese bezieht sich auf die Fähigkeit, Silben zu erkennen oder ein Wort in seine lautlichen Bestandteile zu zergliedern.

Kindern, die eine Legasthenie aufweisen, fällt es beispielsweise oftmals schwer, ein Wort in seine Silben zu zerlegen oder herauszuhören, mit welchem Laut ein Wort beginnt.

Als weitere Ursache der Legasthenie werden Defizite in der visuellen oder auditiven Informationsverarbeitung angenommen. So bereitet es etwa 60% aller Kinder, die unter einer Legasthenie leiden, Probleme, ihren Blick zuverlässig willentlich zu steuern.

Als Ursache ist zudem die genetische Veranlagung zu nennen: Die familiäre Häufung einer Legasthenie konnte in verschiedenen Studien belegt werden. Liegt bei einem Kind eine Legasthenie vor, sind auch 52 bis 62% seiner Geschwister betroffen.

Typische Symptome bei Legasthenie

  • Leseschwäche (Dyslexie)
  • Rechtschreibschwäche (Agraphie)

Diagnose und Verlauf bei Legasthenie

Besteht der Verdacht auf Legasthenie, sollten zunächst ein HNO-Arzt sowie ein Augenarzt aufgesucht werden, um Beeinträchtigungen des Hörens und Sehens ausschließen zu können.

Um eine Legasthenie diagnostizieren zu können, werden ein Intelligenztest sowie ein Lese-Rechtschreib-Test durchgeführt. Besteht eine deutliche Abweichung zwischen Intelligenzquotient und Lese-Rechtschreib-Leistung, liegt eine Legasthenie vor. Hierbei muss der im Lese-Rechtschreib-Test ermittelte Wert mindestens 1,2 Standardabweichungen unterhalb des Intelligenztestwertes liegen.

Das Niveau der Lese-Rechtschreib-Entwicklung bleibt unbehandelt sehr stabil. Oftmals treten bei einer Legasthenie im Laufe der Zeit Begleiterscheinungen wie Zeichen der Schulangst, Disziplinschwierigkeiten oder depressive Verstimmungen auf.

Behandlung von Legasthenie

Je nach Schweregrad der Legasthenie kann eine Einzeltherapie oder eine Förderung in Kleingruppen in einem Legasthenie-Institut sinnvoll sein. Für die Therapie ist das Arbeiten an der „Nullfehlergrenze“, also das Vorgehen vom Leichten zum Schweren, kennzeichnend, sodass das Kind Erfolgserlebnisse verzeichnen kann.

Der Aufbau von Regelwissen ist ebenso Bestandteil der Legasthenie-Therapie wie das Zusammenlesen einzelner Buchstaben. Empirisch bewährt haben sich als Trainingsprogramme bei einer Legasthenie unter anderem das Marburger Rechtschreibtraining oder der Kieler Leseaufbau. Treten psychische Symptome als Begleitstörungen auf, kann eine Psychotherapie angezeigt sein.

Nach fachärztlicher Diagnostik einer Legasthenie kann im schulischen Bereich ein Nachteilsausgleich gestellt werden. Dieser setzt fest, dass bei einem Kind, das von Legasthenie betroffen ist, Rechtschreibfehler nicht in die Notenbewertung einfließen und bei Proben ein Zeitzuschlag gewährt wird.

Rezeptfreie Medikamente gegen Nervosität und Unaufmerksamkeit

Hier Informieren:

Vorbeugung von Legasthenie

Die phonologische Bewusstheit, der eine hohe Vorhersagekraft für die Entstehung einer Legasthenie zukommt, kann bereits im Vorschulalter durch Tests wie das Bielefelder Screening erhoben werden. Risikokindern, also solchen Kindern, die im Vergleich mit ihrer Altersgruppe schlecht abschneiden, lässt sich mit Förderprogrammen begegnen.

Durch eine entsprechende Früherkennung und Frühförderung lassen sich spätere Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten verhindern oder zumindest abschwächen. Allgemein dienen auch Sing- und Reimspiele oder Abzählverse der Förderung der phonologischen Bewusstheit. Spiele wie „Ich sehe was, was du nicht siehst und das beginnt mit A“ bereiten den Kindern Spaß und helfen gleichzeitig, einer Legasthenie vorzubeugen.

Bücher über Legasthenie

Weitere Infos

  • ADHS - Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

War der Artikel hilfreich oder lesenswert? Bewerten Sie hier!

Rating: 4.5/5 (2 Stimmen abgegeben)

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche, LRS)?

Name oder Pseudonym:
E-Mail (optional):
(Wird nicht angezeigt. Nur notwendig, wenn Antwort erwünscht wird.)
Kommentar:
(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Sprungtuch kommentierte am 05.02.2012 um 18:54 Uhr

Soweit ich weiß, sind es mehr als 4% aller Grundschüler, die Lese-Rechtschreibschwierigkeiten aufweisen. Mit einer entsprechenden Fehleranalyse, die bei uns kostenlos erstellt wird (auch online), kann man sehr früh eruieren, ob ggf. eine LRS vorliegt und wie man adäquat helfen kann. Einfach anrufen unter 02162 - 450 463. Herzliche Grüße, E.-M. Weiner, sprungtuch.de

Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schw%C3%A4che, LRS)