Hüftdysplasie (Hüftluxation)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Juni 2017
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Eine Hüftdysplasie, Hüftverrenkung oder Hüftluxation ist eine Fehlstellung des Hüftgelenks, bei welcher der Gelenkkopf nicht stabil in der Hüftpfanne liegt. Frühzeitig behandelt kann die Hüftdysplasie vollständig ausheilen. Sie kann mit den richtigen Maßnahmen verhindert werden, auch wenn eine genetische Veranlagung dazu besteht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hüftdysplasie?

Die Hüftdysplasie ist eine fehlerhaft angelegte oder in ihrer Entwicklung gestörte Hüftgelenkspfanne. Dabei ist das sogenannte Hüftpfannendach entweder nicht richtig ausgebildet oder nicht ausreichend verknöchert, sondern noch knorpelig und weich.

Dadurch findet der Kopf des Oberschenkelknochens keinen Halt in der Hüftgelenkspfanne, was zu einer Fehlstellung und Ausrenkung (Hüftluxation) führen kann. Die Hüftdysplasie ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen am Skelett, sie tritt bei ungefähr 4% aller Neugeborenen auf. Die fehlerhafte Hüftgelenkspfanne bildet sich meistens beidseitig, manchmal kommen auch einseitige Fehlbildungen vor.

Mädchen sind etwa 4-6 Mal öfter davon betroffen als Jungen. Die Hüftdysplasie bildet sich meistens erst nach der Geburt deutlich sichtbar aus. Wird sie nicht behandelt, so kann sich in späteren Jahren eine Hüftarthrose (Gelenkverformung) entwickeln.

Ursachen

Die genauen Ursachen der Hüftdysplasie sind noch nicht bekannt. Es gibt verschiedene Ansätze zur Entstehung der Fehlbildung und man unterscheidet genetische, mechanische und hormonelle Ursachen. Liegen innerhalb einer Familie mehrere Fälle von Hüftdysplasie vor, so geht man von einer genetischen Veranlagung aus.

Mechanische Ursachen werden in beengten Raumverhältnissen in der Gebärmutter vermutet, wie das beispielsweise bei Mehrlingsschwangerschaften der Fall ist. Auch eine ungünstige Lage des Embryos, besonders die Steißlage, stellt ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung einer Hüftdysplasie dar und gehört ebenfalls zu den mechanischen Auslösern.

Als weitere mögliche Ursache wird die hormonelle Umstellung im Körper einer Schwangeren betrachtet. Während einer Schwangerschaft bilden sich Hormone, die zur Lockerung des Beckenrings der Mutter führen. Diese Wirkung kann auch auf den weiblichen Fötus übergehen, was die Tatsache erklärt, dass wesentlich mehr Mädchen an Hüftdysplasie leiden als Jungen.

Als weitere mögliche Ursachen werden ein erhöhter Blutdruck der Mutter während der Schwangerschaft und eine zu geringe Menge an Fruchtwasser in der Gebärmutter in Betracht gezogen.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Fehlstellung des Hüftgelenks
  • Hüftgelenk ist instabil (Ortolani-Zeichen)
  • der Hüftkopf lässt sich ein- und ausrenken (Barlow-Zeichen)
  • an den hinteren Oberschnenkeln finden sich oft symmetrische Faltenstrukturen
  • das gestörte Hüftgelenk kann nur schwer gespreizt werden
  • Verkürzung des dazugehörigen Beines, meist nur scheinbar

Diagnose & Verlauf

Die Hüftdysplasie kann bei der Geburt bereits deutlich vorhanden sein oder sich erst danach ausbilden, was wesentlich häufiger vorkommt. Typische Symptome sind ein instabiles Hüftgelenk (Ortolani Zeichen) und asymmetrische Falten auf der Rückseite der Oberschenkel.

Das betroffene Bein wirkt kürzer und der Hüftkopf lässt sich leicht aus der Gelenkpfanne und wieder zurück schieben (Barlow Zeichen). Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) lässt sich die Hüftdysplasie sichtbar machen und der Arzt kann erkennen, inwieweit das Pfannendach verknöchert ist.

Auch eine Röntgenaufnahme zeigt deutlich eine bestehende Hüftdysplasie, wird aber in der Regel nicht zu rein diagnostischen Zwecken eingesetzt, sondern vielmehr zur Dokumentation des Behandlungsverlaufs und um zu kontrollieren, ob bereits ein Gelenkabbau stattgefunden hat.

Wird die Hüftdysplasie gleich nach der Geburt festgestellt, so sind die Heilungschancen am größten. Wird die Fehlbildung nicht erkannt, so kann es mit der Zeit zu Durchblutungsstörungen kommen und das Knochengewebe des Hüftkopfs kann geschädigt werden und in Folge davon absterben.

Komplikationen

Durch die Hüftdysplasie kommt es in der Regel zu einer Fehlstellung im Hüftgelenk. Diese Fehlstellung ist dabei in den meisten Fällen mit starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verbunden und führt damit immer zu einer verringerten Lebensqualität des Patienten. Dabei fühlt sich das Hüftgelenk selbst sehr instabil an und lässt sich damit sehr einfach ausrenken.

Dies kann vor allem bei leichten Stößen oder ruckartigen Bewegungen auftreten und damit den Alltag des Betroffenen einschränken. Die Schmerzen aus der Hüfte können sich auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und auch dort zu Beschwerden führen. Nicht selten führen dauerhafte Schmerzen zu Depressionen und anderen psychischen Beschwerden oder Verstimmungen. In der Regel wird auch eines der Beine verkürzt. Bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung kann die Hüftdysplasie relativ gut und komplett behandelt werden.

Es kommt dabei auch nicht zu weiteren Komplikationen oder anderen Beschwerden. Mit Hilfe verschiedener Therapien kann das Gelenk wieder stabilisiert werden, sodass die Beschwerden vollständig verschwinden. Nur in schwerwiegenden Fällen ist dabei ein operativer Eingriff notwendig. Die Lebenserwartung wird durch die Hüftdysplasie nicht beeinflusst. Allerdings ist der Betroffene möglicherweise in der Durchführung verschiedener Sportarten in seinem Leben eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Hüftdysplasie richtet sich danach, wie schwer sie ausgebildet ist. Besteht nur eine leichte Fehlbildung, so genügt meist schon eine spezielle Wickeltechnik mit extra breiten Windeln oder das Anlegen einer Spreizhose.

Durch diese Maßnahmen wird die Hüfte gebeugt und die Beine werden abgespreizt, was dazu führt, dass sich der Gelenkkopf tief in die Hüftpfanne schiebt und das Gelenk stabilisiert wird. Begleitend werden physiotherapeutische Übungen empfohlen. Springt der Hüftkopf immer wieder aus der Pfanne, so werden Bandagen oder Schienen angebracht, um den Gelenkkopf stabil in der Pfanne zu halten. In manchen Fällen wird das Gelenk mit einer Gipsschiene ruhiggestellt.

Mit diesen Behandlungen heilen leichte Hüftdysplasien oft schon während des ersten Lebensjahres aus. Wird die Hüftdysplasie erst spät diagnostiziert und hat die Fehlstellung schon Schäden am Knochen verursacht, dann ist meist eine Operation nötig, um das Gelenk wieder in die richtige Lage zu bringen und es zu stabilisieren.

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Vorbeugung

Die meisten Hüftdysplasien bilden sich erst nach der Geburt aus. Um dies zu vermeiden, genügen oft schon einfache Maßnahmen. So sollte man das Hüftgelenk eines Babys nicht zu früh strecken. Die natürliche Haltung ist die Beugestellung, in welcher das Hüftgelenk vollends ausreifen kann. Daher ist es zu vermeiden, das Baby zu früh und zu oft in die Bauchlage zu bringen, da hierbei die Hüfte gestreckt wird. Dagegen unterstützt das Tragen des Babys in einem Tuch die richtige Haltung, um einer Hüftdysplasie vorzubeugen.

Bücher über Hüftdysplasie

Quellen

  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wirth, C.J. et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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