Hepatomegalie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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Der medizinische Fachausdruck Hepatomegalie bezeichnet eine abnorme Vergrößerung der Leber. Eine Hepatomegalie wird oft durch eine Lebererkrankung verursacht. Aber auch Erkrankungen anderer Organe können eine Leberschwellung zur Folge haben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hepatomegalie?

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers. Sie ist wichtig für den Abbau und die Ausscheidung von verschiedenen Stoffen, produziert lebensnotwendige Eiweißstoffe und verwertet viele Nahrungsbestandteile. Das Organ liegt im rechten Oberbauch und wiegt beim erwachsenen Menschen zwischen 1,4 und 1,9 Kilogramm.

Im gesunden Zustand hat die Leber eine weiche Struktur und ist bei schlanken Menschen unter dem rechten Rippenbogen gut tastbar. Bei einer Hepatomegalie ist die Leber vergrößert. Je nach Ausmaß kann die Leber dann sogar sichtbar werden oder ist auch bei adipösen Patienten tastbar. Eine Hepatomegalie kann viele Ursachen haben und ist somit keine Erkrankung, sondern ein Untersuchungsbefund.

Ursachen

Eine Lebervergrößerung kann viele Ursachen haben. Generell kann die Leber sich bei einer Entzündung vergrößern. Eine Entzündung der Leber wird als Hepatitis bezeichnet. Eine Hepatitis mit Lebervergrößerung kann beispielsweise durch Virusinfektionen verursacht werden. Viren sind für die Hepatitis A bis Hepatitis E verantwortlich. Auch eine Infektion mit dem Pfeifferschen-Drüsenfieber, einer Erkrankung, die durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst wird, kann durch eine Entzündung der Leber zu einer Leberschwellung führen.

Weitere Viren die eine Lebervergrößerung bedingen können, sind das Zytomegalie-Virus oder Coxsackie-Viren. Natürlich können auch Infektionen mit Bakterien zu einer Hepatomegalie führen. Insbesondere Leptospiren, Brucellen und Salmonellen kommen hier infrage. Bei einer Leberschwellung sollte zudem auch an einen Parasitenbefall gedacht werden. Leberschwellungen treten häufig in Zusammenhang mit der Amöbenruhr oder einer Malaria-Infektion auf. Die toxische Hepatitis wird in der Regel durch Alkohol verursacht.

Infolge von übermäßigem Alkoholkonsum baut die Leber immer mehr Fette in ihre Zellen ein. Nach und nach entsteht so eine Fettleber. Entzünden sich die verfetteten Leberzellen, so spricht man von einer alkoholbedingten Fettleberhepatitis. Eine Fettleberhepatitis kann aber auch in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder Adipositas auftreten.

Auch ohne Entzündung verursacht die Fettleber durch die starke Fetteinlagerung eine Lebervergrößerung. Des Weiteren können Speicherkrankheiten wie die Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose oder spezielle Formen der Stoffwechselerkrankung Porphyrie eine Hepatomegalie bedingen. In der Leber wird in kleinen Gängen die Gallensäure gebildet. Diese fließt dann über die abführenden Gallengänge in die Gallenblase und den Darm.

Kommt es zu Abflussbehinderungen zum Beispiel durch Gallensteine, in der Schwangerschaft oder durch ein Pankreaskopfkarzinom, welches auf die Gallengänge drückt, resultiert daraus ein Rückstau der Gallensäuren bis in die Leber. Dies kann eine Hepatomegalie zur Folge haben. Eine Hepatomegalie kann auch Symptom einer Rechtsherzschwäche beziehungsweise Rechtsherzinsuffizienz sein. Die rechte Herzkammer ist hier nicht mehr in die Lage, das aus dem Körper stammende venöse Blut weiter in die Lunge zu pumpen. Dadurch staut sich das Blut in den Körperkreislauf zurück.

Dies kann zu einer sogenannten Stauungsleber mit Lebervergrößerung führen. Auch Verschlüsse der unteren Hohlvene oder Aussackungen der Leberarterie verursachen einen Blutstau mit der Folge einer Lebervergrößerung. Bei einer Hepatomegalie sollte immer auch an einen primären Lebertumor oder an Lebermetastasen gedacht werden.

Typische & häufige Lebererkrankungen

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnosestellung tastet der Arzt zunächst den Bauchraum ab, um das Ausmaß der Lebervergrößerung abzuschätzen. Dabei kann er auch die Konsistenz der Leber beurteilen. Bei einer Hepatitis oder einer gestauten Leber ist die Konsistenz eher weich, bei einem Tumor eher derb. Eine Gelbfärbung der Haut, sichtbare Erweiterungen von Gefäßen oder gerötete Handinnenflächen weisen auf eine Lebererkrankung hin, wohingegen beispielsweise geschwollene Beine eher für eine Rechtsherzinsuffizienz sprechen.

Auf die körperliche Untersuchung folgt eine Analyse des Blutes. Dabei werden die Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit (BSG), die Leberenzyme (z.B. GOT und GPT) sowie die Blutgerinnung bestimmt. Auch ein Differentialblutbild wird angefertigt. Zur routinemäßigen Abklärung einer Hepatomegalie gehört auch eine Sonographie des Bauchraumes. Bei Verdacht auf spezielle Erkrankungen wie Tuberkulose oder Sarkoidose als Auslöser der Hepatomegalie kann eine Leberbiopsie erforderlich sein. Hierbei wird bei einer Leberpunktion Gewebe entnommen und im Labor untersucht.

Komplikationen

Durch die Hepatomegalie kommt es zu einer starken Vergrößerung der Leber. Dabei kann es zur Verschiebung oder Quetschung der anderen Organe kommen, sodass diese ebenso beschädigt werden. In der Regel tritt die Hepatomegalie nicht als einzelnes Symptom auf, sondern ist eine Beschwerde der Leberzirrhose oder des Leberversagens. Durch die Beschwerden an der Leber tritt in den meisten Fällen eine Gelbsucht auf und die Innenflächen der Hände des Patienten färben sich dabei rot.

Auch die Beine können durch die Krankheit anschwellen und dabei schmerzen. Die Lebensqualität des Patienten wird durch diese Krankheit eingeschränkt. Es ist allerdings keine allgemeine Voraussage der Komplikationen oder Beschwerden möglich, da diese von der Art und Stärke der Vergrößerung abhängen. Nicht selten sind allerdings auch die Nieren von der Hepatomegalie betroffen.

Die Behandlung der Krankheit erfolgt ohne Komplikationen mit Hilfe von Antibiotika. Dabei kommt es schon nach einigen Wochen zu einem positiven Krankheitsverlauf. Weitere Beschwerden treten dabei nicht ein. Gegebenenfalls muss der Betroffene den Konsum von Alkohol vermeiden. Bei einer richtigen und frühzeitigen Behandlung kommt es durch die Hepatomegalie nicht zu einer verringerten Lebenserwartung.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Anzeichen einer Gelbsuch bemerkt werden, oft verbunden mit Hautjucken und Schmerzen im rechten Oberbauch, liegt unter Umständen eine Hepatomegalie zugrunde. Medizinischer Rat ist gefragt, wenn die Beschwerden länger als eine Woche bestehen bleiben und im Verlauf an Intensität zunehmen. Falls weitere Symptome hinzukommen, ist ebenfalls ein Arztbesuch angeraten. So müssen Allgemeinsymptome wie ein rasches Völlegefühl, Müdigkeit oder ein generelles Unwohlsein in jedem Fall abgeklärt werden.

Bleibt die Hepatomegalie unbehandelt, können sich ernste Komplikationen wie Quetschungen anderer Organe oder chronische Schmerzen einstellen. Besonders gefährdet sind Personen, die an einer Fettleber und anderen Erkrankungen der Leber leiden. Eine Hepatomegalie kann sich außerdem durch stauungsbedingte Beschwerden wie eine Rechtsherzinsuffizienz oder Tumoren entwickeln. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, sollte genannte Symptome rasch abklären lassen. Neben dem Hausarzt kann ein Facharzt für Lebererkrankungen (Hepatologe) oder Spezialisten für innere Medizin aufgesucht werden. Bei starken Beschwerden wird am besten direkt ein Facharzt oder das nächstgelegene Krankenhaus aufgesucht.

Therapie & Behandlung

Die Therapie der Hepatomegalie erfolgt durch die Behandlung der Grunderkrankung. Akute virale Hepatitiden heilen in der Regel von alleine aus. Auf eine leberschonende Kost und ausreichende Ruhe sollte geachtet werden. Insbesondere die Hepatitis C neigt allerdings zur Chronifizierung. Deshalb kommen hier Interferon und andere virushemmende Medikamente zum Einsatz.

Bakteriell bedingte Leberentzündungen werden mit Antibiotika therapiert. Ist die Leberentzündung durch Alkoholabusus verursacht, so gilt striktes Alkoholverbot. Bei einer vergrößerten Fettleber, die nicht durch Alkohol bedingt ist, gilt es die Ursache zu finden und zu behandeln. Adipöse Patienten sollten abnehmen, bei Patienten mit Diabetes mellitus muss der Blutzuckerspiegel optimal eingestellt werden.

Liegt der Lebervergrößerung eine Rechtsherzschwäche zugrunde, werden ACE-Hemmer, Diuretika oder Beta-Blocker zur Entlastung des Herzens eingesetzt. Rauchen und Alkohol sollten Tabu sein, Stress und Gewicht reduziert werden.

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Vorbeugung

Einer Hepatomegalie lässt sich nur bedingt vorbeugen. Zum Schutz vor Hepatitis A und Hepatitis B stehen Impfungen zur Verfügung. Andere virale oder bakterielle Infektionen können nur schwer verhindert werden. Hilfreich ist sicherlich ein stabiles Immunsystem. Einer alkoholbedingten Fettleberhepatitis kann durch Alkoholkarenz vorgebeugt werden. Zur Prävention einer Fettleber empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels und ausreichend Bewegung sowie eine gesunde Ernährung zur Vorbeugung von Übergewicht.

Das können Sie selbst tun

Die Hepatomegalie kann nicht direkt durch Mittel der Selbsthilfe behandelt werden. Die Betroffenen sind auf die Hilfe und Behandlung eines Arztes angewiesen.

In einigen Fällen kann der Erkrankung auch durch Hepatitis A und B Impfungen vorgebeugt werden. Allerdings wird dabei kein vollständiger Schutz garantiert. Ebenso kann sich ein starkes Immunsystem sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung auswirken. Sollte der Betroffene an einer Alkoholabhängigkeit leiden, so muss diese sofort beendet werden. Hierbei kann auch ein Entzug notwendig sein, welcher in einer Klinik durchgeführt werden kann. Dabei wirkt sich die Unterstützung von Freunden und der Familie positiv auf den Erfolg des Entzuges aus. Auch eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels und eine gesunde Lebensweise mit einer gesunden Ernährung kann der Erkrankung vorbeugen.

Die ärztliche Behandlung erfolgt mit Hilfe von Antibiotika und weiteren Medikamenten. Dabei sollten mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten durch den Arzt abgeklärt werden. Weiterhin sind regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen der Leber und der anderen Organe notwendig.

Bücher über Lebererkrankungen

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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