Bandwurm

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. Dezember 2017
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Von Spulwürmern, Bandwürmern und Madenwürmern bei Kindern handelte der erste Teil dieses Artikelreihe über Würmer und Parasiten beim Menschen. Dieser Beitrag soll unsere Leser über die Bandwürmer informieren, die ebenfalls bei uns vorkommen. Über Trichinen informiert Sie, dieser Artikel: Trichinen

Inhaltsverzeichnis

Der Bandwurm

Bei den Bandwürmern unterscheiden wir vier Arten: den Rinder-, Schweine-, Fisch- und Hundebandwurm. Am verbreitetsten ist der Rinderbandwurm. Man schätzt den Befall der ganzen Menschheit auf etwa 50 Millionen. Für deutsche Verhältnisse wird in letzter Zeit eine Infektion von 0,5 Prozent der Bevölkerung angegeben. Schweine-, Fisch- und Hundebandwurm sind bei uns selten.

Die Bandwürmer gehören zu den Plattwürmern. Sie weisen eine sehr verschiedene Größe auf. Während der Hundebandwurm nur wenige Millimeter groß wird, kann der Fischbandwurm bis zu 12 Metern Länge erreichen. Bandwürmer bestehen aus einem Kopf mit Saugnäpfchen, mit denen sie sich im Darm festhalten und einem Leib, der unter Umständen bis zu einigen tausend Einzelgliedern zählen kann.

Es handelt sich um zweigeschlechtliche Tiere (Zwitter), bei denen die Befruchtung innerhalb des Wurmes selbst stattfindet. Die so entstehenden Eier gelangen mit den sich immer wieder abstoßenden Gliedern rasch nach außen. Durch den Zerfall der Glieder werden die Eier frei und können von anderen Lebewesen, zum Beispiel Rind, Schwein, Fisch oder Hund, die als Zwischenwirt dienen, verschluckt werden.

Bandwürmer leben als Parasiten im Darm des Menschen oder anderer Wirbeltiere. Es gibt viele verschiedene Bandwurmarten. Jede Art kann unterschiedliche Beschwerden hervorrufen, wobei nur weniger Arten für den Menschen zur Gefahr werden könne. Im Bild, der Kopf eines Bandwurmes. Klicken, um zu vergrößern.

Die in den Eiern befindlichen Larven durchbohren die Darmwand und gelangen mit dem Blutstrom in die verschiedenen Organe. Hier wachsen sie heran und werden nun als Blasenwurm oder Finne bezeichnet.

Diese Finnen vergrößern sich langsam, können aber nie zum geschlechtsreifen Tier werden. Hierzu müssen sie erst von einem Endwirt, dem Menschen, verschluckt werden. Im menschlichen Darm zerreißen dann die Blasen, und aus dem Kopf, der in jeder Finne steckt, bildet sich ein Bandwurm, der meist in ungefähr 70 Tagen ausgewachsen ist. Während Rinder-, Schweine- und Fischbandwurm sich nur im menschlichen Organismus fortpflanzen können, kommt der Hundebandwurm nur als Blasenform oder Finne im menschlichen Körper vor. Er kann in diesem Stadium beträchtliche Ausmaße erreichen und kopfgroß werden. Man nennt ihn dann Echinokokkus.

Infektion & Symptome

Bandwürmer haben oft eine erhebliche Lebensdauer, die bis zu 20 Jahren betragen kann. Unter Umständen können sogar mehrere Bändwürmer bei einem Menschen vorkommen. Die Übertragung dieser Würmer geschieht durch den Genuß von rohem, mit Finnen verunreinigtem Fleisch oder schlecht gekochtem bzw. zu wenig geräuchertem Fisch, der ebenfalls verseucht ist.

Der Genuß von einwandfreiem Fleisch und Fisch kann keinen Bandwurmbefall verursachen. Die Finnen gelangen in den Darm des Menschen und entwickeln sich dort zu Bandwürmern. Die Eier des Hundebandwurms werden übrigens durch unhygienischen Umgang mit bandwurmverseuchten Hunden auf den Menschen übertragen.

Bandwürmer führen zu den verschiedensten Krankheitserscheinungen. Man kann sowohl Heißhunger wie Appetitlosigkeit beobachten, ferner Erbrechen, Übelkeit, Durchfall und Verstopfung, Kopfschmerzen und Druckgefühl im Leib. Die Betroffenen können erheblich abmagern. Der Fischbandwurm scheidet einen Giftstoff ab, der in manchen Fällen zu schwerer Blutarmut führt. Die großen Finnenblasen des Hundebandwurms können geschwulstähnliche Erscheinungen verursachen.

In schweren Fällen kann es zu einem Darmverschluss kommen. Ein Ileus äußert sich durch eine stark verhärtete Bauchdecke, Krämpfe und Bauchschmerzen. Des Weiteren können Bandwürmer Appetitlosigkeit oder Heißhunger hervorrufen. Dadurch kann es zu Gewichtsproblemen kommen – meist tritt ein Gewichtsverlust auf. Ein Fischbandwurm kann zu einer Blutarmut führen.

Diese äußert sich durch körperliche und geistige Funktionsstörungen, aber auch durch äußerliche Anzeichen wie Blässe, Schweißausbrüche und eingefallene Augenhöhlen. Meist treten auch Schwindel, Sehstörungen und weitere Beschwerden auf, die im Verlauf der Erkrankung an Intensität zunehmen. Eine Infektion mit dem Hundebandwurm äußert sich durch die charakteristischen Blasen, die Geschwülsten gleichen und starke Druckschmerzen hervorrufen.

Weiterhin kann ein Bandwurm-Befall zu ernsten Magen-Darm- oder Gehirn-Erkrankungen führen. Bei einem Befall des Gehirns kann es zu einer Hirnhautentzündung oder einer Hirnentzündung kommen, die relativ schnell zu neurologischen Ausfallerscheinungen führt und schließlich bleibende Schäden hervorruft. Ein Bandwurm-Befall kann anhand der genannten Symptome und Beschwerden eindeutig erkannt werden und bedarf auf jeden Fall einer sofortigen Behandlung durch einen Facharzt.

Komplikationen

Eine Bandwurm-Infektion kann bei Nichtbehandlung zu einer Reihe von Komplikationen führen. Zunächst verursacht der Parasit einen Gewichtsverlust und in der Folge Magen-Darm-Beschwerden. Wird dann nicht gehandelt, vergrößert sich der Bandwurm immer weiter und das Wohlbefinden nimmt mitunter stark. In der Folge greift der Bandwurm die inneren Organe an und erhöht das Risiko für Gallenblasen- und Pankreas-Entzündungen, Darmverschluss und Blinddarmentzündung.

Liegt eine härmatogene Infektion vor, kann der Parasit eine Verstopfung der Blutgefäße bedingen und so eine Embolie verursachen. Schreitet die Bandwurm-Infektion weiter voran, besteht außerdem die Gefahr, dass sich Larven in den Organen festsetzen: Epilepsie, Sehstörungen, Hauterkrankungen und Schädigungen der Skelettmuskulatur können die Folge sein, abhängig vom Ausmaß und der Position des Befalls. Ein Bandwurm im Gehirn kann zu lebensbedrohlichen Störungen wie etwa Mengingoenzephalitis führen.

Das Risiko für entsprechende Komplikationen steigt bei einem ungesunden Lebensstil mit einer unausgewogenen Ernährung und schlechten hygienischen Bedingungen. Generell gilt: je früher der Bandwurm diagnostiziert wird, desto wahrscheinlich ist eine vollständige Genesung ohne Langzeitfolgen. Eine rasche Abklärung der typischen Symptome ist deshalb in jedem Fall anzuraten.

Behandlung

Das Vorhandensein eines Bandwurms lässt sich relativ leicht nachweisen, da die Glieder laufend mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Es sind platte, weißliche Gebilde, die an Nudelstücke erinnern. Man kennt heute verschiedene wirksame und ziemlich ungiftige Medikamente gegen Bandwürmer. So eignen sich vor allem Präparate, die Zinn enthalten, oder Bromkresol sowie Chlornitroverbindungen zur Abtreibung derartiger Würmer. Obwohl es durchaus möglich ist, ambulante Kuren durchzuführen, empfiehlt es sich im allgemeinen, einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt zu nehmen.

Von einem sicheren Kurerfolg kann erst dann gesprochen werden, wenn der Kopf des Bandwurms mit abgegangen ist. Bei den neueren Medikamenten aber kommt es meist zur Andauung des Kopfes, so dass der Nachweis oft nicht gelingt. Man kann dann erst nach einigen Monaten sagen, ob die Behandlung erfolgreich war oder nicht. Die Finnen des Hundebandwurms, die Echinokokken, müssen operativ entfernt werden.

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Aussicht & Prognose

Bei einem Bandwurm hängen Aussicht und Prognose unter anderem von der Art des Bandwurms und der Konstitution des Patienten ab.

Ein Rinderbandwurm kann in aller Regel vom Hausarzt behandelt werden, der bei einem guten Verlauf eine vollständige Genesung innerhalb von zwei bis drei Wochen prognostiziert. Der Schweinebandwurm muss unter Umständen operativ entfernt werden, verläuft bei frühzeitiger Behandlung allerdings ebenfalls positiv. Unter Umständen kann es aber zu einem Rückfall kommen und die Therapie muss erneut durchgeführt werden. Beim Fischbandwurm ist die Prognose günstig. Nach einer erfolgten Behandlung genesen die allermeisten Patienten ohne weitere Komplikationen. Weniger positiv ist die Aussicht bei einem Echinococcus, der in jedem Fall chirurgisch entfernt werden muss. Erfolgt die Behandlung zu spät oder überhaupt nicht, kann ein solcher Bandwurmbefall tödlich verlaufen.

Grundsätzlich sind Aussicht und Prognose bei einem Bandwurm also positiv – vorausgesetzt, die Behandlung erfolgt frühzeitig und es treten keine größeren Komplikationen auf. Bei Kindern, älteren Menschen und kranken Patienten kann ein Eingriff weitere gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Im schlimmsten Fall verläuft ein Bandwurm tödlich für den Patienten.

Schutz & Vorbeugung

Der beste Schutz gegen Bandwürmer besteht darin, rohes Fleisch und ungenügend gekochten Fisch zu meiden. Gegen die Finnen des Hundebandwürms kann man sich dadurch schützen, dass man im Umgang mit Tieren auf peinliche Sauberkeit achtet und sich regelmäßig die Hände wäscht, wenn man Hunde angefaßt hat.

Das können Sie selbst tun

Der Verdacht auf einen Bandwurm sollte immer zuerst zu einem Arzt führen. Ob es sich um einen Bandwurm handelt, lässt sich vor allem am Stuhl feststellen, der lange, weißliche Gebilde aufweist, die an Nudeln erinnern. Begleitend dazu kommt es meist zu einer ungewöhnlichen Gewichtsabnahme und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Sollte eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Ergänzend zur medizinischen Behandlung empfehlen sich vor allem diätische Maßnahmen. So stabilisieren fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Apfelessig oder Kombucha die Darmflora. Ebenso Papayakerne, Zwiebeln und Knoblauch sowie ätherische Öle aus Oregano oder Eukalyptus. Wermut kann in Form von Kapseln oder Tee eingenommen werden und vernichtet Bandwürmer schnell und effektiv. Außerdem helfen Präparate mit Zinn, Bromkresol oder Chlornitroverbindungen bei der Abtreibung von Bandwürmern.

Neben diesen Hausmitteln ist ganz allgemein eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Flüssigkeitszufuhr wichtig. Auf rohes Fleisch und ungenügend gekochten Fisch sollte während eines Parasitenbefalls gänzlich verzichtet werden. Nach erfolgreicher Ausscheidung des Bandwurms sollte auf eine erhöhte Hygiene, vor allem im Umgang mit Tieren, geachtet werden, um einen erneuten Parasitenbefall zu vermeiden.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

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