Rinderbandwurm

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Der Genuss von infiziertem und nicht ausreichend erhitztem Rindfleisch kann zur Infektion mit dem Rinderbandwurm (Taenia saginata) führen. Es handelt sich um eine Parasitose mit gutartigem Verlauf. In Mitteleuropa ist die Krankheit, aufgrund gut wirksamer Medikamente, mittlerweile selten geworden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Rinderbandwurm?

Der Rinderbandwurm gehört zur Familie der sogenannten Plattwürmer und macht, wie alle pathologischen Parasiten, einen gewissen Entwicklungszyklus durch, d.h. er bedarf zur vollständigen Entwicklung und Ausreifung eines Zwischenwirts sowie eines Endwirts. Der Zwischenwirt des Rinderbandwurms ist das Rind, Endwirt der Mensch. Obwohl die Infektionskrankheit in Deutschland selten ist, handelt es sich dennoch um die häufigste Bandwurmerkrankung beim Menschen. Der Rinderbandwurm besteht aus einem Kopf und vielen Bandwurmgliedern, den sogenannten Proglottiden.

Über den After werden diese Segmente ab einer gewissen Größe des Bandwurms abgestoßen. Der Kopf des Parasiten hat sich jedoch in die feinen Schleimhautschichten der Darmwand gebohrt, von wo er auch die Nährstoffe für sein weiteres Wachstum aufnimmt.

Da es sich beim Rinderbandwurm um einen Zwitter handelt, erfolgt die Befruchtung eigenständig. Nach der Selbstbefruchtung enthalten die Proglottiden Bandwurmeier, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Ein neuer Bandwurm kann nur dann heranreifen, wenn dessen Eier von dem Zwischenwirt, in diesem Fall einem Rind, aufgenommen werden.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Der Rinderfinnenbandwurm lebt und vermehrt sich im Darm des Menschen als Endwirt. Bei einer Neuinfektion ist der Wurm nur wenige Millimeter groß und kaum sichtbar. Ausgewachsene Rinderbandwürmer können jedoch eine Länge von bis zu mehreren Metern erreichen.

Die Infektionsrate ist insbesondere in Deutschland durch die staatliche Fleischbeschau stark zurückgegangen. Denn die eingekapselten Finnen sind in dem rohen Rindfleisch recht gut zu erkennen. Ein Massenleiden ist die Infektion mit dem Rinderfinnenbandwurm auch heute noch in Ostafrika. Auch wenn der Parasit eine beachtliche Länge erreichen kann, bleibt sein Vorhandensein oft asymptomatisch, die befallenen Patienten verspüren also nicht unbedingt Symptome. Die auffallendsten Krankheitserscheinungen ist die Entdeckung von Bandwurmsegmenten, Proglottiden, auf dem Stuhl. Jedes Proglottid verfügt über die Fähigkeit der Eigenbewegung, kann sich also durch muskuläre Kontraktion selbstständig zusammenziehen und fortbewegen.

Unter dem Lichtmikroskop ist der Kopf des Rinderfinnenbandwurms recht gut zu erkennen. Als sicherstes diagnostisches Merkmal gelten die vier Saugknöpfe, mit denen sich der Parasit an der Innenwand der Darmschleimhaut festsetzt. Eine vitale Gefahr besteht dadurch nicht, denn der Bandwurm ist nicht in der Lage die Darmschleimhaut zu penetrieren, wodurch ein lebensbedrohlicher Zustand entstehen würde.

Bandwürmer leben als Parasiten im Darm des Menschen oder anderer Wirbeltiere. Es gibt viele verschiedene Bandwurmarten. Jede Art kann unterschiedliche Beschwerden hervorrufen, wobei nur wenige Arten für den Menschen zur Gefahr werden könne. Im Bild, der Kopf eines Bandwurmes. Klicken, um zu vergrößern.

Im direkten Vergleich mit anderen humanpathogenen Bandwürmern verbleibt der Rinderbandwurm auch lebenslang im Darm und breitet sich nicht in andere Organe aus. Damit der Wurm zur vollen Entwicklung kommt, müssen die Eier durch das Rind als Zwischenwirt aufgenommen werden. Dies geschieht dadurch, dass die menschlichen Fäkalien als ungeklärte Abwässer in die freie Natur gelangen. Bandwurmeier gelten als sehr robust und überstehen auch widrige Umweltbedingungen unbeschadet. Die Infektionskette ist dann geschlossen, wenn die infizierten Fäkalien als Dünger auf Weiden und Feldern ausgebracht und von grasendem Rindvieh verzehrt werden.

Es ist bekannt, dass auch Regen Bandwurmeier aus dem verseuchten Boden auswäscht und auf benachbarte Weideflächen überträgt. Sobald das Rind die Eier aufgenommen hat, gelangen diese unbeschadet in den Darm des Wiederkäuers. Dort angekommen, schlüpfen nach mehreren Tagen die Larven des Rinderbandwurms aus den Eiern. Diese Eier sind jedoch in der Lage, die Darmwand zu durchbohren und sich über den Blutkreislauf im ganzen Körper zu verteilen. Zielorgan der Bandwurmeier im Rind ist die gut durchblutete Muskulatur, wo sie sich festsetzen und in Form einer sogenannten Finne verkapseln. Mit diesem Fleisch kann sich dann der Mensch als Endwirt infizieren. Aus dem finnenhaltigen Fleisch wächst dann im Darm des Menschen der Parasit zur geschlechtsreifen Form heran. Der Entwicklungszyklus des Rinderfinnenbandwurms gilt dann als geschlossen.

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Krankheiten & Beschwerden

Im Zusammenhang mit einer Infektion durch den Rinderbandwurm treten nur selten Symptome auf. Leitsymptom in einem fortgeschrittenen Stadium der Infektion mit Taenia saginata ist der Gewichtsverlust, denn ein ausgewachsener Rinderbandwurm verbraucht enorme Mengen an Nährstoffen. Darüber hinaus können ein Gefühl der allgemeinen Schwäche, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit oder Übelkeit auftreten.

In jedem Stadium der Erkrankung kann eine kausale Therapie erfolgen. Schon die einmalige Gabe eines hochdosierten Anthelminthikums sorgt für ein sicheres Absterben des Bandwurms inklusive Kopf. Bei schwerem Verlauf können auch Blinddarmentzündung oder Darmverschluss auftreten, diese Krankheitsbilder sind im Zusammenhang mit der Infektion jedoch die absolute Ausnahme. Aufgrund der unspezifischen oder nicht vorhandenen Symptome kann die Diagnose nur über eine Stuhlprobe gestellt werden.

Einer Infektion mit dem Rinderbandwurm kann wirksam vorgebeugt werden, indem auf Genuss von rohem oder nicht ausreichend durcherhitztem Rindfleisch verzichtet wird. In Deutschland geht die größte Gefahr für eine Infektion von so genanntem Schabefleisch oder Tatar aus. Wird Rindfleisch für nur wenige Minuten auf über 70 °C erhitzt, dann sterben die Finnen des Bandwurms zuverlässig ab. Eine Infektionsgefahr besteht dann nicht mehr. Auch ein Einfrieren des Fleisches bei mindestens -18 °C für die Dauer von zehn Tagen bewirkt den gleichen Effekt.

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