Hemiparese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Als Hemiparese wird die unvollständige Lähmung einer Körperhälfte bezeichnet. Diese ist ein Symptom einer schwerwiegenden Grunderkrankung und wird durch die Schädigung der gegenüberliegenden Gehirnhälfte ausgelöst. Bei Lähmungserscheinungen muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hemiparese?

Von einer Hemiparese können Menschen aller Altersschichten betroffen sein. Die Ursachen sind vielfältig und können zu einer Lähmung der Arme, Beine oder der Muskulatur im Gesicht, in der Zunge und im Mund führen.

Eine Hemiparese geht immer auf eine Schädigung des Gehirns zurück. Ist die linke Gehirnhälfte von einer Erkrankung betroffen, treten die Lähmungen in der rechten Körperhälfte auf. Ist hingegen die rechte Gehirnhälfte geschädigt, ist die Muskulatur in der linken Körperhälfte gelähmt. Je stärker und anhaltender die Störung und je größer das betroffene Gehirnareal ist, desto ausgeprägter sind die Symptome.

Bewegungsstörungen, die Ausbildung von Spastiken, eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen und Schmerzen oder im schlimmsten Fall schwerwiegende geistige Störungen können die Folge einer Hemiparese sein.

Ursachen

Die häufigste Ursache für eine Hemiparese ist ein Sauerstoffmangel im Gehirn. Dieser kann durch eine Durchblutungsstörung in den Blutgefäßen oder eine Einblutung in das Gehirn ausgelöst werden.

Wenn dadurch die Hirnrinde geschädigt wird, werden die für die Bewegung zuständigen Impulse nicht mehr störungsfrei vom Gehirn über das Rückenmark zu den Nerven geleitet. Ein Schlaganfall tritt nicht nur im hohen Erwachsenenalter auf, sondern kann auch Kinder betreffen. Neben der halbseitigen Lähmung sind oftmals Seh- und Sprachstörungen sowie Schwindel und zum Teil starker Kopfschmerz zu beobachten.

Weitere Ursachen für eine Hemiparese können unfallbedingte Verletzungen des Gehirns, entzündliche Erkrankungen wie Meningitis oder Enzephalitis oder seltener Tumore im Gehirn sein. Hier treten die Lähmungen nicht plötzlich auf, sondern entwickeln sich über Stunden, Tage oder sogar Wochen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Therapie einer Hemiparese zielt in erster Linie darauf ab, dem Patienten durch verschiedene Übungen seine Selbständigkeit zurückzugeben und zu erhalten.

Da die Hemiparese nur ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung ist, muss zunächst die Ursache ermittelt werden, um eine erfolgreiche Therapie einleiten zu können.

Der Neurologe kann anhand der jeweiligen Krankengeschichte und des zeitlichen Auftretens der Lähmungen (plötzlich bei Schlaganfällen und Hirnblutungen, schleichend bei Entzündungen und Tumoren), Rückschlüsse auf die Grunderkrankung ziehen. In einer neurologischen Untersuchung werden die Hirnnerven, die Reflexe, die Berührungsempfindlichkeit und die Kraft in Armen und Beinen überprüft.

Darüber hinaus erfolgen eine Untersuchung der Halsschlagader sowie eine Beurteilung des Spannungszustands des Nackens. Um krankhafte Veränderungen des Gehirns sichtbar zu machen, bedient sich der Neurologe zur Abklärung der Hemiparese bildgebender Verfahren wie einer Computertomographie, einer Magnetresonanztomographie (MRT) oder einer Angiografie.

Komplikationen

Einhergehend mit einer Hemiparese kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Die halbseitige Lähmung kann zunächst zu Auszehrung und Hinfälligkeit führen, oft einhergehend mit schweren motorischen Störungen des gesamten Körpers. Die inneren und äußeren Organe können ebenfalls betroffen sein und im Verlauf der Erkrankung auf verschiedene Arten geschädigt werden.

In leichten Fällen nimmt durch die Lähmung der Gleichgewichtssinn ab und es kommt zu Beeinträchtigungen im Bereich der Mobilität. In schweren Fällen kommt es zu Pneumonie und Thrombose in den gelähmten Gliedern und zu Beeinträchtigungen der Ausscheidungsorgane, ebenfalls mit einer Reihe weiterer Komplikationen einhergehend. Darüber hinaus kann im Rahmen einer Hemiparese die intellektuelle Leistungsfähigkeit abnehmen.

Je nach Schweregrad der Lähmung sind auch Entzündungen der Gelenke denkbar. Weitere Komplikationen treten durch eine mögliche Bettlägerigkeit auf: es kommt zu Geschwüren (Dekubitus), Harnwegsinfektionen und Kontrakturen, Gelenkversteifungen, Muskelschwund und Epilepsien. Eine Hemiparese kann durch die auftretenden Lähmungen und den damit einhergehenden Durchblutungsstörungen überdies zu Blutgerinnseln und starken Schmerzen in den betroffenen Körperregionen führen.

In der Folge kann es zu einem Schlaganfall oder einer Ausbreitung der Erkrankung kommen. Ob und in welcher Intensität diese Folgesymptome auftreten, hängt von der Schwere der Hemiparese und der Behandlung der Grunderkrankung ab. Durch eine frühzeitigen Behandlung können schwerwiegende Komplikation meist vermieden werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Hemiparese muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Im schlimmsten Fall kann die Lähmung dauerhaft bleiben und dann nicht mehr behandelt werden. Eine frühe Diagnose wirkt sich immer positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus. Der Arzt sollte bei einer Hemiparese dann aufgesucht werden, wenn es plötzlich und ohne einen besonderen Grund zu starken Lähmungen kommt. In den meisten Fällen tritt auch eine Lähmung im Gesicht auf.

Die Betroffenen leiden auch unter Störungen der Bewegung und der Koordination und dadurch an deutlichen Einschränkungen in ihrem Alltag. Auch Sehstörungen oder Sprachstörungen deuten auf die Erkrankung hin und sollten immer von einem Arzt untersucht werden, falls sie plötzlich eintreten und nicht wieder von alleine verschwinden. Dadurch kann das dauerhafte Eintreten dieser Störungen vermieden werden. Die Untersuchung und Behandlung kann durch einen Neurologen erfolgen. In akuten Notfällen oder bei starken Beschwerden kann auch das Krankenhaus aufgesucht werden. Die weitere Behandlung richtet sich in der Regel nach der genauen Ursache der Hemiparese und nach den Möglichkeiten des Patienten.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Hemiparese zielt in erster Linie darauf ab, dem Patienten durch verschiedene Übungen seine Selbständigkeit zurückzugeben und zu erhalten. Die Behandlung hängt dabei ganz entscheidend von der jeweiligen Grunderkrankung ab.

Ist ein Schlaganfall ursächlich für die Lähmungserscheinungen, werden dem Patienten unverzüglich blutgerinnungsauflösende Mittel verabreicht. Bei Blutungen bedarf es in der Regel einer Operation, um eine Ausbreitung ins umliegende Gewebe zu verhindern. Eine durch Meningitis oder Enzephalitis verursachte Hemiparese, wird durch die Gabe von Antibiotika oder Virustatika bekämpft.

Ein Tumor kann unter Umständen operativ entfernt werden. Zusätzlich kann eine Chemo- und/ oder Strahlentherapie notwendig sein. Nach der Akutbehandlung erhält der Patient in einem zweiten Schritt in der Regel ein Rehabilitationsprogramm aus Physio-, Ergo- und Logopädie. Um Lähmungen in den Extremitäten zu bekämpfen, eignet sich der Einsatz von Orthesen. Auch Behandlungen mit Botulinumtoxin oder Operationen sind erfolgversprechend.

Ein weiterer Ansatz ist die Forced Use Therapie, bei der die gesunden Gliedmaßen fixiert werden, um den Patienten zur Nutzung der gelähmten Extremitäten zu bewegen. Oft wird eine Hemiparese von starken Angstgefühlen begleitet. Daher ist eine Psychotherapie zu empfehlen.

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Vorbeugung

Da eine Hemiparese in den meisten Fällen durch einen Schlaganfall ausgelöst wird, gilt es die Risikofaktoren, wie Bluthochdruck oder Verkalkung der Gefäße zu bekämpfen. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung vermeidet Übergewicht und trägt entscheidend zur Gesunderhaltung bei. Sind die Blutgefäße bereits durch Ablagerungen verengt oder bestehen zerebrale Durchblutungsstörungen, ist die Gabe von Medikamenten ein Muss.

Das können Sie selbst tun

Eine direkte Selbsthilfe oder Möglichkeiten zur Selbstbehandlung sind bei der Hemiparese in der Regel nicht möglich. Der Krankheit kann auch nur teilweise vorgebeugt werden, indem der Betroffene eine gesunde Lebensweise führt. Dazu zählt eine gesunde Ernährung und ebenso eine ausreichende sportliche Betätigung. Vor allem Übergewicht sollte vermieden werden, um die Hemiparese nicht auszulösen.

Da die Betroffenen bei dieser Erkrankung an starken Lähmungen und damit an Einschränkungen in ihrem Leben leiden, sind sie auf die Hilfe der Familie und der Freunde angewiesen. Eine liebevolle und geduldige Pflege wirkt sich dabei sehr positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus und kann eventuell auch psychische Beschwerden lindern oder vorbeugen. In vielen Fällen lohnt sich auch der Kontakt zu anderen Betroffenen oder zu einem Psychologen, um über den möglichen Verlauf der Erkrankung zu sprechen. Dabei können auch mögliche Angstgefühle gelöst werden. Vor allem bei Kindern sind dabei ausführliche Gespräche über die Folgen der Hemiparese notwendig.

Da auch der Gleichgewichtssinn des Patienten durch die Erkrankung negativ beeinflusst wird, sollten diese Gehhilfen verwenden, um sich nicht weiter zu verletzen. Im Falle eines epileptischen Anfalles ist sofort ein Notarzt zu verständigen. Der Betroffene sollte bis zum Eintreten in eine stabile Seitenlage gebracht und beruhigt werden.

Bücher über Schlaganfall

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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