Virustatika

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2016
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Virustatika (oft auch Virostatika) sind eine Gruppe von Medikamenten, die zur Behandlung von Viruserkrankungen eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Antibiotika, die bei bakteriellen Infektionen zum Einsatz kommen und bereits fester Bestandteil der modernen Medizin sind, befindet sich die Entwicklung antiviraler Wirkstoffe noch in der Anfangsphase. Erste Experimente fanden zwar schon in den 1960er Jahren statt, eine gezielte Entwicklung virushemmender Medikamente wurde aber erst durch Fortschritte in der Genforschung in den 1980er Jahren ermöglicht.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Virustatika?

Die meisten Virustatika bekämpfen Viren nicht direkt, sondern dämmen diese durch Unterbrechung des Fortpflanzungsprozesses ein. Im Gegensatz zu Bakterien können sich Viren nicht eigenständig vermehren und sind daher auf Wirtszellen angewiesen.

Antivirale Medikamente können diesen Vorgang an mehreren Stellen unterbinden. So kann verhindert werden, dass Viren Zugang zu den Rezeptoren, also den Andockstellen, einer Wirtszelle erhalten oder dass das Virus die Zelle vollständig übernimmt. Andere Wirkstoffe verhindern die Vermehrung bereits infizierter Zellen, indem die Zellteilung unterbrochen wird. Wieder andere Medikamente wie die sogenannten Interferone unterstützen das Immunsystem bei der Bekämpfung des Krankheitserregers.

Diese körpereigenen Botenstoffe werden von infizierten Zellen produziert, um das umliegende Gewebe auf den Virus aufmerksam zu machen und zusätzliche Abwehrmechanismen zu aktivieren. Mithilfe synthetischer Interferone wird dieser Vorgang verstärkt. Ähnlich wirken künstlich hergestellte Antikörper. Diese binden sich an befallene Zellen und beschleunigen somit deren Erkennung und Bekämpfung. Die Anwendung der immunstimulierenden Medikamente ist, neben anderen Verfahren, auch als Immuntherapie bekannt.

Medizinische Anwendung, Wirkung & Gebrauch

Zu den am häufigsten verwendeten Virustatika gehören die antiretroviralen Medikamente. Diese kommen bei der Behandlung der HIV-Infektion zum Einsatz, um den Ausbruch der Krankheit AIDS zu verlangsamen. Mit einer Heilung kann zwar noch nicht gerechnet werden, die virushemmende Wirkung ist jedoch vielversprechend und hat die Lebenserwartung von HIV-Patienten bereits signifikant erhöht.

Auch in anderen Bereichen kommen Virustatika immer häufiger und oft als Ergänzung zu Impfungen zum Einsatz. Präventivmaßnahmen sind zwar weiterhin effektiver, Grippeviren mutieren jedoch so schnell, dass jedes Jahr ein neuer Impfstoff entwickelt werden muss. Wird dieser zu spät verabreicht, können antivirale Medikamente bei Risikogruppen den Krankheitsverlauf erleichtern. Dazu zählen Kinder, schwangere Frauen, Patienten, deren Immunsysteme geschwächt sind oder Betroffene, die unter chronischen Erkrankungen leiden, die Komplikationen verursachen können.

Bei länger andauernden Hepatitiserkrankungen kann ähnlich verfahren werden, um schwere Schäden an der Leber zu minimieren. Im Fall einer unheilbaren Herpes-Simplex-Erkrankung können Virostatika Dauer, Schwere und Häufigkeit der wiederkehrenden Krankheitsausbrüche reduzieren. Zusätzlich verringern diese Medikamente in vielen Fällen die Gefahr der Übertragung. Ähnlich wie Antibiotika haben Virostatika bereits die Entstehung resistenter Viruserkrankungen verursacht, was bei der Anwendung in Betracht gezogen wird. Daher werden diese Wirkstoffe allgemein sehr gezielt eingesetzt, wenn die Vorteile einer Behandlung überwiegen.

Pflanzliche, natürliche, homöopathische & pharmazeutische Virustatika

Die meisten Virustatika bekämpfen Viren nicht direkt, sondern dämmen diese durch Unterbrechung des Fortpflanzungsprozesses ein.

Viele Virushemmer werden aus natürlichen Bestandteilen hergestellt. Der Grundstoff des bekannten Präparats Tamiflu® (Wirkstoff: Oseltamivir) wird aus echtem Sternanis gewonnen.

Während der Vogelgrippeepidemie führte die erhöhte Nachfrage sogar zu Versorgungsengpässen. Die antivirale Wirkung wird den in der Pflanze vorkommenden ätherischen Ölen zugeschrieben. Diese sind laut Laboruntersuchungen auch für die Wirkung von Eukalyptusöl gegen Herpesviren verantwortlich. Zusätzlich enthalten viele Pilzarten antivirale Komponente. Rein natürliche Medikamente gibt es jedoch noch nicht.

Alle natürlichen Ausgangsstoffe durchlaufen zusätzlich mehrere, oft sehr komplexe Verarbeitungsprozesse. Die Darreichungsformen variieren, häufig sind Injektionslösungen und Tabletten. Unterteilt werden die Arzneimittel oft nach der Wirkweise, also ob sie den Virus vor, nach oder während der Infektion gesunder Zellen betreffen. Das Anwendungsspektrum ist ein weiterer Faktor. Virustatika können gegen einzelne oder eine geringe Zahl verwandter Krankheiten gezielt eingesetzt werden oder, wie die Interferone, eine allgemein antivirale Wirkung entfalten.

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Risiken & Nebenwirkungen

Da die Gruppe dieser Arzneien sehr groß ist, ist auch das Spektrum der möglichen Nebenwirkungen entsprechend breit und abhängig von der Art der Anwendung.

So sind antivirale Salben, die äußerlich angewendet werden, gut verträglich und Nebenwirkungen sind meist auf das Anwendungsgebiet begrenzt. Unter den systemisch wirkenden, also als Tabletten eingenommenen Medikamenten treten Übelkeit, Kopfschmerzen und Durchfall häufiger auf. Auf spezifische Erreger ausgelegte Virustatika sind allgemein besser verträglich, während großflächig anwendbare Mittel meist auch mehr Nebenwirkungen verursachen. Da die meisten Wirkstoffe über die Leber verarbeitet werden, sind Patienten mit Lebererkrankungen größeren Risiken ausgesetzt.

Da es in den seltensten Fällen sogar zum Tod kommen kann und viele virushemmende Mittel erst seit wenigen Jahren auf dem Markt sind, lassen sich Nebenwirkungen nicht immer einwandfrei vorhersagen. Die am häufigsten aufkommenden Viruserkrankungen heilen bei gesunden Menschen problemlos aus und rechtfertigen daher nur in Ausnahmefällen die Verwendung antiviraler Mittel.

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