Übermäßiges Schwitzen unter den Achseln

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Auch wenn es viele Menschen stört, ist die Schweißproduktion lebensnotwendig. Nur so ist es möglich, dass der Körper nicht überhitzt. Die Schweißproduktion spielt eine wesentliche Rolle bei der Wärmeregulation. Übermäßiges Schwitzen unter den Achseln kann jedoch unangenehm werden und auch des Weiteren ein Anzeichen einer Erkrankung sein.

Inhaltsverzeichnis

Was kennzeichnet übermäßiges Schwitzen unter den Achseln?

Schweißdrüsen sorgen dafür, dass der Mensch schwitzt. Die Haut besitzt rund 2 Millionen Schweißdrüsen, welche auf der gesamten Körperoberfläche verteilt sind. Des Weiteren bildet der Schweiß eine Art Säureschutzmantel; somit können etwaige Krankheitserreger abgewehrt werden. Nur die männliche Eichel und die Lippen weisen keine Schweißdrüsen auf.

Die höchste Konzentration an Schweißdrüsen ist an den Handtellern, der Stirn und den Fußsohlen vorhanden. Bei der Schweißproduktion unterscheidet man zwischen einem nervösen und einem thermoregulatorischen Schwitzen. Beim thermoregulatorischen Schwitzen liegt eine erhöhte Körpertemperatur und in weiterer Folge eine erhöhte Bluttemperatur vor. Nervöses Schwitzen wird hingegen durch Emotionen ausgelöst.

Ursachen

Die Ursachen sind vielfältig. Vorwiegend beginnt die Schweißproduktion unter den Achseln bei körperlichen Anstrengungen, einer zu warmen Kleidung, sehr hohen Außentemperaturen oder bei Erkrankungen, welche etwa von Fieber begleitet werden. Mitunter kann aber auch eine erbliche Veranlagung dafür verantwortlich sein. Auch stark übergewichtige Personen schwitzen häufiger als Personen mit Normalgewicht.

Auch etwaige Prüfungen, welche sehr wohl den Betroffenen „Angst“ machen, können zu Schweißausbrüchen führen. Ein weiterer Grund ist eine hormonelle Umstellung. Jene kann im Rahmen der Menstruation, durch die Wechseljahre oder auch durch eine Schwangerschaft ausgelöst werden. Mitunter sind auch Medikamente dafür verantwortlich, dass übermäßiges Schwitzen unter den Achseln angeregt wird.

In wenigen Fällen ist häufiges Schwitzen aber auch ein Symptom einer anderen Erkrankung. So können beispielsweise neurologische Erkrankungen (Parkinson), Rheuma, Herzinfarkte sowie auch eine Unterzuckerung bei Diabetikern und Infektionskrankheiten (Tuberkulose, AIDS) oder auch Krebserkrankungen (Leukämie) die Schweißproduktion begünstigen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Vorwiegend beginnt die Schweißproduktion unter den Achseln bei körperlichen Anstrengungen, einer zu warmen Kleidung, sehr hohen Außentemperaturen oder bei Erkrankungen, welche etwa von Fieber begleitet werden.

Starkes Schwitzen ist nur sehr selten ein Grund, weshalb ein Arzt aufgesucht wird. Besteht aber eine übermäßige Schweißproduktion, welche mitunter länger anhält und als äußerst störend empfunden wird, sollte sehr wohl eine ärztliche Diagnose erfolgen. Der Mediziner fertigt zuerst eine Blutuntersuchung und sodann eine Ultraschalluntersuchung an; liegt der Verdacht nahe, dass die übermäßige Schweißproduktion auf Grund einer Krebserkrankung ausgelöst wurde, kann eine Biopsie erfolgen.

Der Mediziner unterteilt die Schweißproduktion in drei Grade. Bei Grad I liegt eine übermäßige Feuchtigkeit der Achseln vor; die Schweißflecke haben einen Durchmesser zwischen 5 und 10 Zentimeter. Bei Grad II beläuft sich der Schweißfleck unter den Achseln auf 10 bis 20 Zentimeter; bei Grad III liegt ein Durchmesser von über 20 Zentimeter vor. Da die übermäßige Schweißproduktion unter den Achseln nur ein Symptom darstellt, ist der Krankheitsverlauf unterschiedlich.

Komplikationen

Komplikationen bei Nichtbehandlung von übermäßigem Schwitzen unter den Achseln sind funktionaler und psychischer Natur. Die darunter leidenden Personen tragen bestimmte Arten und Farben von Kleidung, um die Schweißflecken zu verbergen. Bei einigen Erkrankten ist die Schweißproduktion so hoch, dass sie mehrmals am Tag ihre Kleidung wechseln müssen.

Ein weiteres Problem ist der Schweißgeruch, da Antitranspirante und Deodorants nur in wenigen Fällen helfen. Starker Achselschweiß sorgt für soziale Beeinträchtigung. Das alltägliche Leben, die Lebensqualität und zwischenmenschliche Beziehungen leiden darunter. Bei Behandlung der axilliären Hyperhidrosis treten, je nach Behandlungsart, unterschiedliche Komplikationen auf.

Bei der Einnahme von Medikamenten können Sehstörungen, Müdigkeit, Mundtrockenheit, Probleme beim Toilettengang und Halluzinationen auftreten. Nachteile der Saugkürretage sind Wundheilungsstörungen, lang anhaltende Schwellungen, Infektionen, Narbenbildung und in seltenen Fällen völlige Trockenheit unter den Achseln.

Komplikationen der endoskopischen Sympathikusblockade sind starke Müdigkeitserscheinungen, eine verlangsamte Herzfrequenz und das Auftreten eines kompensatorischen Schwitzens, das heißt der Patient schwitzt nach der Operation vermehrt an anderen Körperstellen.

Der größte Nachteil einer Botox-Behandlung ist die zeitlich begrenzte Wirkdauer. Dadurch muss dieser Vorgang alle sechs bis zehn Monate wiederholt werden. Des Weiteren können die Injektionen sehr schmerzhaft sein. Manche Patienten eignen sich nicht für diese Therapieform, da sie über Antikörper gegen das Toxin verfügen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Übermäßige Schweißbildung ist unangenehm und belastend. Sie kann genetisch bedingt sein, da manche Menschen von Natur aus mehr schwitzen als andere. Obwohl Schweißbildung ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers ist, ist ein Übermaß problematisch.

Der Gang zum Arzt ist angebracht, wenn Maßnahmen zur Selbsthilfe wie regelmäßiges Waschen, Rasieren unter den Achseln oder das Tragen von hautsympathischer Kleidung nicht greifen. Insbesondere dann, wenn übermäßiges Schwitzen zur Belastung wird, sollte ein Mediziner konsultiert werden. Ein Grund hierfür ist zum einen, dass Betroffene selbst leiden, zum anderen ist es denkbar, dass sie wegen der Geruchsbelästigung von der Umwelt ausgegrenzt werden, obwohl sie dafür nicht verantwortlich zu machen sind. Beispielsweise kann es zum Gerede an der Arbeitsstelle kommen.

Die erste Adresse ist der Hausarzt. Nachdem dieser das Problem untersucht hat, kann er zunächst selbst Maßnahmen einleiten. Ist die Sachlage aber komplexer, kann er Überweisungen an spezielle Fachleute veranlassen. Übermäßigem Schwitzen unter den Achseln liegt manchmal an zu vielen Schweißdrüsen vorhanden sind. Diese können operativ entfernt werden. Ob dieser Schritt sinnvoll ist oder nicht, kann nur der Facharzt entscheiden. Es handelt sich um einen operativen Eingriff, der möglichst vermieden werden sollte, manchmal aber unumgänglich ist.

Behandlung & Therapie

In vielen Fällen reichen Eigenmaßnahmen, damit die Schweißproduktion gemindert werden kann. Das bedeutet, dass vorwiegend auf eine angemessene Körperpflege zu achten ist. Der Patient sollte daher desinfizierende Seifen verwenden. Ebenfalls können - vor allem wenn es sich um die Achseln handelt – Antitranspirante helfen. Jene sind als Cremes, Lösungen oder auch als Puder erhältlich und helfen den Patienten, wenn diese übermäßig stark Schwitzen.

Dies deshalb, da sich - nur durch das Auftragen des Produktes - die Schweißdrüsen zusammenziehen. Deodorants und Seifen helfen in weiterer Folge auch dafür, dass die Geruchsbildung neutralisiert wird. Eine weitere Möglichkeit, wie die übermäßige Schweißproduktion unter den Achseln gestoppt oder gemindert werden kann, ist Salbei. Salbei-Tee gilt als wirksames Hausmittel, da Salbei dazu führt, dass sich ebenfalls die Schweißdrüsen (wie bei einem Antitranspirant) zusammenziehen.

Synthetische Kleidungsstücke sollten vermieden werden. Des Weiteren ist es ratsam, wenn auf die Außentemperaturen geachtet und keine übermäßig warme Kleidung angezogen wird, wenn der Betroffene übermäßig stark beziehungsweise leicht schwitzt. Ebenfalls sollte die Ernährung angepasst werden. Wer stark schwitzt, sollte auf Kaffee, Alkohol und scharfe Speisen verzichten. Jene begünstigen die Schweißproduktion unter den Achseln.

Ein Irrglaube: Die Trinkmenge darf nicht verringert werden, da der Körper - auf Grund der übermäßigen Schweißproduktion - Wasser verliert, das er jedoch unbedingt benötigt. Somit sollte sogar mehr getrunken werden, damit die Flüssigkeit, die über die Schweißdrüsen abgesondert wird, ersetzt werden kann. Liegt ein nervöses Schwitzen vor, können mitunter Entspannungstechniken helfen. Wenn der Patient etwa nicht mit der Schweißproduktion fertig wird und feststellt, dass keine Eigenmaßnahmen helfen, sollte professionelle Therapie zu Rate gezogen werden.

Schlussendlich gibt es hier die Möglichkeit der konservativen und operativen Behandlungsmethoden. Bei der konservativen Therapie wird überwiegend die Iontophorese angewandt. Dabei handelt es sich um eine Gleichstromanwendung, bei welcher die Schweißdrüsen-Aktivität vermindert wird. Auch Botulinumtoxin-Spritzen (besser bekannt unter Botox) kann helfen. Botox blockiert die Nervenleitungen, die zu den Schweißdrüsen führen.

Bei den operativen Therapien gibt es die Entfernung der Schweißdrüsen (Exzision), das Absaugen der Schweißdrüsen (die Saugkürettage) sowie das Blockierung der Schweißdrüsen (Sympathektomie). Liegt eine andere Krankheit vor, welche im Endeffekt für die Schweißproduktion verantwortlich ist, muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Aussicht & Prognose

Übermäßiges Schwitzen unter den Achseln liegt häufig an einer Überaktivität der Schweißdrüsen. Sie kann auch andere Körperareale betreffen, wie die Handflächen. Menschen, die unter den Achseln aus diesem Grund übermäßig schwitzen, haben das Problem meistens mit der einsetzenden Pubertät entwickelt, als die Schweißdrüsen begonnen haben, aktiv zu werden. Das übermäßige Schwitzen unter den Achseln verschwindet nicht mehr von alleine, sofern es sich nicht lediglich um ein vorübergehendes pubertäres Problem handelte. Fälle, die in jungen Jahren auftreten, können sich mit auslaufender Pubertät und dem Übergang ins Erwachsenenalter auflösen, denn dann pendeln sich auch die Hormone auf ein normales Niveau ein.

Häufig aber besteht das Problem bis ins hohe Alter hinein weiter. Dabei führt es zu weiteren Schwierigkeiten im Alltag, darunter sichtbare Schweißflecken auf der Kleidung oder ein Schweißgeruch, der mit handelsüblichem Deo nur schwer zu bekämpfen ist.

Sofern Betroffene das übermäßige Schwitzen unter den Achseln nicht ursächlich behandeln lassen, können im Laufe des Lebens immer wieder Schwierigkeiten durch die vermehrte Feuchtigkeit unter den Armen auftreten. Eine sorgfältige Körperhygiene ist nicht nur zur Vermeidung von Gerüchen wichtig, sondern auch deswegen, da ein feucht-warmes Milieu Pilzinfektionen begünstigt. Auch kann es vermehrt zur Bildung von Mitessern auf der Haut kommen, da die Poren leichter verstopfen.

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Vorbeugung

Übermäßiges Schwitzen kann - sofern Tipps zur Eigenhilfe angewandt werden - zwar nicht vorgebeugt, aber sehr wohl gemindert werden. Liegt jedoch eine Krankheit vor, welche die übermäßige Schweißproduktion begünstigt, kann jenes Symptom nicht vorgebeugt werden.

Das können Sie selbst tun

Gegen übermäßigen Schwitzen unter den Achseln helfen diverse Hausmittel und Maßnahmen. Oft reicht es bereits aus, lockere Kleidung zu tragen und den direkten Sonnenkontakt zu vermeiden. Bei hohen Außentemperaturen sollte morgens nicht zu heiß geduscht werden. Abends können Wechselduschen mit Warm- und Kaltwasser angewendet werden. Antitranspirantien verengen die Poren und können für einen optimalen Effekt direkt nach der Körperpflege aufgetragen werde.

Die Schweißbildung lässt sich außerdem reduzieren, indem ausreichend Flüssigkeit aufgenommen und auf scharfe oder heiße Speisen und Getränke verzichtet wird. Wirkungsvolle Naturheilmittel sind etwa Salbei, Thymian oder Eichenblätter. Ein Sud oder Tee aus diesen Pflanzen reguliert die Körpertemperatur und hemmt die Schweißbildung. Eine Alternative aus dem Haushalt ist Tomatensaft. Ins Badewasser gegeben, hemmen die enthaltenen Enzyme die Entstehung von Schweiß und stärken außerdem die oberen Hautschichten.

Akute Hilfe versprechen auch Apfelessig oder Frannzbranntwein, die mit einem Tuch unter die Achseln gerieben werden. Wer den Schweißfluss sofort stoppen will, sollte seine Achseln mehrmals täglich mit lauwarmem Wasser waschen. Auch Akupressur kann helfen: eine Massage zwischen Ohrläppchen und Schädelknochen hemmt die Schweißproduktion unter den Achseln und sorgt insgesamt für ein besseres Allgemeinbefinden.

Bücher über Schwitzen & Schweißausbrüche

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Usadel, K.-H., Wahl, P.: Diabetologie und Stoffwechsel. In: Bob, A. u. K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

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