Hyperhidrose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Dezember 2017
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Hyperhidrose, umgangssprachlich als übermäßiges Schwitzen bekannt, ist gekennzeichnet durch exzessives Schwitzen, das Hände, Füße und die Achselhöhlen erfasst. Als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen kann es die gesamte Körperoberfläche betreffen. Hyperhidrose ist körperlich relativ harmlos, hat aber starke psychologische Auswirkungen auf die Patienten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hyperhidrose?

Bislang ungeklärt, kommt es bei Hyperhidrose zu krankhaft starker Aktivität der Schweißdrüsen. Bei einer primären Hyperhidrose bezieht sich diese auf die Hände, Füße und die Achselhöhlen.

Betrifft die Erkrankung den gesamten Körper, wird sie als sekundäre Hyperhidrose diagnostiziert, die als Folge einer Haupterkrankung auftritt. Die normale Schweißproduktion ist in der Regel eine Reaktion des Körpers auf Hitze oder Infektionen bei einem Fieber. Dieser Mechanismus ist bei der Hyperhidrose gestört.

Die Betroffenen erleben eine übermäßige Schweißproduktion, die auch Körperbereiche betrifft, die gewöhnlich von Schweiß nicht stark betroffen sind. Dazu gehören die Seiten der Hände oder auch die Oberseiten der Füße. Die Hyperhidrose ist je nach Schweregrad mit unterschiedlichen Methoden behandelbar.

Ursachen

Wissenschaftlich gesicherte Ursachen der primären Hyperhidrose sind noch nicht bekannt. Die für die Steuerung der Schweißdrüsen zuständigen Nerven reagieren falsch und in übersteigertem Maße. Es ist unklar, was diese Fehlreaktion auslöst.

Zum Teil wird angenommen, dass psychische Ursachen wie Stress oder Unsicherheit ein Faktor sind. Eine häufige Ursache bei sekundärer Hyperhidrose hingegen sind Hormonstörungen oder die Schweißproduktion verstärkende Medikamente. Sie ist eine bekannte Begleiterscheinung in den Wechseljahren.

Je nach Ausprägung der Hyperhidrose sind die Handflächen, der Handrücken oder auch die Oberseite der Füße betroffen. Die Kombination aus sichtbarer Schweißproduktion und Geruchsentwicklung führt in vielen Fällen zu sozialer Isolation der an Hyperhidrose leidenden Patienten. Dadurch verstärken sich die psychischen Reize, die die Hyperhidrose begünstigen.

Typische Symptome & Anzeichen

  • starkes, krankhaftes Schwitzen am ganzen Körper

Diagnose & Verlauf

Hyperhidrose wird durch den damit befassten Arzt zunächst durch eine Anamnese erfasst. Die Berichte des Patienten können die Areale der verstärkten Schweißproduktion näher bestimmen. Auch eine familiäre Veranlagung zur Hyperhidrose wird so auffällig.

Zur genaueren Bestimmung kann bei Patienten, die keine Allergie gegen Jod haben, der Minor-Test durchgeführt werden. Dabei werden zur lokalen Bestimmung der Hyperhidrose die betroffenen Körperstellen mit Jodlösung bestrichen und nach dem Trocknen mit Stärkepulver bestreut. Stellen mit einer verstärkten Schweißproduktion verfärben sich dann schwarz. Im modifizierten Minor-Test nach Achenbach kommt stärkehaltiges Papier zum Einsatz, das mit Jodkristallen imprägniert ist.

Der Verlauf der Hyperhidrose ist im sozialen Bereich belastend. Viele Betroffene neigen dazu, sich von anderen Menschen zurückzuziehen. Sie leiden unter der Hyperhidrose und werden depressiv. Körperliche Einschränkungen ergeben sich bei mechanischen Tätigkeiten. Durch die Hyperhidrose schweißnasse Hände können die Bedienung von Werkzeugen oder Tastaturen beeinträchtigen.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: R61 Hyperhidrose) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

In der Regel kommt es durch die Hyperhidrose nicht zu physischen, allerdings zu starken psychischen Beschwerden und Komplikationen. Der Betroffene leidet dabei an einem übermäßigen Schwitzen. Sollte der Flüssigkeitsverlust nicht kompensiert werden, so kommt es in den meisten Fällen zu einer Dehydrierung. In der Regel schämen sich die Betroffenen führt die Symptome der Hyperhidrose.

Es treten dabei Schweißflecken oder sehr unangenehme Gerüche auf, die die Umwelt belasten können. Nicht selten kommt es durch die Krankheit zu einer sozialen Ausgrenzung. Der Betroffene meidet dabei oft Event und Veranstaltungen. Vor allem in den heißen Sommertagen kann die Hyperhidrose zu starken psychischen Beschwerden und sogar zu Depressionen führen. Das krankhafte Schwitzen kann sich dabei auch negativ auf Beziehung auswirken.

Auch Kinder leiden durch Mobbing und Hänseleien an den Beschwerden der Hyperhidrose im Kindesalter. Falls es zu einer Dehydrierung kommt, wirkt sich diese sehr negativ auf den allgemeinen Zustand des Patienten aus und kann weiterhin zu einer Bewusstlosigkeit führen. Die Behandlung der Hyperhidrose kann durch die Entfernung der Schweißdrüsen erfolgen. Dabei kommt es in der Regel nicht zu Komplikationen. Weiterhin können auch Medikamente eingesetzt werden, die das krankhafte Schwitzen verhindern.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Personen, die an einer andauernden intensiven Schweißbildung leiden, sollten einen Arzt konsultieren. Notwendig ist eine medizinische Abklärung vor allem dann, wenn die Hyperhidrose das Wohlbefinden massiv beeinträchtigt und das private wie berufliche Leben belastet. Sollte es bereits bei geringer Anstrengung und Aufregung zu einer starken Schweißbildung kommen, muss noch am selben Tag ein Arzt aufgesucht werden. Spätestens, wenn Begleitsymptome wie Glieder-, Muskel-, Rücken- oder Kopfschmerzen hinzukommen, ist ärztlicher Rat gefragt. Äußerliche Anzeichen wie Blässe und ein allgemein kränkliches Aussehen sind ebenfalls abzuklären.

Wenn Schwindel, Herzrasen und plötzliche Schweißattacken auftreten, muss der Notarzt gerufen werden. Weitere Alarmzeichen, die umgehend untersucht werden müssen, sind Schmerzen in der Brustgegend, Atemnot und Bewusstseinsstörungen. Personen, die an einer Unterfunktion der Schilddrüse, Übergewicht, Störungen des Herz-Kreislauf-Systems oder psychischen Beschwerden leiden, sind besonders anfällig für eine Hyperhidrose. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, sollte bei genannten Symptomen mit dem Hausarzt sprechen. Je nach vermuteter Ursache kann auch ein Dermatologe oder ein Facharzt für innere Medizin hinzugezogen werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Hyperhidrose besteht bei einer sekundären Erkrankung darin, die Haupterkrankung zu behandeln und zu heilen. Bei der primären Erkrankung kommen in leichteren Fällen zunächst wirksame Schweißhemmer zur Anwendung.

Der auch in handelsüblichen Deodorants vorhandene Schweißhemmer Aluminiumchlorid ist in der medizinischen Variante besonders konzentriert. Der Wirkstoff verschließt die Poren und sorgt in einigen Fällen für eine Rückbildung der Schweißproduktion. Ebenfalls eingesetzt wird bei der Hyperhidrose eine Therapie mit Botulinumtoxin. Es handelt sich um ein wirksames Nervengift. Die auslösenden Nervenreize kommen zum Erliegen und die Schweißproduktion der Hyperhidrose reduziert sich auf ein verträgliches Maß.

Diese Therapie muss in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Möglich ist eine medikamentöse Therapie, die allerdings keineswegs frei von Nebenwirkungen ist. Bei schwerer Ausprägung der Hyperhidrose kommen chirurgische Eingriffe in Betracht. Dazu gehört die Entfernung der Schweißdrüsen in den Achselhöhlen, die Absaugung mit Durchtrennung der Nervenenden im Unterhautgewebe oder Durchtrennung von Nervenfasern im Brustbereich. Eine vollständige Heilung der Hyperhidrose ist dabei aber nicht zu gewährleisten.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung bei Hyperhidrose ist begrenzt. Sie besteht vorrangig darin, auslösende Faktoren wie Stress oder bestimmte Nahrungsmittel zu vermeiden. Daneben empfiehlt es sich für die Betroffenen, bei der Kleidung Textilien zu wählen, die für die vermehrte Schweißproduktion bei Hyperhidrose eher geeignet sind wie Baumwolle oder Funktionsfasern.

Nicht selten leiden die von einer Hyperhidrose betroffenen Menschen unter Einbußen ihrer Lebensqualität. Damit das übermäßige Schwitzen nicht den sozialen Rückzug zur Folge hat, empfehlen sich verschiedene Selbsthilfemaßnahmen.

Das können Sie selbst tun

Kommt es unterhalb der Achseln zu vermehrten Schweißausbrüchen, sollte der Betroffene die Achselhaare abrasieren. Durch dieses Vorgehen lässt sich unangenehmer Schweißgeruch vermindern. Sinnvoll ist außerdem das Benutzen von luftiger Kleidung, deren Material aus Baumwolle besteht. Kunstfasern sind besser zu meiden. Bei Schweißfüßen ist außerdem das Tragen von Lederschuhen ratsam. Von Schuhsohlen aus Kunststoff oder Gummi wird dagegen abgeraten.

Eine bedeutende Rolle bei der Hyperhidrose spielt die Hygiene des Körpers. Daher empfiehlt es sich, regelmäßig mit Deoseife zu duschen. Auch Wechselduschen und Saunabesuche gelten als empfehlenswert. Deos gegen Hyperhidrose sollten Aluminiumchlorid enthalten. Zeigt sich das übermäßige Schwitzen an den Füßen, geht der Betroffene so oft wie möglich barfuß.

Von Wichtigkeit ist außerdem die Ernährung. So ist es ratsam, auf heiße und scharfe Speisen zu verzichten. Gleiches gilt für heiße und koffeinhaltige Getränke. Auch den Genuss von Tabakwaren sollte der Betroffene reduzieren. Hilfreich können regelmäßige Waschungen, Fußbäder und das Trinken von Salbeitee sein.

Als sinnvolle Selbsthilfemaßnahmen gelten zudem psychologische Strategien. Dazu gehören der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe sowie das Erlernen von Atemtechniken und Entspannungsmethoden wie autogenem Training oder Yoga. Sind psychische Ursachen für die Hyperhidrose verantwortlich, müssen diese wirksam bekämpft werden. Dabei kann auch auf professionelle Hilfe zurückgegriffen werden.

Bücher über Schwitzen & Schweißausbrüche

Quellen

  • Achenbach, R. K.: Hyperhidrosis. Steinkopff-Verlag, Darmstadt 2004
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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