Stupor

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
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Der Stupor ist ein Symptom einer meist psychischen Erkrankung. Er ist dadurch gekennzeichnet, dass trotz wachen Bewusstseins der Körper in einen Starrezustand verfällt. In extrem schweren Fällen kann ein Stupor auch auf eine lebensbedrohendliche psychische Erkrankung hindeuten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Stupor?

Der Stupor bezeichnet einen körperlichen Starrezustand trotz eines wachen Bewusstseins. Er tritt als Symptom bei unterschiedlichen psychischen oder hirnorganischen Erkrankungen auf. Die Patienten können nicht auf Ansprache reagieren, obwohl sie alles wahrnehmen. Häufig wird der Stupor von einem erhöhten Muskeltonus, Fieber und Störungen des vegetativen Nervensystems begleitet. Dabei deuten bestimmte Merkmale wie Muskeltonus, Augenbewegungen oder Augenöffnung auf einen wachen Zustand hin.

Oft tritt ein Stupor auch zusammen mit Mutismus (Stummheit) auf. Die Betroffenen reagieren zwar gar nicht oder nur geringfügig auf Umweltreize. Sie nehmen diese Reize jedoch mit besonderer Empfindlichkeit auf. Auch die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme ist erschwert, sodass Patienten mit Stupor manchmal auch künstlich ernährt werden müssen. Bei besonders schweren Formen des Stupors kann es sogar zur Katalepsie kommen.

Die Katalepsie ist durch eine sogenannte wächserne Erhöhung des Muskeltonus gekennzeichnet, wobei eine einmal passiv herbeigeführte Lageveränderung der Gliedmaßen über eine längere Zeit unbeweglich beibehalten wird. Auch die unbequemsten Stellungen der Gelenke bleiben bestehen.

Ursachen

Die Ursachen für einen Stupor sind vielfältig. Viele psychisch bedingte Erkrankungen können einen Stupor auslösen. Im Rahmen einer schweren Depression kann es zum sogenannten depressiven Stupor kommen. Die Betroffenen wirken resigniert und sind gleichzeitig hochgradig suizidgefährdet. Beim katatonen Stupor liegt meist eine schizophrene Psychose zugrunde.

Dieser ist durch eine Katalepsie gekennzeichnet und infolge verstärkter körperlicher Reaktionen wie Fieber oder Mineralstoffwechselstörungen hochgradig lebensbedrohend. Der psychogene Stupor wird durch vorausgegangene Traumen oder andere belastende Erlebnisse hervorgerufen. Hier gibt es keine Hinweise auf Schizophrenie, Depression oder organische Ursachen.

Ein organisch bedingter Stupor kann unter anderem durch Hirnhautentzündungen, Enzephalitis (Gehirnentzündung), Epilepsie, andere Anfallsleiden, Hirntumoren, Hirnödemen, Demenz, Lebererkrankungen, hormonelle Erkrankungen oder einen erhöhten Kaliumspiegel ausgelöst werden. Im Rahmen eines Morbus Parkinson kann es ebenfalls zu einem Stupor kommen.

Das Gleiche gilt für die akute Porphyrie und die diabetische Ketoazidose. Auch Medikamente können einen Stupor verursachen. Besonders kann er als Nebenwirkung beim Einsatz von Neuroleptika auftreten. Schließlich führen auch Vergiftungen mit Drogen wie PCP oder LSD oft zu einem Stupor. Auch die unkontrollierte Einnahme von Schlafmitteln und Hypnotika (Barbiturate, Benzodiazepine) sowie von Opiaten sind häufig Ursachen für den Erstarrungszustand.

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Diagnose & Verlauf

Der Stupor bezeichnet einen körperlichen Starrezustand trotz eines wachen Bewusstseins. Er tritt als Symptom bei unterschiedlichen psychischen oder hirnorganischen Erkrankungen auf.

Zur Diagnose des Stupors wird der Arzt zunächst die Anamnese der Krankengeschichte erheben. Da Stuporpatienten nicht ansprechbar sind, werden dazu die nächsten Angehörigen befragt. Bei der Anamnese geht es erst einmal darum, herauszufinden, ob bereits psychische Erkrankungen vorliegen oder in der Vergangenheit vorlagen. Während der körperlichen Untersuchung überprüft der Arzt den Muskeltonus und die Reaktion des Patienten auf Ansprache und Schmerzreize.

Laboruntersuchungen auf Blut, Hirnflüssigkeit oder Rückenmarksflüssigkeit können Aufschluss auf mögliche organische Erkrankungen geben. Es schließen sich neurologische Untersuchungen, Messungen der elektrischen Hirnströme (EEG) und bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie an. Alle Untersuchungen dienen dazu, festzustellen, ob organische oder psychische Ursachen für den Stupor verantwortlich sind.

Die Erscheinungsformen eines Stupors sind oft auch abhängig von der Ursache. So ist es für den Arzt auch wichtig, durch äußere Merkmale die richtige Form zu erkennen. Liegt beispielsweise eine Katalepsie vor, kann der Arzt von einem katatonen Stupor ausgehen, welcher zuweilen im Rahmen einer Schizophrenie vorkommt. Dieser Zustand ist sehr lebensbedrohend. Bei längerem Bestehen eines Stupors kommt es manchmal zu einer Auflösung der quer gestreiften Muskulatur (Rhabdomyolyse).

Die Rhabdomyolyse führt häufig zum akuten Nierenversagen. Andere Komplikationen eines Stupors sind Lungenentzündungen mit Sepsis, Thrombosen, Hautgeschwüre oder Störungen des Elektrolythaushaltes. In diesen Fällen muss der Arzt zur richtigen Behandlung zweifelsfrei den Stupor als Ursache der Komplikationen diagnostizieren oder ausschließen.

Komplikationen

Ein Stupor entsteht meistens aufgrund von psychischen Erkrankungen, die mit verschiedenen Folgen einhergehen können. Allgemeine Komplikationen eines Stupors sind der Zerfall der Skelettmuskulatur (Rhabdomyolyse). Außerdem kann es zu einem Versagen der Niere kommen (Niereninsuffizienz). Eine Pneumonie, die in eine Sepsis übergehen kann oder Thrombosen und Geschwüre sind weitere denkbare Folgen eines Stupors.

Typischerweise entsteht ein Stupor bei Depressionen. Diese können häufig mit Angst- oder Panikstörungen einhergehen. Betroffene trauen sich nicht mehr in die Öffentlichkeit und isolieren sich sozial, was die Symptomatik nur verstärkt. Hinzu können auch zwanghafte Störungen kommen. Betroffene erleiden manchmal Halluzinationen und haben Psychosen, wodurch diese häufig wahnsinnig werden.

Nicht selten nehmen die Betroffenen Drogen oder trinken Alkohol, um ihren Sorgen zu entfliehen. Ein häufiger Drogenkonsum verstärkt die Symptomatik der Halluzinationen und Psychosen nur. Auch durch Alkohol können sich eine Leberzirrhose bilden, die Leber ist nicht mehr funktionsfähig und kann in ein Leberkrebs übergehen.

Auch Essstörungen können den Betroffenen belasten. Sie essen entweder mehr oder weniger, so dass es zu einer Bulimie oder Adipositas kommen kann. Beide Folgeerkrankungen gehen mit einem erhöhten Risiko an Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken einher. Begünstigt wird dies auch durch den häufig dazu gehörigen Schlafmangel. In den schlimmsten Fällen kommt es zum Suizid des Depressiven. Circa 15 Prozent nehmen sich im Verlaufe der Erkrankung das Leben.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn der Verdacht auf einen Stupor besteht, ist es in jedem Fall sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen. Der Hausarzt oder ein Allgemeinmediziner kann dabei als erster Ansprechpartner dienen. Da der Stupor auf verschiedene Ursachen zurückgehen kann, ist nach ersten Untersuchungen möglicherweise eine Überweisung zu einem Facharzt notwendig. Eine solche Überweisung sollten Betroffene unbedingt nutzen.

In einer akuten Situation kann auch ein Notarzt hinzugezogen werden. Dies gilt vor allem dann, wenn unklar ist, ob es sich um einen Stupor oder um ein anderes Krankheitsbild handelt. Für Außenstehende ist oft nicht zu erkennen, ob der Betroffene bei Bewusstsein ist. Andere Krankheiten und Syndrome können sehr ähnlich aussehen. Dazu gehören auch schwere Erkrankungen wie Schlaganfälle, bei denen eine sofortige Behandlung notwendig ist. Deshalb ist es insbesondere in einer solchen unklaren und akuten Situation sinnvoll, einen Notruf abzusetzen.

Aus demselben Grund sind Selbstdiagnosen sehr kritisch zu sehen. Es besteht die Gefahr, dass andere Ursachen missachtet werden und dadurch schwere Komplikationen entstehen.

Eventuell ist bereits eine Erkrankung bekannt, die den Stupor auslösen kann. In diesem Fall können sich Betroffene (ggf. nach einer ersten Abklärung) auch selbst an ihren behandelnden Facharzt wenden. Dabei sollten sie jedoch nicht zu viel Zeit verstreichen lassen.

Behandlung & Therapie

Die Therapie eines Stupors richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Bei einem organisch bedingten Stupor muss die eventuell vorliegende Erkrankung wie Meningitis, Enzephalitis, Hirnödem oder Hirntumor behandelt werden. Nach Ausheilung der organischen Ursache verschwindet auch der Stupor. Ein katatoner Stupor wird mit Neuroleptika wie Fluphenazin oder Haloperidol behandelt.

Zusätzlich können auch Beruhigungsmittel und Angstlöser zum Einsatz kommen. Angstlöser helfen besonders bei einem psychogenen Stupor. Wenn ein depressiver Stupor vorliegt, werden Antidepressiva eingesetzt. Auch Neuroleptika können in diesem Fall verordnet werden. In einigen Fällen hilft eine Elektrokrampftherapie (EKT). Hierbei wird durch elektrische Impulse ein Krampfanfall provoziert. Diese Behandlung muss an mehreren hintereinander folgenden Tagen wiederholt werden. Ein gesundheitliches Risiko besteht bei dieser Therapie kaum.

Auch wenn ein Stuporpatient nicht auf Ansprache reagiert, ist eine gleichbleibende Zuwendung aller beteiligten Personen sehr wichtig. Ehemalige Patienten beschreiben die dauernde Ansprache und Zuwendung als vertrauensbildend und entlastend. Bei einem psychogenen Stupor kann durch eine ruhige und reizarme Atmosphäre oft sogar ein therapeutisches Gespräch ermöglicht werden. Des Weiteren ist eine ständige Überwachung der Vitalfunktionen wichtig, um Komplikationen schnell erkennen zu können.

Aussicht & Prognose

Die Prognose bei Stupor ist abhängig von der Länge des akuten Zustandes und der auslösenden Ursache für den Verlust des Bewusstseins. Eine Genesung gilt als wahrscheinlich, wenn der Patient innerhalb von 6 Stunden ansprechbar ist. Kehrt in den kommenden Tagen die Sprache wieder oder unterliegen die Augen der Willkürbewegung, gibt es ebenfalls gute Chancen auf eine Heilung.

Hinweise auf eine positive Entwicklung sind das Befolgen von Anweisungen und eine angemessene Reaktion des Betroffenen bei verschiedenen Ansprachen. Das kognitive Verständnis und das inhaltliche Reagieren auf Geschehnisse ist wichtig, damit ein guter Heilungserfolg besteht.

Weniger gute Aussichten sind vorhanden, wenn sich die Pupillen bei einer Lichteinwirkung nicht zusammenziehen. Kann der Patient einem Gegenstand mit den Augen nicht folgen, ist das ebenfalls ein Hinweis auf keine vollständige Genesung.

Treten innerhalb der ersten Tage des Stupors vermehrt Krampfanfälle oder ein langanhaltender Anfall auf, gilt eine Genesung als eher unwahrscheinlich. Ist es dem Betroffenen nach über einer Woche nicht möglich, die Hände oder Beine gezielt bewegen zu können, wird der Gesundheitszustand ebenfalls als problematisch eingestuft.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung vor einem Stupor kann nur im Rahmen einer bekannten Grunderkrankung erfolgen. Ihre bestmögliche Behandlung trägt dazu bei, den Erstarrungszustand als Komplikation zu vermeiden. Eine allgemeine Prophylaxe des Stupors gibt es aufgrund der vielen möglichen Ursachen nicht.

Das können Sie selbst tun

Stupor ist ein Zustand der absoluten Erstarrung, der lebensbedrohlich werden kann. Der Betroffene ist zwar bei Bewusstsein, kann aber kaum noch Bewegungen ausführen. Zudem können Fieber und Muskelstarre auftreten, normaler Harndrang und Stuhlgang sind nicht mehr vorhanden. Häufiger Hintergrund sind schwere psychische Erkrankungen wie die katatone Schizophrenie. Jedoch kann auch die Gabe von bestimmten Psychopharmaka einen Stupor auslösen. Dies gilt insbesondere für bestimmte Neuroleptika.

Selbsthilfe ist bei einem akuten Stupor fast unmöglich. Dieser kann ausschließlich nur pharmakologisch aufgelöst werden. Deswegen ist für die Akutbehandlung ein stationärer Rahmen notwendig.

Jedoch können Betroffene durch Selbstfürsorge in Zusammenarbeit mit Medizinern die Veränderung von medikamentösen Grundeinstellungen anstreben, die einen Stupor auslösen können. Sollte ein solcher Zustand aufgetreten sein (möglich mehrfach), ist es angebracht, die Medikation durch Psychopharmaka zu verändern und Alternativen zur Behandlung der Grunderkrankung anzustreben.

Zudem sollten Patienten, die bemerken, dass sich ein Stupor ankündigt, sehr schnell medizinische Hilfe bei Fachleuten suchen, wie z.B. bei einem Neurologen. Da dieser jedoch häufig in Kombination mit schweren psychischen Krankheiten und starker psychopharmakologischer Medikation auftritt, ist es für Betroffene schwer, selbst rechtzeitig zu reagieren. Selbstmedikation durch die Gabe von entspannenden Mitteln, die die Starre auflösen, ist problematisch und häufig nicht durchführbar.

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Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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