Rhabdomyolyse

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Oktober 2017
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Bei der Rhabdomyolyse löst sich die willkürliche (quergestreifte) Muskulatur auf. Die Ursachen sind vielfältig, beispielsweise eine Verletzung der Muskulatur, Autoimmun-Erkrankung, ein Alkohol- oder Drogenmissbrauch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Rhabdomyolyse

Bei einer Rhabdomyolyse zerfallen Muskelfasern der Skelettmuskulatur. Das heißt, dass sich die Muskulatur beginnt aufzulösen. Hierbei werden große Mengen Myoglobin freigesetzt. Über die Blutbahnen gelangen diese bis zu den Nieren. Dies kann zu einem erheblichen Schaden bis hin zum akuten Nierenversagen führen. Daher ist die ärztliche Hilfe unbedingt und unmittelbar notwendig.

Es gibt verschiedene Arten: Die traumatische (körperlich), nicht-traumatische (nicht-körperlich), belastungsabhängige und belastungsunabhängige Rhabdomyolyse. Die belastungsabhängige Rhabdomyolyse kann beispielsweise durch ein zu hartes Training entstehen.

Ursachen

Als Auslöser dieser Erkrankung kommen verschiedenste Faktoren infrage, beispielsweise Krankheiten wie die maligne Hyperthermie (lebensbedrohliche Funktionsstörung der Skelettmuskulatur), die akute toxische Myopathie (Muskelschädigung durch Giftstoffe oder Medikamente), Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Drogen oder Ethanol. Auch Ischämien (Unterversorgung Gewebegebiet mit Blut) oder ein Sauerstoffmangel gehören zu den Auslösern.

Die häufigsten Ursachen sind eine muskelübermäßige Dehnung, Muskeldrucklufterzeugung sowie eine Quetschverletzung. In Bodybuilding-Kreisen wird immer wieder davor gewarnt, dass es durch ein sehr hartes Training, bei dem die Muskulatur schwer überlastet wird, und einem gleichzeitigen Flüssigkeitsmangel, zu einer akuten Muskelentzündung und dadurch zur Rhabdomyolyse kommen kann.

Das Gleiche gilt, wenn die Trainingseinheiten zu schnell hintereinander erfolgen. Zu den giftigen Ursachen gehört Kokain und zu den ansteckenden Auslösern eine Infektion. Vergiftungen durch Schlangenbisse können zur Auflösung der willkürlichen (quergestreiften) Muskulatur und somit zur Rhabdomyolyse führen. Auch Elektrolytstörungen können zu einer Rhabdomyolyse führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Geschwollene, weiche und schmerzende Muskeln sind das deutlichste Zeichen für eine Rhabdomyolyse, während Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Benommenheit und eine schwere Erschöpfung zu den unspezifischen Symptomen gehören. Die Erkrankung kann mit Muskelschmerzen, -krämpfen und -verhärtungen oder einem Anschwellen der Muskulatur mit einer anschließenden Lähmungserscheinung einhergehen.

Spätestens wenn sich der Urin rotbraun färbt, muss sofort ein Mediziner aufgesucht werden, da dies ein Anzeichen für einen sehr hohen Myoglobin-Gehalt im Blut und eine akute Niereninsuffizienz ist. Myoglobin ist ein Protein, das innerhalb der Muskulatur dafür zuständig ist, den Sauerstoff zu transportieren. Kann es in der Niere nicht gefiltert werden, kommt es zur Färbung des Urins. Die Symptome der Rhabdomyolyse dürfen nicht unterschätzt werden, da sie zum Teil lebensgefährlich sind.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine leichte Rhabdomyolyse wird häufig durch erhöhte Werte von Enzymen festgestellt, die normalerweise im Muskel vorkommen, beispielsweise Myoglobin, die Creatin-Kinase und die Lactatdehydrogenase. Wenn die Myoglobinwerte hoch sind, färbt sich der Urin aufgrund der Ausscheidung des Myoglobins über die Nieren rot-braun. Zur Diagnostik gehören eine ausführliche Anamnese, eine klinische Untersuchung, Labor, Elektrophysiologie, Muskelbiopsie mit Pathobiochemie, Muskel-MR und in manchen Fällen eine Elektronenmikroskopie.

Komplikationen

Die Rhabdomyolyse stellt eine Komplikation von verschiedenen traumatischen oder nichttraumatischen Prozessen dar. Verletzungen oder Quetschungen von Muskelgewebe können ebenso wie bestimmte Gifte (Schlangengift), Infektionen, Medikamente, Drogen oder immunologische Erkrankungen zur Auflösung von quer gestreifter Muskulatur führen. Die gefährlichste Komplikation der Rhabdomyolyse kann sich aufgrund der vermehrten Ausscheidung von Myoglobin durch die Nieren entwickeln.

Das Myoglobin bildet sich beim Abbau von Muskelgewebe. Es veranlasst oft die Verlegung der Tubuli in den Nieren, wobei das im Häm enthaltene Eisen die Tubuluszellen schädigt. In der Folge kann Tubulusgewebe absterben, was häufig ein akutes Nierenversagen hervorruft. Des Weiteren kann es zum sogenannten Kompartmentsyndrom kommen, welches ebenfalls einen schweren Notfall darstellt.

Dabei verhindern die Abflussstörungen von venösem Blut durch Schwellungen im Muskelbereich den Zustrom von arteriellem Blut, was zu einer Unterversorgung der Muskulatur und der daraus resultierenden weiteren Nekrose von Muskelgewebe führt. Gleichzeitig kommt es häufig zu einer Hyperurikämie, die von einer Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut gekennzeichnet ist. Daraus können sich die Symptome einer Gicht entwickeln.

Außerdem treten nicht selten Elektrolytstörungen wie Hyperkaliämie, Hyperphosphatämie und Hypokalziämie auf. Diese führen zu Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Krampfanfälle, Tetanie, Kreislaufkollaps und psychischen Beeinträchtigungen wie Depressionen oder Angststörungen. Eine weitere Komplikation stellt das bedrohliche Absinken der Thrombozytenzahl dar, die gleichzeitig zu Thrombosen und starker Blutungsneigung führt.

Behandlung & Therapie

Die Rhabdomyolyse bildet sich meistens über eine längere Zeit aus und kann bei einem rechtzeitigen Unterbinden der Auslöser manchmal rückgängig gemacht werden. Der Abbau der Muskulatur kann in therapeutischer Hinsicht zwar nicht gestoppt werden, jedoch bildet er sich nach einiger Zeit wieder von selbst zurück. Eine leichte Rhabdomyolyse, die rechtzeitig erkannt wird, kann durch eine starke Zufuhr von Flüssigkeit und gegebenenfalls zusätzlichen Elektrolyten behandelt werden.

Nur einer eventuellen Schädigung der Nieren sowie einem Volumenmangel, da der beschädigte Muskel Flüssigkeit bindet, muss rechtzeitig begegnet werden. Mit einer forcierten Diurese kann die Schädigung der Nieren vermieden werden. Hierbei werden dem Betroffenen durch Infusionen mehrere Liter Flüssigkeit (physiologische Kochsalzlösung) zugeführt, um die Ausscheidung des Myoglobins zu beschleunigen und das Myoglobin, das sich im Urin angesammelt hat, zu verdünnen.

Genügt dies nicht, wird auch durch bestimmte Stoffe der ph-Wert zusätzlich gesenkt, damit sich das Myoglobin auflöst. In extremen Fällen kann mit einer Dialyse das Myoglobin aus dem Blut entfernt werden. Die Nieren werden dabei gereinigt, um wieder selbstständig funktionstüchtig zu sein. Die betroffene Muskulatur darf nicht mehr belastet werden, bis sämtliche Auffälligkeiten abgeklungen sind. Das wichtigste Behandlungsziel ist grundsätzlich, eine akute Nierenverletzung zu vermeiden. Die Rhabdomyolyse endet unbehandelt in den meisten Fällen in einem tödlichen Nierenversagen. Dies resultiert aus der Anflutung der Zerfallsprodukte.

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Vorbeugen

Um eine Rhabdomyolyse zu verhindern, muss im Allgemeinen vermieden werden, die Muskeln einem zu intensiven Stress auszusetzen, beispielsweise durch ein Übertraining. Zudem muss unbedingt darauf geachtet werden, dass der Körper vor, während und nach den sportlichen Tätigkeiten nicht dehydriert, indem ausreichend getrunken wird. Sporteinsteiger sollten langsam beginnen und das Training schrittweise steigern. Ein Warmmachen der Muskeln ist wichtig.

Bei Krankheiten sollte auf Sport verzichtet und bei der Einnahme von Medikamenten ein Arzt befragt werden. Von einem Training in der Verbindung mit Alkohol oder Drogen wird ebenso dringend abgeraten. Auch ein ausreichender Schlaf sowie eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen sind sehr wichtig. Des Weiteren sollte bei zu extremen Temperaturen nicht trainiert werden, ganz gleich, ob kalt oder heiß.

Die Belastung ist für den gesamten Organismus bei einer starken Hitze oder hohen Minusgraden zu groß. Der Körper kann aufgrund der extremen Umstände Trainingsreize nicht sinngemäß verarbeiten. Dadurch kann es im Körper zu Fehlreaktionen kommen, beispielsweise dem Abbau der quergestreiften Muskulatur.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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