Diabetische Ketoazidose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Dezember 2017
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Als diabetische Ketoazidose wird ein Versagen des Stoffwechsels bezeichnet. Betroffen sind hier bei Typ-1-Diabetiker. Die diabetische Ketoazidose tritt plötzlich auf und kann zum Tod führen. Verursacht wird die diabetische Ketoazidose durch einen zu hohen Blutzuckerwert bei einem ausgeprägten Insulinmangel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die diabetische Ketoazidose?

Die diabetische Ketoazidose ist eine Stoffwechselentgleisung. Insulinpflichtige (Typ-1) Diabetiker sind besonders betroffen. Die diabetische Ketoazidose kann dann auftreten, wenn die Blutzuckerwerte nicht gut eingestellt sind.

Jedoch kann das Versagen des Stoffwechsels auch plötzlich auftreten. Ein Mangel an Insulin lässt die Blutzuckerwerte stark ansteigen. Dieser Zustand wird auch als Hyperglykämie bezeichnet. Aufgrund eines übermäßigen Dursts und ständigem Wasserlassen, verliert der Körper Flüssigkeit und trocknet langsam aus (Exsikkation).

Neben Herz-Kreislauf- und Nierenproblemen, kommt es zu Bewusstseinsstörungen, die unbehandelt zum Koma führen können. Eine diabetische Ketoazidose muss sofort im Krankenhaus behandelt werden, da sie unbehandelt oder auch nur unzureichend behandelt zum Tod führen kann.

Ursachen

Die diabetische Ketoazidose kann durch mehrere Faktoren ausgelöst werden. Eine der Ursachen ist häufig ein noch nicht erkannter Diabetes mellitus. Eine weitere Ursache ist ein falsch eingestellter Blutzuckerwert. Insulinpflichtige Diabetiker spritzen sich zu wenig Insulin oder nehmen nur Tabletten ein.

Je nach Ausprägung des Diabetes, kann die Insulinzufuhr über eine sog. Insulinpumpe erfolgen. Hierbei kann es mitunter vorkommen, dass der gelegte Katheter verschlossen ist, so dass kein Insulin mehr verabreicht werden kann.

Auch Krankheiten, Infektionen oder Operationen können eine diabetische Ketoazidose auslösen, da hierbei oftmals ein erhöhter Bedarf an Insulin besteht. Alkohol kann ebenfalls ein Auslöser sein. Des Weiteren gibt es Erbkrankheiten, bei denen ein angeborener Mangel an Succinyl-CoA Acetoacetate Transferase vorliegt, die die Stoffwechselstörung verursachen.

All diese Faktoren haben jedoch eines gemeinsam, den Insulinmangel. Der Körper benötigt Insulin, so dass die einzelnen Zellen Zucker aufnehmen können. Liegt ein Mangel an Insulin vor, kann nur bedingt Zucker aufgenommen werden. Die Folge ist, dass sich der Zucker im Blut ansammelt und der Blutzuckerwert drastisch ansteigt.

Da die Zellen trotzdem Energie benötigen, werden in der Leber sog. Ketonkörper (Ketone) gebildet, die eine Übersäuerung des Blutes bewirken. Der Überschuss an Zucker und Ketone entziehen dem Körper Wasser und Elektrolyte, die mit dem Urin ausgeschieden werden, so dass es als Folge zur Dehydratation, Kussmaul-Atmung, Herz-Kreislaufstörungen, Bewusstseinsstörungen, Koma und Tod kommen kann.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Liegt der Verdacht auf eine diabetische Ketoazidose vor, so muss sofort der Rettungsdienst gerufen bzw. der Betroffene muss umgehend ins Krankenhaus gebracht werden.

Diagnostiziert wird die diabetische Ketoazidose durch den Arzt. Zu Beginn erfolgt die Bestimmung des Blutzuckerwertes. Des Weiteren werden der Zucker als auch die Ketonkörper im Urin bestimmt. Zusätzlich werden der pH-Wert des Blutes gemessen, die Werte des Natrium und Kalium, sowie die Blutgase bestimmt. Eine diabetische Ketoazidose erkennt man auch am Atem des Betroffenen, da dieser stark nach Aceton riecht (ähnlich wie der Geruch des Nagellackentferners).

Der Verlauf einer diabetischen Ketoazidose kann tödlich enden. Nur wenn die Symptome rechtzeitig erkannt und unmittelbar eine Behandlung eingeleitet werden kann, erholt sich der Patient wieder. Unzureichend behandelt können bleibende Schäden an Nieren, Herz, Gehirn, usw. auftreten. Da der Kreislauf bei einer diabetischen Ketoazidose sehr schnell versagt, fallen viele Betroffene in ein Koma, von dem sich die meisten nur unvollständig erholen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Verdacht auf eine diabetische Ketoazidose muss umgehend der Rettungsdienst gerufen bzw. der Betroffene muss sofort in die nächstgelegene Klinik gebracht werden. Wer also übermäßigen Durst, häufiges Wasserlassen und andere Warnzeichen bemerkt, sollte diese rasch abklären lassen. Wenn Symptome wie Bewusstseinsstörungen oder starke Bauchschmerzen auftreten, ist der ärztliche Notdienst der richtige Ansprechpartner. Sollte es zu ernsten Herz-Kreislauf-Beschwerden oder gar zum diabetischen Koma kommen, muss der Notarzt alarmiert werden.

Die diabetische Ketoazidose wird häufig durch einen noch nicht diagnostizierten Diabetes mellitus ausgelöst. Auch ein falsch eingestellter Blutzuckerwert sowie diverse Krankheiten, Infektionen oder Operationen können zum Stoffwechselversagen führen. Wer die Vermutung hat, dass einer dieser Faktoren vorliegen könnte, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen. Besteht ein konkreter Verdacht, wird am besten direkt das Krankenhaus konsultiert. Nach der initialen Behandlung sollte der Kardiologe, Diabetologe, Neurologe oder Podologe aufgesucht werden, immer abhängig von den jeweils auftretenden Beschwerden. Unter Umständen ist auch der Gang zum Psychologen sinnvoll.

Komplikationen

Eine diabetische Ketoazidose ist als eine schwerwiegende Komplikation des Diabetes mellitus anzusehen. Um weitere Folgeschäden zu vermeiden, sollte sie so schnell wie möglich behandelt werden. Mögliche Komplikationen ergeben sich zum einen aus den Symptomen der Ketoazidose.

So können Verwirrtheit und Sehstörungen zu weiteren Gefahren wie Stürzen und Knochenbrüchen führen. Bei der Normalisierung des Blutzuckerwertes ist Vorsicht geboten. Erfolgt die Einstellung des regulären Blutzuckers zu rasch, droht die Gefahr eines Hirnödems. Infolgedessen können unterschiedliche Komplikationen auftreten. Möglich ist eine Sehstörung bis hin zu einem vollständigen Verlust der Sehfähigkeit.

Gedächtnisverlust, Ohnmacht und Krampfanfälle sind weitere Risiken. Steigt der Hirndruck in Folge des Ödems zu stark an, können Arreale im Gehirn Schaden nehmen. Im schlimmsten Fall ist die Schädigung irreversibel. Die jeweiligen Folgen sind abhängig vom betroffenen Bereich des Gehirns. Eine weitere mögliche Komplikation ist der Kaliummangel. In weiterer Folge kann dies zu Herzrhythmusstörungen führen.

Zusammenfassend ist zu betonen, dass die Ketoazidose so rasch wie möglich behandelt werden muss. Bei richtiger und schneller Therapie ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens weiterer Komplikationen sehr gering. Bei unzureichender Behandlung besteht jedoch die Gefahr in ein diabetisches Koma zu fallen. In einigen wenigen Fällen können Ketoazidosen daher einen tödlichen Ausgang nehmen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer diabetischen Ketoazidose muss immer im Krankenhaus erfolgen. Bei Fällen mit stark ausgeprägten Symptomen ist meist sogar eine Intensivüberwachung erforderlich.

Der erste Behandlungsschritt beinhaltet die Senkung des Blutzuckerwertes. Hierbei wird mittels Injektionen und Infusionen Insulin direkt in die Venen eingebracht. Neben Senkung der Blutzuckerwerte, gilt es die Übersäuerung des Blutes aufzuhalten. Ist der Ketonkörperwert stark erhöht und nimmt die Übersäuerung des Blutes durch das injizierte Insulin nicht ab, wird bei Bedarf zusätzlich noch Bikarbonat verabreicht.

Zusammen mit dem ersten Behandlungsteil erfolgt die Gabe von Flüssigkeit, so dass der Flüssigkeitsverlust wieder ausgeglichen wird. Durch die Dehydratation verliert der Körper wertvolle Mineralien wie z. B. Natrium und Kalium. Der Elektrolytverlust wird mittels Infusionen ausgeglichen, so dass sich der Kreislauf in Folge der vermehrten Flüssigkeitszufuhr stabilisiert.

Wurde die diabetische Ketoazidose durch eine Krankheit oder Infektion verursacht, werden diese gezielt mit Medikamenten - u. a. hochdosierte Antibiotika - therapiert.

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Aussicht & Prognose

Für den Verlauf der diabetischen Ketoazidose ist eine sofortige medizinische Notbehandlung entscheidend. Ohne Behandlung führt dieser Zustand meist schnell zum Tod. Der Tod tritt hauptsächlich durch den sehr starken Flüssigkeitsverlust ein, der sich als Folge einer schweren Polyurie ergibt. Bei sofort einsetzender Behandlung bestehen jedoch sehr gute Aussichten auf schnelle Besserung der Symptome. Zur Überwindung der Austrocknung des Körpers muss sofort Flüssigkeit zugeführt werden. Außerdem ist umgehend eine Infusion von Insulin notwendig, um den hohen Blutzuckerspiegel wieder zu normalisieren.

Die schnellen Notmaßnahmen können zwar die Übersäuerung des Blutes und die Exsikkose gut behandeln, eine Heilung ist jedoch nicht möglich, weil der diabetischen Ketoazidose ein Diabetes mellitus mit absolutem Insulinmangel zugrunde liegt. Unheilbar bedeutet hier, dass es ohne ständige Behandlung immer wieder zu einer diabetischen Ketoazidose kommen würde.

Ein absoluter Insulinmangel tritt häufig im Rahmen von schweren Formen des Diabetes mellitus auf. Meist handelt es sich dabei um Diabetes mellitus vom Typ I. Bei dieser Erkrankung ist der Patient ständig auf Insulingaben angewiesen, um eine diabetische Ketoazidose zu vermeiden. Unter diesen Bedingungen treten keine gesundheitlichen Probleme mehr auf. Nach erfolgreicher Behandlung der diabetischen Ketoazidose bleiben in der Regel auch keine Folgeschäden zurück. Im Rahmen der Therapie sollte jedoch auf eine gute Einstellung des Blutzuckerspiegels geachtet werden.

Vorbeugung

Um einer diabetischen Ketoazidose vorzubeugen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden. Der wichtigste Punkt ist eine gute Einstellung des Blutzuckerwertes. Des Weiteren sollten Typ-1-Diabetiker stets eine Notfalldosis Insulin mit sich führen.

Der Blutzuckerwert muss regelmäßig kontrolliert werden. Liegt eine Infektion vor, so sollten Diabetiker - nach Rücksprache mit dem Arzt - die Insulindosis erhöhen. Das gleiche gilt vor Operationen als auch bei Krankheiten wie z. B. Magen-Darm-Infektionen. Auf Alkohol sollte verzichtet werden. Dies gilt insbesondere für Diabetiker.

Eine weitere vorbeugende Maßnahme ist das sog. Notfallmanagement. Hierbei gilt es Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte zu schulen. Von Ärzten, Krankenkassen und Verbänden werden Kurse angeboten, bei denen gelehrt wird, woran eine diabetische Ketoazidose erkannt wird und welche Sofortmaßnahmen ergriffen werden müssen.

Das können Sie selbst tun

Die diabetische Ketoazidose wird meist durch einen Insulinmangel bei Typ 1 Diabetes verursacht. Sehr selten tritt die Erkrankung auch bei einem Diabetes Typ 2 auf. Es handelt sich in jedem Fall um einen akuten, lebensbedrohlichen Notfall, der sofortiger medizinischer Behandlung bedarf. Bei plötzlich auftretenden Symptomen, die auf eine Ketoazidose hindeuten, muss schnellstmöglich ein Krankenhaus aufgesucht werden, damit Insulin auf direktem Wege intravenös verabreicht und der Betroffene notfalls intensiv-medizinisch betreut werden kann.

Selbsthilfemaßnahmen können in diesen Fällen als Begleittherapie hilfreich sein. Vor allem ist die Versorgung mit Elektrolyten – vor allem mit Kalium - zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung einer normalen Herzfrequenz und zur Sicherstellung anderer Organfunktionen und Stoffwechselvorgängen wichtig. Nach erfolgreicher Überwindung der diabetischen Ketoazidose, die in vielen Fällen auch die Verabreichung von Bikarbonat (Hydrogencarbonat) zur Anhebung des pH-Wertes erforderlich macht, empfiehlt sich eine Identifizierung des oder der Gründe, die zu dem Insulinmangel im Blut und damit zum Glukosemangel in den Zellen und letztlich zur Übersäuerung des Blutes geführt haben. Verursacher einer plötzlich auftretenden Ketoazidose können beispielsweise auch Harnwegsinfektionen, eine Infektion im Magen-Darmtrakt oder Alkoholabusus sein.

Wenn die Gründe einwandfrei geklärt wurden, können entsprechende Selbsthilfe- und Vorsorgemaßnahmen dazu beitragen, dass sich die diabetische Ketoazidose nicht wiederholt. Vor allem ist eine strikte Kontrolle und Einstellung der empfohlenen Blutzuckerkonzentration als Selbsthilfemaßnahme gefordert.

Bücher über Diabetes mellitus

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Usadel, K.-H., Wahl, P.: Diabetologie und Stoffwechsel. In: Bob, A. u. K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

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