Mutismus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. August 2017
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Beim Mutismus handelt es sich um eine Sprachstörung, die zumeist keine körperlichen Ursachen, wie z.B. Defekte am Gehör oder Probleme mit den Stimmbändern, hat. Diese Sprachstörung ist also etwas völlig anderes als die bei Taubstummen. Die Ursache liegt in einer psychischen Störung oder an Schädigungen des Gehirns. Beim Mutismus wird zwischen (s)elektiven Mutismus, totalem Mutismus und akinetischen Mutismus unterschieden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Mutismus?

Das Wort Mutismus wurde aus dem lateinischen „mutus“ abgeleitet, das so viel wie „stumm“ bedeutet. Dieser Begriff ist genau genommen aber nicht richtig, denn betroffene Menschen sind nicht stumm im klassischen Sinn, sondern können rein physisch durchaus sprechen.

Menschen, die unter dem selektivem und dem totalem Mutismus leiden, sind grundsätzlich rein körperlich in der Lage normal zu sprechen. Sie haben keine körperlichen Einschränkungen, die Sprache nicht zulassen, wie Störungen an den Stimmbändern oder im Gehör. Durch eine psychische Erkrankung leiden die Betroffenen aber unter so starker Angst, dass sie das Sprechen einstellen. Dies kann durchgehend oder nur in bestimmten Situationen sein.

Der akinetische Mutismus hat seine Ursache in einer Schädigung des Frontalhirns oder durch Gehirntumore. Auch die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit kann für den akinetischen Mutismus verantwortlich sein.

Ursachen

Mutismus wird stark durch die genetische Disposition begünstigt. Menschen, die schon im Kindesalter häufig extreme Angstreaktionen gezeigt haben, sind am häufigsten vom Mutismus betroffen.

Zu diesen Angstreaktionen zählen z.B. extreme Trennungsangst, Einschlafstörungen oder Weinanfälle. In Forschungen kam man zu dem Ergebnis, dass bei diesen Menschen das Angstzentrum im Gehirn viel heftiger reagiert als es eigentlich notwendig wäre. Kleine Gefahrensituationen können schon extreme Reaktionen auslösen um den Selbstschutz zu aktivieren. Bei einem gesunden Menschen würde eine solche Situation das Angstzentrum nicht so stark aktivieren.

Beim selektiven Mutismus wird die Angstreaktion durch bestimmte Ereignisse ausgelöst. Spricht das Kind zuhause völlig normal, kann es dagegen im Kindergarten beharrlich schweigen. Das Kind fühlt sich im Kindergarten aus einem nicht nachvollziehbaren Grund in Gefahr und spricht deshalb in dieser Umgebung nicht mehr. Beim totalen Mutismus schweigen die Betroffenen dagegen durchgehend. Verantwortlich ist hierfür ebenso eine psychische Störung, die genauen Ursachen sind jedoch nicht bekannt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Mutismus kann von Ärzten oder Psychologen diagnostiziert werden. Da diese Erkrankung aber noch nicht abschließend erforscht ist und relativ unbekannt ist, fällt die Diagnose nicht immer leicht.

Bei Kindern können die Eltern hierbei ausschlaggebende Hinweise liefern, die den Arzt in die richtige Richtung führen. Auch ein Sprachtherapeut kann der richtige Ansprechpartner sein. Sprachtherapeuten sind häufig besser mit Mutismus vertraut als Ärzte und Psychologen.

Für die weitere Entwicklung ist eine Behandlung mittels Psychotherapie enorm wichtig. Gerade betroffene Kinder leiden sehr stark unter der Situation, werden schnell zum Außenseiter und es kann zu Problemen in der Schule kommen. Zudem können Depressionen entstehen, die nicht selten Selbstmordgedanken auslösen können. Auch Sozialphobien sind häufig ein Folge von Mutismus.

Komplikationen

Totaler Mutismus kann die Behandlung erschweren, da sich der Betroffene auch einem Therapeuten oder Psychiater gegenüber nicht mitteilen kann. Mithilfe von geeigneten Gesprächstechniken können empathische Behandler jedoch die Kommunikation ermöglichen. Ähnliches gilt für selektiven Mutismus. In beiden Fällen ist ein gutes Vertrauensverhältnis zum Therapeuten oder Arzt besonders wichtig.

Bei Kindern mit selektivem Mutismus kommt es häufig zu anderen psychischen Erkrankungen oder Beschwerden. Viele Mutisten leiden unter einer Angststörung oder einer klinischen Depression. Dabei ist zu beachten: Mutismus sollte eigentlich nur dann diagnostiziert werden, wenn die Angststörung oder die Depression das psychogene Schweigen nicht vollständig erklären kann.

Ohne eine ausreichende Therapie besteht die Gefahr, dass der Mutismus bestehen bleibt. In der Regel sollte die Behandlung so bald wie möglich beginnen. Je länger der Mutismus andauert, desto wahrscheinlicher werden Komplikationen. Die Persönlichkeitsentwicklung kann beeinträchtigt werden.

Bei mutistischen Kindern sind Enkopresis und Enuresis ebenfalls häufige Komplikationen. Dabei koten beziehungsweise nässen sie sich ein, obwohl sie eigentlich bereits gelernt haben, ihre Ausscheidungen zu kontrollieren. Erwachsene Mutisten sind durch ihre psychische Krankheit häufig beruflich und familiär eingeschränkt.

Der Mutismus trifft bei anderen Personen häufig auf Unverständnis oder Hilflosigkeit. Wenn der Mutismus durch ein Trauma ausgelöst wird, erhöht sich durch ungünstige Reaktionen von Angehörigen die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Behandlung & Therapie

Mutismus wird sowohl sprachtherapeutisch als auch psychiatrisch und psychologisch behandelt. Ob einzelne Behandlungsformen ausreichen, oder eine Kombination aus den verschiedenen Behandlungsbereichen nötig ist, muss vom Ausmaß der Erkrankung abhängig gemacht werden. Aber auch die eigentliche Ursache bestimmt die Form der Behandlung.

Zusätzlich kann Mutimus auch auf dem medikamentösen Weg behandelt werden, dafür werden Antidepressiva eingesetzt. Diese sorgen für einen ausgeglicheneren psychischen Zustand und vermindern somit auch Angstgefühle. Der Betroffene kann seinen Alltag entspannter erleben und wird weniger oft von der Sprachhemmung heimgesucht.

In jedem Fall ist es wichtig, eine Behandlung zu starten, sobald Mutismus diagnostiziert wurde. Je früher die Therapie einsetzt, umso größer sind die Erfolgschancen. Hat sich das Angstverhalten über viele Jahre gefestigt, ist eine Therapie sehr viel schwieriger und wird nicht so schnell zum Erfolg führen. Inzwischen existieren einige Therapieformen, die speziell für Mutismus entwickelt wurden. Welche die richtige Form der Therapie ist, kann unterschiedlich sein. Ein Allheilmittel existiert nicht.

Eine Therapie von Mutismus ist immer eine sehr langwierige Angelegenheit und nicht innerhalb von wenigen Wochen abgeschlossen. Je nachdem, wie stark sich die psychische Störung schon manifestiert hat, können Monate oder sogar Jahre der regelmäßigen Therapie nötig sein um eine dauerhafte Verbesserung zu erzielen.

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Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung für Mutismus existiert nicht. Eltern, die bei ihren Kindern ein enorm gesteigertes Angstverhalten beobachten, sollten ihr Kind aber entsprechend stärken um die Ängste zu vermindern. Eventuell kann schon dann der Rat eines Kinderpsychologen angebracht sein, damit das Selbstbewusstsein des Kindes gestärkt und übersteigerte Ängste eingedämmt werden.

Bücher über Mutismus

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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