Schreckhaftigkeit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 8. Mai 2017
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Die Schreckhaftigkeit ist ein Symptom verschiedener Erkrankungen. Das Erschrecken ist eine Reaktion des Körpers auf ein gerade passierendes Ereignis oder eine Passivreaktion auf ein bereits zurückliegendes Geschehnis. Die Schreckhaftigkeit wird durch das vegetative Nervensystem gesteuert und ist bewusst nicht steuerbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schreckhaftigkeit?

Die Schreckhaftigkeit ist eine Angstreaktion des Körpers auf verschiedene Ereignisse, die bereits passiert sind oder die soeben passieren.

Die Schreckhaftigkeit hält zwischen einem Bruchteil von Sekunden bis hin zu max. einer Sekunde an. Das Erschrecken selbst ist gleich wieder vorbei, jedoch durch die immense Ausschüttung von Adrenalin wird der Körper noch für einige Minuten nach dem Ereignis in Aufregung versetzt.

Das aktive Erschrecken auf ein gerade ablaufendes Ereignis, ist eine normale und gesunde Reaktion des menschlichen Körpers. Als krankhaft wird die Schreckhaftigkeit bezeichnet, wenn kein Grund vorliegt oder wenn lange zurückliegende Ereignisse im Nachhinein immer wieder das vegetative Nervensystem überfluten und ein Erschrecken auslösen.

Ursachen

Die Schreckhaftigkeit bei einem aktiven Ereignis - z.B. hinter einem ertönt plötzlich ein lauter Knall - ist eine normale Reaktion des Körpers. Diese Reaktion ist in den Genen festgelegt. Für den Urmenschen war es überlebenswichtig, auf Gefahren sofort zu reagieren. Die Schreckhaftigkeit ist sozusagen ein Überbleibsel aus den Anfängen des Menschen.

Die Schreckhaftigkeit kann jedoch auch andere Ursachen haben. Häufig ist sie Symptom von verschiedenen Erkrankungen wie z.B. posttraumatische Belastungsstörung, Klaustrophobie, bipolare Störung, Schizophrenie, usw. Die Ursache für die Schreckhaftigkeit liegt in den meisten Fällen im psychischen Bereich.

Vergangene traumatische Ereignisse wie z.B. Missbrauch, Kriegserfahrungen, Naturkatastrophen, Technikkatastrophen wie z.B. Flugzeugabsturz (siehe auch Flugangst), aber auch körperliche und psychische Extrembelastungen wie z.B. lebensbedrohliche Erkrankungen, hinterlassen ihre Spuren in der menschlichen Psyche. Eine weitere Ursache für die Schreckhaftigkeit kann auch ein Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch sein.

Diagnose & Verlauf

Das aktive Erschrecken auf ein gerade ablaufendes Ereignis, ist eine normale und gesunde Reaktion des menschlichen Körpers.

Diagnostiziert wird die Schreckhaftigkeit i.d.R. durch den Hausarzt, obwohl bei der Schreckhaftigkeit nicht als Krankheit gesprochen werden kann, da sie Symptom vieler anderer Erkrankungen ist. Aufgrund dessen sollte auch ein Neurologe oder Psychologe konsultiert werden, um den Grund für die Schreckhaftigkeit zu eruieren. Dies erfolgt über eine umfangreiche Anamnese (Erfassen der Krankheitsgeschichte) als auch ausführlicher in einer Gesprächstherapie.

Der Verlauf der Schreckhaftigkeit hängt davon ab, in welcher Ausprägung diese vorhanden ist. Das ganz normale Erschrecken ist nicht behandlungsbedürftig, da es in einem Bruchteil von Sekunden wieder vorbei ist und die nachfolgenden körperlichen Reaktionen innerhalb weniger Minuten abgeklungen sind.

Der Verlauf bei der chronischen Schreckhaftigkeit, hervorgerufen durch diverse psychische Erkrankungen, kann sich mitunter über Jahre erstrecken. Je nach Art und Erfolg einer Therapie, kann die Schreckhaftigkeit überwunden werden oder zumindest so weit positiv beeinflusst werden, dass sie sich nicht mehr nachteilig auf das Leben des Betroffenen auswirkt.

In manchen Fällen ist die Schreckhaftigkeit nicht therapierbar, so dass die Betroffenen ein Leben lang darunter leiden.

Komplikationen

Bei der Schreckhaftigkeit handelt es sich um ein rein psychologisches Problem, welches nicht durch physische Einschränkungen oder Probleme entsteht. Wer an einer Schreckhaftigkeit leidet, hat in der Regel eine stark verminderte Lebensqualität und kann seinen Alltag nicht richtig meistern. Die betroffenen Menschen können sich nicht mehr frei bewegen und fürchten sich vor vielen alltäglichen und komplett gewöhnlichen Dingen.

Durch die Schreckhaftigkeit können soziale Probleme entstehen, oft kommt es dabei auch zu sozialen Ausgrenzungen und zu anderen sozialen Problemen. Das regelmäßige Aufsuchen einer Arbeitsstätte ist nicht mehr möglich oder führt zu sehr starken Einschränkungen. Falls die Schreckhaftigkeit das Leben sehr stark beeinflusst, sollte auf jeden Fall ein Psychologe aufgesucht werden.

Die Behandlung findet vor allem durch Gespräche und Medikamente statt. Eine operative Behandlung ist nicht vorgesehen. In den meisten Fällen führt eine Behandlung relativ schnell zum Erfolg. Es kann allerdings nicht universell vorausgesagt werden, ob die Schreckhaftigkeit komplett verdrängt werden kann oder nicht. In einigen Fällen kann die Schreckhaftigkeit zu derart starken psychischen Probleme führen, dass der Patient in einer geschlossenen Anstalt behandelt werden muss.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung erster Wahl ist die Gesprächstherapie. Mit ihrer Hilfe ergründet man zu Beginn, warum man überhaupt eine Schreckhaftigkeit entwickelt hat. Erst wenn die Ursache für die Schreckhaftigkeit ergründet wurde, kann diese adäquat behandelt werden. In der Regel wird die Gesprächs- oder auch Psychotherapie weitergeführt, unterstützend kann eine Verhaltenstherapie durchgeführt werden.

Hierbei lernt der Betroffene sich seinen Ängsten zu stellen und diese in den Alltag zu integrieren. Des Weiteren werden traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit aufgearbeitet, so dass der Betroffene lernt mit diesen Geschehnissen zu leben. Bei leicht ausgeprägter Schreckhaftigkeit ist auch das Erlernen von Entspannungstechniken von Vorteil, da diese sich auch beruhigend auf die Psyche auswirken.

Unterstützend kann auch eine medikamentöse Behandlung erfolgen. Je nach Ursache der Schreckhaftigkeit können u.a. Antidepressiva, aber auch homöopathische Arzneimittel eingesetzt werden.

Aussicht & Prognose

Eine Schreckhaftigkeit kann in der Regel relativ gut behandelt werden. Auch ohne Behandlung kann die Schreckhaftigkeit wieder von alleine zurück gehen, falls es sich dabei nur um einen kurzzeitigen psychischen Zustand gehandelt hat. Sie tritt oft bei Kindern auf, wenn diese gruselige Sachen oder Themen gehört haben. Allerdings kann eine Schreckhaftigkeit auch bei Erwachsenen durch ein bestimmtes Erlebnis ausgelöst werden. Oft vergeht die Schreckhaftigkeit mit der Zeit und führt nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden.

In manchen Fällen stellt die Schreckhaftigkeit eine besonders hohe Belastung dar, falls sie den Alltag erschwert. So können gewöhnliche Dinge nicht mehr durchgeführt werden, auch das Aufsuchen der Arbeitsstätte kann zu einem Problem werden. Darüber hinaus werden oft soziale Kontakte gemieden, was zu sozialer Ausgrenzung führen kann.

Die Behandlung der Schreckhaftigkeit erfolgt in der Regel durch einen Psychologen und kann mehrere Monate andauern. Hier ist vor allem entscheidend, was die Schreckhaftigkeit auslöst. Die Behandlung kann mit beruhigenden Medikamenten unterstützt werden und führt in der Regel zum Erfolg. Ein operativer Eingriff wird nicht benötigt.

In einigen Fällen kann die Schreckhaftigkeit so weit fortgeschritten sein, dass der Patient den Alltag nicht mehr alleine meistern kann. In diesem Fall ist eine Behandlung in einer geschlossenen Einrichtung notwendig.

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Vorbeugung

Es gibt keine vorbeugenden Maßnahmen bei der Schreckhaftigkeit. Die Schreckhaftigkeit ist eine gesunde Reaktion des menschlichen Körpers und nicht vom Willen beeinflussbar, das heißt, sie kann nicht bewusst gesteuert werden. Vorbeugend kann man eine Gesprächs- oder Psychotherapie durchführen, um das Wiederauftreten von psychischen Erkrankungen zu mindern, deren Symptom häufig die Schreckhaftigkeit ist.

Hausmittel & Kräuter gegen Schreckhaftigkeit

  • Baldrian, als Tropfen eingenommen, beruhigt Nerven und Seele.
  • Melissentee sorgt für ruhigen und tiefen Schlaf.

Das können Sie selbst tun

Es gibt einige Maßnahmen und Hausmittel, die bei Schreckhaftigkeit helfen. Innere Anspannung und Nervosität können etwa mit Baldrian, Lavendel oder Salbei gelindert werden. Bei Einschlafproblemen in Folge der Schreckhaftigkeit hilft Melissen- oder Kamillentee.

Je nach Ursache können unterstützend dazu homöophatische Arzneimittel wie Globuli, Ginseng-Wurzel oder Heilkräuter verwendet werden. Daneben gilt es, die Ursachen der Schreckhaftigkeit zu ermitteln und diese etwa im Rahmen einer Gesprächstherapie, durch einen Wechsel des Umfelds oder durch diätische Maßnahmen zu behandeln.

Im Alltag helfen Sport, Musik und verschiedene Entspannungsmaßnahmen wie die Progressive Muskelentspannung dabei, den Stresspegel auf Dauer zu senken. Ein beruhigendes Hobby wie Gartenarbeit, Puzzeln oder Yoga stellt einen Ausgleich zum beruflichen und privaten Stress dar. Auch [[Meditation] hilft gegen Schreckhaftigkeit und kann je nach Bedarf mit einem Yoga- oder Pilateskurs verbunden werden. Schnelle Hilfe bringt auch der Verzicht auf Zucker, Koffein, Nikotin und Alkohol. Womöglich liegt der Schreckhaftigkeit auch eine Abgeschlagenheit zugrunde, die durch eine Veränderung der Schlafgewohnheiten zu lindern ist. Eine ärztliche Untersuchung ist erforderlich, wenn die Schreckhaftigkeit mit gesundheitlichen Beschwerden oder Problemen im Alltag verbunden ist.

Bücher über Angst & Schreckhaftigkeit

Quellen

  • Laux, G., Möller, H.: Memorix Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2011
  • Möller, H., Laux, G., Deister, S.: Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Wendlandt, W.: Entspannung im Alltag. Beltz Verlag, Weinheim 2002

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Angi kommentierte am 24.03.2017 um 22:47 Uhr

@Grizzly: Ich hoffe, du liest es noch. Wenn ja, würde ich mich freuen, wenn wir irgendwie in Kontakt treten könnten. Ich habe exakt die gleichen Probleme wie du, und möchte mich gerne mit dir austauschen, da ich gerade auch aus einem Epilepsiezentrum komme.

didi-toxic kommentierte am 20.01.2016 um 07:58 Uhr

Ich erschrecke mich immer und überall. Sei es auf der Couch zu Hause, wo normalerweise jemand neben mir sitzt, den ich dann aber wieder vergessen habe und mir dann einen Schrecken einjagt, sobald ich ihn erneut sehe. Oder ich erschrecke, wenn irgendjemand vor, hinter oder neben mir entlang läuft oder einfach plötzlich dort steht. Ich habe keine psychischen Probleme, soweit ich das beurteilen kann. Ich habe ein recht geordnetes und gutes Leben, eine regelmäßige Tätigkeit und ein gutes Einkommen. Ich bin auch in meiner Beziehung gut aufgestellt und habe eine Handvoll guter Freunde. Was hat es mit dieser Schreckhaftigkeit auf sich?

Grizzly kommentierte am 04.11.2015 um 11:20 Uhr

Ich erschrecke extrem beim Klingeln an der Tür oder des Telefons. Wenn mir beim Laufen etwas aus der Hand fällt, erschrecke ich auch extrem. Dadurch habe ich schon viele schlimme Stürze hinter mir und bin dadurch auch draußen sehr unsicher geworden. Ich war letztes Jahr bei vielen Fachärzten, EKG und EEG ohne Befund, CT ebenfalls. Ich nehme jetzt seit Juli Levetiracetam 2000mg täglich. Nach ca. drei Wochen trat eine Besserung ein, die jedoch nur kurz anhielt. In zwei Wochen gehe ich für fünf Tage ins Epilepsiezentrum. Vielleicht finden sie dort heraus, was mit mir los ist. Ich bin verzweifelt, weil ich nur in Begleitung raus gehe und meine Selbständigkeit verloren habe. Gibt es noch andere Dinge, die ich tun kann?

ginbud kommentierte am 06.11.2014 um 22:56 Uhr

Ich war nie ein schreckhafter Mensch, jedoch änderte sich das vor ca. einem Jahr aus Gründen, die mir nicht bekannt sind. Zwar bin ich mir sicher, dass es nichts krankhaftes ist, da es nach paar Sekunden wieder verschwindet, aber es ärgert und belastet mich selber sehr. Ich habe Silvester Feuerwerk immer geliebt, doch letztes Jahr bin ich mit Tränen in den Augen in die Wohnung geflüchtet. Ich erschrecke mich vor vergleichbar leisen Geräuschen. Beispielsweise ist eine leere Plastikflasche hinter mir im Bus auf den Boden gefallen und ich zuckte zusammen.

Neolie kommentierte am 21.10.2014 um 14:22 Uhr

Ich erschrecke mich oft und auch recht lautstark. Einige Freunde finden das sehr amüsant und erschrecken mich extra, sodass ich sehr laut aufschreie. Manchmal gebe ich auch seltsame Laute von mir oder mache eine komische Bewegung. Ich arbeite in einer Restaurantküche und einmal hat mich ein Arbeitskollege so sehr erschreckt, dass ein Gast am anderen Ende des Restaurants gefragt hat, was denn passiert sei.
Ich habe dass schon etwa seit der siebten Klasse und bin nun 17.
Langsam finde ich das sehr nervig und ich weiss nicht was ich tun soll. Mir ist nie etwas Traumatisches passiert oder so. Ich habe keine Ahnung weshalb ich so schreckhaft bin.

sonja kommentierte am 12.10.2014 um 03:22 Uhr

Ich glaube, ich bin schon immer ein eher schreckhafter Mensch gewesen. Im Januar war die Polizei bei mir, weil mein Mann nicht mehr auffindbar war und eine Woche später riefen sie mich an, dass sie meinen Mann tot im Rhein gefunden hätten. Seit dem schrecke ich bei jedem eingehenden Telefonat und jedem Klingeln an der Tür zusammen. Noch jetzt, nach so vielen Monaten. Ich erschrecke sehr stark, zucke zusammen, aber es ist dann auch schnell wieder vorbei. Ich wünsche mir so sehr, dass das aufhoert. Dieses Erschrecken und diese Angst vor jedem Geräusch, besonders beim Klingeln an der Tür oder des Telefons. Ich habe mittlerweile eine richtige Aversion gegen das Telefonklingeln. Manchmal lasse ich den Akku einfach leerlaufen, damit mich niemand anrufen kann. Liebe Grüße Sonja.

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