Flugangst (Aviophobie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Flugangst (Aviophobie)

Als Flugangst wird allgemein eine Phobie gegen das Fliegen mit dem Flugzeug bezeichnet (Aviophobie). Sie kann jedoch bereits beim Betreten eines Flughafens oder beim Anblick eines Fluzeuges auftreten. Die Flugangst gehört zu den psychischen Krankheiten.

Inhaltsverzeichnis

Definition Flugangst

Eine Flugangst äußert sich mit panikartigen oder krankheitstypischen Symptomen meist dann, wenn ein Flug kurz bevorsteht. Die Betroffenen reagieren darauf mit erheblichem Stress, mit Kontrollverlust und Angstattacken bzw. Panikattacken.

Die Flugangst zeigt sich daneben in schweißnassen Händen, Magenverstimmungen, Erbrechen oder Kopfschmerzen. Auch das Herzrasen sowie ein weit erhöhter Puls gehören dazu, wenn sich die Betroffenen die vermeintlichen Gefahren eines Fluges vergegenwärtigen.

Die Flugangst gehört zu den am weitesten verbreiteten psychischen Erkrankungen, kann durch eine Therapie jedoch in vielen Fällen gänzlich geheilt werden. Dennoch wird das Leben der unter der Flugangst Leidenden stets erheblich negativ beeinflusst.

Ursachen

Worauf die Flugangst genau basiert, kann pauschal nicht gesagt werden. Gerade bei solchen Personen, die erstmalig ein Flugzeug betreten, können die Symptome eine Warnung vor dem Unbekannten sein. Eine weitere Furcht der Flugangst besteht in dem Durchleben von Notsituationen, die sich nicht beeinflussen lassen.

Zu ihnen zählen die Turbulenzen während des Fluges oder ein rapides Absinken der Flughöhe. Generell zeichnet sich die Flugangst durch einen Kontrollverlust in dem eng begrenzten Luftfahrzeug aus. Ebenso wird realisiert, dass Unfälle beinahe immer tragische Folgen zeitigen und regelmäßig in dem Tod der Passagiere enden.

Daneben kann die Flugangst jedoch ebenso auf psychischen Vorbelastungen beruhen. Gerade die Phobie vor dem Eingesperrtsein (z.B. Platzangst) oder der Höhe (z.B. Höhenangst) sind typische Merkmale der Flugangst.

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

Auch der Verlauf der Flugangst ist immer einzelfallabhängig. Häufig wird jedoch bereits das Realisieren eines anstehenden Fluges mit Unwohlsein und Angstgefühlen einhergehen. Je näher der Abreisetag kommt, umso mehr Symptome treten bei dem Betroffenen der Flugangst auf.

Ersten Schweißausbrüchen folgen meist Magenverstimmungen und Kopfschmerzen. Die letzten ein bis zwei Tage vor dem Flug steigt die Intensität der Panikattacken. Sie beginnen mit erhöhtem Stress, schlagen dann jedoch in nackte Flugangst um.

Der Leidende hat dabei das Gefühl, unweigerlich auf die größte denkbare Bedrohung zuzusteuern und von dieser regelrecht aufgesogen zu werden. Auswege sieht er bei der Flugangst somit nicht. Am Tag der Reise und während des Sitzens im Flugzeug ist die Person in vielen Fällen nicht ansprechbar, stark verkrampft und scheint beinahe völlig außer sich zu stehen. Ein Kontrollverlust symbolisiert somit die Flugangst.

Komplikationen

Bei der Flugangst können unterschiedliche Komplikationen eintreten. Diese sind in der Regel psychologischer Natur und führen zu keinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Nachteilen. Allerdings kann sich die Flugangst stark auf das soziale Leben negativ auswirken. Durch die Flugangst ist die Mobilität des Betroffenen eingeschränkt.

Es gibt zwar andere Möglichkeiten, um sich fortzubewegen, allerdings sind Reisen auf andere Kontinente nur erschwert möglich. Dadurch kann es zum Abbruch sozialer Kontakte oder Beziehungen kommen. Dies führt bei vielen Menschen zu psychischen Problemen und Depressionen. Nicht selten wird die Flugangst von anderen Menschen nicht verstanden und als harmlos bezeichnet.

Auch hier kann es zu sozialen Nachteilen kommen. Eine gezielte Behandlung der Flugangst kann nicht durchgeführt werden. Allerdings können sich Patienten mit dem selben Symptom zu Gesprächen treffen. Auch helfen Gespräche mit Menschen, die die Flugangst überwunden haben.

In vielen Fällen kann der Patient seine Flugangst nicht komplett überwinden, traut sich allerdings trotzdem in ein Flugzeug. Dadurch sind zum Teil kurze Flüge möglich. Ob die Flugangst geheilt werden kann, kann leider nicht universell vorausgesagt werden. Bei der Behandlung werden keine Medikamente eingesetzt und es kommt zu keinen Komplikationen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Flugangst muss nicht in jedem Fall behandelt werden. Eine Therapie ist jedoch sinnvoll, wenn der Betroffene unter der Flugangst stark leidet. Ein Angstpatient, der beruflich häufig mit dem Flugzeug reist, leidet unter der Phobie in der Regel stärker als eine Person, die ein- oder zweimal in ihrem gesamten Leben mit dem Flugzeug fliegt.

Flugangst kann gemeinsam mit anderen Ängsten oder anderen psychischen Symptomen auftreten. Auch in diesem Fall ist es empfehlenswert, einen Arzt oder Therapeuten auf die Angstsymptome anzusprechen. Darüber hinaus sollte geklärt werden, ob die Symptome tatsächlich auf eine Flugangst zurückgehen oder ob sie körperlich bedingt sind. Angststymptome wie Schwitzen, Herzrasen, Palpitationen oder Hyperventilation können auch auf eine organische Ursache zurückgehen und beispielsweise auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hindeuten.

Betroffene können sich mit ihrem Problem direkt an einen Psychotherapeuten wenden. Dazu ist in Deutschland keine Überweisung erforderlich. Wenn neben der Flugangst keine andere psychische Störung vorliegt, lässt sich die Flugangst in der Regel gut therapieren. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt bei der Behandlung von Angststörungen als besonders effektiv.

Ein Arzt oder Psychotherapeut muss gemeinsam mit dem Betroffenen herausfinden, ob die Angst sich spezifisch auf das Fliegen bezieht oder auf einen anderen Faktor. Insbesondere die Höhenangst, die Agoraphobie und die soziale Phobie kommen als Differentialdiagnosen infrage.

Behandlung & Therapie

Wie eine Flugangst zu therapieren ist, hängt vom Verlauf der Krankheit und ihrer Stärke ab. Bei leichten Symptomen kann bereits die Einnahme von Medikamenten und Beruhigungsmitteln eine Besserung bewirken. Sitzt die Phobie jedoch tiefer, wird nur eine Psychotherapie die Leiden lindern. So ist die Flugangst zunächst von einem Psychologen überhaupt als solche zu diagnostizieren.

Im weiteren Verlauf sind ihre Ursachen zu ergründen. Hierbei ist es unterschiedlich, worauf die Hemmschwelle basiert, ein Flugzeug zu betreten. In vielen Fällen sind allerdings unbewusste und bereits in jungen Lebensjahren gemachte negative Erfahrungen ein Kennzeichen der Flugangst. Denn das Ausgesetzt-Sein in unkontrollierbaren Situationen zeigt sich häufig auch beim Einsperren in ein Zimmer, beim Beschneiden der Möglichkeiten oder sogar beim Hänseln durch Freunde.

Ebenso folgt die Phobie vor großen Höhen diesem Muster. Auch hier ist die der Flugangst typische Denkweise charakteristisch: Wenn es zum Unfall kommt, ist die Überlebenschance gering. Daher sollte in jedem Falle der fachärztliche Rat beim Erkennen der Flugangst eingeholt werden. Nur durch eine Therapie, die nicht selten einige Jahre erfordert, kann die Flugangst geheilt werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Ein Vorbeugen der Flugangst wird ein Teil der Therapie sein. Hier lassen sich durch Atemübungen, Muskellockerungen oder die Vorstellung eines solchen Fluges häufig Anspannungen lösen und Ängste kontrollieren. Autogenes Training kann sich hier als sehr wirksam erweisen.

Jedoch sollte auch diese Vorbeugung gegen die Flugangst nur unter ärztlicher Anleitung geschehen. Inwieweit eine Medikation gegen erste Symptome hilfreich ist, muss dabei ebenfalls dem Spezialisten überlassen werden. Mit ihm kann der Betroffene die Flugangst allerdings unter Kontrolle bekommen.

Das können Sie selbst tun

Die wichtigste Grundlage zur Bekämpfung der Aviophobie bildet die Wissenserweiterung. Ausführliche Informationen über die Funktionsweise von Flugzeugen, das Flugverhalten und vor allem die Sicherheitsmaßnahmen können helfen, aufkommende Ängste vor Antritt eines Fluges zu verringern. Es ist hilfreich, den Flug mehrmals im Kopf zu durchleben, bevor er tatsächlich stattfindet. So fällt der Umgang mit Turbulenzen oder Fluggeräuschen leichter.

Ein Sitzplatz am Gang wirkt einem Gefühl der Enge und des Kontrollverlustes entgegen. Auf einem Platz direkt über den Tragflächen sind die Bewegungen des Flugzeugs weniger deutlich zu spüren.

Während des Fluges spielt die bewusste Entspannung eine große Rolle. Dazu empfiehlt es sich, am Tag des Flugantritts Stressfaktoren zu meiden und bequeme Kleidung zu tragen. Bereits im Vorfeld sollte eine Atemtechnik erlernt werden, die während des Fluges eingesetzt werden kann. Ebenfalls sinnvoll sind Affirmationen, d.h. positiv bestärkende Sätze, mit denen der Fokus von der Angst weg und auf einen entspannten Zustand gelenkt wird. Auch Bewegung - soweit möglich - sorgt für Ablenkung.

Von der Nutzung von Alkohol oder Tabletten zur Beruhigung ist hingegen abzuraten, da diese unerwünschte Nebenwirkungen haben können und keine langfristige Lösung bieten.

Bücher über Flugangst

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.(Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2011
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: