Platzangst (Klaustrophobie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. August 2017
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Die Angst vor geschlossenen oder engen Räumen ist umgangssprachlich als Platzangst oder Klaustrophobie bekannt. Nicht verwechselt werden sollte diese Phobie jedoch mit der Agoraphobie, bei der die Angst auf bestimmte Plätze oder Räume auftritt. Sie ist eine Angst, die verschiedenste Ursachen haben kann. Durch geeignete Maßnahmen kann die Stärke klaustrophobischer Symptome in der Regel aber reduziert werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition Platzangst (Klaustrophobie)

Bei der Klaustrophobie oder Platzangst handelt es sich um eine sogenannte spezifische Phobie; das heißt, es handelt sich um eine Angst, die sich auf bestimmte Thematiken beschränkt. Bei der Platzangst sind diese Thematiken beispielsweise enge oder abgeschlossene Räume bzw. Orte.

Wird ein Betroffener mit diesen Thematiken konfrontiert, so reagiert er in der Regel mit einem ausgeprägten Unwohlsein oder dem Wunsch, aus der Situation zu flüchten. Häufig bezieht sich die Platzangst darauf, sich der Situation ausgeliefert und hilflos zu fühlen.

Verbunden kann eine solche Klaustrophobie sein mit körperlichen Reaktionen, wie beispielsweise einer steigenden Herzfrequenz, Zittern, Schwitzen, geweiteten Pupillen oder schwerem Atmen. Ist eine Klaustrophobie sehr stark ausgeprägt, so kann es bei der Konfrontation mit ängstigenden Reizen auch zu sogenannten reizgebundenen Panikattacken kommen.

Ursachen

Es gibt in Psychologie und Medizin verschiedene Modelle, die die Ursachen einer Klaustrophobie zu erklären versuchen. Wahrscheinlich ist, dass in den meisten Fällen mehrere kombinierte Ursachen hinter einer Platzangst stehen.

So liegt ein möglicher ursächlicher Faktor in negativen Erlebnissen, die ein Betroffener in der Vergangenheit mit Enge gemacht hat. Auch sehr eindringlich geschilderte negative Erlebnisse nahestehender Personen können zu einer Entwicklung von Klaustrophobie beitragen. Eine Klaustrophobie kann außerdem sozusagen 'zufällig' entwickelt werden; dies geschieht im Rahmen einer sogenannten Konditionierung:

Eine negative Erfahrung wird gemacht, während man sich beispielsweise zufällig in einem engen Raum aufhält und die Erfahrung wird fälschlicherweise mit dem engen Raum in Verbindung gebracht. In der Wissenschaft wird weiterhin ein erblicher Einfluss diskutiert. So ist es wahrscheinlich, dass Anfälligkeiten für die Entwicklung von Ängsten wie Klaustrophobie auch genetisch bedingt sein können.

Typische Symptome & Anzeichen

Verlauf

Eine Platzangst kann verschiedene Verläufe zeigen. Beispielsweise kann es Betroffenen möglich sein, Situationen in ihrem Alltag zu vermeiden, die klaustrophobische Ängste auslösen. Sei kommen dann mit ihrer Klaustrophobie selten in Berührung. In anderen Fällen kann ein häufiges Vermeiden angstauslösender Situationen aber die Platzangst auch steigern.

Dabei ist es auch möglich, dass verschiedene Situationen, die Platzangst auslösen, ständig zunehmen. Da verschiedene Therapiemethoden in der Regel gute Erfolgsaussichten aufweisen, kann ein frühzeitiger Therapiebeginn dazu beitragen, ein Ausbreiten der Klaustrophobie zu verhindern.

Komplikationen

Die Komplikationen, die aus einer Platzangst resultieren, sind zumeist sozialer Natur und beeinflussen somit die Psyche der Betroffenen negativ. Eine ausgeprägte oder sich steigernde Klaustrophobie zu einem generellem Meidungsverhalten führen, das eigentlich harmlose Orte (Supermärkte mit Gängen, alle Räume ohne Fenster, eine Ecke in einem Restaurant usw.) mit einschließt.

Dadurch begibt sich der Betroffene früher oder später in eine soziale Isolation, weil er an alltäglichen Dingen nicht mehr teilnehmen kann. Darüber hinaus wird so auch der gesamte Alltag stark eingeschränkt, was in einer umgestellten Ernährung, im Verlust des Arbeitsplatzes oder in verringerter Bewegung ersichtlich werden kann.

Aufgrund der Selbsteinschränkung und der Isolation können Betroffene depressive Symptome entwickeln, die jeweils weitere Komplikationen nach sich ziehen. Ein anderes Augenmerk liegt auf den Substanzen, die Betroffene zu sich nehmen können, um ihre Angst zu lindern. Darunter fallen zum Beispiel Alkohol, weitere legale Rauschmittel und auch illegale Drogen.

Betroffene einer Klaustrophobie können, insofern sie ihre Angst mit Drogen unterdrücken, abhängig von der Substanz werden. Auch dies zieht nicht nur gesundheitliche Probleme mit sich, sondern geht auch - je nach Substanz - mit schweren finanziellen und sozialen Einbußen einher. Mitunter können damit auch rechtliche Probleme einhergehen.

Behandlung & Therapie

Je nach Leidensdruck, den ein Betroffener durch seine Klaustrophobie empfindet, kann er den Wunsch haben, seine Klaustrophobie zu bekämpfen. Zu diesem Zweck gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten: Zu den Behandlungsmöglichkeiten einer Klaustrophobie zählen beispielsweise verschiedene Formen der Psychotherapie.

Als erfolgreich hat sich unter anderem die sogenannte Verhaltenstherapie erwiesen. Der Inhalt einer Verhaltenstherapie kann es beispielsweise sein, mit einem Patienten an inneren Überzeugungen zu arbeiten und so ein Verhalten zu entwickeln, dass in entsprechenden Situationen nicht mehr von der Platzangst bestimmt wird.

So kann ein Verhaltenstherapeut mit seinem Patienten in mehreren Sitzungen hinterfragen, wie realistisch die Ängste, die mit der Platzangst verbunden sind, tatsächlich sind. Parallel kann es ein Ziel der Verhaltenstherapie sein, positive Erfahrungen zu sammeln: Der Patient soll also mit dem Therapeuten gezielt Situationen aufsuchen, bei denen sich Platzangst einstellt und nicht fliehen; nur so kann er feststellen, dass gefürchtete Folgen (wie beispielsweise Ersticken) nicht eintreten.

Weitere Psychotherapieformen sind beispielsweise die Gesprächstherapie oder die analytische Therapie. Je nach Schwere einer Klaustrophobie kann es des Weiteren sinnvoll sein, eine Psychotherapie mit einer medikamentösen Therapie zu verbinden, die die Platzangst lindern. So fällt es dem Patienten leichter, die gefürchteten Situationen nicht zu meiden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Um einer starken Klaustrophobie vorzubeugen, kann es sinnvoll sein, sich bereits mit schwächeren eigenen Ängsten, die diese Thematik betreffen, auseinanderzusetzen. Auch kann es helfen, entsprechende Situationen nicht zu vermeiden, damit sich eine Platzangst nicht steigert. Nehmen klaustrophobische Symptome trotzdem zu, so können frühzeitige Therapiemaßnahmen häufig entgegenwirken.

Bücher über Platzangst

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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