Phobie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. August 2017
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Phobien sind ein weit verbreitetes Problem. Etwa 7% der Menschen leiden an einer leichten Phobie, jedoch nur weniger als 1% der Bevölkerung sind von einer schweren Phobie betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Definition Phobie

Eine übertriebene Angst vor speziellen Situationen oder Dingen wird als Phobie bezeichnet. Es gibt drei Arten von Phobien. Bei der Agoraphobie besteht eine Angst vor öffentlichen Plätzen oder vor Menschansammlungen. Bei einer sozialen Phobie liegt eine generelle Angst vor anderen Menschen vor.

Bei einer spezifischen Phobie bezieht sich die Angst auf spezielle Dinge, wie Spinnen oder Krankheiten. Den Betroffenen ist meist bewusst, dass ihr Verhalten unsinnig ist. Jedoch können sie sich gegen ihr eigenes Verhalten nicht wehren, da die Angst zwanghaft ist und nicht kontrolliert werden kann.

Ursachen

Es gibt drei Gruppen von Erklärungsmodellen zu den Ursachen von Phobien. Der lerntheoretische Ansatz geht davon aus, dass die Angst „erlernt“ wird. Dabei wird in einer ursprünglich neutralen Situation Angst empfunden. Dadurch, dass die Betroffen zukünftig diese und ähnliche angstbesetzten Situationen meiden, wird Angst verstärkt und die Betroffenen geraten in einen Teufelskreis, aus dem sie ohne Hilfe nicht mehr herauskommen.

Der neurobilogische Ansatz geht davon aus, dass Phobien eine biologische Ursache haben. Es wird vermutet, dass Phobiker ein labileres autonomes Nervensystem haben, welches schneller gereizt werden kann und sich auf Grund dessen Ängste schneller entwickeln.

Der tiefenpsychologische Ansatz geht davon aus, dass die normale Konfliktlösung durch Kompromissfindung bei Phobikern in bestimmten Situationen misslingt und dadurch die Angst entsteht.

Diagnose & Verlauf

Um eine sichere Diagnose einer Phobie zu stellen müssen zunächst einmal andere psychische und auch einige physische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Dazu gehören Depressionen, Schizophrenie, bipolare Störungen und Zwangserkrankungen.

Physisch sollten Schilddrüsenüberfunktion oder Herzerkrankungen als Ursache ausgeschlossen werden. Bei der Diagnosestellung helfen spezielle Fragbögen. Dabei wird zwischen Fremd- und Selbstbeurteilungsbögen unterschieden. Eine Agoraphobie tritt meist in Situationen und an Orten auf, an denen die Betroffenen befürchten, nicht flüchten zu können.

Eine Agoraphobie ist eine Art Platzangst und bedeutet eine immer weitere Einschränkung der Bewegungsfreiheit, die letztendlich einen normalen Lebensablauf unmöglich machen kann. Eine Agoraphobie wird häufig von Panikstörungen begleitet.

Bei einer sozialen Phobie befürchten die Betroffenen in Anwesenheit anderer Menschen zu versagen. Die Ängste haben teilweise schwere Auswirkungen auf das soziale Leben und gehen weit über eine normale Schüchternheit hinaus. Häufig wird eine soziale Phobie von weiteren psychischen Problemen, wie Depressionen, anderen Phobien oder Suchterkrankungen begleitet. Männer sind von sozialen Phobien seltener betroffen als Frauen.

Die Ängste bei spezifischen Phobien treten nur in bestimmten Situationen oder bei bestimmten Objekten auf. Typische Situationen für spezifische Phobien können enge Räume, Flugreisen, Tunnel, Autobahnfahrten oder Zahnarztbehandlungen (siehe Angst vorm Zahnarzt) sein. Typische Objekte, die spezifische Phobien auslösen sind Tiere, wie Spinnen, Schlangen oder Mäuse, Blut, Spritzen und Verletzungen.

Menschen mit einer spezifischen Phobie wissen genau, dass ihre Angst eigentlich unbegründet ist. Sie können diese aber nicht kontrollieren und arrangieren sich deshalb mit ihrer Phobie, indem sie die angstauslösenden Situationen oder Objekte meiden. Einen tatsächlichen Krankheitswert erreicht eine spezifische Phobie erst dann, wenn das Alltagsleben dadurch sehr stark eingeschränkt oder beeinträchtig wird.

Komplikationen

Phobien treten häufig gemeinsam mit anderen Phobien und weiteren Angststörungen auf. Viele Betroffene leiden unter mehr als einer spezifischen Phobie und haben zum Beispiel Angst vor Hunden (Canophobie) und Spinnen (Arachnophobie).

Eine mögliche Komplikation ist die Agoraphobie, bei der sich Betroffene zunehmend zurückziehen und Situationen meiden, in denen sie sich bloßstellen könnten. Die Agoraphobie kann bis zur vollständigen sozialen Isolation führen: Einige Agoraphobiker verlassen kaum noch ihre Wohnung.

Alle Arten von Phobien zeigen sich zudem häufig gemeinsam mit depressiven Störungen. Um die Angst zu regulieren, greifen einige Phobiker zu Medikamenten, Alkohol, Tabak oder Drogen. Andere üben selbstschädigende Verhaltensweisen aus oder entwickeln ein auffälliges Essverhalten. Phobien und andere Angststörungen können darüber hinaus körperliche Krankheiten begünstigen.

Durch den erhöhten Stresspegel steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Phobiker, die Angst vor Ärzten, Nadeln oder Blut haben, vermeiden zudem häufig medizinische Untersuchungen. Dadurch sind weitere Komplikationen möglich: Menschen mit Dentalphobie gehen häufig erst dann zum Zahnarzt, wenn sie starke Schmerzen haben. Infolgedessen leiden sie nicht nur körperlich länger und stärker als notwendig, sondern auch der Zustand der Zähne verschlechtert sich in der Regel.

Behandlung & Therapie

Meist wird eine Phobie durch eine Verhaltenstherapie behandelt. In einigen Fällen ist die zusätzliche Behandlung durch Medikamente notwendig. Besonders wirkungsvoll sind die systematische Desensibilisierung und die Flooding Therapie. Bei der systematischen Desensibilisierung wird zunächst für völlige Entspannung beim Patienten gesorgt. Danach folgt eine schrittweise Heranführung an den Angstauslöser.

Dieses Vorgehen sorgt dafür, dass der Phobiker schrittweise seine Angst verliert und sich nach erfolgreicher Therapie dem Angstauslöser stellen kann, ohne davor zu fliehen. Die Flooding Therapie „überflutet“ den Patienten mit dem Angstauslöser. Während der Therapie lernt der Phobiker mit Unterstützung des Therapeuten, dass die größte Angst irgendwann abflaut, wenn er die Furcht machende Situation erträgt und ausharrt.

Nach einer solchen Erfahrung hat der Auslöser der Phobie so gut wie keine Macht mehr über den Betroffenen. Besonders bei sozialen Phobien werden manchmal Medikamente zur Behandlung eingesetzt. Vorwiegend handelt es sich dabei um Antidepressiva. Aber auch Beruhigungsmittel und Betablocker werden eingesetzt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Wer nach Angst machenden Situationen oder Erfahrungen nicht vor diesen flieht und nicht in ein aktives Verhalten zur Vermeidung übergeht, kann sich bestmöglich vor dem Ausbruch einer Phobieschützen.

Außerdem sollte man, bei Verdacht, rechtzeitig einen Arzt oder Psychologen aufsuchen, um die Phobie bereits in ihren Anfängen im Keim zu ersticken.

Bücher über Phobien

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.(Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2011
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009

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