Oligodendrogliom

Letzte Aktualisierung am 24. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Ein Oligodendrogliom ist ein Gehirntumor, der sich aus den sogenannten Oligodendrozyten vor allem im Großhirn bildet. Oligodendrozyten produzieren die fetthaltige Hülle von Nervenzellen. Das durchschnittliche Alter bei Diagnose eines Oligodendrogliom liegt bei 35 Jahren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Oligodendrogliom?

Tumore, die das zentrale Nervensystem (ZNS) befallen, sind eher selten. In etwa 5 Prozent dieser Erkrankungen wird ein Oligodendrogliom diagnostiziert. Diese Art von Gehirntumoren treten häufiger bei Erwachsenen (9,4 % aller primären Hirntumore) als bei Kindern auf (4 %).

Ein Oligodendrogliom bildet sich insbesondere in den Frontal- oder Temporallappen, also den Stirnlappen, Scheitellappen und Occipitallappen. Bezug nehmend auf die Beobachtung des Tumors unter dem Mikroskop, wird die Erkrankung in zwei Typen unterteilt: ein gut differenziertes Oligodendrogliom, das langsam wächst (Klasse II) und ein anaplastisches, schneller wachsendes Oligodendrogliom (Klasse III).

Ein Oligodendrogliom im Frontallappen des Gehirns kann zu schrittweisen Veränderungen in der Stimmung und Persönlichkeit, aber auch zur halbseitigen Bewegungsunfähigkeit (Hemiparese) führen. Probleme mit der Koordination und der Sprache oder dem Gedächtnis können auf ein Oligodendrogliom in den Schläfenlappen des Gehirns zurückzuführen sein.

Ursachen

Wie bei den meisten Hirntumoren ist die Ursache für ein Oligodendrogliom weitestgehend unbekannt. Das Zentralnervensystem (ZNS) besteht aus Gehirn und Rückenmark. Die Zellen im ZNS wachsen normalerweise in einer geordneten, kontrollierten Art und Weise.

Wird aus irgendeinem Grund diese Ordnung gestört, beginnen die Zellen sich zu teilen und bilden einen Klumpen oder Tumor. Im Gehirn gibt es Nervenzellen und dem Schutz der Nervenzellen dienende Zellen. Diese Stützzellen heißen Gliazellen. Ein dort entstehender Tumor wird als Gliom bezeichnet.

Wie andere Tumore ist ein Oligodendrogliom entweder gutartig oder bösartig. Gutartige Tumore können weiterhin wachsen, ohne das normale Zellwachstum zu behindern. Ein bösartiges Oligodendrogliom wird in die Zellen eindringen, umliegendes Gewebe zerstören und sich auf andere Bereiche des Gehirns verbreiten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptomatik bei einem Oligodendrogliom wird vor allem durch Verdrängungs- und Kompressionsvorgänge bei benachbarten Hirnstrukturen aufgrund des Tumorwachstums geprägt. Typischerweise kommt es zu allgemeinen Hirndruckzeichen und fokalen Ausfällen. Im Rahmen der Hirndruckzeichen tritt Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Aufmerksamkeitsstörungen oder Unruhe auf.

In ausgeprägten Fällen wird die Symptomtrias aus Bluthochdruck, verringerter Herzfrequenz und Atemnot beobachtet. Sehr typisch für ein Oligodendrogliom ist auch das Auftreten von epileptischen Anfällen oder Schlaganfällen. Die Schlaganfälle sind der Tatsache geschuldet, dass bei den Tumoren eine Neigung zum Einbluten besteht. Um den Tumor herum kann sich ein Ödem (perifokales Ödem) bilden, welches wiederum zu zusätzlichen Raumforderungen führt.

Unter Umständen kommt es auch zur Verlegung des Liquorabflusses. Die daraus folgende Ansammlung von Hirnflüssigkeit führt ebenfalls zur Verdrängung von Hirngewebe. Dadurch können sich die Hirndruckzeichen, Kopfschmerzen, Erbrechen und Krampfanfälle noch verstärken. Ohne Behandlung ist dann die Entwicklung einer lebensgefährlichen Hirnstammeinklemmung möglich. Nicht jeder Betroffene entwickelt jedoch die gleiche Symptomatik.

Die Symptome sind davon abhängig, welche Bereiche im Gehirn betroffen sind und wie sich der Tumor verhält. So können die Wachstumsgeschwindigkeit, das Infiltrationsvermögen und das Risiko der Metastasenbildung bei den verschiedenen Tumoren voneinander abweichen. Während bei vielen Tumoren die Symptomatik durch Kompressionsprozesse im Vordergrund steht und überlebensentscheidend ist, können bei frühzeitiger Metastasenbildung andere Symptome überwiegen.

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Lage eines Gehirntumores im Gehirn. Klicken, um zu vergrößern.

Betroffene Menschen mit einem langsam wachsenden Oligodendrogliom können für mehrere Jahre milde Symptome entwickeln, bevor der Tumor entdeckt wird. Erste Symptome jeder Art von Gehirntumor entwickeln sich zumeist aufgrund eines erhöhten Drucks innerhalb des Schädels (erhöhter intrakranialer Druck), der durch das Oligodendrogliom verursacht werden kann.

Dies führt zu Kopfschmerzen, Übelkeit (Erbrechen) und Sehstörungen. Bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung kann es zu krampfartigen Anfällen, in bis zu 80 % der Fälle vor allem zu Veränderungen der Persönlichkeit kommen. Die Diagnose ist darauf ausgerichtet, möglichst umfassende Informationen über das Oligodendrogliom zu gewinnen.

Einfache Reflextests sowie eine Anophthalmoscopie (Untersuchung der Augenrückseite) leiten weitere Untersuchungen mittels Computertomographie oder Magnetresonanztomographie ein. Ein Oligodendrogliom kann nur durch eine histopathologische Untersuchung (Biopsie) zweifelsfrei diagnostiziert werden.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: C71 Bösartige Neubildung des Gehirns) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Da es sich beim Oligodendrogliom um einen Tumor im Gehirn handelt, kommt es dabei zu den gewöhnlichen Beschwerden und Komplikationen einer Krebserkrankung. Der weitere Verlauf der Erkrankung hängt damit auch sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen dabei an starken Kopfschmerzen und ebenso an epileptischen Anfällen. Auch Sehstörungen oder Übelkeit können dabei auftreten und sind nicht selten mit einem Erbrechen verbunden.

Die Betroffenen leiden aufgrund des Oligodendroglioms auch an Störungen des Bewusstseins und in vielen Fällen auch an Persönlichkeitsveränderungen. Weiterhin kommt es zu einer Vergesslichkeit und zu allgemeinen Gedächtnisstörungen. Die meisten Patienten fühlen sich im Alltag unwohl und leiden dabei an einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch das Oligodendrogliom deutlich eingeschränkt und auch verringert.

In vielen Fällen kommt es auch zu Depressionen oder zu anderen psychischen Verstimmungen. Mit Hilfe operativer Eingriffe und anderer Methoden kann ein Oligodendrogliom teilweise behandelt werden. Eine vollständige Heilung tritt allerdings nicht ein, sodass die Betroffenen in den meisten Fällen auch eine deutlich verringerte Lebenserwartung aufweisen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Als Hirntumor gehört das Oligodendrogliom in ärztliche Diagnostik und Therapie. Es gibt eine Menge Gründe, die in diesem Zusammenhang den Arztbesuch erforderlich machen. Hierzu gehören der Verdacht auf einen Hirntumor ebenso wie Nebenwirkungen von Therapien oder die konsequente Einhaltung von Nachsorgeterminen.

Verdacht auf Hirntumoraktivität kann durch Gefühlsstörungen, Lähmungen oder Kopfschmerzen entstehen. Diese Symptome sind aber so unspezifisch, dass sie einem Hirntumor wie dem Oligodendrogliom nicht eindeutig zuzuordnen sind, sondern eine Menge anderer Gründe haben können. Erster Ansprechpartner ist daher in diesem Zusammenhang der Hausarzt. Er wird bei Bedarf an Mediziner anderer Fachrichtungen wie den Radiologen oder Neurologen überweisen.

Während der Therapie eines Oligodendroglioms oder auch danach können Nebenwirkungen auftreten, die den Gang zum Arzt erfordern. Operation, Chemo- und Strahlentherapie belasten den Körper und Komplikationen wie Nachblutungen sind ebenso auszuschließen wie Blutbildveränderungen, die zu gravierenden Folgen führen können. Auch die Psyche ist ein Grund für den Arztbesuch, wenn ein Patient mit der belastenden Diagnose nicht zurechtkommt. Hier kann eine Überweisung zum Psychologen oder Psychoonkologen sinnvoll sein.

Auch die Nachsorge ist wichtig und mit entsprechenden Terminen beim Arzt verknüpft. Hier ist es wichtig, den Nachsorgeterminen nicht nur konsequent nachzugehen, sondern auch immer den Arzt aufzusuchen, wenn ungewöhnliche, starke oder lang andauernde Symptome auftreten.

Behandlung & Therapie

Ein Oligodendrogliom gilt nach derzeitigem medizinischem Stand als unheilbar. Studien haben belegt, dass es mit aggressiver Behandlung und einer engmaschigen Überwachung möglich ist, die Lebenserwartung zu erhöhen. Wie ein Oligodendrogliom behandelt wird, hängt von der allgemeinen Gesundheit, der Anatomie des Tumors und der Streuung der Krebszellen ab.

Die Behandlung erfolgt in der Regel durch ein multidisziplinär aufgestelltes Spezialistenteam. Bevor ein Oligodendrogliom operativ behandelt wird, werden oft medikamentöse Maßnahmen zur Senkung des Schädeldrucks eingeleitet. Ziel eines operativen Eingriffes ist die Entfernung des Tumors ohne Beschädigung des umgebenden Hirngewebes.

Aufgrund seiner diffus infiltrierenden Natur kann ein Oligodendrogliom nicht vollständig eliminiert werden und ist allein durch einen chirurgischen Eingriff nicht heilbar. Daher kommen weitere Behandlungsmethoden zum Einsatz. Bei der Strahlentherapie werden hochenergetische Strahlen zur Zerstörung der Krebszellen eingesetzt. Sie ist üblicherweise eine externe Behandlungsmethode, unter Umständen kann auch ein kleines radioaktives Implantat eingesetzt werden.

Ein Oligodendrogliom kann begleitend zur Operation oder Bestrahlung auch mittels Chemotherapie, d.h. Verwendung zytotoxischer Medikamente behandelt werden.

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Vorbeugung

Da die Ursachen von Gehirntumoren wie einem Oligodendrogliom weitgehend unbekannt sind, können keine Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Die Auseinandersetzung mit einer Krebserkrankung betrifft auch bei einem Oligodendrogliom das gesamte persönliche Umfeld der Erkrankten und erfordert oft einen erheblichen Wandel der Lebensführung.

Das können Sie selbst tun

Das Oligodendrogliom gehört als Gehirntumor zwar grundsätzlich in fachärztliche Behandlung, dennoch gibt es auch einige Dinge, die der Patient im Rahmen der Selbsthilfe im Alltag tun kann. Dabei kann diese Alltagshilfe in den körperlichen und den geistig-seelischen Bereich unterschieden werden.

Im körperlichen Bereich sind motorische Fähigkeiten durch den Tumor selbst oder eine Operation oft eingeschränkt. Hier vermitteln Physio- oder Ergotherapeut oft Übungen, die der Patient in Eigenregie auch zu Hause durchführen kann. Zu den Übungen für diese lokalen Einschränkungen kommen auch Möglichkeiten, den Gesamtzustand des Patienten, insbesondere nach einer Strahlen- oder Chemotherapie, zu verbessern. Dazu gehören eine gesunde Ernährung und eine ausreichende Trinkmenge sowie dosierte Bewegung, die entweder zu Hause oder einen Sportverein, aber auch auch in speziellen Rehakursen möglich ist. Verkürzungen und Verspannungen der Muskulatur können mithilfe von Massagen gelockert werden.

Die geistig-seelische Verfassung kann ebenfalls durch Selbsthilfe positiv beeinflusst werden. Das betrifft zum einen die kognitiven Fähigkeiten: Wahrnehmung und Gedächtnis können wie die Sprache durch geeignete Übungen trainiert werden. Im seelischen Bereich macht den Betroffenen der Gedanken an den Gehirntumor oft zu schaffen. Hier helfen Gespräche mit Angehörigen, Freunden oder in Selbstgruppegruppen. Für Entspannung sorgen Methoden wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, Autogenes Training oder Yoga.

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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