Niereninfarkt

Letzte Aktualisierung am 27. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Der Niereninfarkt ist ein Gefäßverschluss in den Nieren, der die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Nierengewebes beeinträchtigt und das Gewebe infolge dessen absterben lässt. Die häufigsten Ursachen für diese ischämische Erscheinung sind Thrombosen und Embolien. Komplette Niereninfarkte können den Patienten später zur Dialyse zwingen, während sich die Nieren von Teilinfarkten oft vollständig erholen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Niereninfarkt?

Als Niereninfarkt bezeichnet der Mediziner den Untergang von Nierengewebe in Folge eines embolischen Gefäßverschlusses. Die Niere wird von vielen Arterien durchzogen und über dieses arterielle System mit Sauerstoff versorgt. Wenn ein Verschluss im arteriellen Gefäßsystem vorliegt, ist das Gewebe von der Durchblutung abgeschnitten und damit auf lange Sicht zum Sterben verdammt.

Dieses Phänomen wird auch als Ischämie bezeichnet, sodass bei einem Niereninfarkt oft auch von einer ischämischen Reaktion die Rede ist. Häufig spricht der Arzt auch von einem embolischen Niereninfarkt. Die Embolie meint in diesem Zusammenhang einen arteriellen Verschluss durch körperfremde oder körpereigene Materialien. Die Ansatzstelle eines Niereninfarkts ist in der Regel die Nierenkapsel mit ihren blutführenden Strukturen.

Manchmal bezieht sich ein Niereninfarkt auch auf einen venösen Verschluss, der einen hämorrhagischen, also blutungsbedingten Infarkt der Niere zur Folge haben kann und die Nieren dauerhaft ausweitet. Davon zu unterscheiden ist der anämische Niereninfarkt, der die Organe nicht ausweitet, sondern durch Narbengewebe mit Kratern deformiert.

Der Arzt differenziert einen Niereninfarkt neben der Unterscheidung nach Ursachen vor allem in die Art des Verschlusses. Ein vollständiger Verschluss entspricht einer absoluten Ischämie und lässt das Nierengewebe infolge dessen gänzlich absterben. Ein unvollständiger Verschluss in einem arteriellen Gefäß resultiert lediglich in eine lokale Minderdurchblutung.

Ursachen

Die Verstopfung einer Nierenarterie oder Vene kann grundsätzlich verschiedene Ursachen haben, allerdings sind Niereninfarkte zu mehr als 90 Prozent Embolien. Eine Embolie kann durch ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel auftreten, aber auch eingeschwemmtes Fett oder Blasenbildungen im Blut zählen zu den embolischen Ursachen.

Bei Krebspatienten kann ebenso eingeschwemmtes Tumorgewebe eine Embolie auslösen. Cholesterinembolien entstehen wiederum durch gelöstes Plaques einer Arterienwand, während septische Embolien durch bakteriell infizierte Embolie auftreten. Am häufigsten liegt die Ursache für einen embolischen Niereninfarkt allerdings in einem eingeschwemmten Blutgerinnsel aus der Aorta oder der Herzwand, wo vorab eine Thrombose stattgefunden hat.

Diese Erscheinung kann unter Umständen auch mit einer Arteriosklerose oder Vaskulitis zusammenhängen. Hämorrhagische Niereninfarkte resultieren dagegen meist aus einem Kreislaufschock, wobei sich durch eine Strömungsverlangsamung des Blutflusses eine Thrombose in der Nierenvene selbst bildet. Erkrankungen des Bindegewebes, Gefäßerkrankungen sowie Herzerkrankungen und Gefäßverletzungen gelten als wichtigste Risikofaktoren für einen Niereninfarkt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein typisches Symptom für den Niereninfarkt ist der akut einschießende Flankenschmerz. Abhängig von der Schwere des Infarkts kann zu diesem Schmerz ein heftiger Bauchschmerz hinzukommen. Auch Übelkeit, Fieber und Erbrechen kommen symptomatisch vor. Im Serum zeigt sich unter Umständen eine begleitende Erhöhung der Leukozyten. Tage nach dem Niereninfarkt kann sich akutes Nierenversagen einstellen, das sich beim Urinieren oft in Einblutungen zeigt.

Wenn bei einer embolischen Ursache arteriosklerotisches Material für den Infarkt verantwortlich ist, dann kann sich dieses Material im weiteren Verlauf auch in anderen Organen oder Körperbestandteilen ablagern. Daher können sich als Symptome zum Niereninfarkt auch Gesichtsfeldausfälle oder Entzündungen verschiedener Lokalisation einstellen. Gerade Teilinfarkte der Nieren bleiben oft aber auch gänzlich symptomlos. Obwohl sich auch bei Teilinfarkten Funktionsbeeinträchtigungen der Niere einstellen können, müssen sich diese Beeinträchtigungen nicht unverzüglich bemerkbar machen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Anamnese und das Abtasten geben dem Arzt erste Hinweise auf einen möglichen Niereninfarkt. Die Qualität der Flankenschmerzen kann ihn in Kombination mit einer Gefäßerkrankung des Patienten zum Beispiel bereits einen Niereninfarkt erahnen lassen. Oft untersucht er das Serum, wo sich zusätzlich unter Umständen erhöhtes Kreatin und ein Anstieg der Leukozyten zeigen.

Der Arzt stellt die endgültige Diagnose eines Niereninfarkts in der Regel über eine Angiographie oder eine Computertomographie. In dieser Bildgebung zeigt der Infarkt meist ein relativ typisches Bild, wobei so auch die Differenzierung in Teil- oder Komplettinfarkt ermöglicht wird. Unter Umständen ordnet der behandelnde Mediziner nach der Diagnosestellung eine sonografische Überprüfung aller Arterien und Venen an, die eventuell Hinweise auf vorausgegangene Thrombosen gibt oder verkalkte Gefäßwände zeigt.

Auch Untersuchungen des Herzens können Sinn machen, um die Herzfunktion als Quelle des Niereninfarkts auszuschließen. Der Krankheitsverlauf hängt beim Niereninfarkt immer davon ab, wie stark und wie langanhaltend der Infarkt tatsächlich gewesen ist. Für cholesterinembolische Niereninfarkte ist die Prognose im Allgemeinen schlecht. Insbesondere in diesem Fall wird der Patient in Zukunft unter Umständen dialysepflichtig. Teilinfarkte der Nieren heilen dagegen oft komplett aus.

Komplikationen

Der Verlauf eines Niereninfarkts ist abhängig von der Dauer und des Ausmaßes der Blutunterversorgung der Nieren. In etwa 25 Prozent der Fälle verläuft der Infarkt sogar ohne Symptome, weil nur kleinere Bereiche der Niere absterben. Kommt es zur Nekrose größerer Nierenbereiche, kann sich unter Umständen auch ein akutes Nierenversagen einstellen. Besonders schlecht ist die Prognose bei einer sogenannten Cholesterinembolie, bei welcher meist eine dialysepflichtige Niereninsuffizienz resultiert.

Im Rahmen des akuten Nierenversagens verbleiben die Endprodukte des Eiweißstoffwechsels sowie alle anderen harnpflichtigen Substanzen im Blut. Außerdem gerät der Elektrolythaushalt völlig durcheinander. Das Gleiche gilt für den Säure-Base-Haushalt. Es kann sich eine Urämie, ein lebensbedrohlicher Vergiftungszustand, entwickeln. Die Urämie kennzeichnet das verstärkte Auftreten harnpflichtiger Substanzen im Blut, was im Griechischen auch als "Urin im Blut" bezeichnet wird.

Neben einem unerträglichen Juckreiz kommt es hier zu Übelkeit, Erbrechen und schwarzem Blut im Stuhl infolge von Magenschleimhaut- und Darmentzündungen. Des Weiteren treten Lungenödeme, Atemnot und Zyanose auf. Ein zu hoher Harnstoffgehalt im Blut kann krankhafte Veränderungen im Gehirn und weitere neurologische Störungen hervorrufen.

Die Regenerationsfähigkeit der Nieren nach einem akuten Nierenversagen infolge eines Niereninfarktes ist zwar gut. Manchmal kommt es jedoch, wie bereits erwähnt, zu einer dauerhaften dialysepflichtigen Nierenschädigung. In Einzelfällen kann aufgrund der sekundären Beeinträchtigungen verschiedener Organe auch ein tödliches Multiorganversagen eintreten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Niereninfarkt ist immer ein Grund, schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen. Dabei ist eine Notfallstation vorzuziehen, da ein mittelschwerer bis sehr schwerer Infarkt akut behandlungsbedürftig ist. Ein vollständiger Niereninfarkt kann das Ende der kompletten Niere bedeuten, was das Aufsuchen eines Arztes umso dringlicher macht. Aber auch ein teilweiser Verschluss eines Blutgefäßes an oder in der Niere kann nach einiger Zeit zu einer starken Nekrose führen und die Niere nachhaltig schädigen oder abtöten.

Ist nur noch eine funktionierende Niere vorhanden oder sind beide betroffen, kommt es zu einem Nierenversagen, wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird. Problematisch ist in diesem Kontext, dass kleinere Niereninfarkte häufig symptomfrei verlaufen und entsprechend nur versteckt Schäden anrichten. Häufig werden erst die Spätfolgen bemerkt.

Bei Niereninfarkten gilt daher, dass kleinste Anzeichen von Nierenschäden zum Anlass genommen werden dürfen, zum Arzt (oder gegebenenfalls in ein Krankenhaus) zu gehen. Dazu zählen insbesondere akute und starke Schmerzen in den Flanken und bräunlich oder rötlich verfärbter Urin. Gerade die Schmerzen müssen zudem diagnostisch abgeklärt werden, weil sie auf mehrere Leiden hinweisen. Zum Beispiel können so auch Nierensteine, Koliken oder Entzündungen festgestellt werden.

Menschen, die bereits an Einschränkungen der Niere leiden, ein Transplantat haben oder nur eine (funktionierende) Niere haben, sollten jeden möglichen Hinweis auf einen Infarkt überprüfen lassen.

Behandlung & Therapie

Meist werden Niereninfarkte konservativ behandelt. Die Gabe von Schmerzmitteln und die Regulation des Blutdrucks gehören ebenso zu dieser konservativen Therapie, wie eine systemische Vollheparinisierung. Letztere Maßnahme entspricht der Gabe eines Gerinnungshemmers, der etwaige Blutgerinnsel auflösen soll.

Je nachdem wie stark der Infarkt war und wie früh der Arzt die Diagnose stellen konnte, kommen auch eine Lysetherapie oder eine Notfalloperation in Frage, die einen bestehenden Embolus eventuell noch auflösen können. Da Operationen zu diesem Zweck mit einem hohen Risiko verbunden sind, finden sie seltener Anwendung als Lysetherapien.

Bei einer Lysetherapie führt der Arzt bis zum bestehenden Blutgerinnsel einen Katheter ein und löst über die Abgabe von Enzymen wie Urokinase eine Auflösung des Gerinnsels aus. Auch die Durchführung einer Dialyse kann bei akuten Niereninfarkten sinnvoll sein. Diese Maßnahme sagt nicht zwingend aus, dass sich die Nieren im Verlauf nicht mehr erholen werden.

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Vorbeugung

Um einem Niereninfarkt vorzubeugen ist eine Umstellung des Lebensstils dienlich. Der Fokus der Vorbeugemaßnahmen liegt auf der Reduzierung des arteriellen Verkalkungsrisikos. Nikotinverzicht und gesunde Ernährung sind in dieser Hinsicht ebenso gute Vorbeugemaßnahmen, wie Alkoholverzicht, Gewichtsreduktion und Bewegung.

Das können Sie selbst tun

Ein Niereninfarkt verläuft bei vielen Patienten über eine längere Zeit symptomfrei. Daher sind grundsätzliche Vorsichtsmaßnahmen anzuraten, die den Organismus stärken. Hilfreich ist eine ausreichende Sauerstoffzufuhr. Durch eine regelmäßige Bewegung oder Aufenthalte im Freien kann die Tätigkeit des Herzmuskels unterstützt werden. Dabei sind körperliche Überanstrengungen oder intensive Kraftaufwände zu vermeiden.

Zusätzlich sollten regelmäßige Pausen eingelegt werden, damit der Organismus ausreichende Ruhephasen erhält. Die Zufuhr von Schadstoffen wie Alkohol, Nikotin oder Drogen ist vollständig zu unterlassen. Für eine optimale Versorgung des Organismus ist eine Flüssigkeitszufuhr von zwei Litern täglich anzuraten. Eine fetthaltige Nahrung oder der Konsum von schwer verdaulichen Lebensmitteln sollte gemieden werden. Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung erhält der Körper genügend Nährstoffe, um das Immunsystem zu stabilisieren und die allgemeine Gesundheit zu fördern.

Stress und Hektik sind ebenfalls zu reduzieren. Zum Abbau von inneren Stressfaktoren können Methoden wie Yoga, autogenes Training oder Meditation angewandt werden. Eigenverantwortlich hat der Betroffene die Möglichkeit, täglich einige Übungseinheiten zu absolvieren und damit seine inneren Kräfte zu stärken. Ebenfalls hilfreich sind eine positive Lebenseinstellung und individuelle Maßnahmen zur Verbesserung des Wohlbefindens. Da der Niereninfarkt einen tödlichen Verlauf haben kann, ist bei Beschwerden oder einer Verschlechterung der Gesundheit trotz aller Vorsichtsmaßnahmen unverzüglich ein Arzt aufzusuchen.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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