Ischämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. Oktober 2017
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Von einer Ischämie spricht man im Fall einer Minderdurchblutung oder einer vollständig ausgefallenen Durchblutung eines Gewebegebietes. Eine Ischämie kann überall im Körper vorkommen und je nach Lokalisation, Ausmaß und Dauer lebensgefährlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ischämie?

Als Ischämie wird die Unterversorgung eines Gewebegebietes mit Blut bezeichnet. Dabei kann es sich um einen unzureichenden Blutfluss oder einen vollständigen Durchblutungsstopp handeln.

Dauert eine Ischämie nur kurze Zeit an, kann sich das Gewebe nach Reperfusion in der Regel schnell wieder erholen. Bei länger andauernder Ischämie kommt es durch den gestörten Stoffwechsel zu - unter Umständen irreparablen - Gewebeuntergängen.

Wie lange eine Ischämie toleriert werden kann, hängt dabei v. a. von ihrer Lokalisation ab: Bestimmte Organsysteme wie das zentrale Nervensystem reagieren besonders empfindlich auf Sauerstoffmangel, andere Gewebe wie etwa die Haut können eine Ischämie für mehrere Stunden tolerieren.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen einer Ischämie sind interne krankhafte Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems. Gefäßverengungen (Stenosen) durch Arteriosklerose entstehen schleichend und rufen chronische Ischämien hervor.

Plötzliche Gefäßverschlüsse durch Thrombosen oder Embolien führen zu akuten Ischämien. Auch die traumatische Zerstörung eines Blutgefäßes bewirkt einen Durchblutungsausfall. Seltener wird eine Ischämie extern verursacht, z. B. durch Abbinden eines Körperteils zwecks Blutungsstillung, durch Tumore oder durch chronische Druckbelastung bei Bettlägerigkeit.

Die Konsequenzen für den Stoffwechsel des betroffenen Gebietes sind in beiden Fällen die gleichen: Wegen der ungenügenden Sauerstoffzufuhr bildet sich vermehrt Lactat und das ischämische Gebiet übersäuert (metabolische Azidose).

Aufgrund des Energiemangels können die Zellen ihren Teilchen- und Flüssigkeitshaushalt nicht mehr aufrecht erhalten: Sie schwellen an und gehen schließlich unter. Bei einsetzenden Nekrosen spricht man nun nicht nur von Ischämie, sondern vom Krankheitsbild des Infarkts.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der Verlauf einer Ischämie hängt fundamental davon ab, welches Organsystem betroffen ist. Die Ischämie eines kleinen Hautareals durch Druckschäden macht sich womöglich erst nach vielen Stunden bemerkbar.

Ein Durchblutungsausfall im Gehirn führt hingegen in nur 15-20 Sekunden zur Bewusstlosigkeit und ist akut lebensbedrohlich, da binnen 7-10 Minuten irreparable Nekrosen entstehen. Auch der arbeitende Herzmuskel reagiert sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel und kann eine Ischämie nur wenige Minuten tolerieren. Typisch für größere Ischämien sind Schmerz- und Schockzustände; die weiteren klinischen Symptome unterscheiden sich aber je nach Lokalisation sehr stark.

Hinweise auf schwere Extremitätenischämien liefern etwa die 6 P-Zeichen nach Pratt: Schmerz (Pain), Blässe (Pallor), Pulslosigkeit (Pulselessness), Sensibilitätsstörung (Paresthesia), Lähmung (Paralysis), Schock (Prostration). Wichtig ist eine gründliche Anamnese, da Gefäßverschlüssen fast immer Vorerkrankungen vorausgehen.

Die Diagnose einer Ischämie wird durch Laborbefunde, Funktionsdiagnostik (z. B. EKG) sowie bildgebende Verfahren (Duplex-Sonografie, Katheter-Angiografie, Computersonografie oder Magnetresonanztomografie) unterstützt.

Komplikationen

Die Ischämie kann für einen Patienten lebensgefährlich sein, wenn diese über einen längeren Zeitraum auftritt. Durch die schlechte Durchblutung des betroffenen Gewebes kann es auch zu irreversiblen Folgeschäden am gesamten Körper kommen. Die Patienten leiden dabei durch den Mangel an Sauerstoff nicht selten an einer Atemnot oder an einer Nekrose.

Weiterhin kann es im schlimmsten Falle auch zu einem Herzinfarkt und damit schließlich auch zum Tode des Patienten kommen. Die Betroffenen können auch einen Ausfall im Gehirn erleiden und dabei das Bewusstsein verlieren. Sollte dieser über einen längeren Zeitraum anhalten, kann es auch zu Folgeschäden am Gehirn kommen, sodass die Patienten an Lähmungen oder an einer Spastik leiden.

Ebenso kommt es zu Schmerzen, Störungen der Sensibilität oder zu einer starken Blässe. Bei Ischämie bedarf es einer sofortigen Behandlung, um irreversibele Folgeschäden und Komplikationen zu vermeiden. Dabei können auch operative Eingriffe notwendig sein. In der Regel wird die Lebenserwartung des Patienten durch die Ischämie deutlich verringert und eingeschränkt. Der weitere Krankheitsverlauf hängt allerdings von der Ursache dieser Krankheit ab.

Behandlung & Therapie

Ziel jeder Ischämietherapie ist es, wieder eine ausreichende Blutversorgung des ischämischen Gebietes sicherzustellen. Akute Ischämien mit Infarktgeschehen erfordern ein rasches Handeln:

Sofern keine Kontraindikationen vorliegen, wird zunächst eine medikamentöse systemische oder lokale Lysetherapie versucht. Schlägt diese nicht an oder ist das Zeitfenster für die Lysetherapie bereits abgelaufen, sind gefäßchirurgische Revaskularisierungen möglich: die chirurgische Ausräumung eines Thrombus, Gefäßaufdehnungen oder Bypass-Operationen. Manchmal sind diese Eingriffe über Katheter durchführbar, in anderen Fällen erfordern sie größere Operationen.

Bei subakuten Ischämieformen werden auch präventiv aufdehnende Gefäßprothesen (Stents) eingesetzt. Bei Patienten mit Ischämien ist darüber hinaus eine medikamentöse Antikoagulation, d. h. eine Herabsetzung der Blutgerinnungsneigung, sinnvoll, um (weitere) Embolien und Thrombosen zu verhindern. Für diesen Zweck werden beispielsweise Heparin oder Vitamin-K-Antagonisten gegeben. Außerdem erhalten chronisch ischämiegefährdete Patienten oft Calciumantagonisten, Betablocker und/ oder Nitropräparate.

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Vorbeugung

Einer Ischämie vorbeugen lässt sich generell mit Maßnahmen, die das Herz-Kreislauf-System gesund halten: mit Sport, guter Ernährung unter besonderer Berücksichtigung gesunder Fette und mit Verzicht auf Zigaretten. Bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, die für Gefäßverschlüsse prädisponieren, sowie bei Bettlägerigkeit nach Operationen sollte auf eine sorgfältige Antikoagulation geachtet werden. Außerdem darf das Abbinden von Extremitäten nur im absoluten Notfall erfolgen, denn nach zu lang anhaltender Ischämie kann eine Amputation des betroffenen Körperteils notwendig werden.

Das können Sie selbst tun

Personen, die von einer Ischämie betroffen sind, sollten sich ärztlich versorgen lassen. Um geeignete Selbsthilfe-Maßnahmen festlegen zu können, muss zunächst die ursächliche Erkrankung ermittelt werden. Darum ist eine sofortige medizinische Abklärung die wichtigste Maßnahme, die eine betroffene Person ergreifen kann.

Eine leichte Ischämie kann durch Arzneimittel und Schonung relativ rasch auskuriert werden. Auch nach einer Operation gilt für die Betroffenen Bettruhe und Schonung. Bei anhaltenden Schmerzen wird am besten der Arzt informiert. In Rücksprache mit dem Mediziner können Mittel aus der Natur wie Johanniskraut oder Belladonna eingesetzt werden, um die Beschwerden zu reduzieren. Auch Massagen, Akupunkturen und andere alternative Behandlungsmethoden sind mit Einverständnis des Arztes erlaubt.

Nachdem die Erkrankung auskuriert wurde, muss der Lebensstil umgestellt werden. Wichtig sind vor allem Maßnahmen, die das Herz-Kreislauf-System stärken, zum Beispiel Sport, eine gesunde und ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin. Ischämie-Patienten sollten auch Stress vermeiden und auf einen erholsamen Nachtschlaf achten. Parallel dazu sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen im Krankenhaus angezeigt, denn, abhängig von der Grunderkrankung, kann es immer wieder zu einer Ischämie kommen.

Bücher über Durchblutungsstörungen

Quellen

  • Bubendorf, L., Feichter, G.E., Obermann, E.C., Dalquen, P.: Pathologie – Zytopathologie. Springer, Berlin 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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