Milchejektionsreflex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Januar 2017
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Der Milchejektionsreflex ist ein Laktationsreflex, der durch das Saugen des Kindes an der mütterlichen Brust ausgelöst wird. Die registrierte Berührung lässt Milch in die Brust einschießen. Störungen des Reflexes gehen entweder auf einen Mangel an dem beteiligten Hormon Oxytocin zurück oder sind mit neurologischen Störungen assoziiert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Milchejektionsreflex?

Die sogenannten Laktationsreflexe sind artenübergreifend verbreitete Reflexe, die der Nachwuchs durch das Saugen an der mütterlichen Brust auslöst. Neben dem Milchbildungsreflex zählt auch der Milchejektionsreflex zu den Reflexen dieser Gruppe.

Die auslösenden Reize sind immer Berührungsreize. Damit sind Mechanorezeptoren zur Registrierung von Berührung die erste Instanz des Reflexbogens. Die Laktationsreflexe sind Fremdreflexe, deren Effektoren und Affektoren in verschiedenen Organen liegen.

Der Sinn und Zweck der Reflexe ist die Nahrungssicherung für das Neugeborene. Nicht nur die weibliche Brust, sondern auch die Zitze von Tieren verfügt über Reflexe der Milchbildung und Ejektion. Im Grunde ist die Milchbildung mit der Milchejektion eine geschlossene Einheit, da der Ejektionsreflex nicht ohne den Milchbildungsreflex stattfinden kann. Beides wird mit allen daran beteiligten Vorgängen unter dem Begriff der Laktation zusammengefasst. Die Laktation ist demnach die reflektive Bildung und Sekretion von Muttermilch durch die weibliche Brustdrüse.

Funktion & Aufgabe

Die Laktation umgreift physiologische Prozesse, die sich vom Schwangerschaftsbeginn bis in die Stillphase ziehen. Für die Laktogenese in der Schwangerschaft spielen neben dem Hormone Östrogen das Progesteron, das HPL und das Prolaktin eine entscheidende Rolle.

Ab dem zweiten Schwangerschaftsmonat nimmt der Anteil an Fett- und Bindegewebe innerhalb der Brust ab. Ab dem achten Monat kommt es zur Galaktogenese, während der die Produktion von Muttermilch beginnt und die Bildung von Vormilch ihren Angang nimmt.

Das Prolaktin steigt in seiner Konzentration während einer Schwangerschaft immer weiter an und initiiert die Bildung der Vormilch. Volle Muttermilch bildet sich erst nach der Geburt des Kindes, indem die Plazenta ausgeboren wird. Die Plazenta bildet Progesteron, das in der Schwangerschaft die Rezeptoren für Prolaktin teilweise besetzt und damit inhibiert. Der Milcheinschuss beginnt.

Nach der Geburt des Kindes ist sowohl für die Milchbildung, als auch für die Ejektion die Interaktion zwischen der Mutter und dem neugeborenen Kind das entscheidende Element. An diese Interaktion sind alle Laktationsreflexe gebunden. Durch den Berührungsreiz auf die Mechanorezeptoren der mütterlichen Brust wird beim Stillen Prolaktin ausgeschüttet. Dieses Hormon stammt aus dem Hypophysenvorderlappen und bewirkt eine Steigerung der Milchproduktion in den weiblichen Brustdrüsen. Dieser Reflex entspricht dem Milchbildungsreflex.

Der Milchejektionsreflex ist ein Laktationsreflex, der durch das Saugen des Kindes an der mütterlichen Brust ausgelöst wird.

Gleichzeitig dazu wird durch das Stillen mit demselben Reflexbogen der Ejektionsreflex ausgelöst. Dieser Milchejektions- oder Milchspendereflex wird also ebenfalls durch das Saugen des Nachwuchses an der Brust der Mutter verursacht und stimuliert die Milchabgabe. Wie auch für den Milchbildungsreflex ist die Reizung der Brustwarze und die Registrierung der Reizung durch die dort ansässigen Mechanorezeptoren das entscheidende Element der reflektorischen Prozesse. Die sensiblen Nervenfasern leiten die Saugreize in den Hypothalamus der Mutter weiter, der neben der Ausschüttung von Prolaktin eine Ausschüttung des Peptidhormons Oxytocin im Hypophysenhinterlappen einleitet.

Während das Prolaktin die Milchproduktion anregt, regt das Oxytocin die Myoepithelzellen in den Milchdrüsen zu einer Kontraktion an. Diese Kontraktion transportiert die produzierte Milch von den alveolaren Endkammern in die Zisternen der Milchdrüse, die als Sammelräume der Milch gelten. Die Zeit zwischen der Stimulation der Brust durch den Säugling und dem Einschießen von Milch in die Burst beläuft sich in etwa auf zehn Sekunden.

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Krankheiten & Beschwerden

Der Milchejektionsreflex ist auf das Peptidhormon Oxytocin angewiesen. Aus diesem Grund führt ein absoluter Mangel an Oxytocin zu einem Ausfall des Reflexes. Ein solcher Mangel kann auf eine Hypophyseninsuffizienz zurückzuführen sein. Speziell die Hypophysenhinterlappeninsuffizienz führt zu einem isolierten Ausfallen der Neurohypophyse. Die Folge sind gestörte Sekretionen von ADH und Oxytocin. Die mit häufigste Ursache einer Hypophyseninsuffizienz sind Tumore an der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Sobald ein Geschwulst auf die Hormondrüse drückt, fällt die Hormonproduktion aus. Auch nach einer Operation an der Hirnanhangsdrüse können Insuffizienzen bestehen.

Nicht nur ein Mangel an Oxytocin, sondern auch ein Mangel an Prolaktin kann zu Störungen des Milchejektionsreflexes führen. Da das Prolaktin die Bildung von Milch unterstützt, führt ein Mangel zu verminderter Milchbildung. Wenn zu wenig Milch vorliegt, kann entsprechend auch weniger Milch abgegeben werden. Auch ein Prolaktinmangel geht meist auf eine Unterfunktion der Hormondrüse zurück.

Störungen des Milchejektionsreflexes können unter Umständen auch auf eine Schädigung der afferenten Nervenbahnen zurückzuführen sein, über die die Mechanorezeptoren mit dem Hypothalamus kommunizieren. Eine solche Nervenschädigung kann durch mechanische Verletzungen ebenso verursacht werden wie durch Infektionen, Entzündungen oder Mangelerscheinungen. Entweder sind die peripheren Nerven in der entsprechenden Region betroffen oder die Schädigung liegt im Zentralnervensystem.

Für Schädigungen der peripheren Nerven gilt der Ausdruck der Neuropathie. Wenn die Läsionen im Zentralnervensystem oder sogar im Hypothalamus liegen, können neurologische Erkrankungen die primäre Ursache für den gestörten Reflexbogen sein. Dasselbe gilt für Tumore des ZNS, für Schlaganfälle oder Schädel-Hirn-Traumata.

Anders als ein ausbleibender muss ein verminderter Milchejektionsreflex nicht zwingend Krankheitswert besitzen. Zum einen unterscheidet sich die Menge der Milchproduktion von Frau zu Frau und kann zum Beispiel auch von der Ernährung beeinflusst werden und zum anderen existieren von Mensch zu Mensch außerdem natürliche Unterschiede in der reflektorischen Aktivität.

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