Galaktogenese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Januar 2017
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Als Galaktogenese wird der Einschuss von Milch in die Brustdrüsengänge bezeichnet, der in der Phase des Wochenbettes nach einer Schwangerschaft stattfindet. Die Galaktogenese ist eine Bedingung der Laktationsreflexe. Anders als bei Laktationsstörungen liegen bei Störungen der Galaktogenese nicht fehlerhaftes Stillen, sondern meist Überschusse an plazentaren Steroidhormonen zugrunde.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Galaktogenese?

Als Laktation werden alle Vorgänge zusammengefasst, mit der eine Frau in der Schwangerschaft Milch zur Ernährung des Nachwuchses produziert. Die sogenannten Milchbildungsreflexe oder Laktationsreflexe spielen dabei die Hauptrolle. Es handelt sich um hormonell gesteuerte Drüsentätigkeiten auf einen äußerlichen Reiz hin. Der verursachende Reiz ist in diesem Fall vor allem der Berührungsreiz, den die Sinneszellen der weiblichen Brust durch die Saugtätigkeit des Kindes registrieren. Die Milchbildung wird durch die Ausschüttung des Hormons Prolaktin aus dem Hypophysenvorderlappen angeregt. Die Milchejektion wird wiederum über das Hormon Oxytocin gesteuert.

Als Galaktogenese wird dabei spezifisch die Ingangsetzung der Milchbildungsprozesse bezeichnet. Damit entspricht die Galaktogenese vorwiegend der Hormonausschüttung und Hormonbindung am die Milchdrüsen. Galaktogenese und Laktogenese sind zwar eng miteinander verwandt, aber nicht als Synonyme zu verstehen. Die Laktogenese ist die Vorbereitung der Milchdrüsen auf die Milchbildung während der Schwangerschaft und wird hormonell durch Östrogen angestoßen. Die Galaktogenese bezieht sich dagegen auf Vorgänge nach der Schwangerschaft, die durch Prolaktin- und Oxytocin-Ausschüttung das Einschießen der Milch in die Brust zur Folge haben. Damit setzt die Galaktogenese unmittelbar nach dem Geburtsvorgang ein und wird oft auch als auslösender Prozess der Milchsekretion bezeichnet.

Der weitere Unterhalt der Laktation in der Phase des Wochenbetts wird Galaktopoese genannt. Die Galaktokinese entspricht der Milchentleerung.

Funktion & Aufgabe

Mit der Milchbildung und der Milchsekretion verfügt die Frau über eine naturgegebene Möglichkeit zur Ernährung des Nachwuchses. Schon während der Schwangerschaft wirken die Hormone Östrogen und Progesteron auf die Aktivität der Milchdrüsen. Plazentare Steroidhormone wirken während der Schwangerschaft hemmend auf die Milchproduktion. Aus diesem Grund entsteht in der Schwangerschaft ausschließlich sogenannte Vormilch, die vor allem unter dem Einfluss von Prolaktin gebildet wird.

Nach der Abstoßung der Plazenta, also unmittelbar nach der Geburt des Kindes, wird die Milchbildung nicht mehr durch plazentare Steroidhormone gehemmt. Die Milch ist in einzelnen Bereichen der Drüsen und Drüsengänge gespeichert. Nach der Geburt des Säuglings setzt die Galaktogenese ein. Damit wird die Sekretion der Milch in den Drüsengängen stimuliert. Die gespeicherte Milch wird so verfügbar gemacht. Dies geschieht vor allem unter dem ungehemmten Einfluss der Hormone Prolaktin und Oxytocin. Oxytocin wird während der Geburt des Kindes in großen Mengen ausgeschüttet, sobald sich das Ungeborene aus der Gebärmutter absenkt und dabei Druck ausübt.

Als Galaktogenese wird der Einschuss von Milch in die Brustdrüsengänge bezeichnet, der in der Phase des Wochenbettes nach einer Schwangerschaft stattfindet.

Die Druckreize werden von Sinneszellen des Tastsinns registriert und melden den Reiz mittels bioelektrischer Erregung über afferente Nervenbahnen an das zentrale Nervensystem. An dieser Stelle ist der Reflexbogen mit den Drüsen verschaltet. Durch die Verschaltung der Erregung auf motorische Nervenbahnen der Drüsen wird der Milcheinschuss in Gang gebracht.

Etwa am zweiten oder dritten Tag des Wochenbettes liegt der Blutspiegel der plazentaren Steroidhormone bei einem Minimum. Dies hat das Einschießen der Milch in die Milchgänge zur Folge und entspricht damit dem Höhepunkt der Galaktogenese. Zur Aufrechterhaltung der Milchbildung während des Wochenbetts sind neue Berührungsreize erforderlich, die abermalig eine gesteigerte Oxytocin-Produktion zur Folge haben. Die Berührungsreize zur Galaktopoese entsprechen den Saugreizen des Neugeborenen an der mütterlichen Brust. Die letztliche Milchproduktion hängt damit von der Nachfrage des Kindes nach Milch ab. Je häufiger der Säugling zum Stillen angelegt wird, desto mehr Milch wird produziert.

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Krankheiten & Beschwerden

Störungen der Laktationsreflexe liegen häufig an einem fehlerhaften Stillverhalten. Für Störungen der Galaktogenese gilt das nicht. Die Galaktogenese hängt, anders als die Laktation, nicht von dem Kontakt zwischen Mutter und Kind ab. Es handelt sich im engeren Sinn nicht um einen reflektorischen Vorgang, dem ein bestimmter Reiz vorauszugehen hat. Eine Störung der Galaktogenese tritt dann auf, wenn die plazentaren Steroidhormone weiterhin hemmend auf die Milchdrüsen wirken. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn sich die Plazenta nach der Geburt nicht oder nur unvollständig löst. In der Regel wird eine unvollständig abgelöste Plazenta über eine Ausschabung zur Ablösung gebracht. Damit kommt es im westlichen Raum nur in den seltensten Fällen zu einem Verbleib der Plazenta innerhalb des Körpers. Da plazentare Rückstände Blutungen zur Folge haben können und darüber hinaus häufig entarten, überprüfen und unterstützen die Geburtshelfer die plazentare Ablösung mit allen Mitteln.

Ein erhöhter Progesteronspiegel liegt auch bei Tumoren der Eierstöcke, bei Blasenmole oder beim adrenogenitalen Syndrom vor. Das adrenogenitale Syndrom ist ein genetisch bedingter Defekt von Enzym 21-Hydroxylase, der eine verminderte Bildung von Cortisol zur Folge hat. In einer Folge dessen steigt der Blutspiegel der Cortisol-Vorstufen an, die wiederum den Steroid-Hormonen entsprechen.

Auch bei einem erhöhten Spiegel des luteinisierenden Hormons wird nach der Schwangerschaft zu viel Progesteron gebildet, wodurch die Galaktogenese Störungen erfährt. Prolaktin und das luteinisierende Hormon stehen in wechselseitigem Zusammenhang. Bei hohen Prolaktin-Werten wird das luteinisierende Hormon beispielsweise gehemmt. Wenn die Prolaktin-Werte durch eine Erkrankung der Hypophyse dagegen zu niedrig sind, liegt ein hoher Spiegel vor. Prolaktin-Mangel kann beispielsweise mit Schädigungen des hypophysären Gewebes in Zusammenhang stehen.

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