Reflexe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Januar 2017
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Angeborene und erworbene Reflexe begleiten uns das ganze Leben lang. Sind sie gestört, kann das auf gravierende Krankheiten hinweisen oder eine Folge der natürlichen Alterung sein. Ein Reflex ist die immer gleiche Reaktion auf einen bestimmten Reiz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Reflex?

Die Biologie unterscheidet Eigenreflexe, Fremdreflexe und bedingte Reflexe. Sie sind angeboren und werden vom Rückenmark gesteuert. Sie dienen dem Schutz des Lebewesens. Nur so ist eine schnelle Reaktion bei Gefahr möglich.

Reflexe werden durch Nervenzellen koordiniert. An jedem Reflex sind ein Rezeptor und ein Effektor beteiligt. Diese werden durch Nerven zu einem Reflexbogen verbunden.

Ein Reflex, den sicher jeder kennt, ist der Kniesehnenreflex. Erhält die Kniescheibe einen leichten Schlag, macht das Bein eine unwillkürliche Bewegung nach vorne. Der Betreffende kann das Wippen gar nicht verhindern. Die Reaktion erfolgt, ohne dass das Hirn sie steuern kann.

Wenn ein physikalischer oder chemischer Reiz auf eine Sinneszelle trifft, wird dieser in ein elektrisches Signal umgewandelt. Die Impulse werden über afferente Nervenfasern ins Rückenmark geleitet, wo der Reiz verarbeitet wird (afferent = zum Zentralnervensystem hinführend).

Über eine efferente, also wegführende Nervenfaser, erreicht der Reiz die Muskelzellen. Sie stellen den Effektor dar. Die elektrische Erregung wird durch die motorische Endplatte von den Nervenfasern auf den Muskel übertragen.

Der ganze Vorgang ist so schnell, dass wir uns dessen gar nicht bewusst werden. Das Gehirn kann angeborene Reflexe nicht beeinflussen oder kontrollieren.

Funktion & Aufgabe

Sowohl Rezeptor als auch Effektor werden nach ihrer Lage im Organismus eingeteilt. Ebenso spielt die Anzahl der im Reflexbogen vorhandenen Synapsen für die Kategorisierung eine Rolle. Der Rezeptor liegt in der Peripherie, beim Patillarsehnenreflex zum Beispiel in der Muskelspindel. Wird diese gereizt, überträgt sich die Reaktion in einem Reflexbogen über den Spinalnerv, das Spinalganglion und über das Hinterland bis ins Rückenmark. Hier liegt das Reflexzentrum. Der Reiz wandert weiter zum Vorderhorn, wo er auf Aktionspotenzial umgeschaltet wird und die Motorik in Bewegung setzt. Es kommt zum erkennbaren Reflex.

Bei Eigenreflexen finden die Erregung und die Beantwortung des Reizes im gleichen Organ statt. Beispiele hierfür sind der beschriebene Patillarsehnenreflex sowie der Radieoperiostreflex am Ellenbogen. Bei Fremdreflex liegen die Orte der Reizauslösung und der Reizbeantwortung an unterschiedlichen Organen. Ein Beispiel hierfür ist das Berühren der heißen Herdplatte. Über die Haut am Finger gelangt die Erregung in den menschlichen Organismus und wird über afferente Bahnen bis zum Reflexzentrum im Rückenmark weitergeleitet.

Ein Reflex, den sicher jeder kennt, ist der Kniesehnenreflex. Erhält die Kniescheibe einen leichten Schlag, macht das Bein eine unwillkürliche Bewegung nach vorne.

Frühkindliche Reflexe sind angeboren, verlieren sich aber nach den ersten Lebensmonaten. Je stärker die Entwicklung des Gehirns voranschreitet, desto mehr gehen diese frühen Reflexe verloren. Sie alle haben das Ziel, den Säugling vor Verletzungen und Gefahren zu schützen oder die Nahrungsaufnahme zu vereinfachen.

Das Baby hat zum Beispiel einen Greifreflex. Es greift bei der Berührung seiner Handinnenfläche automatisch zu. Auch ein Schwimmreflex ist in diesem frühen Alter angeboren und lässt sich in Babyschwimmkursen beobachten. Die Babys beginnen im Wasser automatisch vorwärts zu paddeln, wie es kleine Hunde tun. Säuglinge haben auch einen Suchreflex. Wird der Mundwinkel berührt, drehen sie automatisch den Kopf in die entsprechende Richtung. Das ist wichtig, um auch blind die Brust der Mutter finden zu können.

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Krankheiten & Beschwerden

Während die frühkindlichen Reflexe mit der Zeit verloren gehen und dies ein gesunder Vorgang ist, werden viele Reflexe auch durch Krankheiten oder Unfälle beeinträchtigt. Die Lebererkrankung Morbus Wilson beispielsweise kommt häufig bei Kindern vor und führt zu Muskelschwäche, Gefühls- und Reflexstörungen sowie einem Verlust der Intelligenz.

Eine Gehirnerschütterung kann ebenso wie anhaltender Vitamin-B6-Mangel die Reflexe merkbar stören. Auch hyperaktive Kinder leiden nicht selten an Reflexstörungen und zeigen Muskelzuckungen, häufig verbunden mit Schlaflosigkeit, Kopf- und Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust.

Bei einer Nerven- oder Hirnschädigung treten pathologische Reflexstörungen auf. Der Babinski-Reflex ist der bekannteste unter den pathologischen Reflexen. Streicht man einem Erkrankten über die Fußsohle, streckt sich die große Zehe, während sich die anderen Zehen nach unten beugen. Er gehört zu den frühkindlichen Reflexen und verschwindet normalerweise nach einem Jahr von selbst. Nach einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung kann dieser Reflexe jedoch wieder auftreten. Dann ist er der Hinweis auf eine deutliche Hirnschädigung.

Um eine Reflexantwort an Beinen und Armen beurteilen zu können, muss der Arzt immer beide Seiten begutachten. Nur im Vergleich lässt sich feststellen, ob vielleicht eine Erkrankung vorliegt. Dann zeigt sich eine einseitige Abschwächung oder Verstärkung des Reflexes.

Ist die Muskulatur nach einem Schlaganfall gelähmt, kommt es häufig zu einer Steigerung der muskeleigenen Reflexe. Die extremste Form dieser gesteigerten Muskelbewegungen ist der Klonus, bei dem ein Muskel nach einem Reiz pausenlos rhythmisch zuckt. Der Klonus ist die Folge einer Großhirnschädigung.

Auch die Parkinson-Krankheit ist ein typisches Beispiel für Störungen der aufrechterhaltenen Reflexe und erzeugt Gleichgewichtsprobleme. Bereits im Frühstadium zeigt sich die Krankheit durch eine Riechstörung, im zweiten Stadium kommt eine typische Schlafstörung hinzu, welche die Tiefschlafphase beeinträchtigt.

Mit fortschreitendem Alter schwächen sich viele Reflexe ab. Es ist ein natürlicher Vorgang und kann wenig beeinflusst werden. Dieses Nachlassen tritt meist beidseitig auf und ist nicht auf ein Organ oder einen Muskel beschränkt.

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