Fremdreflex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. Januar 2017
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Als Reflex bezeichnet man eine unwillkürliche, automatische Reaktion eines Körperteils oder Organs auf einen Reiz. Ein Fremdreflex beschreibt innerhalb dessen eine bestimmte Art von Reflexen und wird auch als polysynaptischer Reflex bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Fremdreflex?

Im Gegensatz zum Eigenreflex liegen beim Fremdreflex Rezeptor und Effektor nicht im selben Organ. Das bedeutet, dass die Wahrnehmung eines Reizes und die darauf ausgerichtete Handlung des Körpers in unterschiedlichen Organen erfolgen.

Als Rezeptor bezeichnet man eine Zelle bzw. einen Zellverband, der chemische oder physikalische Reize in eine neuronale Form übersetzen kann. Die Sinneszellen im Auge oder im Ohr sowie die sensiblen Zellen der Haut sind Beispiele für Rezeptoren.

Ein Effektor ist ein Zellverband, der neuronale Signale aufnehmen kann und daraufhin einen Reaktion produziert. Das zum Effektor gehörende Organ heißt auch Erfolgsorgan.

Funktion & Aufgabe

Den Weg, den der Reiz vom Rezeptor zum Effektor nimmt, bezeichnet man auch als Reflexbogen. Der Reiz wird zunächst vom Rezeptor registriert. Dort löst er eine Erregung in den Nervenzellen aus. Diese Erregung wird über sogenannte afferente Nervenfasern zum Zentralnervensystem (ZNS) weitergeleitet.

Afferenzen sind Nervenfasern, die aus der Peripherie, also beispielsweise aus den Extremitäten, zum ZNS führen. Die meisten Reflexe gelangen von ihrem Rezeptor über afferente Fasern zum Rückenmark. Das Rückenmark ist Teil des Zentralnervensystems und verläuft im Wirbelkanal der Wirbelsäule. Im Rückenmark wird der Reiz dann von den afferenten sensorischen Nervenbahnen auf eine motorische Nervenbahn übertragen. Die motorische Nervenbahn im Vorderhorn des Rückenmarks ist eine Efferenz, das bedeutet, die Nervenbahn zieht vom Rückenmark in die Peripherie zum Erfolgsorgan. Dort löst der Reiz dann eine entsprechende Reaktion aus.

Reflexe ermöglichen dem Menschen in seiner recht konstanten Umwelt schnell auf verschiedene Lebensbedingungen zu reagieren. Reflexe erfolgen automatisch, schematisch und stereotyp und ermöglichen so eine sehr geringe Reaktionszeit.

Viele Fremdreflexe dienen dem Schutz. So ermöglicht beispielsweise der Schluckreflex die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bei gleichzeitigem Schutz der Atemwege und der Lunge.

Angeborene Reflexe erleichtern das Überleben. Sie wurden von den vorherigen Generationen erprobt und bieten so von Geburt an eine Steigerung der Anpassung und Überlebensfähigkeit. Viele Fremdreflexe dienen dem Schutz. So schützt beispielsweise der Lidschlussreflex das Auge vor Fremdkörpern und der Schluckreflex ermöglicht die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bei gleichzeitigem Schutz der Atemwege und der Lunge.

Zu den physiologischen Reflexen gehören neben dem Lidschluss- und dem Schluckreflex auch der Bauchhautreflex und der Kremasterreflex. Beim Bauchhautreflex kontrahiert die Bauchdeckenmuskulatur beim Bestreichen des Bauches von der Flankenseite in Richtung Bauchnabel. Als Cremasterreflex bezeichnet man die Hebung des Hodens durch eine Bestreichung der Innenseite des Oberschenkels.

Auch der Pupillenreflex ist ein physiologischer Fremdreflex. Dadurch passen sich die Pupillen unterschiedlichen Lichtverhältnissen an. Es verengen oder erweitern sich stets beide Pupillen, auch wenn nur eine der Pupillen beleuchtet wird. Der Würgreflex tritt beim Eindringen von Flüssigkeit oder anderen Fremdkörpern in die Luftröhre auf. Auch verdorbene oder sehr bittere Nahrungsmittel können den Würgreflex auslösen. Dieser Reflex ist also genau wie der Schluckreflex ein Schutzreflex. Beim Säugling gehören auch der Saugreflex und der Fußsohlenreflex zum physiologischen Reflexrepertoire. Der Fußsohlenreflex, auch als Babinski- Reflex bezeichnet, ist beim Erwachsenen jedoch pathologisch.

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Krankheiten & Beschwerden

Pathologische Fremdreflexe sind unwillkürliche Körperreaktionen, die beim gesunden Menschen nicht vorkommen. In der Regel liefern sie Hinweise auf Erkrankungen des Zentralnervensystems. Beim Babinski-Reflex wird der äußere Fußrand bestrichen. Bei gesunden Säuglingen und bei Erkrankungen des Zentralnervensystems ist eine Zehenspreizung zu beobachten. Der große Zeh zieht dabei in Richtung Fußrücken. Erfolgt diese Zehenspreizung, so spricht man von einem positiven Babinski-Reflex. Ein positiver Babinski-Reflex liefert einen Hinweis auf eine Schädigung der Pyramidenbahn. In der Pyramidenbahn verlaufen die Fasern der sogenannten Motoneurone. Sie versorgen die Muskulatur des Körpers.

Auch der Chaddock-Reflex zählt zu den Pyramidenbahnzeichen, also zu den pathologischen Fremdreflexen, die auf eine Schädigung der Pyramidenbahn hinweisen. Ähnlich wie beim Babinski-Reflex wird auch hier durch Druck auf einen Punkt am Fuß eine Zehenspreizung ausgelöst. Der Gordon-Reflex ist ebenfalls ein Pyramidenbahnzeichen. Hier werden die Spreizung der Zehen und das Anziehen der Großzehe durch Druck auf die Wadenmuskulatur ausgelöst. Weitere pathologische Fremdreflexe, die durch eine Schädigung der Pyramidenbahn verursacht werden, sind der Bechterew-Mendel-Reflex, der Oppenheim-Reflex und der Rossolimo-Reflex.

Eine bekannte Erkrankung, bei der pathologische Fremdreflexe auftreten, ist die Multiple Sklerose. Durch Autoimmunprozesse werden hier die Meylinscheiden der Nerven geschädigt.

Neben pathologischen Fremdreflexen liefern auch fehlende oder abgeschwächte physiologische Fremdreflexe Hinweise zu möglichen Erkrankungen. Ein fehlender oder abgeschwächter Bauchhautreflex ist genau wie der Babinski- oder der Oppenheim-Reflex ein Zeichen für Multiple Sklerose.

Bleibt der Kremasterreflex bei Bestreichung der Oberschenkelinnenseite aus, spricht dies für eine Hodendrehung oder eine Schädigung im Bereich der Rückenmarkssegmente L1 und L2. Ein fehlender Analreflex weist wiederum auf eine Schädigung der Rückenmarkssegmente S3-S5 hin.

Bei Schädigungen der afferenten oder efferenten Nervenfasern im Bereich des Auges sowie bei einer Lähmung des Gesichtsnervs bleibt der Lidschlussreflex aus. Störungen des Lidschlussreflexes können sowohl auf eine Schädigung des Sehnervs als auch auf Störungen der motorischen Fasern im Bereich des Auges hinweisen. Ist der Sehnerv geschädigt, so fällt der Pupillenreflex beim Leuchten in das betroffene Auge zwar aus, bei Beleuchtung des gesunden Auges, kann der Pupillenreflex jedoch auf beiden Augen ausgelöst werden. Ist hingegen der motorische Teil des Auges geschädigt, so kann auf dem betroffenen Auge auch beim Beleuchten des gesunden Auges kein Pupillenreflex mehr ausgelöst werden.

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