Knochenmarkkarzinose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Juli 2017
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Als Knochenmarkkarzinose wird eine seltene diffuse Metastasierung eines Krebstumors innerhalb des Knochenmarks bezeichnet. Sie stellt eine Komplikation von Knochenmetastasen dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Knochenmarkkarzinose?

Bei einer Knochenmarkkarzinose, auch Knochenmarkskarzinose genannt, handelt es sich um die Folgeerscheinung einer Knochenmetastase. Dabei wird das Knochenmark von den kleinherdigen Metastasen (Tochtergeschwülsten) eines Karzinoms infiltriert.

Knochenmarkkarzinosen gelten als Komplikation von Knochenmetastasen. Sie zeigen sich bei circa acht bis zehn Prozent aller Patienten, die unter Knochenmetastasen leiden. Zur Entstehung von Knochenmetastasen kommt es in erster Linie beim Voranschreiten von Krebserkrankungen wie Prostatakrebs und Brustkrebs.

Metastasen des menschlichen Skelettes können sich außerdem im Rahmen von Schilddrüsenkrebs, Lungenkrebs und Nierenzellkarzinomen bilden. Bei Prostatakrebs und Brustkrebs leiden durchschnittlich sieben von zehn Patienten unter einer Tochtergeschwulst. Seltener sind Knochenmetastasen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Magenkrebs, Leberkrebs, schwarzem Hautkrebs, Blasenkrebs, Gebärmutterkrebs, Eierstockkrebs und Gallenblasenkrebs möglich.

Ursachen

Verursacht wird eine Knochenmarkkarzinose durch bösartige Krebstumore. Sowohl von den Tumoren als auch von deren Tochtergeschwülsten werden Krebszellen abgesiedelt, die imstande sind, die Substantia spongiosa (Schwammknochen oder Bälkchenknochen) des Knochens zu durchdringen, wodurch sie anschließend das Knochenmark befallen können.

In den meisten Fällen geschieht dies bei einem primären Tumor wie einem Mammakarzinom oder einem Bronchialkarzinom. Die Ansiedelung geht mit einem diffusen Infiltrieren des hämatopoetischen (die Hämatopoese betreffend) Systems einher. Das Eindringen der Krebszellen führt dazu, dass sich die Anzahl der blutbildenden Zellen vermindert oder sie sogar überhaupt nicht mehr gebildet werden.

Ärzte sprechen dann von einer terminalen Myelosuppression. Der Aufbau und Abbau des Knochens wird bereits durch die Knochenmetastasen aus der Balance gebracht, was allerdings nicht sogleich geschieht. Über den Blutweg können die Krebszellen zum Knochenmark gelangen, wo sie sich festsetzen. Von dort aus beginnt anschließend das Wachstum der Tochtergeschwulst.

So werden von ihnen Signale abgegeben, die eine Beeinflussung der Funktionen der osteoklastischen und osteoblastischen Zellen zur Folge haben. Dadurch kommt es wiederum zu einem unkontrollierten Auf- und Abbau des Knochengewebes. Der Umbau des Knochens führt zu einer Freisetzung von Wachstumsfaktoren. Diese stimulieren die Metastasen dazu, weiter zu wachsen. Durch die Krebszellen entsteht am Knochen eher ein indirekter Schaden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Knochenmetastasen oder eine Knochenmarkkarzinose machen sich zumeist durch Schmerzen im Rücken oder an den Gliedmaßen bemerkbar, lassen sich jedoch nicht eindeutig zuordnen, da sie auch andere Ursachen aufweisen können. Als charakteristische Symptome der Knochenmarkkarzinose gelten Blutarmut (Anämie) und eine verminderte Blutgerinnung, die durch eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) entsteht.

Aufgrund eines Mangels an weißen Blutkörperchen (Leukozytopenie) kommt es außerdem zu Störungen des Abwehrsystems. Dadurch besteht bei den betroffenen Personen eine verstärkte Anfälligkeit gegenüber Infektionen. Mitunter zeigen sich auch unerklärliche Knochenbrüche.

Üben die Knochenmetastasen zudem Druck auf Nerven im Rückenmark, Arm oder Bein aus, führt dies zu Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühle und Kribbeln. Erhöht sich der Kalziumwert im Blut, gilt dies als Hinweis auf Umbauprozesse innerhalb des Knochens. Der Anstieg des Kalziumspiegels bewirkt oft eine Hyperkalzämie, die wiederum Funktionsstörungen in beinahe allen Organsystemen hervorrufen kann.

In schweren Fällen nimmt die Hyperkalzämie sogar lebensbedrohliche Ausmaße an. Sie tritt jedoch nur ungefähr bei 5 von 100 Patienten auf. Die Anämie, die bei einer Knochenmarkkarzinose vorkommt, hat häufig eine schlechte Sauerstoffversorgung des Organismus zur Folge. Bemerkbar macht sich dies in der Regel durch Schwindelgefühle, Atemprobleme und Müdigkeit.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf Knochenmetastasen oder gar eine Knochenmarkkarzinose, kommen gezielte Untersuchungen zur Anwendung. Als Standarddiagnoseverfahren bei Knochenmetastasen gilt die Szintigraphie, bei der dem Patienten radioaktive Stoffe in die Blutbahn gespritzt werden. Die verwendeten Marker ähneln dem Kalzium und reichern sich in Knochenregionen an, in denen ein starker Umbau stattfindet.

Allerdings besteht die Gefahr, dass ein Knochenszintigramm negativ ausfällt. Aus diesem Grund sind weitere Untersuchungsmethoden nötig. Dazu gehört eine Knochenmarkbiopsie, in deren Rahmen eine Punktion am Brustbein oder am Beckenkamm mithilfe einer Hohlnadel erfolgt. Im Ausstrich des Knochenmarks lassen sich die Krebszellen erkennen. Im peripheren Blut sind vereinzelt Erythroblasten oder unreife Granulozyten anzutreffen.

Ferner besteht häufig eine leichte Erhöhung der Retikulozytenanzahl, was ebenfalls auf eine Knochenmarkkarzinose hindeutet. Der Verlauf einer Knochenmarkkarzinose ist in den meisten Fällen negativ. So lässt sich normalerweise keine Heilung mehr erzielen, weil das Stadium der Krebserkrankung schon zu weit fortgeschritten ist.

Komplikationen

Durch die Knochenmarkkarzinose kommt es zu einer Krebserkrankung im Knochenmark. Diese stellt einen sehr schwerwiegenden Zustand für die Gesundheit des Patienten dar. In den meisten Fällen leiden die Patienten dabei an starken Rückenschmerzen und auch an Schmerzen in den Gliedmaßen. Falls die Schmerzen auch in der Nacht auftreten, kann es zu Schlafbeschwerden und zu einer allgemeinen Reizbarkeit des Patienten kommen.

Die Betroffenen sind weiterhin anfällig für verschiedene Infektionen und leiden verstärkt an Knochenbrüchen. Ebenso bilden sich am gesamten Körper Lähmungen und Störungen der Sensibilität aus, wodurch der Alltag des Patienten deutlich eingeschränkt wird. Möglicherweise kann es auch zu Lähmungen im Gesicht kommen, wodurch eine Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit für den Betroffenen in der Regel nicht mehr möglich ist.

Ebenso treten Atembeschwerden auf, sodass es zu einer Müdigkeit oder zu Schwindelanfällen kommen kann. Nicht selten verlieren die Patienten auch das Bewusstsein. Bei einer erfolgreichen Behandlung kommt es nicht zu einer Verringerung der Lebenserwartung.

Behandlung & Therapie

Das Auftreten von Knochenmetastasen oder einer Knochenmarkkarzinose ist ein Anzeichen dafür, dass der Krebs bereits im Körper gestreut hat. Daher ist bei den meisten Patienten nur noch eine palliative Therapie möglich. Zu den Behandlungsoptionen gehört das Bestrahlen des betroffenen Knochens von innen oder außen. Eine äußere Bestrahlung wird von Medizinern als perkutane Strahlentherapie bezeichnet.

Dabei gelangen energiereiche Strahlen von der Außenseite durch die Haut und sollen die Tumorzellen zum Absterben bringen. Eine andere Behandlungsmethode stellt die Radionuklidtherapie dar, in deren Verlauf der Patient mit schwachen radioaktiven Substanzen behandelt wird. Zu diesem Zweck erhält er eine Injektion.

Durch dieses Vorgehen können sich die Radionuklide unmittelbar im Knochen einlagern und die Krebszellen in Mitleidenschaft ziehen, wodurch wiederum Entzündungen entgegengewirkt wird. Die beschriebenen Verfahren dienen der Linderung der Schmerzen. Des Weiteren lässt sich eine Knochenmarkkarzinose mit einer Chemotherapie behandeln.

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Vorbeugung

Vorbeugemaßnahmen gegen eine Knochenmarkkarzinose sind nicht bekannt. So handelt es sich bei ihr um ein weit fortgeschrittenes Krebsstadium.

Bücher über Knochenkrebs

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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