Atemwegsinfektion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 8. Dezember 2017
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Eine Atemwegsinfektion charakterisiert eine Erkrankung der Atemorgane. Von dem häufig auftretenden Infekt sind entweder die oberen oder unteren Atemwege betroffen. Im Volksmund wird eine akute Atemwegsinfektion oftmals als Erkältung bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Definition Atemwegsinfektion

Verschiedenartige Krankheitserreger verursachen eine akute Atemwegsinfektion. Der davon betroffene Atemtrakt unterteilt sich in obere und untere Atemwege. Die oberen Atemorgane befinden sich außerhalb des Brustraumes. Dazu zählen Nase, Rachen und Nasennebenhöhlen. Der Kehlkopf stellt die Grenze der beiden Bereiche dar.

Zu den unteren Atemwegen gehören Luftröhre und Bronchien. Eine obere Atemwegsinfektion entsteht weitaus häufiger. Die Verlaufsform ist im Allgemeinen unkompliziert und problemlos therapierbar. Einer unteren Atemwegsinfektion obliegt meistenteils ein länger andauernder Erkrankungsprozess mit schwerwiegender Symptomatik.

Im Krankheitsverlauf können sich die Erreger ausbreiten. Infolgedessen entstehen diverse Begleiterkrankungen. So entfaltet sich beispielsweise bei Infektionen der oberen Atemwege eine bakterielle Mittelohrentzündung. Weiterhin kann ein Infekt der oberen Atemwege in eine untere Atemwegserkrankung übergehen. Eine chronische Verlaufsform kennzeichnen wiederkehrende oder besonders langwierige Symptome. Zu dieser Art der Atemwegsinfektion gehört beispielsweise eine chronisch obstruktive Bronchitis.

Ursachen

Die Ursachen einer Atemwegsinfektion sind vielfältig. Normalerweise schützen die Schleimhäute der Atemorgane sowie das körpereigene Abwehrsystem den Organismus vor zahlreichen Krankheitserregern. Ist die natürliche Barriere jedoch gestört oder das Immunsystem geschwächt, kann eine Atemwegsinfektion entstehen.

Vorwiegend gelten unterschiedliche Viren als Verursacher der Erkrankung. Dennoch können Bakterien, selten auch Pilze, eine Atemwegsinfektion hervorrufen. Bakterien erzeugen beispielsweise Mittelohrentzündungen oder Nasennebenhöhlenentzündungen. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion.

Während des Hustens, Niesens oder Sprechens gelangen die Erreger in die Atemluft. Allerdings kann eine Atemwegsinfektion auch durch Schmier- oder Kontaktinfektion entstehen. Die Inkubationszeit einer Atemwegsinfektion beträgt wenige Stunden bis zu einigen Tagen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bereits bei der beginnenden Atemwegsinfektion stellt der Patient fest, dass das Atmen ihm Mühe und zum Teil Schmerzen bereitet. Über die Atemwege gelangt zu wenig Sauerstoff ins Blut, der Körper wird unterversorgt, und ein starker Leistungsabfall macht sich bemerkbar. Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind die Folge.

Normale Tätigkeiten und Bewegungsabläufe erfordern große Anstrengung und sind oft nicht mehr möglich. So fällt es vielen Patienten schwer, das Bett zu verlassen und normalen Tätigkeiten nachzugehen. Infolge der geringen Sauerstoffversorgung entsteht auch eine Schwächung des Herz-Kreislaufsystems.

Ein Anstieg des Pulses ist zu verzeichnen, da das Herz öfter schlagen muss, um die Sauerstoffversorgung des Körpers zu gewährleisten. Aufgrund dieser zusätzlichen Anstrengung findet ein hoher Energieverbrauch statt. Starkes Schwitzen und erhöhte Temperatur entstehen nicht nur durch die meist bakterielle Infektion des Körpers, sondern auch durch die zusätzliche Anstrengung.

Bei Voranschreiten der Infektion findet meist eine Absonderung von Sekreten statt, die durch Husten aus den Atemwegen ausgeworfen werden müssen. Die Anstrengung des Abhustens schwächt den Patienten zusätzlich, da sie mit Kraftaufwand verbunden ist. Je nach Art der Infektion können sich die Beschwerden auch auf die oberen Atemwege in Nase und Rachen ausweiten, zum Beispiel bei einem Grippalen Infekt oder einer Erkältungskrankheit. Die Schleimhäute in Hals und Nase schwellen an, es kommt zu vermehrter Sekretbildung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Schnupfen und Erkältung

Die Diagnose Atemwegsinfektion stellt der Arzt anhand der vorliegenden Dauer und Schwere der Symptomatik, nach eingehender Untersuchung und Befragung des Patienten. Zur Untersuchung gehört das Betrachten, Abklopfen, Abhören und Abtasten verschiedener Körperbereiche.

Der Erreger einer Atemwegsinfektion wird durch eine Blutabnahme nachgewiesen. Bei bakterieller Atemwegsinfektion ist eine erhöhte Konzentration von Leukozyten (weiße Blutkörperchen) im Blutbild sichtbar. Weiterhin kann ein Rachenabstrich einen Hinweis auf eine bakterielle Beteiligung geben.

Gegebenenfalls wird der Mediziner zusätzlich eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes anfertigen. Bei einer persistenten Atemwegsinfektion und vorliegenden Auffälligkeiten kann zusätzlich eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung) oder Computertomographie (CT) vorgenommen werden.

Im weiteren Verlauf der Atemwegsinfektion kann es zu Komplikationen kommen. Aufgrund dessen können Lungen-, Hirnhaut- oder Herzmuskelentzündungen entstehen. In der Regel entwickeln sich diese Erkrankungen durch eine sogenannte Zweitinfektion, auch Superinfektion genannt. Das Immunsystem ist bereits durch die Infektionskrankheit geschwächt, Bakterien überlagern die Viren.

Komplikationen

Infektionen der oberen Atemwege verlaufen in vielen Fällen ohne Komplikationen. Da sie meistens von Viren ausgelöst werden, ist die Einnahme von Antibiotika nicht nötig, wenn nichts auf eine bakterielle Ursache hindeutet. Zur Vorsorge verschreiben viele Ärzte trotzdem Antibiotika, was vor allem wegen der Bildung von Resistenzen problematisch ist. Nur bei komplizierteren Verläufen einer Nasennebenhöhlen-, Rachen- oder Mandelentzündung können schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Bei unzureichender Therapie können sich diese Erkrankungen dann zu einer chronischen Form entwickeln, die mehrfach wiederkommt, oder die Erreger gehen auf benachbartes Gewebe über, wodurch Folgeerkrankungen entstehen. Bei einer Nasennebenhöhlenentzündung können Stirnhöhle und Kieferhöhle betroffen sein, bei einer Mittelohrentzündung der Knochen hinter dem Ohr (Mastoiditis) und bei einer Mandelentzündung Nieren, Herz und Gelenke. Zudem ist es möglich, dass Bakterien das geschwächte Immunsystem infolge der Infektion angreifen und so eine Superinfektion entsteht.

Dagegen fallen Infektionen der unteren Atemwege generell schwerer aus. Hervorzuheben ist hier die Lungenentzündung, die sich auch aus einer Komplikation der Kehlkopfentzündung entwickeln kann. Es können Sauerstoffmangel bei Behinderung der Atmung, Blutvergiftung bei Ausbreitung der Erreger, Flüssigkeitsansammlungen zwischen Lunge und Brustkorb (Pleuraerguss) und Blutungen und Vernarbungen, die Ausdehnung und somit Atmung beeinträchtigen, innerhalb der Lunge auftreten. Weiterhin sind vielfältige Entzündungen weiterer Organe möglich.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dem Verdacht auf eine Atemwegsinfektion sollte in jeden Fall mit einem Arzt gesprochen werden. Medizinischer Rat empfiehlt sich bereits bei ersten Anzeichen einer Infektion, wie beispielsweise Atembeschwerden, einem Kratzen im Hals oder Druckgefühl im Ohr. Die typischen Erkältungssymptome wie eine laufende Nase und gehäuftes Niesen sollten unbedingt abgeklärt werden, um eine Verschlimmerung der Grunderkrankung zu vermeiden. Besonders dringlich ist der Arztbesuch, wenn die unteren Atemwege betroffen sind.

So deuten Heiserkeit, Auswurf, Brustschmerzen und Co. auf eine akute Bronchitis oder gar eine Lungen- oder Kehlkopfentzündung hin, die umgehend behandelt werden muss. Als Faustregel gilt: sollten die Symptome nach einigen Tagen nicht abgeklungen sein, wird am besten ein Arzt konsultiert. Liegt eine Grunderkrankung des Herzens oder der Lungen oder eine Zuckerkrankheit vor, sollte direkt am nächsten Tag zum Arzt gegangen werden. Mit Kindern und älteren Patienten empfiehlt sich bei dem Verdacht auf eine Atemwegsinfektion ebenfalls ein rascher Arztbesuch. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern müssen Beschwerden schnell untersucht werden, da sich die Atemwege noch in der Entwicklung befinden.

Behandlung

Die Therapie einer akuten Atemwegsinfektion hängt vom Erreger und Allgemeinbefinden des Erkrankten ab. Häufig genesen die Patienten ohne medikamentöse Behandlung. Die Therapie besteht lediglich darin, die Symptome zu lindern. Dazu eignen sich beispielsweise Dampf- oder Inhalationsbäder, verschiedene Wickelauflagen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und körperliche Schonung.

Bei schwereren Verlaufsformen ist Bettruhe angezeigt. Weiterhin können apothekenpflichtige Arzneimittel die Begleiterscheinungen einer Atemwegsinfektion erfolgreich lindern. Dazu gehören, bei einer behinderten Nasenatmung, beispielsweise Nasensprays oder Nasentropfen. Für Beschwerden im Hals-Rachen-Raum eignen sich Gurgellösungen oder schmerz- und entzündungshemmende Lutschpräparate.

Leidet der Erkrankte einer Atemwegsinfektion hingegen unter Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen können Medikamente mit dem Inhaltsstoff Paracetamol oder Acetylsalicylsäure rasch zu einer Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens führen.

Bei bakterieller Beteiligung einer Atemwegsinfektion verordnet der behandelnde Arzt stets ein Antibiotikum. Eine chronische Verlaufsform bedarf einer langfristigen Therapie. Bei einer unheilbaren obstruktiven (atmungsbehindernden) Atemwegsinfektion kann eine medikamentöse Langzeittherapie zu einer Linderung der Symptomatik führen.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose bei Atemwegsinfektionen ist, zumindest in akuten Fällen, als gut anzusehen. Bei den meisten Infektionen handelt es sich um milde Leiden, die häufig von allein abklingen, insofern der Betroffene ein gesundes Immunsystem hat und die Atemwege nicht vorgeschädigt sind. Die meisten Erwachsenen sind bis zu viermal pro Jahr von solchen kleineren Infektionen betroffen.

In seltenen Fällen werden dabei auch für akute Infektionen der Atemwege Medikamente notwendig, insbesondere bei Lungenentzündungen. Schweres Fieber, begleitende Leiden oder sehr schlechte Umweltbedingungen, können den Heilungsverlauf zudem erschweren. Gleiches gilt, wenn der Erkrankte Raucher ist oder beruflich Schadstoffen ausgesetzt ist.

Bei chronischen Atemwegsinfektionen ist die Prognose schlechter. Es gibt hier voranschreitende Leiden und solche, die sich mit einer Behandlung gut stabilisieren lassen. Auch kann es zu Phasen der Besserung kommen, nach denen die Infektion sich wieder verstärkt symptomatisch zeigt. Eine frühe Erkennung und eine gute Behandlung sind hier ausschlaggebend. Es gibt einige chronische Leiden, die sich mit fortlaufender Behandlungsdauer gut kontrollieren lassen, aber für den Betroffenen dennoch eine Einschränkung bedeuten. Lebenslange Leiden, die ihre Ursache oftmals in einer Kombination aus Atemwegsinfektion und vorangegangener Schädigung der Atemwege haben, kommen vor.

Die genaue Prognose bei chronischen Atemwegsinfektionen, ist durch einen Arzt zu klären. Im Allgemeinen hat der Betroffene durch seinen Lebensstil allerdings erheblichen Einfluss auf den Therapieverlauf.

Vorbeugung

Eine Atemwegsinfektion kann nicht immer zuverlässig verhindert werden. Vorrangig empfiehlt es sich, eine hinreichende Stärkung des Immunsystems vorzunehmen. Als Präventionsmaßnahmen eignen sich eine gesunde, vitaminreiche Ernährung, ausreichende Bewegung an der frischen Luft und der weitestgehende Verzicht auf Alkohol und Nikotin.

Dadurch ist der Körper oftmals in der Lage, eine Atemwegsinfektion selbstständig abzuwehren. Besonders anfällige, immungeschwächte Personen sollten Menschenansammlungen möglichst weitestgehend fernbleiben, um einer Atemwegsinfektion vorzubeugen.

Das können Sie selbst tun

Ergänzend zur direkten Behandlung der Infektion oberer und unterer Atemwege durch Medikamente, können Betroffene ihren Körper bei der Bekämpfung der Infektion vielseitig unterstützen.

Die Schleimbildung, und damit das Abhusten und Reinigen der Atemwege, kann durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr und das Inhalieren von Dampf angeregt werden. Auch Eukalyptusöl und andere schärfere Heilpflanzen können als Zusatz im Wasserdampf helfen, oder direkt aufgetragen werden. Dabei helfen die Maßnahmen auch bei Atemwegsinfektionen, die zu einem trockenen Husten führen, denn sie beruhigen die Schleimhäute und können das Kratzgefühl im Hals lindern.

Eine gesunde Ernährung und der vorübergehende Verzicht auf Nikotin und Alkohol unterstützen das Immunsystem und die Schleimhautzellenversorgung zusätzlich. Auch regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft helfen, denn die Atemwege werden so gereinigt. Belastungen der Atemwege durch Staub, Rauch und andere Schadstoffe sollten so weit wie möglich reduziert werden. Ausreichende Mengen Schlaf und eine körperliche Schonung helfen dem Betroffenen ebenfalls.

Mund- und Rachenspülungen mit lauwarmem Salbeitee oder Salzwasser beruhigen die Atemwege und bekämpfen Bakterien. Beide Flüssigkeiten sollten nicht geschluckt werden.

Bei frei verkäuflichen Mitteln, die die Symptome lindern (Hustensaft, betäubende Halsbonbons usw.) sollte beachtet werden, dass so das Abhusten und Entschleimen beeinträchtigt wird. Bei akuten, nicht ernsten Infektionen sind diese Mittel bedenkenlos. Bei chronischen Atemwegsinfektionen sollte eine Behandlung der Ursache durch einen Arzt im Vordergrund stehen.

Bücher über Husten & Schnupfen

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

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