Polyglobulie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Polyglobulie bezeichnet eine Zunahme der roten Blutkörperchen. Sie geht mit einer erhöhten Bluteindickung sowie einer gesteigerten Hämatokrit einher und verursacht somit Durchblutungsstörungen und verschiedene Begleitsymptome.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Polyglobulie?

Unter einer Polyglobulie versteht man eine Zunahme der roten Blutkörperchen. Sie ist meist die Folge einer anderweitigen Erkrankung und lässt sich in zwei Formen unterscheiden.

So gibt es zum einen die primäre und zum anderen die sekundäre Form. Die Unterscheidung kann nur von einem Mediziner getroffen werden, da die Symptome ähnlich sind. Die Polyglobulie ist der Polyzythämie ähnlich, tritt jedoch weitaus häufiger auf. Polyglobulie lässt sich heutzutage gut behandeln und auch die Vorbeugung gestaltet sich als unproblematisch.

Ursachen

Eine Polyglobulie entsteht in der Regel durch einen Sauerstoffmangel, in dessen Folge der Erythrozytengehalt erhöht ist. Insbesondere beim Aufenthalt in großen Höhen kann es deshalb relativ schnell zu dem Effekt kommen. Die Ursache ist eine vermehrte Bildung des Hormons Erythropoetin in der Niere.

Bei dem Hormon handelt es sich um den Wachstumsfaktor der roten Blutzellen. Es lässt sich sagen, dass jeder Zustand, der einen länger andauernden Sauerstoffmangel zur Folge hat, zu Polyglobulie führt. Der Organismus löst den Effekt also selbst aus, um die Versorgung mit ausreichend Sauerstoff zu gewährleisten.

Die Beschwerden werden durch verstopfte Gefäße begünstigt. Die Ursache ist deshalb häufig auch in einem ungesunden Lebensstil zu finden. Menschen, die sich wenig bewegen und auf Koffein und Zigaretten zurückgreifen, begünstigen die Polyglobulie. Auch Erkrankungen des Herzens und der Gefäße, welche häufig eine Bluteindickung zur Folge haben, werden dadurch begünstigt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Polyglobulie äußert sich durch mehrere Symptome, die für die Diagnose entscheidend sind. So kann der Arzt im Gespräch mit dem Betroffenen ermitteln, ob in Folge der Bluteindickung Kopfschmerzen auftreten, zeitweilige Atemnot besteht oder Herzkrämpfe auftreten.

Liegt bereits ein Verdacht vor, kann durch die Anamnese relativ schnell eine zutreffende Diagnose gestellt werden. Voraussetzung ist jedoch eine Messung des Blutdrucks. So kann festgestellt werden, ob tatsächlich eine Polyglobulie vorliegt.

Darüber hinaus kann der Arzt noch weitere Untersuchungsmethoden nutzen. So prüft er die Lungenfunktion, führt eine Nierensonographie durch oder nimmt eine Ultraschalluntersuchung des Herzens vor. Auch Röntgenaufnahmen der Lunge können Aufschluss über eine mögliche Polyglobulie geben. Kommt der behandelnde Arzt durch die genannten Untersuchungen nicht zu einem Ergebnis, muss von einer Polyzythämie ausgegangen werden. In diesem Fall wird eine Knochenmarkpunktion vorgenommen.

Der Verlauf der Polyglobulie kann ganz unterschiedlich aussehen. Bergsteiger beispielsweise, leiden häufig unter den Beschwerden, haben nach dem Abstieg jedoch meist innerhalb weniger Tage normale Blutwerte. Hier ist der Krankheitsverlauf harmlos und Spätfolgen sind nicht zu erwarten. Tritt die Bluteindickung jedoch als Folge einer chronischen Erkrankung auf, kommt es zu weitreichenden Begleiterscheinungen.

So können Betroffene Probleme mit den Gefäßen bekomme, leiden unter Thrombose und und verspüren generell ein starkes Unwohlsein. Zudem wird das Herz wesentlich stärker belastet, was das Risiko einer Herzerkrankung erhöht. Zuletzt kann eine Polyglobulie auch die geistigen Fähigkeiten einschränken.

Komplikationen

Aufgrund der Polyglobulie leiden die Betroffenen in der Regel an einer deutlichen Verdickung des Blutes. Dabei kommt es zu schwerwiegenden Störungen der Durchblutung, sodass die Betroffenen im schlimmsten Falle auch das Bewusstsein verlieren und an diesen Beschwerden versterben können. Ebenso erhöht sich das Risiko eines Schlaganfalles oder eines Herzinfarktes durch die Polyglobulie deutlich.

Auch Thrombosen können dabei auftreten und den Alltag des Betroffenen zusätzlich erschweren. Aufgrund der Unterversorgung mit Sauerstoff kommt es dabei auch zu einer Blaufärbung der Haut. Sollte die Unterversorgung weiterhin andauern, so werden die inneren Organe und das Gehirn dadurch deutlich geschädigt. Diese Schäden sind dabei in der Regel irreversibel. Auch Hörbeschwerden oder Kopfschmerzen können durch diese Krankheit auftreten. Die Behandlung der Polyglobulie erfolgt in Abhängigkeit der zugrundeliegenden Erkrankung.

Ob es dabei möglicherweise zu Komplikationen kommt, kann in der Regel nicht universell vorausgesagt werden. Möglicherweise sind die Betroffenen auch auf einen operativen Eingriff angewiesen. In schwerwiegenden Fällen kann auch die Transplantation eines Herzens notwendig sein, um die Beschwerden der Polyglobulie vollständig zu behandeln. Auch die Lebenserwartung des Patienten ist von der Polyglobulie möglicherweise eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Je nachdem, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Polyglobulie handelt, müssen andere Maßnahmen ergriffen werden. Bei der sekundären Form kann entweder eine obstruktive Lungenerkrankung oder eine Herzinsuffizienz vorliegen.

Letztere Erkrankung wird mit Hilfe von verschiedenen Medikamenten wie ACE-Hemmern, Betablockern und Diuretika therapiert. Darüber hinaus kann ein Schrittmacher eingesetzt werden. Auch eine Herztransplantation kommt in Frage, wenn die Behandlung durch Medikamente nicht anschlägt. Die Polyglobulie verschwindet in der Regel mit der Verringerung der Blutdicke.

Ist die Grunderkrankung nicht zu behandeln, kann eine Aderlasstherapie eingeleitet werden. Dabei wird dem Patienten in regelmäßigen Abständen Blut abgenommen und Flüssigkeit intravenös eingeführt. Dadurch soll die Bluteindickung vermindert werden. Auch die Fließeigenschaften des Blutes können sich durch die Behandlung signifikant verbessern.

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Vorbeugung

Polyglobulie kann gut vorgebeugt werden. So kann ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung das Risiko sehr stark minimieren. Generell ist es wichtig, viel zu trinken, um einer Bluteindickung vorzubeugen.

Wer darüber hinaus auf Alkohol, Zigaretten und Koffein verzichtet, kann Polyglobulie vermeiden. Gifte und Schadstoffe, die sich in den Venen und Gefäßen einlagern, begünstigen die Erkrankung, weshalb eine regelmäßige Entschlackung anzuraten ist. Zuletzt kann eine regelmäßig Vorsorgeuntersuchung im Hinblick auf die Polyglobulie nur positiv sein.

Der Polyzythämie lässt sich nicht vorbeugen. Allerdings steigen die Heilungschancen, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird. Deshalb sollte man auch das Knochenmark in regelmäßigen Abständen untersuchen lassen. Menschen, die beruflich größere Höhenunterschiede hinnehmen müssen, können durch die Einnahme von Medikamenten, die das Blut dünner machen, entgegenwirken.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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