Knochenmarkpunktion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Eine Knochenmarkpunktion wird zur Gewinnung von Biopsiemarterial durchgeführt, um hämatologische Erkrankungen wie Leukämie, malignes Lymphom oder Plamozytom zu diagnostizieren. Vor einer Transfusion von Blutprodukten (Knochenmarkspende) wird das Knochenmark des Spenders einer Untersuchung auf Verträglichkeit unterzogen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Knochenmarkpunktion?

Die Knochenmarkpunktion ist ein kleiner Eingriff (15 Minuten) und erfolgt über einen Einstich in das Knochenmark, vorzugsweise im Beckenkamm oder Sternum (Brustbein). Der Eingriff wird unter Lokalanästhesie mit einer speziellen Kanüle durchgeführt, um Biopsiematerial zu gewinnen.

Aus diesem Grund wird dieser Punktionsvorgang auch als Knochmarkbiopsie bezeichnet. Der Arzt entnimmt eine geringe Menge Knochenmark aus dem Brustbein (Sternum) oder dem hinteren Beckenkamm. Im Labor sind die unterschiedlichen Blutzellen gut unter dem Mikroskop zu erkennen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Das Knochenmark bildet den größten Teil der Blutzellen im menschlichen Organismus. Es ist, mit wenigen Ausnahmen, der Ursprung der gesamten Blutzellen und bildet sich im Inneren der Knochen. Das Knochenmark ist die Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Blutbildung und nicht zu verwechseln mit dem im Zentrum der Wirbelsäule verlaufenden und aus Nervensträngen bestehenden Rückenmark. Die Nervenstränge verbinden die Nervenleitungen mit dem Gehirn. Die Stammzellen, auch Blasten genannt, bilden die Vorstufe der Blutkörperchen. Diese Stammzellen und eine gewisse Anzahl reifer Blutzellen befinden sich in den Maschen des Knochengewebes.

Eine Knochenmarkpunktion ist demzufolge getrennt von der Rückenmarkpunktion zu sehen. Die Medizin unterscheidet drei Zellsysteme. Die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) sind für den Sauerstofftransport zuständig. Die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) dienen der Erregerbekämpfung. Die Thrombozyten (Blutplättchen) sorgen für eine ordnungsgemäße Blutgerinnung. Eine Knochenmarkpunktion wird durchgeführt, wenn bei dem Patienten der Verdacht auf ein erkranktes blutbildendes System besteht. Auch eine Verlaufskontrolle lässt sich mit der Knochenmarkbiopsie durchführen. Erkrankungen, die durch eine Biopsie verlässlich diagnostiziert werden, sind spezielle Formen der Blutarmut (Anämie), verschiedene Arten der Leukämie, bei der eine Erkrankung der weißen Blutkörperchen vorliegt und eine Verminderung der blutbildenden Zellformen (Knochenmark-Aplasie).

Eine Knochenmarkpunktion wird zur Gewinnung von Biopsiemarterial durchgeführt, um hämatologische Erkrankungen wie Leukämie, malignes Lymphom oder Plamozytom zu diagnostizieren.

Auch die umgekehrte Variante, die Vermehrung aller Zellsysteme (Polycythaemia vera) wird auf diese Weise festgestellt. Mediziner weisen Tochtergeschwülste bestimmter Tumorarten wie Brustkrebs und Prostatakrebs nach, die sich im Knochenmark anreichern können. Auch Erkrankungen des lymphatischen Systems wie Lymphome, werden mit Hilfe dieses Eingriffes diagnostiziert. Vorzugsweise wird eine Stanzbiopsie der Beckenknochen, meistens am hinteren Beckenkamm, vorgenommen. Im Fall von intensiv-medizinisch betreuten Patienten weichen Ärzte auch auf den vorderen Beckenkamm aus. Die sternale Knochenmarkpunktion erfolgt nur in Ausnahmefällen, wenn der hintere Beckenkamm auf Grund starken Übergewichts nicht mehr zu ertasten ist.

Die gewonnenen Zellen aus dem Entnahmematerial werden mikroskopisch untersucht und geben Auskunft über Zelldichte und Anzahl der einzelnen Zelltypen (Blutplättchen, weiße und rote Blutplättchen). Die Punktionsstelle wird mit einem Pflaster verklebt. Der Patient bekommt ein kleines Sandsäckchen unter den hinteren Beckenbereich geschoben, auf dem er eine Zeitlang verweilen muss, um die Blutung zu stoppen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Ein Schwerpunkt der Hämatologie ist die Entnahme von Gewebe- und Blutproben, um die anschließende Diagnostik zu erleichtern, denn die Mediziner gewinnen aus der Charakterisierung von Gewebezellen und der Analyse von Blutbestandteilen wichtige Erkenntnisse zur Beurteilung bösartiger Erkrankungen. Die Blut- oder Gewebeentnahme ist in vielen Fällen der erste Schritt zur Diagnose und Behandlung vieler Krebserkrankungen. Die Differenzierung des Blutbildes erfolgt durch eine gewöhnliche Blutabnahme.

Unter dem Mikroskop können die Ärzte krankhaft veränderte Zellen erkennen. Bei der Knochenmarkbiopsie entnehmen die Mediziner das Knochenmark aus dem hinteren Beckenkamm, weil an dieser Stelle das Risiko einer Verletzung umliegender Organe nicht gegeben ist. Der Patient liegt mit angewinkelten Beinen auf der Seite oder in gestreckter Bauchlage. Die Punktion des Brustbeins erfolgt in Rückenlage. Die Punktionsstelle wird desinfiziert und lokal betäubt. Eine Punktionsnadel wird durch die Haut und die Knochensubstanz ins Knochenmark eingeführt. An dieser Punktionsstelle wird ein kleiner Knochenmarkzylinder (Stanzbiopsie) entnommen. Alternativ erfolgt die Entnahme über eine auf der Punktionsnadel aufgesetzte Spritze, mit der eine geringe Menge Knochenmark durch einen kurzen, kräftigen Zug abgesaugt wird (Aspiration).

Von der Sternal-Punktion sehen Mediziner in der Regel ab, weil sie schmerzhafter ist als eine Gewebeentnahme aus dem hinteren Beckenkamm. Es besteht ein größeres Verletzungsrisiko der umliegenden Organe des Brustkorbes wie Herz und Lunge, sowie der großen Blutgefäße in unmittelbarer Nähe der Einstichnadel. Ein Beruhigungs- oder Schmerzmittel ist normalerweise nicht notwendig, kann jedoch auf Wunsch des Patienten verabreicht werden. Die Untersuchung des gewonnenen Materials erfolgt gegebenenfalls durch molekulargenetische oder immunologische Zusatzuntersuchungen.

Wird eine Tumorerkrankung durch die Knochenmarkpunktion diagnostiziert, kann sich die sogenannte Staging-Diagnosik an den Erstbefund anschließen. Diese umfasst Untersuchungen, die eine Tumorerkrankung oder Leukämie in verschiedene Stadien einteilen. Neben der physiologischen Untersuchung ist die bildgebende Diagnostik (Mammografie, Computertomographie, Sonografie, Kernspintomografie, nuklear-medizinische Untersuchungen, PET-CT) möglich. Endoskopie (Spiegelung), Laparoskopie (Bauchspiegelung) oder Endosonografie ergänzen die vorhergehenden Untersuchungen, wenn es erforderlich ist. Dieser Eingriff wird häufig ambulant durgeführt. Die Mediziner weisen ihre Patienten darauf hin, sich in den Stunden nach der Punktion keinen körperlichen Belastungen auszusetzen und auf eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr innerhalb der nächsten 24 zu verzichten.

Die Knochenmarkbiopsie ist ein Eingriff, der normalerweise keine Komplikationen nach sich zieht. Dennoch weisen die Mediziner ihre Patienten vor dem Eingriff auf mögliche Komplikationen hin, die jedoch nur selten auftreten. Bei der Vergabe von Beruhigungs- und Schmerzmitteln kann es zu Unregelmäßigkeiten der Atemfunktion kommen. Im der unmittelbaren Umgebung der Punktionsstelle kann es zu Blutergüssen und Nachblutungen kommen. Eine Verletzung der umliegenden Organe, Nerven, Weichteile oder Haut ist möglich.

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Quellen

  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014
  • Sauer, R.: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer, München 2009

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