Muskelzucken (Faszikulation)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2017
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Muskelzucken, Muskelzittern, Faszikulation oder umgangsprachlich auch Muskelzuckungen treten in unterschiedlichen Stärken auf und können entweder deutlich sichtbare Bewegungen mit sich bringen oder auch optisch unbemerkt bleiben. Teilweise sind sie Symptome einer Krankheit; sie können aber auch selbst eine Krankheit darstellen. Eine differenzierte Diagnose ist daher bei häufig auftretendem Muskelzucken zwingend notwendig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Muskelzucken?

Unter dem Begriff Muskelzucken verstehen Mediziner meist unwillkürliche Kontraktionen der Muskulatur. Davon können viele verschiedene Muskelgruppen betroffen sein, so unter anderem die Gesichtsmuskulatur oder auch die der Gliedmaßen.

Die Zuckungen können sowohl rhythmisch und regelmäßig als auch einmalig oder in unregelmäßigen Abständen stattfinden. Wie häufig und intensiv das Muskelzucken auftritt, hängt von der individuellen Ursache ab. Erzeugen die Kontraktionen deutlich sichtbare Bewegungen, sprechen Mediziner von Myoklonien; kommt es zu keiner tatsächlichen Bewegung, werden die Zuckungen Faszikulationen genannt.

Nicht immer muss Muskelzucken eine krankhafte Ursache haben. Die sogenannten Einschlafzuckungen der Gliedmaßen, die bei etwa 70% der Bevölkerung auftreten, gelten als medizinisch unbedenkliches Phänomen.

Ursachen

Muskelzucken kann unbedenkliche und natürliche Ursachen haben. So kann starker Stress oder ein seelisches Ungleichgewicht dafür sorgen, dass es zu vorübergehenden Zuckungen einzelner Muskelpartien kommt.

Unter Umständen kann den Muskelkontraktionen aber auch eine krankhafte Störung zugrunde liegen. Besonders neurologische Probleme können sich durch unwillkürliches Muskelzucken äußern. Auch Vergiftungen wie etwa durch Schwermetalle oder auch durch Alkohol bringen oftmals ein auffälliges Muskelzucken mit sich.

Epileptiker leiden nicht selten unter teils starken Muskelkontraktionen; allerdings hängt deren Auftreten immer von der genauen Art der Epilepsie ab. Unter Umständen kann einem übermäßigen Muskelzucken auch eine Entzündung des Gehirns zugrunde liegen. Um eine gefährliche Erkrankung auszuschließen, sollten häufig auftretende Muskelzuckungen medizinisch untersucht werden.

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Diagnose & Verlauf

Unter dem Begriff Muskelzucken verstehen Mediziner meist unwillkürliche Kontraktionen der Muskulatur. Davon können viele verschiedene Muskelgruppen betroffen sein.

Tritt auffällig häufiges und/oder starkes Muskelzucken auf, ist das Aufsuchen eines Arztes anzuraten. Mithilfe spezieller Untersuchungsmethoden können Fachärzte herausfinden, ob die Kontraktionen eine krankhafte Ursache haben und wo genau diese liegt.

In einem ausführlichen Gespräch werden zunächst Häufigkeit, Intensität und mögliche weitere Symptome besprochen. Anschließend erfolgt eine umfassende Untersuchung des Patienten. Kann auf diesem Wege kein Auslöser der Muskelzuckungen bestimmt werden, kann der Mediziner etwa ein EEG zum Messen der Gehirnaktivität oder auch ein EMG zur Messung der Muskelaktivität anordnen.

Auf diese Weise kann ermittelt werden, ob etwa eine Epilepsie vorliegt. Ebenfalls kann diagnostiziert werden, ob die Ursachen für das Muskelzucken nervlicher oder muskulärer Natur sind.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: R25.3 Faszikulation) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Muskelzucken führt bei vielen Menschen zu einem inneren Stresserleben. In besonders schweren Fällen treten Angst und Panik ein, da der Organismus eine nicht steuerbare Handlung vornimmt, die zu einer Überforderung führt. Obwohl das Muskelzucken von Außenstehen in den meisten Fällen nicht wahrgenommen wird, glaubt der Betroffene, dass sein Gegenüber das Zucken wahrnimmt und er beobachtet wird.

Ein Gefühl der eigenen Schwäche stellt sich häufig ein. Insbesondere im Umgang mit Vorgesetzten steigt häufig das Stresserleben zusätzlich an. Unruhe, Hektik oder Nervosität setzen ein. In diesem Zustand erhöht sich die Fehlerquote bei dem Verrichten von Aufgaben. Vergesslichkeit tritt ein und der Blutdruck steigt an. Menschen mit einem Herz-Kreislauf-Problem können in schweren Fällen einen Herzinfarkt erleiden.

Das Muskelzucken ist ein Zeichen einer Mangelerscheinung im Organismus. Wird dem nicht ausreichend nachgegangen, treten weitere Beschwerden auf oder das Muskelzucken nimmt zu. Wird der betroffene Muskel durch einen Eingriff stillgelegt, können während des Eingriffs Schädigungen der Nerven eintreten.

Diese lösen Schmerzen aus oder bewirken ein Gefühl der Taubheit in der betroffenen Region. Weitere Muskelfasern können Verletzungen erleiden oder eine allergische Reaktion tritt durch dein Eingriff ein. Das Muskelzucken zieht eine sofortige Aufmerksamkeit des Betroffenen auf sich. Seine Gedanken beginnen zu kreisen und er ist abgelenkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein gelegentliches Muskelzucken ist ganz natürlich und noch kein Grund einen Arzt aufzusuchen. Bei regelmäßigem Muskelzucken ist ein Arztbesuch hingegen unvermeidbar, um Erkrankungen ausschließen zu können. Geht das Muskelzucken mit Schmerzen einher, sollte der Arztbesuch nicht lange auf sich warten lassen, da eine eventuelle Nervenerkrankung der Auslöser sein könnte. Ein Neurologe sollte dann zu Rate gezogen werden.

Dieser wird zunächst herausfinden wollen, wie häufig und unter welchen Bedingungen ein Muskelzucken auftritt. Auch die Krankengeschichte wird für ihn von Belang sein. Vorerkrankungen, die mit einer Nervenverletzung einhergingen, sind für den Neurologen bei der Suche nach der Ursache von großer Bedeutung. Hierzu zählen beispielsweise Epilepsie oder andere Beschwerden wie eine brennende Muskulatur, schmerzhafte Muskeln oder Fieber. Doch nicht nur eine Nervenerkrankung kann hinter häufigem Muskelzucken stecken. Auch Medikamente können ein Auslöser für ein unerklärliches Muskelzucken sein. Um dies auszuschließen, wird der Neurologe eine genaue Datenaufnahme der Medikamente machen, die der Patient zu sich nimmt.

Behandlung & Therapie

Nach erfolgter Diagnose kann der behandelnde Facharzt eine entsprechende Therapie einleiten. Wurde zum Beispiel eine Epilepsie als Auslöser des Muskelzuckens erkannt, wird in den meisten Fällen eine medikamentöse Therapie eingeleitet, die ein Ausbrechen der Symptome verhindern soll. Auch eine Operation der betroffenen Hirnregion ist im Einzelfall möglich. Eine Gehirnentzündung muss dringend medikamentös behandelt werden, um einen lebensbedrohlichen Zustand zu vermeiden.

Unter Umständen kann die schwere Nervenerkrankung Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, von starkem Muskelzucken begleitet sein. Hier ist eine umfassende Behandlung inklusive Physiotherapie und Ergotherapie vonnöten, um die unheilbare Krankheit möglichst lange in einem erträglichen Rahmen zu halten. Stellt der Facharzt nach umfassender Untersuchung fest, dass dem Muskelzucken keine krankhaften Ursachen zugrunde liegen, kann unter anderem eine Veränderung der individuellen Lebensumstände empfohlen werden.

Das Reduzieren von Stressfaktoren und eine ausgewogene Ernährung können helfen, das Wohlbefinden zu Verbessern und Muskelzucken zu reduzieren. Wird das Muskelzucken von schmerzhaften Krämpfen begleitet, sollte zusätzlich auf eine ausreichende Magnesiumzufuhr geachtet werden. Gegebenenfalls kann der Arzt entsprechende Präparate verordnen und hilfreiche Tipps geben.

Aussicht & Prognose

Die Aussichten beim Muskelzucken hängen stark von der Ausprägung des Symptoms selbst ab. In vielen Fällen wird das Leben des Patienten nur schwach durch das Muskelzucken beeinflusst. Allerdings kann ein starkes Muskelzucken bestimmte Tätigkeiten negativ beeinflussen, sodass die Lebensqualität durch das Symptom stark abnimmt. In der Regel sollte bei diesem Symptom immer ein Arzt aufgesucht werden, wenn es anhaltend besteht.

Durch das Muskelzucken leidet der Patient häufig an zusätzlichem Stress und an Panikattacken. Nicht selten kann die Krankheit von Außenstehenden nicht richtig eingeschätzt werden, da diese für sie wie eine körperliche oder geistige Behinderung erscheint. Dies kann vor allem bei Kindern zu Hänseleien und zu Mobbing führen. In diesen Fällen ist das Aufsuchen eines Psychologen notwendig.

Oft kommt es aufgrund des Muskelzuckens zu Unfällen oder zu Fehlern bei der Bedienung von Geräten, Maschinen oder Fahrzeugen. Die Muskeln selbst können sich für eine bestimmte Zeit taub anfühlen.

Die Behandlung erfolgt in den meisten Fällen durch eine Physiotherapie mit einer medikamentösen Unterstützung. Sie führt in meist zum Erfolg und kann auch Krämpfe und weitere Folgeschäden verhindern. Oft kann das Symptom schon durch die Zufuhr von Magnesium eingeschränkt werden und führt zu keinen weiteren Beschwerden oder Komplikationen.

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Vorbeugung

Da Muskelzucken ein Symptom vieler Krankheiten sein oder auch völlig natürlich auftreten kann, ist ein Vorbeugen im eigentlichen Sinne nicht möglich. Eine gesunde Lebensweise unterstützt aber selbstverständlich das Wohlbefinden und kann auch mögliche Erkrankungen verhindern. Werden auffällig häufige und/oder starke Muskelzuckungen festgestellt, die über einen längeren Zeitraum anhalten, sollte in jedem Fall möglichst schnell ein Arzt aufgesucht werden. Liegt tatsächlich eine Krankheit zugrunde, kann diese bei frühzeitiger Diagnose grundsätzlich besser behandelt werden.

Das können Sie selbst tun

Gegen gutartige Muskelzuckungen können vielerlei Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden ergriffen werden. Einer der häufigsten Ursachen ist ein Übermaß an Stress sowie psychische Erkrankungen. Hier gilt es schnellstmöglich einen Ausgleich zu schaffen um somit die Cortisol-Werte zu reduzieren.

Entspannungsübungen wie Autogenes Training sowie Yoga oder Qi Gong können helfen. Auch Spaziergänge, das Hören von sanfter Musik sowie Sportarten wie Schwimmen oder Laufen helfen Nerven und Muskulatur zu entspannen. Wer offen für alternative Heilmethoden ist, könnte ebenso eine Bachblütentherapie ausprobieren. Erhältlich sind spezielle Kombipräparate. Auch homöopathisch aufbereitete Pflanzenauszüge versprechen Unterstützung. Ebenso sollte das Schlafverhalten überprüft werden. Ein Mangel an Schlaf erzeugt dem Körper Stress und der Cortisol-Spiegel bleibt erhöht. Schlafrituale und eine angenehme Schlafatmosphäre helfen zur Ruhe zu finden und den wichtigen Nachtschlaf zu erhalten.

Sollte sich hinter den unkontrollierten Muskelzuckungen ein Magnesiummangel verbergen, kann auch rasch geholfen werden. Zum einen bieten Apotheken freiverkäuflich Kapseln oder Pulver als Nahrungsergänzungsmittel an - diese basieren auf gut resorbierbarem Magnesiumcitrat -, zum anderen können magnesiumreiche Nahrungsmittel in den Speiseplan eingebaut werden: hierzu zählen Spinat, Bohnen, Haferflocken und Nüsse. Auf sogenannte „Magnesiumräuber“ – wie Weißmehl – sollte verzichtet werden. Der Konsum von Alkohol oder Drogen kann ebenfalls neuronale Störungen hervorrufen. Ebenso kann sich ein Übermaß an Koffein nachteilig auswirken. Bei bestehenden Muskelzuckungen sollte auf diese Substanzen verzichtet werden.

Bücher über Magnesium gegen Muskelzucken

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2008
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Berlin 2010
  • Zierz, S.: Muskelerkrankungen. Thieme, Stuttgart 2014

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