Tic und Tourette-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Bei einem Tourette-Syndrom kommt es zu chronischen Tics bzw. Ticstörungen. Tics sind dabei unwillkürlich auftretende Laute oder Worte, die meist von ebenso ungesteuerten ruckartigen und schnellen Bewegungen (z.B. Zucken) begleitet werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition Tourette-Syndrom

Als Tourette-Syndrom wird eine neurologisch-psychiatrische Erkrankung bezeichnet, deren Ursachen bis heute nicht vollständig geklärt sind. Die Bezeichnung der Erkrankung geht auf den französischen Neurologen Georges Gilles de la Tourette zurück, der 1885 das Tourette-Syndrom erstmals wissenschaftlich beschrieb.

Charakteristische Symptome des Tourette-Syndroms sind motorische und vokale Tics, d.h. plötzlich auftretende, unkontrollierte, arhythmische Bewegungen bestimmter Muskelgruppen (motorische Tics) sowie ungesteuerte Lautäußerungen (vokale Tics). Dabei ist die oft mit dem Tourette-Syndrom in Verbindung gebrachte, unkontrollierbare Neigung zu obszönen Äußerungen (Koprolalie) lediglich bei etwa einem Fünftel der Betroffenen zu beobachten und stellt kein charakteristisches Symptom des Tourette-Syndroms dar.

Daneben können bei Betroffenen des Tourette-Syndroms Symptome wie AD(H)S, Zwangshandlungen, Angst- und Zwangsstörungen sowie Depressionen beobachtet werden (Komorbidität).

Ursachen

Das Tourette-Syndrom kann genetisch und nicht-genetisch bedingt sein. Nach neueren Studien ist beim genetisch bedingten Tourette-Syndrom nicht ein einzelnes Gen, sondern mehrere Gene für die Vererbung des Tourette-Syndroms verantwortlich, wobei diese, wie auch der genaue Vererbungsmechanismus, bis heute nicht hundertprozentig bestimmt werden konnten.

Als gesichert gilt, dass Kinder eines am Tourette-Syndrom erkrankten Elternteils mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit die Erkrankung erben und Männer häufiger betroffen sind als Frauen.

Darüber hinaus wird das Tourette-Syndrom auf einen gestörten Stoffwechsel im dopaminergen System des Gehirns zurückgeführt. Der Neurotransmitter Dopamin ist bei Betroffenen des Tourette-Syndroms übermäßig aktiv und führt zu einer Störung der motorischen Abläufe. Dieses Stoffwechselungleichgewicht wird durch emotionale Reize (wie Stress, Freude) verstärkt und löst die für das Tourette-Syndrom typischen Tics aus.

Bei einem sehr geringen Teil der vom Tourette-Syndrom Betroffenen wird eine bakterielle Streptokokken-Infektion im Kindesalter (wie Scharlach, Mandelentzündung) als Auslöser der Erkrankung vermutet (PANDAS-Syndrom).

Typische Symptome & Anzeichen

  • arhythmische Bewegungen bestimmter Muskelgruppen (motorische Tics)
  • ungesteuerte Lautäußerungen (vokale Tics)

Diagnose & Verlauf

Für das Tourette-Syndrom liegen keine neuro-psychologischen Diagnoseverfahren vor, die Diagnose wird ausschließlich anhand der Symptomatik, d.h. der vorhandenen Symptome, gestellt. Ein Tourette-Syndrom liegt vor, wenn vor dem 21. Lebensjahr mindestens zwei motorische und ein vokaler Tic über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr beobachtbar sind. Die meisten vom Tourette-Syndrom Betroffenen erkranken zwischen dem 6. und 8. Lebensjahr.

Das Tourette-Syndrom weist einen chronischen Verlauf auf und zeichnet sich durch einen schleichenden Erkrankungsbeginn aus. Im weiteren Erkrankungsverlauf unterliegen die Tics sowohl hinsichtlich der Intensität als auch der Häufigkeit starken Schwankungen und erreichen ihre stärkste Ausprägung vorwiegend während der Pubertät. Bei der Mehrheit der vom Tourette-Syndrom Betroffenen ist eine deutliche Abnahme der Tics im Erwachsenenalter zu beobachten.

Komplikationen

Das Tic und Tourette-Syndrom wirkt sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus und kann dabei auch zu starken sozialen Spannungen führen. Vor allem für Außenstehende können die Tics und Störungen sehr seltsam erscheinen, sodass die Betroffenen häufig gemobbt oder gehänselt werden. Allerdings kommt es in einigen Fällen auch zu aggressiven Handlungen gegen Erkrankte.

In der Pubertät kann es aufgrund des Tic und Tourette-Syndroms daher zu starken psychischen Beschwerden oder zu Depressionen kommen. Auch verschiedene Muskelgruppen werden von dem Syndrom unwillkürlich bewegt, sodass es zu Zuckungen und möglicherweise auch zu einem Krampf kommen kann. Die Ausprägung des Syndroms nimmt allerdings in vielen Fällen mit dem Alter ab, sodass sich der Alltag der Betroffenen normalisiert.

Eine kausale Behandlung des Tic und Tourette-Syndroms ist leider nicht möglich. Die Betroffenen sind auf verschiedene Therapien angewiesen, die die Beschwerden lindern und die Tics einschränken können. Allerdings kann dabei ein positiver Verlauf nicht garantiert werden. Weiterhin können auch Medikamente eingenommen werden. Komplikationen treten dabei nicht auf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird durch das Tic und Tourette-Syndrom in der Regel nicht negativ beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Das Tourette-Syndrom ist, da dessen Ursachen bisher nicht vollständig geklärt werden konnten, weder medikamentös noch psychotherapeutisch heilbar. Entsprechend können lediglich die Symptome des Tourette-Syndroms mithilfe pharmakologischer und/oder psychologischer Therapiemaßnahmen gelindert werden.

Im Rahmen psychotherapeutischer Maßnahmen können Methoden zur Stressbewältigung sowie Entspannungstechniken erlernt werden. Besonders positive Resultate werden durch die sogenannte Reaktionsumkermethode erreicht, bei welcher die vom Tourette-Syndrom Betroffenen in der Wahrnehmung erster Anzeichnen möglicher Tics geschult werden und lernen, Mechanismen der Gegenregulation zu entwickeln.

Eine zusätzliche medikamentöse Behandlung sollte hingegen erst dann in Betracht gezogen werden, wenn die Symptome besonders ausgeprägt sind und als störend empfunden werden. Auch die bisher entwickelten pharmakologischen Behandlungsmethoden setzen nicht an der Ursache, sondern an der Symptomatik an.

Gute Resultate werden diesbezüglich mit Dopamin-Antagonisten erreicht. Diese werden von den Rezeptoren des Botenstoffs Dopamin gebunden und verhindern ein Andocken des Botenstoffs, so dass dieser blockiert und das oben beschriebene Stoffwechselungleichgewicht im dopaminergen System minimiert wird. Ein in Deutschland in vielen Fällen eingesetztes Medikament dieser Gruppe ist Tiaprid.

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Vorbeugung

Für das Tourette-Syndrom existieren keine vorbeugenden Maßnahmen. Dennoch ist es sinnvoll, Stress auslösende Situationen zu meiden bzw. den Umgang mit diesen zu erlernen. Einigen Studien zufolge können einige nicht-genetische, umweltbedingte oder psychosoziale Faktoren das Tourette-Syndrom zwar nicht verursachen, jedoch die Ausprägung und Stärke der Erkrankung beeinflussen. So stellen beispielsweise Rauchen und Stress während der Schwangerschaft sowie Komplikationen während der Geburt Risikofaktoren dar, die die Ausprägung der für das Tourette-Syndrom typischen Tics verstärken können.

Bücher über Tic & Tourette-Syndrom

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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