Zungenschwellung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
Startseite » Symptome » Mund & Zähne » Zungenschwellung

Eine Zungenschwellung tritt in aller Regel infolge einer allergischen Reaktion auf Nahrungsmittel, Medikamente oder Insektenstiche oder im Zusammenhang mit einem genetisch bedingten Angioödem auf. Eine ausgeprägte allergische Reaktion kann eine Zungenschwellung bedingen, durch welche die oberen Atemwege lebensbedrohlich verengt sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zungenschwellung?

Als Zungenschwellung wird eine ödematöse (durch Flüssigkeitsansammlungen bedingte) Vergrößerung der Zunge bezeichnet, die auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden kann.

Eine Zungenschwellung wird nicht als eigenständige Krankheitsentität verstanden, sondern vielmehr als Begleitsymptom einer Allergie (u.a. Nahrungsmittel, Medikamente, Insektenstiche) bzw. des hereditären und episodisch auftretenden Quincke-Ödems (Angioödem).

Zudem wird eine Zungenschwellung als transitorisches (vorübergehendes) Phänomen von einer permanenten Zungenvergrößerung (Makroglossie) infolge vaskulärer Neu- bzw. Fehlbildungen (u.a. Hämangiome, Lymphangiome), eines Down-Syndroms (Trisomie 21), einer Sarkoidose (Morbus Boeck), Amyloidose (intra- und extrazelluläre Anreicherung von anormalen Proteinen) oder eines Zungenkarzinoms abgegrenzt.

Ursachen

Eine Zungenschwellung kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. So kann diese als Quincke-Ödem, ein in der Subkutis bzw. Submukosa auftretendes Angioödem, auftreten, für das auch prall-elastische Schwellungen im Gesichtsbereich (Lippen, Zunge, Wangen, Stirn) charakteristisch sind.

Bei einem hereditären Angioödem führt ein genetischer Defekt zu einem Mangel des C1-Esterase-Inhibitors (auch C1-Esterase-Hemmer, C1-INH), der bei infektiösen oder traumabedingten Erkrankungen neben einer Schwellung der Lippen-, Larynx- und Darmschleimhaut auch ein Anschwellen der Zunge bedingen kann. Durch den C1-Inhibitor-Mangel wird vermehrt Bradykinin, ein Peptid, das als Vasodilator („Gefäßerweiterer“) die Permeabilität (Durchlässigkeit) von Gefäßen erhöht und u.a. anderem zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Zunge führen kann, ausgeschüttet.

Zudem wird ein Angioödem in vielen Fällen mit der Einnahme von ACE-Hemmern assoziiert, die den Bradykininabbau blockieren. Angioödeme können zudem ebenso wie eine Zungenschwellung durch allergische Reaktionen (u.a. Nahrungsmittel-, Kreuzallergien zwischen Pollen und Nahrungsmitteln, Insektenstiche, Medikamente) hervorgerufen werden.

Diagnose & Verlauf

Eine Zungenschwellung wird nicht als eigenständige Krankheitsentität verstanden, sondern vielmehr als Begleitsymptom einer Allergie (u.a. Nahrungsmittel, Medikamente, Insektenstiche) bzw. des hereditären und episodisch auftretenden Quincke-Ödems (Angioödem).

Die diagnostischen Maßnahmen zielen bei einer Zungenschwellung vor allem auf die Feststellung des auslösenden Faktors. Besteht der Verdacht auf eine allergische Reaktion sollte im Rahmen einer Anamnese sowie Allergiediagnostik (u.a. Bestimmung der Konzentration der charakteristischen IgE-Antikörper im Blut, Prick-Test) das auslösende Allergen ermittelt werden.

Ein hereditäres Angioödem kann in aller Regel anhand einer erniedrigten Konzentration des C1-Esterase-Inhibitors bzw. eines reduzierten Wertes der Komplementfaktoren C2 und C4 bestimmt werden. Zudem spricht ein hereditäres Angioödem nicht auf Kortisonpräparate und/oder Antihistaminika an.

Bei frühzeitiger Diagnose und adäquater Therapie kann eine Zungenschwellung in aller Regel, insbesondere bei geklärter Ursache, unter Kontrolle gebracht werden. Schwere allergische Reaktionen mit stark ausgeprägter Zungenschwellung können zu einer Obstruktion der oberen Atemwege führen und sollten entsprechend notfallmedizinisch versorgt werden.

Komplikationen

Eine Zungenschwellung tritt häufig als Symptom einer Verletzung oder Reizung der Zunge auf und heilt in der Regel von selber wieder ab. Bei ständiger Reizung kann sich jedoch die Abheilung verzögern. Dabei kommt es unter Umständen zu Infektionen, die in Einzelfällen schwere Verläufe nehmen. Zungenschwellungen entstehen auch im Rahmen von Vergiftungen und Verätzungen.

Hier können sich eventuelle Komplikationen durch die Gifte selber entwickeln. Oft ist die Zungenschwellung ein Warnsignal für eine fortgeschrittene Infektion im Mundbereich bei mangelnder Mundhygiene, Karies, Parodontitis oder Gingivitis. Manchmal wird sie auch durch eine Allergie hervorgerufen. Dabei kann es zu Atemnot kommen, weil sich die Schwellung oft bis in die Speise- und Luftröhre ausweitet.

Im Extremfall erleidet der Patient einen anaphylaktischen Schock, der ohne Behandlung sogar tödlich enden kann. Auch im Rahmen eines Quincke-Ödems oder Angioödems kann sich eine Zungenschwellung ausbilden. Sie tritt dann oft plötzlich auf und führt mitunter zu schwerer Atemnot. Zusätzlich entwickeln sich in diesem Zusammenhang auch in anderen Körperregionen Ödeme, die teilweise zu schweren Komplikationen führen.

Des Weiteren gibt es auch eine erblich bedingte Form des angioneurotischen Ödems, das bei bestimmten Anlässen wie Infektionen oder Traumen Schwellungen an Zunge, Darmschleimhaut und anderen Körperregionen ausbildet. Neben Atemnot kann sich hier auch ein akutes Abdomen mit Schock entwickeln.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer geschwollenen Zunge sollte der Betroffene auf jeden Fall zum Arzt gehen. Die Zungenschwellung kann in schweren Fällen bedrohliche Ausmaße annehmen. Sie kann das Atmen oder Schlucken behindern.

Unabhängig davon, ob es sich um allergisches Geschehen, einen Wespenstich im Mund oder eine entzündliche innere Erkrankung handelt, sollten die Betroffenen mit dem Arztbesuch nicht warten. Dies gilt nicht nur für Kinder, sondern generell. Die Ursache der Zungenschwellung sollte zeitnah ermittelt werden. Die Frage ist aber, wie sehr die Zunge geschwollen ist. Der Arztbesuch kann warten, wenn die Zunge nur geringfügig geschwollen erscheint und sich nicht weiter verändert.

Ist die Schwellung jedoch stärker ausgeprägt und es kommen Begleitsymptome wie Atemprobleme, Schluckbehinderungen oder Schaum vor dem Mund hinzu, ist der sofortige Arztbesuch unvermeidlich. Am besten ruft man einen Notarzt. In weniger akuten Fällen sind Kinder- oder Hausärzte die richtigen Ansprechpartner. Sie kennen den Patienten am besten und können durch Fragen und erste Untersuchungen ermitteln, ob ein Facharzt hinzuzuziehen ist.

Fachärztliche Betreuung kann beispielsweise bei einem entzündeten Piercing notwendig werden. Ein Allergologe ist der beste Ansprechpartner, wenn eine Allergie vermutet wird. Da aber zahlreiche Umstände zu einer Schwellung der Zunge führen können, ist es für den Betroffenen schwer, diese selbst zu erkennen.

Behandlung & Therapie

Die primären Therapiemaßnahmen zielen bei einer Zungenschwellung auf die Beseitigung der zugrundeliegenden Ursache. Kommt es infolge der Zungenschwellung zu einer lebensbedrohlichen Obstruktion der oberen Atemwege, sind sofort notfallmedizinische Maßnahmen wie eine intravenöse Applikation von Kortison (bei allergisch bedingten Zungenschwellung) oder C1-INH-Konzentrat (hereditäres Angioödem) einzuleiten.

Gegebenenfalls können eine zusätzliche Zufuhr von Sauerstoff bzw. eine Koniotomie (künstlicher Zugang im Bereich des Kehlkopfes) zur Gewährleistung der Sauerstoffversorgung erforderlich werden. Liegt der Zungenschwellung eine allergische Reaktion zugrunde können im Rahmen einer symptomatischen und prophylaktischen Therapie Antihistaminika zum Einsatz kommen. Innerhalb einer Akuttherapie können zudem Kortikosteroide oder Adrenalin appliziert werden.

Darüber hinaus ist bei einer allergisch bedingten Zungenschwellung eine Allergenkarenz (Vermeidung einer Exposition gegenüber dem auslösenden Allergen) zu empfehlen. Von einem hereditärem Angioödem Betroffene werden bei sehr häufig auftretenden Anfällen in aller Regel mit einem C1-Inhibitor-Konzentrat therapiert, das auch prophylaktisch zur Reduzierung der Dauer und Ausprägung der Anfälle zur Anwendung kommen kann. Akute Attacken können mit injiziertem C1-INH-Konzentrat (intravenös), dem Bradykininantagonisten Icatibant (subkutan) oder frischem Gefrierplasma, das den C1-Inhibitor enthält, therapiert werden.

Darüber hinaus kommen im Rahmen einer Langzeittherapie neben C1-INH-Konzentrat in Abhängigkeit vom spezifisch Betroffenen sowie von Ausprägung und Häufigkeit der Ödemattacken Androgenderivate (u.a. Danazol, Oxandrolon, Stanozolol), die die C1-INH-Synthese in der Leber erhöhen, oder Tranexamsäure zum Einsatz. Sollten die Betroffenen mit Östrogenen oder ACE-Hemmern, die den Abbau von Bradykinin inhibieren, therapiert werden, sind diese abzusetzen, um zukünftige Ödemattacken und entsprechend auch Zungenschwellungen zu vermeiden.

Aussicht & Prognose

In der Regel kann eine Zungenschwellung relativ gut behandelt werden und führt nicht zu gefährlichen Situationen oder Beschwerden. In Folge einer allergischen Reaktion nimmt die Schwellung mit der Zeit ab, wenn der Körper den entsprechenden Inhaltsstoff komplett abgebaut oder verdaut hat. Im weiteren Verlauf muss der Betroffene auf das jeweilige Lebensmittel verzichten, damit es nicht erneut zu einer Zungenschwellung kommt.

Zu Komplikationen kann es dann kommen, wenn der Patient aufgrund der Zungenschwellung nicht mehr genügend Luft einatmen kann und zu ersticken droht. In diesem Fall muss eine sofortige Behandlung eingeleitet werden, damit es nicht zum Tode kommt.

Die Zungenschwellung kann allerdings auch ein Symptom für eine nicht ausreichende Mundhygiene sein, mit welcher sich Zahnfleischblutungen und Karies entwickeln können. In den meisten Fällen können diese Ursachen allerdings relativ leicht behandelt werden.

Falls die Zungenschwellung zu keinen gefährlichen Beschwerden führt, ist keine medizinische Behandlung notwendig. Im Falle einer starken Schwellung mit Atemnot werden dem Patienten Medikamente verabreicht, die die Symptome lindern. Eine mögliche Allergie kann dabei ebenfalls therapiert werden, sodass der Betroffene in Zukunft nicht mehr an der Schwellung leidet. Beschwerden im Mundraum können ebenfalls durch einen Zahnmediziner gut behandelt werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Einer allergisch bedingten Zungenschwellung kann vorgebeugt werden, indem eine Exposition gegenüber dem auslösenden Allergen (u.a. Nahrungsmittel, Medikamente) vermieden wird (Allergenkarenz). Bei Vorliegen eines in aller Regel rezidivierenden hereditären Angioödems kann im Rahmen einer individuell angepassten Langzeittherapie die Häufigkeit und Ausprägung der Ödemattacken und somit auch das Risiko für Zungenschwellungen minimiert werden.

Das können Sie selbst tun

Ist die Zunge angeschwollen, sollte ein Arzt die Ursachen abklären und gegebenenfalls eine Behandlung einleiten. Zur Linderung der Symptome empfehlen sich verschiedene Maßnahmen und Hausmittel.

Generell lassen sich Schwellungen durch kühlende Maßnahmen lindern. Bewährt haben sich hier etwa kühle Getränke, ein feuchter Waschlappen auf der Zunge oder das Lutschen von Eiswürfeln. Säure- oder zuckerhaltige Getränke können die Zunge weiter reizen und sollten gemieden werden. Auch auf Alkohol, Nikotin und scharfe oder heiße Speisen und Getränke wird besser verzichtet. Zucker ist der ideale Nährboden für Krankheitserreger und sollte deshalb ebenfalls vom Speiseplan gestrichen werden.

Ansonsten hilft gegen eine Zungenschwellung eine sorgfältige Mundhygiene. Mundspülungen und Zahnseide entfernen Erreger aus dem Mundraum und tragen zu einer raschen Abschwellung bei. Die Zunge lässt sich mit einem Zungenschaber oder dem Rücken einer geeigneten Zahnbürste pflegen. Eine Zungenschwellung in Folge einer Entzündung kann mit Antibiotika behandelt werden. Bewährt haben sich auch Salbei oder Kochsalzlösungen sowie schmerzlindernde Tees. Nach Anwendung dieser Maßnahmen sollte die Zungenschwellung relativ schnell abklingen. Falls dies nicht der Fall ist, muss ein Arzt die Beschwerden abklären.

Bücher über Mundhygiene

Quellen

  • Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg 2005
  • Plewig, G. et al.: Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Heidelberg 2012
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie on Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: