Untergewicht

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. November 2017
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Untergewicht kann verschiedene Ursachen haben und ist je nach Betroffenem auch unterschiedlich medizinisch relevant. In vielen Fällen ist Untergewicht aber ein Risikofaktor für Mangelernährung und bedarf daher oft entsprechender Interventionsmaßnahmen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Untergewicht?

Von Untergewicht wird in der Medizin gesprochen, wenn das Körpergewicht eines Menschen einen definierten Mindestwert unterschreitet. Eine gängige Größe zur Bestimmung von Untergewicht ist dabei der sogenannte Body Mass Index (BMI); dieser lässt sich anhand von Körpergröße und Körpergewicht eines Menschen bestimmen.

Unterschreitet der Body Mass Index bei einer Person den definierten Wert von 18,5, liegt nach medizinischer Definition Untergewicht vor. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind deutschlandweit ca. 2 Millionen Menschen von Untergewicht betroffen; der Großteil dieser Personen ist weiblich.

Zwar geht Untergewicht in vielen Fällen auch mit einer Unterernährung einher, aber nicht immer muss dies der Fall sein: So können einige Menschen mit Veranlagung zu medizinisch definiertem Untergewicht durchaus ausreichend ernährt sein.

Ursachen

Die Ursachen für Untergewicht können vielfältig sein; so zählt weltweit etwa eine herrschende Nahrungsmittelknappheit zu den wichtigsten Ursachen für Untergewicht: Aufgrund der Unterversorgung mit Nährstoffen kommt es bei Betroffenen zu einem Abbau von Körperfett und auch von Muskelmasse, was schließlich zu Untergewicht führt.

Des Weiteren kann Untergewicht hervorgerufen werden durch Erkrankungen, Funktionsstörungen oder Unverträglichkeiten: Erkrankungen, die zu Untergewicht führen können, sind beispielsweise chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Zu den Funktionsstörungen, die Untergewicht verursachen können, zählt beispielsweise die Schilddrüsenüberfunktion.

Entsprechende Unverträglichkeiten, die sich hinter einem Untergewicht verbergen können, sind schließlich unter anderem Laktose-, Fructose- oder andere Nahrungsmittelintoleranzen.

Aber nicht nur körperliche Erkrankungen führen zu Untergewicht; auch psychische Erkrankungen, wie beispielsweise Essstörungen, können Untergewicht verursachen. Und nicht zuletzt trägt auch das gängige Schönheitsideal eines schlanken Körpers zu vielen Fällen von Untergewicht bei.

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Diagnose & Verlauf

Von Untergewicht wird in der Medizin gesprochen, wenn das Körpergewicht eines Menschen einen definierten Mindestwert unterschreitet.

Geht Untergewicht mit einer Unterernährung einher, so kann das Untergewicht in seinem Verlauf zu verschiedenen Folgeerscheinungen und Komplikationen führen. Es kommt beispielsweise zu einer Unterversorgung mit Mineralien und Vitaminen; bei Kindern kann eine solche Unterversorgung unter anderem zu geistigen und körperlichen Entwicklungsstörungen führen.

In seinem Verlauf kann Untergewicht bei Betroffenen des Weiteren eine höhere Infektanfälligkeit bedingen und die Lebenserwartung reduzieren. Bei Frauen kann Untergewicht beispielsweise den Zyklus beeinträchtigen und so die Fruchtbarkeit einschränken.

Diagnostiziert werden kann Untergewicht mithilfe verschiedener Indizes, wie beispielsweise mit dem beschriebenen Body Mass Index (BMI). Damit ein Mediziner feststellen kann, ob neben einem Untergewicht auch eine Mangelernährung vorliegt, können beispielsweise Verfahren wie die sogenannte Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) angewandt werden: Hiermit kann etwa das Verhältnis von Körperfett zu Körperflüssigkeiten bestimmt werden.

Komplikationen

Andauerndes Untergewicht kann zu verschiedenen Komplikationen führen. Zunächst schwächt ein zu niedriges Gewicht den Körper und führt zu Mangelerscheinungen wie Erschöpfung und einer verringerten Leistungsfähigkeit. Vor allem in Stressphasen oder bei Krankheit kommt es zu einer schnellen Entkräftung und Gefühlen der Abgeschlagenheit.

Untergewichtige sind generell anfälliger für Erkrankungen, speziell für Infektionskrankheiten, und haben ein höheres Risiko für Komplikationen. Durch den verlangsamten Stoffwechsel steigt außerdem das Risiko verschiedener Magen-Darm-Erkrankungen. Chronisches Untergewicht verlangsamt außerdem die Genesung, [Wundheilungsstörungen|verschlechtert die Wundheilung]] und kann insgesamt zu einer verminderten Lebenserwartung führen.

Die Knochen werden durch dauerhaftes Untergewicht ebenfalls erheblich belastet; eine mögliche Folge ist Osteoporose, die ihrerseits mit vielgestaltigen Symptomen einhergeht. In seltenen Fällen kann chronische Auszehrung zu Bewusstlosigkeit und im weiteren Verlauf zum Tod führen. Bei Kindern und Jugendlichen verlangsamt sich das Wachstum; mögliche Komplikationen sind Missbildungen und eine chronische Immunschwäche.

Bei Frauen kann Untergewicht die Menstruationsblutung verzögern und langfristig die Fruchtbarkeit verringern. Aufgrund der vielgestaltigen Komplikationen sollte andauerndes Untergewicht in jedem Fall mit einem Arzt besprochen werden. Untergewicht nach einer längeren Erkrankung oder einer Diät ist dagegen meist unproblematisch; Komplikationen sind etwa zwischenzeitlicher Schwindel und leichte Erschöpfung.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Häufig fällt es zu Beginn nicht ganz leicht, pathogenes Untergewicht von Schlankheit zu unterscheiden. Allerdings verläuft genau hier die Grenze, die einen Arztbesuch erforderlich macht. Die bestehenden Unsicherheiten werden dadurch verstärkt, dass in der Humanmedizin keine eindeutigen Grenzen existieren.

Die Frage, wann behandlungsbedürftiges Untergewicht vorliegt, ist in der humanmedizinischen Fachliteratur umstritten. Der Body-Mass-Index (BMI) bildet allerdings nach einhelliger Ansicht einen ersten Anhaltspunkt. Die meisten Mediziner empfehlen eine Behandlung, wenn ein BMI von 18 oder 19 vorliegt. Andere ziehen die Grenze etwas früher (19,5) oder auch später (17). In der Regel ist es allerdings besser, vorsorglich früher einen Arzt aufzusuchen. Andernfalls drohen zum Teil schwere Folgen.

Zunächst ist es sinnvoll, den Hausarzt aufzusuchen. Dieser fungiert als erste Anlaufstelle und wird bei Bedarf an Spezialisten überweisen. Das gilt auch dann, wenn der Verdacht einer Essstörung vorliegt, die ggf. eine ergänzende psychotherapeutische Behandlung erforderlich macht.

Behandlung & Therapie

Ist das Untergewicht bei einem Betroffenen behandlungsbedürftig, so ist die Basis für eine gezielte Therapie in der Regel eine ausführliche Diagnostik der Ursachen des Untergewichts. Ziel einer medizinischen Behandlung ist es dann, vorliegende Ursachen zu bekämpfen. Liegen einem Untergewicht beispielsweise Erkrankungen oder Funktionsstörungen zugrunde, ist eines der Behandlungsziele meist die Therapie dieser verursachenden Problematiken.

Eine Schilddrüsenüberfunktion, die zu Untergewicht führt, kann beispielsweise medikamentös behandelt werden; so kann die Produktion von Schilddrüsenhormonen gehemmt werden. Häufig schließt sich dieser medikamentösen Behandlung eine chirurgische Verkleinerung der Schilddrüse oder eine Therapie durch radioaktives Jod an. Ist eine stark ausgeprägte Magersucht (Essstörung) der Grund für Untergewicht, kann in einigen Fällen eine künstliche Ernährung erforderlich sein, um eine ausreichende Nährstoffversorgung des Betroffenen zu gewährleisten.

In einem nächsten Schritt muss dann häufig ein korrektes Essverhalten trainiert werden, was oft stationär und im Rahmen eines psychotherapeutischen Behandlungskonzepts erfolgt. Haben Menschen eine Veranlagung zu Untergewicht und möchten gerne zunehmen, so kann ein Behandlungsbaustein, beispielsweise eine Ernährungsberatung sein, die über kalorienhaltige Ernährung informiert.

Aussicht & Prognose

In der Regel kann Untergewicht relativ einfach bekämpft werden und muss nicht zwingend von einem Arzt behandelt werden. Falls das Untergewicht dadurch entsteht, dass der Patient zu wenig Nahrung zu sich nimmt, muss der Betroffene selbst dafür sorgen, mehr zu essen. Dadurch kann das Untergewicht langfristig beseitigt werden.

Wird das Untergewicht nicht behandelt, kann es im schlimmsten Falle zur Bulimie, Magersucht und schließlich zum Tode kommen. In der Regel können Betroffene auch in speziellen Kliniken und Einrichtung behandelt werden, falls die Eltern oder die Freunde die betroffene Person nicht von einer Behandlung überzeugen können.

Durch ein langanhaltendes Untergewicht werden Organe beschädigt und können ihre Funktion teilweise einschränken. Der Patient fühlt sich oft geschwächt und klagt über Kopfschmerzen und andere Beschwerden. Außerdem erhöht sich die Anfälligkeit für bestimmte Infektionen und Krankheiten.

In vielen Fällen führt eine Behandlung zum Erfolg. Allerdings hängt der Erfolg der Behandlung stark vom Willen des Patienten ab und kann daher nicht universell vorausgesagt werden.

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Vorbeugung

Dem Untergewicht vorzubeugen kann vor allem bei chronischen Erkrankungen wichtig sein, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten. Möglich ist dies beispielsweise durch bewusstes und, bei Bedarf, kalorienreiches Essen. Und auch eine konsequente medizinische Behandlung grundlegender Erkrankungen kann Untergewicht vorbeugend entgegenwirken.

Das können Sie selbst tun

Während viele Menschen mit zu vielen Kilos auf der Waage kämpfen, leiden einige an ebenso belastendem Untergewicht. Auch Untergewicht kann den Alltag zunehmend einschränken. Eine geeignete Ernährung kann helfen, dieses Problem zu beseitigen. Um zuzunehmen ist es wichtig, eine positive Energiebilanz zu schaffen. Das heißt, dass mehr Kalorien aufgenommen werden müssen, als der Körper für seine alltäglichen Funktionen benötigt.

Ungesunde Kalorienbomben wie Eiscreme, Schokolade und Co. sollten jedoch ausgespart werden. Sie liefern zwar viele Kalorien, haben jedoch einen negativen Gesundheitswert. Es gibt viele Lebensmittel die eine hohe Kaloriendichte haben und trotzdem förderlich für die Gesundheit sind. Untergewichtige sollten in ihren Speiseplan Lebensmittel integrieren, die wertvolle Fette liefern. Dazu zählen unter anderem Nüsse, Avocados, Kokosmilch, Studentenfutter und naturbelassene Öle wie zum Beispiel Olivenöl. Wertvolle Kohlenhydratlieferanten sind Hirse, Buchweizen, Hafer, Teff, Quinoa, Dinkel und Vollkorn. Eiweiße können gut durch Chia-Samen, Eier, hochwertiges Fleisch, Hirse und Hülsenfrüchte abgedeckt werden. Empfehlenswert ist ebenso der Konsum von fettreichen Seefischen wie Hering, Makrele oder Lachs.

Zusätzlich empfiehlt es sich, vor den Mahlzeiten den Apetit anzuregen. Dazu können Bitterstoffe wie Bitterstern oder Äpfel zur Hilfe genommen werden. Wichtig ist, während des Essens nicht zu viel zu trinken, da das Sättigungsgefühl hauptsächlich durch die Magenfüllung beeinflusst wird.

Bücher über Essstörungen

Quellen

  • Biesalski, H.-K., et al.: Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Löser, C., Jordan, A., Wegner, E.: Mangel- und Unterernährung. Trias, Stuttgart 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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