Stechen im Ohr

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
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Stechen im Ohr, eine besondere Kategorie von Ohrenschmerzen, kann bereits nach kurzer Zeit – falls der Schmerz nicht wieder von selbst verschwindet – unangenehm und störend sein. Der Schmerz kann sehr unterschiedliche Ursachen haben, die von harmlos bis unbedingt behandlungsbedürftig reichen. Wenn keine der eher harmlosen Gründe als Auslöser für den Ohrenschmerz erkennbar sind, sollte unverzüglich ein Facharzt hinzugezogen werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Stechen im Ohr?

Unter Stechen im Ohr versteht man einen spezifischen Ohrenschmerz, der in einem oder in beiden Ohren gleichzeitig auftreten kann. Meist lassen sich die stechenden Schmerzen im äußeren Gehörgang lokalisieren, können aber auch das Mittelohr und in ganz seltenen Fällen das Innenohr betreffen.

Stechende Schmerzen, die von der Ohrmuschel ausgehen, zählen ebenfalls zu den Ohrenschmerzen. Sie können anhaltend sein oder treten nur bei leichter mechanischer Belastung auf, z. B. beim Kauen oder durch Ziehen am Ohrläppchen oder der Ohrmuschel.

In vielen Fällen werden die stechenden Schmerzen von einer Beeinträchtigung des Hörvermögens und durch Schwindelgefühle begleitet, weil entweder das Trommelfell oder die Organe des Gleichgewichtssinnes (Bogengänge und Otolithen) betroffen sind. Wenn parallel zu den Ohrenschmerzen Blut oder eine wässerige oder eitrige übelriechende Gewebsflüssigkeit aus dem Ohr austritt, sollte unverzüglich ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) aufgesucht werden.

Ursachen

Die wichtigsten Verursacher von stechenden Ohrenschmerzen sind:

  • Verstopfung des äußeren Gehörgangs durch Fremdkörper oder einem Pfropf aus Ohrenschmalz
  • Infektionen des äußeren Gehörgangs (einschl. Geschwüre, Ekzeme und Tumore)
  • Entzündungen der Ohrspeicheldrüse (z. B. Mumps)
  • Starke Luftdruckänderungen bei gleichzeitig bestehender Erkältung (Tauchen, Flugzeug)

Ein häufiger Verursacher stechender Ohrenschmerzen sind selbst herbeigeführte Verletzungen der feinen Haut, die den äußeren Gehörgang auskleidet. Unangenehmes Jucken im Ohr kann z. B. dazu „verführen“, dem Juckreiz mit spontan verfügbaren festen Gegenständen (kleiner Finger, Büroklammer, Kugelschreiber oder ähnlichem) oder mit Wattestäbchen zu begegnen, was meist eine Verletzung der Haut im Gehörgang bewirkt und zu einer Infektion führen kann.

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Diagnose & Verlauf

Meist lassen sich die stechenden Schmerzen im äußeren Gehörgang lokalisieren, können aber auch das Mittelohr und in ganz seltenen Fällen das Innenohr betreffen.

Bei spontan auftretenden und anhaltenden stechenden Ohrenschmerzen sollten zunächst naheliegende Gründe als Verursacher der Schmerzen abgeklärt werden. Bei Kleinkindern kann es sich um einen Verschluss des äußeren Gehörgangs durch Murmeln, Glasperlen oder ähnlichen Gegenständen handeln. Falls stechende Ohrenschmerzen im Flugzeug bei starkem Sinkflug auftreten, lassen diese nach, sobald es zu einem Druckausgleich zwischen Innenohr und der äußeren Umgebung über die Eustachische Röhre kommt.

Falls keine der naheliegenden offensichtlichen Verursacher der Ohrenschmerzen identifiziert werden, sollte unbedingt ein HNO-Arzt konsultiert werden. Er wird zunächst – nach eingehender Anamnese – per visueller Inspizierung mittels Otoskop feststellen, ob ein Verschluss des äußeren Gehörgangs durch Fremdkörper vorliegt, und er wird die Beschaffenheit des Gehörgangs und des Trommelfells untersuchen. Zusätzlich können verschiedene Funktionsprüfungen des äußeren Gehörgangs (Tubenfunktionsprüfungen) durchgeführt werden. Je nach Befund stehen zur weiteren Abklärung auch Laboranalysen und bildgebende Verfahren (Röntgenaufnahmen, CT, MRT) zur Verfügung.

Bei einem zu befürchtenden schwerwiegenden Verlauf einer Verletzung oder Infektion am oder im Ohr ist eine zügige Diagnose sehr zu empfehlen, um durch eine zielführende Behandlung bleibende Gehörschäden oder bleibende vestibuläre Defizite (Gleichgewichtsstörungen) zu vermeiden.

Komplikationen

Nimmt der Betroffene ein Stechen im Ohr wahr, so handelt es sich in den meisten Fällen um eine Mittelohrentzündung. Dieses Krankheitsbild kann diverse Komplikationen hervorrufen. Wenn die Entzündung im Innenohr unbehandelt bleibt, so bildet sich in vielen Fällen Eiter. Die Schmerzen nehmen zu und das Hörvermögen kann dabei auch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Falls die Ohrenschmerzen durch eine äußere Verletzung entstanden sind, so können die Schmerzen von einem beschädigten Trommelfell ausgehen. Es kann zu starken und anhaltenden Blutungen kommen. Wird die Wunde beziehungsweise Entzündung nicht sauber und rein gehalten, so besteht zudem die Gefahr einer Blutvergiftung.

Das regelmäßige Säubern des Innenohres ist daher an dieser Stelle besonders wichtig. Nur so können schwerwiegende Folgeerkrankungen vermieden oder behandelt werden. In seltenen Fällen kann ein Tumor die Ursache der Schmerzen im Ohr sein. Dieser drückt auf den Hörnerv und es entsteht ein innerer Druck.

Nur durch eine frühzeitige Behandlung beziehungsweise Entfernung des Tumors ist eine solche Komplikation zu beheben. Generell gilt: Im Zusammenhang mit einem Stechen im Ohr können viele unterschiedliche Komplikationen auftreten. Daher sollte bei einem unerwarteten Krankheitsverlauf umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Stechen im Ohr ist ein erstes Anzeichen für eine Entzündung oder auch einen Fremdkörper. Bei ersten Anzeichen einer Mittelohrentzündung, muss nicht zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Betroffene Personen können in so einem Fall vorerst auf die eigene Hausapotheke bzw. auf verschiedene Hausmittel zurückgreifen. Entzündungshemmende Wirkstoffe, wie zum Beispiel Kamille, können effektiv und schnell helfen. Wenn aus dem Stechen im Ohr jedoch ein dauerhafter Schmerz wird, dann ist der Gang zum Arzt unausweichlich. Allerspätestens wenn die Bildung von Eiter zu erkennen ist, dann sollte ein Arztbesuch nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Ein Hausarzt oder natürlich auch ein HNO-Arzt kann entsprechende Medikamente verschreiben, die innerhalb kurzer Zeit die Entzündung lindern und bekämpfen. Wer in einem solchen Fall gänzlich auf eine Behandlung und die Einnahme entsprechender Medikamente verzichtet, der geht ein großes Risiko ein. Einzelne Symptome können sich erheblich verschlimmern. Hinzu können starke Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost oder auch Erbrechen kommen. Wer diese Krankheitsbilder umgehen möchte, der sollte bei einer Entzündung im Ohr frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Wird das Stechen im Ohr durch einen Fremdkörper ausgelöst, so sollte umgehend ein HNO-Arzt aufgesucht werden. Ein Arzt holt den Fremdkörper aus dem Gehörgang heraus, ohne die Ohrmuschel zu verletzen. Daher sollten Selbstversuche an dieser Stelle unbedingt unterlassen werden.

Behandlung & Therapie

Es gibt eine Reihe von Hausmitteln, die zur Eindämmung von Ohrenschmerzen empfohlen werden. Dazu gehören verschiedenste Wärme- und Kälteanwendungen sowie Zwiebelsaftkompressen, die unmittelbar hinter dem Ohr angebracht werden sollen. Da Ohrenschmerzen häufig zusammen mit anderen infektiösen Krankheiten auftreten, existiert eine lange Liste von Naturheilmitteln in Form von Tees und Tinkturen, deren Anwendung Heilung oder zumindest Linderung der Symptome verspricht.

Falls beim Besuch eines HNO-Arztes eine klare Diagnose für die Ursachen der stechenden Ohrenschmerzen gestellt werden kann, wird die Behandlung danach ausgerichtet. Im Falle entzündlicher Prozesse, die durch eine bakterielle Infektion entstanden sind, stehen speziell wirksame Antibiotika zur Verfügung. Falls allergische Prozesse eine Rolle spielen, können Antihistaminika, die eine übermäßige Histaminausschüttung hemmen, Linderung der Symptome bringen.

Sollte eine Mittelohrentzündung vorliegen, muss diese unbedingt behandelt werden, da sonst ein unkontrollierter Trommelfelldurchbruch eintreten kann, der zu bleibenden Gehörschäden führt. Falls die Mittelohrentzündung zu einer starken Ansammlung von Eiter oder anderer Flüssigkeiten geführt hat, die zur Entlastung abgeführt werden muss, kann der HNO-Arzt unter lokaler Betäubung einen kleinen Schnitt im Trommelfell anbringen, um die Flüssigkeit zur Druckentlastung des Mittelohres in den äußeren Gehörgang abfließen zu lassen. Bei fachgerechter Behandlung heilt das Trommelfell fast narbenlos wieder ab, so dass das Hörvermögen nicht dauerhaft beeinträchtigt wird.

Aussicht & Prognose

Ein Stechen im Ohr deutet in der Regel auf eine Mittelohrentzündung hin. Das Stechen kann außerdem auch durch einen Fremdkörper im Ohr verursacht werden, der definitiv entfernt werden sollte. Fest steht: Ein Stechen im Ohr darf auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden, da bei einer Nichtbehandlung permanente Folgeschäden entstehen können.

Eine Mittelohrentzündung macht sich anfänglich durch ein Stechen bemerkbar, das im späteren Verlauf zu einem sehr starken Schmerz werden kann. Unter Umständen kommt es zu einer Eiterbildung bzw. zu einem Ausfluss aus dem Ohr. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte ein Arzt aufgesucht werden, damit die Entzündung mit entsprechenden Medikamenten bekämpft werden kann. Danach dürfte die Mittelohrentzündung nach drei bis vier Tagen abklingen.

Ist das Stechen im Ohr durch äußere Gewalteinwirkung entstanden, so sollte ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden. In so einem Fall kann es zu Blutungen aus dem Ohr kommen. Ein verletztes Trommelfell oder andere Verletzungen im Inneren des Ohres können dabei die Ursache sein. Bei einer Nichtbehandlung drohen schwere Folgeschäden, wie zum Beispiel der Verlust des Hörvermögens. Aus diesem Grund ist der Gang zum Arzt in solch einem Fall unerlässlich.

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Vorbeugung

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung vor Ohrenschmerzen besteht in der Unterlassung des Versuchs, den äußeren Gehörgang mittels (un-)geeigneter Gegenstände von Ohrenschmalz zu befreien. Die äußeren Gehörgänge sind genialerweise mit kleinen Flimmer Härchen besetzt, die Ohrenschmalz und auch eingedrungene Schmutz- und Staubpartikel allmählich selbständig nach außen befördern! Eine mechanische Reinigung des äußeren Gehörgangs ist nicht notwendig und meist kontraproduktiv.

Eine weitere vorbeugende Maßnahme besteht darin, der Witterung gemäße Kleidung zu tragen und allgemeine Empfehlungen zur Stärkung des körpereigenen Immunsystems zu beachten und die Ohren mit geeigneten Ohrenschützern vor zu starkem Zug und vor Erfrierungen zu schützen.

Das können Sie selbst tun

Stechende Beschwerden im Ohr zählen zu den häufigsten Beschwerden im Kindesalter. Aber auch Erwachsene können darunter leiden. Sollte dieses Symptom nicht chronisch auftreten, können zahlreiche Hausmittel die Beschwerden lindern. Bei starken Schmerzen und begleitenden Symptomen wie Fieber ist ein Arzt zu konsultieren.

Kälte- oder Wärmeanwendungen können die Beschwerden lindern. Hier sollte ausprobiert werden, welche Temperatur als angenehmer empfunden wird. Kleine Kühl- und Wärmepads sind in der Apotheke mit passender Schutzhülle erhältlich. Kompressen sollten nie direkt auf die empfindliche Haut des Ohres gelegt werden. Bekannt sind auch die sogenannten Zwiebelsäckchen. Hierfür wird ein Leinensäckchen mit fein gehackten Zwiebeln gefüllt und auf das schmerzende Ohr gelegt.

Womöglich verursacht auch ein Fremdkörper die stechenden Schmerzen. In diesem Fall ist eine Selbstbehandlung nicht zu empfehlen, da dieser Gegenstand andernfalls noch tiefer in das Ohr befördert werden könnte. Auch bei der Reinigung des Ohres von Ohrenschmalz ist Achtsamkeit notwendig. Oftmals entstehen durch ein zu tiefes Eindringen während der Reinigung Schmerzen im Ohr. Bestehen stechende Beschwerden im Ohr sollten diese bei Aufenthalten im Freien vor Zugluft und zu starker Kälte mittels Ohrenschützer oder einem Stirnband geschützt werden. Bei einer vorhandenen Mittelohrentzündung oder ersichtlicher Gewalteinwirkung ist ebenfalls der Besuch des HNO-Arztes dringend angeraten, um Folgeschäden zu verhindern.

Bücher über Ohrenschmerzen

Quellen

  • Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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