Schädelbasisbruch

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Bei einem Schädelbasisbruch bzw. Schädelbasisfraktur handelt sich dabei um eine lebensbedrohliche Verletzung am Kopf. Sie entsteht durch Gewalteinwirkung und kann Hirnschäden zur Folge haben. Ein Schädelbasisbruch sollte nicht mit einer Gehirnerschütterung verwechselt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Schädelbasisbruch?

Die Schädelbasis bildet den sogenannten Hirnschädel. Bei einem Schädelbasisbruch kann deshalb auch das Gehirn verletzt werden oder Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit austreten: Neurologische Störungen sind eine mögliche Folge.

Die Bruchkante verläuft entlang der Knochennähte; dies sind die Stellen, an denen die einzelnen Schädelplatten im Säuglingsalter zunächst mittels Bindegewebe zusammenwachsen. Das Gewebe verknöchert im Laufe des Lebens zunehmend.

Die Schädelnähte bleiben jedoch dünner als die festen Schädelplatten und sind deshalb anfälliger für Brüche. Am häufigsten kommt ein Schädelbasisbruch durch einen Bruch zwischen Ohr und Schädelbasis oder zwischen Nase und Schädelbasis zustande.

Ursachen

Ein Schädelbasisbruch ist die Folge von physischer Gewalteinwirkung und kann zum Beispiel bei Verkehrsunfällen auftreten. Geradezu prädestiniert für die diese Art von Verletzung sind Autounfälle, bei denen eine der beteiligten Personen frontal gegen Lenkrad oder Armaturenbrett prallt.

Dies geschieht vor allem dann, wenn die Person keinen Sicherheitsgurt angelegt hat. Eine weitere Ursache für einen Schädelbasisbruch können Stürze aus größerer Höhe sein, bei denen es zum Aufprall auf den Kopf kommt.

Seltener tritt ein Schädelbasisbruch durch direkte personale Gewalt auf, also durch einen kräftigen Schlag ins Gesicht. Bei allen diesen Varianten kann es zu einer Läsion von Augenhöhlen, Siebbein, Stirnhöhlen und Keilbeinhöhle kommen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Erste Hilfe bei Schädel-Hirn-Trauma sowie die typischen Symptome. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Durch einen Schädelbasisbruch können Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit und Blut austreten. Da die Haut trotz der Verletzung in der Regel intakt bleibt, sickern die Flüssigkeiten jedoch nicht unmittelbar aus einer Wunde: Sie bahnen sich ihren Weg durch Nase, Mund oder Ohren.

Je nachdem, wo genau die Schädelbasis bricht, kann der Augapfel nach vorne gedrückt werden oder pulsieren. Letzteres kommt durch das Eindringen von Blut aus der inneren Halsschlagader zustande, wenn diese beschädigt ist.

Zudem können Hämatome („blaue Flecken“) in den Augenhöhlen entstehen, die die Form einer Brille annehmen. Auch bei anderen Frakturen im Kopfbereich kann dieses Phänomen auftreten. Der Bruch selbst kann mithilfe von bildgebenden Verfahren leicht erkannt werden.

Neben diesen sichtbaren Veränderungen können durch einen Schädelbasisbruch neurologische Störungen entstehen – vorübergehend oder dauerhaft. Störungen des Bewusstseins wie Bewusstlosigkeit oder eine Trübung des Bewusstseins können unmittelbare Folgen sein.

Auch sekundäre Schäden durch einen Schädelbasisbruch sind möglich: Wenn das Blut aus einer verletzten Ader in das Gehirn eindringt, entstehen weitere Komplikationen; bis hin zu Ausfällen von Gehirnarealen und dem Absterben von Nervenzellen.

Komplikationen

In den meisten Fällen ist ein Schädelbasisbruch nicht mit Komplikationen verbunden. Dies gilt besonders dann, wenn kein Liquor (Gehirnwasser) austritt und die Hirnhäute nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Bei manchen Patienten zeigen sich jedoch schwere Auswirkungen der Verletzung, die wiederum gravierende Folgen haben können und die Prognose verschlechtern.

Zu den gefürchteten Folgen eines Schädelbasisbruchs gehört das Austreten von Hirnwasser. Dabei fließt aus der Nase flüssiges Sekret. Ist dies der Fall, muss der Patient Antibiotika erhalten, weil sonst die Gefahr einer aufsteigenden Hirnhautentzündung (Meningitis) besteht. Des Weiteren droht die Bildung eines Hirnabszesses, der ebenfalls die Folge der Liquorrhoe ist.

Ebenfalls zu den denkbaren Komplikationen zählt eine Osteomyelitis, bei der es zu einer Entzündung der Schädelknochen kommt. Eine andere Auswirkung kann die Entstehung einer Liquorfistel sein. Dabei bildet sich ein Gang zwischen den Hirnhäuten sowie angrenzenden Körperstrukturen in die äußere Richtung. Durch diesen Einlass können wiederum Krankheitserreger wie Bakterien via Nase oder Ohr eindringen.

Eine gefürchtete Komplikation der Schädelbasisfraktur stellt das Ansteigen des Hirndrucks dar. So reagiert das menschliche Gehirn überaus empfindlich auf Druck. Infolgedessen drohen Krämpfe, der Verlust des Bewusstseins oder ein lebensgefährlicher Atemstillstand. Weil deswegen das Risiko besteht, dass die betroffene Person erstickt, ist deren künstliche Beatmung notwendig. Die akute Erstickungsgefahr herrscht grundsätzlich bei einem Schädelbasisbruch, wenn der Patient dabei bewusstlos wird.

Behandlung & Therapie

Blutungen infolge eines Schädelbasisbruchs können durch sofortigen operativen Eingriff verhindert oder gestoppt werden. Ähnliches gilt auch für die Freisetzung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.

Hierbei müssen unter Umständen auch Gefäße genäht werden, zum Beispiel die innere Halsschlagader. Da beim Schädelbasisbruch oft die äußere Hirnhaut zerreißt, muss auch diese anschließend genäht werden. Der eigentliche Bruch wird behutsam gerichtet und die Bruchstellen werden mithilfe von verschiedenen Materialien fixiert, damit der Schädel wieder zusammenwachsen kann und die Knochen nicht verwachsen bzw. schief zusammenwachsen.

Das hierfür verwendete Material stellt vorzugsweise körpereigenes (Binde-)Gewebe dar, da bei ihm nicht die Gefahr einer abstoßenden Reaktion des Organismus besteht. Außerdem kann der biologische Fibrinkleber wertvolle Dienste leisten: Er fungiert als Zwei-Komponenten-Kleber. In selteneren Fällen müssen Metallplatten in den Schädel eingesetzt werden.

Sofern die Augen und/oder Ohren durch den Schädelbasisbruch in Mitleidenschaft gezogen wurden, operiert man auch hier. Dies ist vor allem deshalb bedeutsam, um den zu erwartenden Beeinträchtigungen des Seh- oder Hörsinns frühzeitig etwas entgegen zu setzen.

Wenn der Schädelbasisbruch nicht zum Austritt von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit oder Blut führt und auch ansonsten keine weiteren Schäden vorliegen, ist eine Operation nicht notwendig. Insbesondere Brüche zwischen Nase und Schädelbasis verlaufen eher glimpflich.

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Vorbeugung

Da ein Schädelbasisbruch durch gewaltsame Kräfte entsteht, gibt es keine direkte Möglichkeit, ihm vorzubeugen. Allerdings können allgemeine Sicherheitsmaßnahmen wie das Anschnallen beim Autofahren verhindern, dass es überhaupt zu einer physischen Gewalteinwirkung kommt.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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