Trommelfellverletzungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. November 2017
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Unter Trommelfellverletzungen (auch: Trommelfellperforation, Trommelfellruptur) werden Rupturen (Risse) und Perforationen (Löcher) in der Membrana tympani zusammengefasst. Verletzungen des Trommelfells sind in aller Regel auf eine Entzündung des Mittelohrs (Otitis media) oder eine direkte bzw. indirekte Gewalteinwirkung zurückzuführen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Trommelfellverletzungen?

Als Trommelfellverletzung wird eine Ruptur oder Perforation in der sogenannten Membrana tympani (Trommelfell) bezeichnet, die als dünnes Häutchen das Mittelohr von externen Einflüssen schützt. Verletzungen dieser Membran manifestieren sich anhand stechender Schmerzen im Bereich des Ohres (v.a. bei Trommelfellrupturen), eingeschränkter Hörfähigkeit, leichter Ohrblutungen bei einer Ruptur des Trommelfells sowie gegebenenfalls anhand eitriger Otorrhoe (Ohrenfluss) bei Trommelfellperforationen.

Durch die geschädigten Bereiche des Trommelfells eingedrungene Erreger oder Fremdkörper können zudem eine Otitis media (Mittelohrentzündung) bedingen und zu entzündlichen Reaktionen führen. Schwindel, Übelkeit, Erbrechen sowie pochende Ohrgeräusche (Tinnitus) und Nystagmus (Augenzittern) können die Folge sein. Ferner kann eine Trommelfellverletzung mit gereiztem Innenohr in einigen Fällen eine Lähmung des Gesichtsnervs (Nervus facialis) hervorrufen.

Ursachen

Verletzungen des Trommelfells sind in der Regel auf Barotraumata (Detonationen, Schläge auf das Ohr mit der flachen Hand, gestörter Druckausgleich beim Fliegen oder Tauchen), direkte Schädigungen der Membran durch spitze oder stumpfe Gegenstände (Wattestäbchen, Haarnadeln), Infektionen (Otitis media) oder iatrogene Ursachen (unsachgemäß durchgeführte Ohrspülungen) zurückzuführen.

Eine größere Gewalteinwirkung auf das Ohr kann darüber hinaus zu Schädigungen des Mittelohrs (Verletzung des Gehörknöchelchens) und gegebenenfalls des Innenohrs führen. Zudem können Verbrennungen (Schweißperlen-Verletzung) und Verätzungen die Membrana tympani schädigen.

Auch eine Felsenbeinlängsfraktur (Form einer Schädelbasisfraktur) wird in vielen Fällen mit einer Trommelfellruptur assoziiert. Lag bereits eine Verletzung des Trommelfells vor, ist das Risiko für eine erneute Ruptur oder Perforation erhöht.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Tinnitus und Ohrenschmerzen
Stechende Ohrenschmerzen sind das typischste Kennzeichen bei einer Trommelfellverletzung.

In vielen Fällen resultiert ein Verdacht auf Verletzungen des Trommelfells bereits aus der Anamnese sowie der Schilderung des Unfallhergangs und der spezifisch vorliegenden Symptome. Abgesichert wird die Diagnose im Rahmen einer Otoskopie (Ohrenspiegelung) und/oder ohrmiskroskopischen Untersuchung.

Eine Hörprüfung ermöglicht Aussagen zu einer vorliegenden Schalleitungsschwerhörigkeit (Hörminderung), Beeinträchtigungen von Innen- und Mittelohr sowie Schädigungen der Gehörknöchelchen.

Ist die Verletzung auf eine Gewalteinwirkung durch Gegenstände oder Flüssigmetall zurückzuführen, ist unter Umständen eine Röntgenuntersuchung angezeigt, um rückständige Fremdkörper oder Fremdkörperteile zu lokalisieren.

In der Regel weisen Trommelfellrupturen und –perforationen eine gute Prognose auf und heilen komplikationslos aus. Bei ausgeprägten Verletzungen des Trommelfells mit Innen- und/oder Mittelohrbeteiligung kann es zu einer irreversiblen Hörminderung oder Taubheit kommen.

Komplikationen

Bei direkten Trommelfellverletzungen kann es zu einer Beschädigung des Gehörknöchelchens kommen. Es ist für die Weiterleitung des Schalls vom Trommelfell in das Innenohr zuständig. Auch eine Luxation des Knöchelchens ist keine Seltenheit. Dabei handelt es sich um eine Gelenkverletzung, die häufig einen Gelenkkapselriss nach sich zieht.

Das Hören wird dadurch stark eingeschränkt, was oftmals in einer Taubheit resultiert. Mittelohrentzündungen gehören zu den häufigsten Komplikationen: Ist diese akut, ist sie im Verlauf besonders schmerzhaft und führt zu einem Pulsieren, Pochen und zu Ohrgeräuschen, die das Hörvermögen weiter trüben. Fieber, Übelkeit und Erbrechen stellen sich bei einem schwereren Entzündungsverlauf ein.

Weiterhin besteht die Gefahr einer Perforation der medialen Wand der Paukenhöhle, der Hohlraum im Mittelohr, der sich direkt hinter dem Trommelfell befindet. Er ist für den Druckausgleich im Ohr verantwortlich. Nicht selten tritt eine Meningitis ein, wenn die Paukenhöhle in Mitleidenschaft gezogen wurde. Hierbei nisten sich Bakterien, Viren und Pilze in das verletzte Gewebe ein und es kann zu Krämpfen, Lichtscheue und Apathie kommen.

Eine Labyrinthitis ist ebenfalls oft die Folge. Das Labyrinth des Innenohrs entzündet sich und das gesamte Gangsystem wird negativ beeinträchtigt. Im schlimmsten Fall bildet sich Eiter, was bei einem schweren Verlauf zur Taubheit führt.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei Verletzungen des Trommelfells von der Schwere der Schädigung ab. So heilen kleine Verletzungen in der Regel innerhalb weniger Tage wieder selbstständig aus, ohne dass eine Behandlung erforderlich wird.

Während der Rekonvaleszenzphase sollte das betroffene Ohr allerdings trocken gehalten werden, indem dieses beispielsweise durch einen Ohrverband oder Creme-Watte während des Duschens oder Badens geschützt wird. Wird eine Trommelfellperforation infolge einer Otitis media diagnostiziert, kommen zusätzlich abschwellende Nasen- und/oder Ohrentropfen sowie Antibiotika zum Einsatz. Ist eine Trommelfellruptur durch eingekrempelte oder eingerollte Verletzungsränder gekennzeichnet, werden diese gestrafft und das betroffene Trommelfell mit einer Silikonfolie geschient, um ein glattes Zusammenwachsen der Ränder zu gewährleisten.

Ist die Verletzung nach einigen wenigen Wochen (4 bis 6) nicht verheilt, wird ein operativer Verschluss erforderlich, um die Schalleitungsfähigkeit wieder herzustellen. Hierzu wird die natürliche Form des Trommelfells im Rahmen einer Myringoplastik rekonstruiert, indem die Fehlstellen des rupturierten oder perforierten Trommelfells durch angrenzendes Gewebe (Faszie, Knorpel, Knorpelhaut) substituiert werden.

Kleinere Fehlstellen können gegebenenfalls durch körpereigenes Fettgewebe ersetzt werden. In der Regel können gleichzeitig im Rahmen dieses Eingriffs Verletzungen des Mittel- und/oder Innenohrs (Schädigungen der Gehörknöchelchen) behoben werden (Tympanoplastik). Im Anschluss an die Rekonstruktion wird das Trommelfell mithilfe einer Silikonfolie stabilisiert.

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Vorbeugung

Eine Trommelfellverletzung kann nicht in jedem Fall verhindert werden. Allerdings kann durch angemessenen Gehörschutz einem Barotrauma infolge von Detonationen vorgebeugt werden. Auch durch den Verzicht auf die Reinigung des Gehörgangs mit Wattestäbchen oder anderen spitzen Gegenständen kann eine Verletzung des Trommelfells vermieden werden.

Liegt vor einer Flugreise oder einem Tauchgang eine Erkältung oder Otitis media vor, sollte auf diese verzichtet werden. Das sogenannte Valsalva-Manöver (forciertes Ausatmen bei verschlossener Nasen- und Mundöffnung) minimiert das Risiko einer Trommelfellverletzung während der Start- und Landephase beim Reisen mit dem Flugzeug.

Bücher über Ohrenschmerzen

Quellen

  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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