Jucken im Ohr

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Oktober 2017
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Ständiges oder häufiges Jucken im Ohr ist nicht nur lästig, sondern hat in der Regel ernsthafte Ursachen. Sie bedürfen einer klaren Diagnose, um anschließend effizient behandelt werden zu können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Jucken im Ohr?

Die erste intuitive Reaktion bei lästigem Jucken im Ohr besteht meist in dem Versuch, mit dem kleinen Finger oder mittels eines Wattestäbchens den Juckreiz zu lindern. Und genau das sollte nicht passieren!

Der äußere Gehörgang wird von einer sehr zarten Haut ausgekleidet und kann leicht durch Fingernagel oder Wattestäbchen verletzt werden. Das wiederum begünstigt neuerliche Infektionen. Vom Gebrauch eines Wattestäbchens wird auch deshalb abgeraten, weil es häufiger vorkommen kann, dass der Gehörgang dadurch verstopft wird.

Das Ohrenschmalz (Cerumen) schiebt sich zusammen und bildet kurz vor dem Trommelfell einen Pfropf, der das Hörvermögen (vorübergehend) deutlich mindert. Dass sich Bleistifte oder Büroklammern wegen der erheblichen Verletzungsgefahr als „Behandlungswerkzeug“ verbieten, versteht sich von selbst.

Ursachen

Ständiges oder häufiges Jucken im Ohr kann verschiedene Ursachen haben. Oft wird eine Entzündung im Gehörgang festgestellt, die durch kleine Verletzungen im Gehörgang entstanden sein kann. Kleine Verletzungen bilden die Eingangspforten für Bakterien oder Pilze, die vom Immunsystem nicht immer genügend "in Schach" gehalten werden können.

In diesen Fällen treten parallel zum Juckreiz meist auch ein Druckgefühl im Ohr und Ohrenschmerzen auf. Im weiteren Verlauf kann es zur Eiterbildung kommen, der mit unangenehmem Geruch aus dem Ohr nach außen abfließt.

Weitere Ursachen für das lästige Jucken im Ohr können in Grunderkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte liegen, wenn der äußere Gehörgang oder die Ohrmuschel betroffen ist. Auch allergische Reaktionen auf den Gebrauch unverträglicher Shampoos, Haarsprays oder Kosmetika können einen nachhaltigen Juckreiz auslösen.

Ähnliche allergische Reaktionen können sogar durch Ohrringe hervorgerufen werden, wenn sie im Falle einer Nickelallergie Nickel enthalten. Gelegentliches Jucken im Ohr hat meist harmlose Ursachen wie eingetrocknetes Ohrenschmalz oder einfach eine besonders stressige Situation.

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Diagnose & Verlauf

Die erste intuitive Reaktion bei lästigem Jucken im Ohr besteht meist in dem Versuch, mit dem kleinen Finger oder mittels eines Wattestäbchens den Juckreiz zu lindern.

Eine zuverlässige Diagnose setzt eine eingehende Anamnese (Eingangsuntersuchung) zur Abklärung möglicher Ursachen für das lästige Jucken im Ohr voraus.

Mittels Ohrenmikroskop (Fachbegriff: Otoskop) kann ziemlich sicher abgeklärt werden, ob im äußeren Gehörgang durch Bakterien- oder Pilzbefall verursachte entzündliche Vorgänge eine Rolle spielen. Falls eine Entzündung des äußeren Gehörgangs und evtl. auch des Trommelfells diagnostiziert wird, äußert sich diese meist neben dem lästigen Jucken auch durch diffuse Schmerzen beim Kauen oder wenn an der Ohrmuschel gezogen wird. Wichtig ist auch die Beantwortung der Frage, ob Diabetes beim Betroffenen vorliegt. Diabetes kann zu einem deutlich schwereren Verlauf einer Entzündung im äußeren Gehörgang führen.

Ebenso lassen sich in der Regel eine Neurodermitis oder eine Schuppenflechte erkennen, vor allem, wenn eine Neigung zu diesen beiden Krankheiten im Verlauf der Anamnese erkennbar war oder entsprechende Symptome bereits an anderen Körperstellen aufgetreten sind.

In Verdachtsfällen auf allergische Reaktionen sollte sorgfältig abgeklärt werden, ob rigoroses Absetzen der benutzten Shampoos und Kosmetika Abhilfe schaffen kann. Falls Hautreaktionen auch an anderen Stellen im Gesicht, am Hals oder an der Kopfhaut beobachtet wurden, ist der Verdacht auf allergische Reaktionen erhärtet. Im Zweifelsfall müssen vom Facharzt (HNO-Arzt) Allergietests auf Stoffgruppen durchgeführt werden, die in den benutzen Shampoos und Kosmetika enthalten sind.

Komplikationen

Ein Jucken im Ohr kann aufgrund verschiedenen Grunderkrankungen entstehen. Unbehandelt können die Krankheiten zu verschiedenen Komplikationen führen. Aufgrund des ständigen Juckreizes können durch das Kratzen Wunden entstehen, die sich entzünden können. Das Ohr schwillt dadurch an und schmerzt. Eine der häufigsten Ursachen für ein Juckreiz am Ohr ist die Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa), welche häufig durch Erreger oder eine allergische Reaktion ausgelöst wird.

Wird die Entzündung nicht behandelt, so kann sich diese in die umgebenen Weichteile ausbreiten und weitere Strukturen infizieren. Häufig wird dadurch auch das Trommelfell in Mitleidenschaft gezogen, welches Einreißen kann. Starke Schmerzen und eine Beeinträchtigung des Hörvermögens sind die resultierende Folge. In den schlimmsten Fällen kann neben den Weichteilen auch der Knochen mit der Schädelbasis betroffen sein, dieser kann aufgrund der Infektion zerstört werden.

Zudem kann es zu Funktionsstörungen der Nerven kommen, vor allem die für die Gesichtsmuskulatur und den Hör- und Gleichgewichtssinn zuständig sind. Diese Fälle sind vor allem bei Diabetikern und älteren Menschen anzutreffen. Eine weitere Möglichkeit für ein juckendes Ohr ist, wenn kein beziehungsweise kaum Ohrenschmalz (Cerumen) vorhanden ist. Normalerweise hat dieser die Aufgabe das Ohr zu befeuchten und vor Infektionen zu schützen. Ist weniger vorhanden, so ist das Ohr gefährdeter für Infektionen und Entzündungen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Jucken im Ohr deutet in der Regel auf eine Mittelohrentzündung hin, die definitiv eine ärztliche Behandlung erfordert. Bei ersten Anzeichen einer solchen Entzündung muss jedoch nicht zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Vorerst kann die betroffene Person natürlich auch auf Hausmittel bzw. auf die Hausapotheke zurückgreifen, um die Entzündung in den Griff zu bekommen. Entzündungshemmende Wirkstoffe wie Kamille sind an dieser Stelle ein sehr effektives Mittel.

Tritt allerdings nach ein bis zwei Tagen keine deutliche Besserung ein, so ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Bei einer einfachen Mittelohrentzündung reicht der Gang zum Hausarzt vollkommen aus. Natürlich kann alternativ auch ein HNO-Arzt aufgesucht werden, doch die Behandlung bzw. die zu verschreibenden Medikamente werden sich wohl nicht voneinander unterscheiden. In der Regel wird der betroffenen Person ein Antibiotikum verabreicht, damit die Entzündung gehemmt wird. Ergänzend können auch Schmerztabletten verschrieben werden, die jedoch auch ohne ein Rezept vom Arzt erworben werden können.

Generell gilt: Bei einer Mittelohrentzündung können zu Beginn auf eigene Faust Hausmittel und Medikamente eingenommen werden. Tritt jedoch nach kurzer Zeit keine Besserung ein, sollte ein Arztbesuch nicht auf die lange Bank geschoben werden. Andernfalls kann sich die Entzündung erheblich verschlimmern, sodass es unter Umständen sogar zur Bildung von Eiter kommen kann.

Behandlung & Therapie

Bei einer diagnostizierten Entzündung wird der äußere Gehörgang gründlich gereinigt und evtl. mit einem kortisonhaltigen Mittel versorgt. Darüber hinaus werden im Falle einer bakteriellen Infektion spezifische Antibiotika verabreicht und im Falle eines Pilzbefalls entsprechende Antimykotika. Alternativ kann anstelle des kortisonhaltigen Mittels auch Kamillentee (kalt) vorsichtig als antibakterielles Mittel in den Gehörgang eingebracht werden.

Wenn eine Allergie auf bestimmte Stoffklassen in Shampoos oder Kosmetika vorliegt, wird dringend empfohlen, die Mittel unverzüglich abzusetzen. Evtl. können alternative Shampoos, Seifen und Kosmetika benutzt werden, die keine der spezifischen Allergene enthalten. Im Falle einer ausgeprägten Allergie kann eine Desensibilisierung hilfreich sein.

Aussicht & Prognose

Ein Jucken im Ohr ist in den meisten Fällen mit einer bevorstehenden Entzündung verbunden. Ein Arztbesuch ist jedoch erst notwendig, wenn aus dem Jucken ein beständiger und starker Schmerz wird. Auch bei einem eitrigen Ausfluss sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, da dieses Krankheitsbild dringend mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden sollte.

Tritt der Juckreiz unmittelbar nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln auf, so kann dies ein Anzeichen für eine allergische Reaktion sein. Der Gang zum Arzt ist an dieser Stelle sehr ratsam, denn durch eine Allergietherapie kann schnell und unkompliziert Abhilfe geschaffen werden.

Eine andere Ursache für ein starkes Jucken im Gehörgang sind Fremdkörper im Ohr. Insekten oder andere Kleintiere können in das Innenohr gelangen und verursachen durch ihre Bewegungen den besagten Juckreiz. Bakterielle Infektionen und Entzündungen können durch Fremdkörper und Tiere sehr schnell verursacht werden. In diesem Fall muss dringend ein HNO-Arzt aufgesucht werden. Mit entsprechenden Hilfsmitteln kann der HNO-Arzt das Tier bzw. den Fremdkörper beseitigen.

Generell gilt: Besteht ein starker Juckreiz über eine längere Zeit, sollte definitiv ein Arzt aufgesucht werden. Die Ursache dafür muss herausgefunden und entsprechend behandelt werden.

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Vorbeugung

Die besten Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Jucken im Ohr bestehen in Unterlassungen. Der äußere Gehörgang verfügt über kleine Flimmerhärchen, die z. B. das produzierte Ohrenschmalz langsam nach außen befördern. Deshalb ist eine Reinigung des Gehörgangs mit Wattestäbchen oder anderen Mitteln unnötig. Auch eine Reinigung des Gehörgangs mit Shampoos oder Seife ist kontraproduktiv, weil sich im gesunden Gehörgang ein saures Milieu einstellt, das durch derartige Maßnahmen empfindlich gestört würde.

Falls häufig oder permanent Ohrstöpsel oder Ohrhörer getragen werden, empfiehlt es sich, diese öfters zur Vorbeugung gegen bakterielle Infektionen mit einer alkoholischen oder antibakteriellen Lösung zu reinigen.

Das können Sie selbst tun

Wenn das Ohr juckt, muss nicht direkt ein Arzt aufgesucht werden. Verschiedene Hausmittel und Methoden lindern den Juckreiz und bekämpfen die Ursachen. Zunächst sollten die Ohren sorgfältig mit Wasser ausgespült werden, um mögliche Fremdkörper auszuspülen. Die Gehörgänge selbst sollten professionell ausgespült oder oberflächlich mit warmem Wasser gereinigt werden. Auf Wattestäbchen sollte aufgrund der Verletzungsgefahr verzichtet werden.

Liegt dem Juckreiz eine Gehörgangsentzündung zugrunde, können in hochprozentigen [Alkohol]] getränkte Wattestückchen in die Ohrmuschel gelegt werden. Nach mehrmaliger Anwendung sollte das Jucken abnehmen und mögliche Schwellungen im Gehörgang zurückgehen. Liegt ein Pilzbefall vor, empfehlen sich antimykotische Lösungen oder kortisonhaltige Salben. Eine natürliche Alternative ist Kamillentee. Auch Ohrenöl oder Ohrenkerzen können angewendet werden, um Juckreiz im Ohr zu reduzieren.

Bei einer Allergie ist das wirksamste Mittel Vorbeugung. Das Jucken kann vermieden werden, indem die Ohren vor dem Duschen (bei einer Allergie auf Shampoo) oder Schwimmen (bei einer Chlorallergie) mit Watte oder einem Ohrenstöpsel abgedichtet werden. Ist dem Juckreiz mit den herkömmlichen Hausmitteln und Maßnahmen nicht mehr beizukommen, empfiehlt sich der Gang zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt.

Bücher über Ohrenschmerzen

Quellen

  • Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Thurnher, D., Grasl, C.G., Erovic, B.M., Lercher, P.: HNO-Heilkunde. Springer, Wien 2011

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