Postpartale Stimmungskrisen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
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Nach der Geburt eines Kindes können Frauen, aber auch Männer an psychischen Verstimmungen bis hin zur Psychose leiden. Die bekannteste postpartale Stimmungskrise ist die Wochenbettdepression. Die Behandlung erfolgt ambulant oder stationär mittels Selbsthilfe und professioneller Hilfe durch einen Psychologen oder Psychiater.

Inhaltsverzeichnis

Was sind postpartale Stimmungskrisen?

Als Wochenbett wird die Zeit zwischen Entbindung und Rückbildung der schwangerschaftsbedingten Körperveränderungen bezeichnet. Charakteristischerweise hält das Wochenbett zwischen sechs und acht Wochen an. Die Mutter erholt sich in dieser Zeit von der Schwangerschaft.

In der Zeit des Wochenbetts können sychische Störungen oder Verhaltensstörungen auftreten. Das ICD-10 unterscheidet zwischen leichten psychischen Störungen und schweren Störungen im Wochenbett. Der Begriff der postpartalen Stimmungskrise fasst psychische Zustände und Störungen zusammen, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Phase des Wochenbetts eintreten.

Die Stimmungskrisen können von leichter Traurigkeit bis hin zu schweren Depressionen und sogar psychotischen Zuständen reichen. Neben der Mutter selbst kann auch der Vater des Neugeborenen von postpartalen Stimmungskrisen betroffen sein. Grob unterschieden werden das postpartale Stimmungstief, die postpartale Depression (PPD) und die postpartale Psychose (PPP).

Die Ursachen von postpartalen Stimmungskrisen bestehen in der Regel aus mehreren Faktoren, wobei die Gewichtung vom Einzelfall abhängt.

Ursachen

Die Geburt ist für die Mutter eine körperlich gewaltige Anstrengung, die in Erschöpfungszustände münden kann. Der Bauch, die Brüste, der Stoffwechsel und die Verdauung der Mutter verändern sich nach der Geburt signifikant. Darüber hinaus fällt der Progesteronspiegel plötzlich ab und kann depressionsartige Zustände provozieren.

Der Abfall des Östrogenspiegels ruft zur selben Zeit Schlafstörungen hervor. Oft kommt ein Schilddrüsenhormonmangel hinzu, der Angst oder Panikattacken auslösen kann. Biologisch betrachtet, leidet die Mutter nach der Geburt also an Kraftlosigkeit, Erschöpfung und gegebenenfalls Depressionen.

Zu den körperlichen Faktoren kommen psychische Faktoren hinzu. Die Geburt konfrontiert die Mutter oft mit Versagens- oder Schmerzangst und fordert die Frau dazu auf, Abschied von der eigenen Kindheit zu nehmen. Neue Sozialstrukturen entstehen und können zur psychischen Belastung werden, so zum Beispiel der Rollenwechsel von Karrierefrau zu Mutter und Hausfrau.

Davon abgesehen, fühlen sich viele Mütter vom Mutterbild aus Werbung, Filmen, Literatur oder dem eigenen Umfeld unter Druck gesetzt. Ursachen für die postpartale Stimmungskrise gibt es also genügend. Aus evolutionsbiologischer Sicht wird der Mutter nach der Geburt außerdem ein drohender Fitnessverlust signalisiert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer postpartalen Stimmungskrise hängen von der Art der Erkrankung ab. Das Stimmungstief oder der Babyblues ist die mildeste Form und klingt innerhalb von Stunden oder Tagen wieder ab. Stimmungslabilität, leichte Traurigkeit, Weinen, Irritierbarkeit, Sorgen um das Kind und Erschöpfung kennzeichnen das Krankheitsbild.

Hinzu kommen Reizbarkeit, Ängstlichkeit, Appetitstörungen sowie Schlaf- oder Ruhelosigkeit und Konzentrationsstörungen. Für den Babyblues spielt ursächlich vor allem die hormonelle Umstellung eine Rolle. Die postpartale Depression oder Wochenbettdepression ist von schleichender Entwicklung gekennzeichnet und geht mit körperlichen Symptomen einher.

Neben Energiemangel, einem inneren Leeregefühl, Schuldgefühlen und ambivalenter Haltung dem eigenen Kind gegenüber kann Desinteresse, Abwesenheit und Hoffnungslosigkeit für eine PPD sprechen. Auch Tötungsgedanken, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Taubheitsgefühle und Zittern sind verbreitete Symptome. Dasselbe gilt für Schwindel sowie Konzentrations- und Schlafstörungen.

Die Wochenbettpsychose ist eine schwere Komplikation im Wochenbett und geht mit paranoid-halluzinatorischer Symptomatik einher, die durch Angstzustände, Erregungszustände und Verwirrtheit gekennzeichnet sein kann. Als Mischformen gelten die Manie und die Schizophrenie in der Zeit des Wochenbetts.

Diagnose & Krankheitsverlauf

In vielen Fällen wird eine postpartale Verstimmung oder Stimmungskrise erst dann erkannt, wenn körperliche Symptome auftreten. Viele Betroffene schämen sich für ihren psychischen Zustand und versuchen vor allem Tötungsgedanken vor ihrer Umwelt zu verstecken. Wegen der Schamgefühle wenden sich die meisten Frauen mit Stimmungskrise von selbst nicht nach Außen.

Im Einzelfall erkennen Familienmitglieder die psychische Verstimmung und wenden sich an einen Psychologen oder Psychiater. Die Prognose hängt von der Unterform der Erkrankung ab. Der Babyblues ist durch eine äußerst günstige Prognose charakterisiert. Die Wochenbettdepression sollte umgehend behandelt werden, da in diesem Fall die Gefahr zum Suizid besteht.

Die postportale Psychose erfordert eine umgehende Einweisung in eine psychiatrische Institution und ist mit der ungünstigsten Prognose assoziiert. Manchmal heilt diese Erkrankung auch nach Jahren nicht vollends aus.

Behandlung & Therapie

Bei der Therapie von postpartalen Depressionen spielt Selbsthilfe eine wichtige Rolle. Ebenso wichtig ist die Hilfe durch den Partner, durch die Familie und den Freundeskreis. Die Betroffene kann außerdem von professioneller Hilfe bei der Hausarbeit der der Betreuung des Säuglings profitieren.

Neben der Selbsthilfe erfordert das postportale Stimmungstief meist professionelle Betreuung. Schwere postpartale Depressionen oder Psychosen werden schnellstmöglich in die Hände von Fachleuten abgegeben. Klinikaufenthalte können in diesem Fall erforderlich werden, um Mutter und Kind das Leben zu retten.

Zur professionellen Behandlung stehen Maßnahmen wie Psychotherapie, Musiktherapie und systemische Familientherapie zur Verfügung. Meist werden diese Maßnahmen mit konservativ medikamentösen Schritten wie der Psychopharmakotherapie, der naturheilkundliche Therapie oder der Hormontherapie kombiniert.

Für Betroffene gibt es Spezialambulanzen wie die Mutter-Kind-Ambulanz für postpartal psychisch kranke Mütter. Diese Spezialambulanzen vermitteln im Zweifelsfall stationäre Behandlungen und stehen nicht nur der Mutter, sondern auch beobachtenden Familienmitgliedern zur Inanspruchnahme von Hilfe offen.




Vorbeugung

Die Erfahrung hat gezeigt, dass einige Zusammenhänge als Risikofaktoren für postpartale Stimmungskrisen anzusehen sind. Zu diesen Risikofaktoren zählt zum Beispiel soziale Isolation. Darüber hinaus kann mangelnde Unterstützung durch den Partner oder die Familie und den Freundeskreis das Risiko für eine Stimmungskrise nach der Geburt erhöhen.

Dasselbe gilt für Perfektionismus und ein übertriebenes Mutterbild der Schwangeren. Um Stimmungskrisen vorzubeugen, sollte vor der Geburt des Kindes den genannten Zusammenhängen entgegengearbeitet werden. Eine psychisch stabile Allgemeinsituation ist anzustreben.

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