Verhaltensstörungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Verhaltensstörungen - auch Verhaltensauffälligkeiten genannt - können im frühkindlichen Alter eine spätere psychische Erkrankung anzeigen. Ob sie Behandlungswert haben, ist aber eine andere Sache. Die meisten Menschen zeigen im Laufe ihres Lebens gewisse Verhaltensstörungen, die einen vorübergehenden Charakter haben.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Verhaltensstörungen?

Die einfachste Definition von Verhaltensstörungen ist jene, die nicht "normales" oder unangemessenes Verhalten kennzeichnet. Problematisch und ethnisch verschieden ist dabei, was als "normal" begriffen wird.

In Tibet begrüßte man sich bis 1959 mit herausgestreckter Zunge, hier galt das als unanständig und obszön. Man kann bestimmte Verhaltensstörungen als Warnsignale oder Hilferufe interpretieren. Viele Verhaltensstörungen wie Aggressionen, mutwilliges Zerstören von Gegenständen, Randalieren, hyperaktives Ausagieren, Verweigerungshaltung, obszöne Verhaltensweisen, Schreien, übergroße Ängstlichkeit oder nicht altersgemäßes Einnässen ohne eine Demenzerkrankung beurteilt man unterschiedlich.

Daher gibt es zahlreiche mehr oder weniger detaillierte Definitionsansätze für Verhaltensstörungen.

Ursachen

Die Ursachen für Verhaltensstörungen sind vielfältig. Sie können familiärer Natur sein und in der psychischen Erkrankung der Mutter oder der alkoholbedingten Gewaltbereitschaft des Vaters begründet sein.

Sie können schulischem Stress, ständigen Misserfolgen, zu hohem Erwartungsdruck, mangelnder Anerkennung, langer Krankheit, Behinderung oder Mobbing geschuldet sein, innere Rebellion gegen Hierarchien darstellen oder schlicht und einfach durch Lieblosigkeit ausgelöst werden.

In Frage kommen aber auch Hirnschädigungen, Traumata in der Kindheit, unterdrückte Ängste, bedrückende Einsamkeit, bestimmte körperliche oder seelische Erkrankungen. Auch Erziehungsfehler können als Verhaltensstörung manifest werden. Daraus folgt, dass viele Verhaltensstörungen gut behandelbar sind. Oft sind sie vorübergehender Natur.

Andere wachsen sich zu einem echten Problem aus, das behandlungsbedürftig ist. Hierzu gehört beispielsweise das Zerschneiden des eigenen Körpers.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Diagnose und Verlauf von Verhaltensstörungen sind meist relativ einfach. Die meisten Verhaltensstörungen finden öffentlich statt und können von jedem wahrgenommen werden. Andere werden heimlich ausgeführt, fallen aber irgendwann auf.

Aus den Klassifizierungen im ICD-10 kann man ersehen, wie fließend die Übergänge zur psychischen Störung sein können. Psychische und Verhaltensstörungen werden im Diagnoseschlüssel in

  • organische und symptomatisch-psychische Störungen
  • psychische bzw. Verhaltensstörungen wegen der Einnahme psychotroper Substanzen
  • Schizophrenie oder wahnhafte Störungen
  • affektive Störungen
  • neurotische, Überlastungs- oder somatoforme Verhaltensstörungen
  • Verhaltensauffälligkeiten in Begleitung körperlicher Symptome
  • Persönlichkeits- oder Verhaltensstörungen
  • Intelligenzeinschränkungen
  • entwicklungsbedingte Verhaltensstörungen
  • frühe Verhaltens- und Gefühlsstörungen
  • sonstige psychische Störungen

aufgeschlüsselt. Wo Verhaltensstörungen beginnen und wann sie als psychische Auffälligkeit oder Erkrankung gewertet werden, ist verschieden. Viele Verhaltensstörungen werden vom Betroffenen nicht als Leidensdruck wahrgenommen. Mit sich selbst zu sprechen, gilt beispielsweise heute als normal.

Komplikationen

In der Regel wirken sich Verhaltensstörungen immer sehr negativ auf den Alltag des Betroffenen aus und können diesen erheblich erschweren. Vor allem bei Kindern führen diese Störungen zu einer deutlich verzögerten Entwicklung und weiterhin auch zu Beschwerden im Erwachsenenalter. Auch Mobbing oder Hänseleien können dabei auftreten und zu psychischen Verstimmungen oder sogar zu Depressionen führen.

Die Patienten leiden dabei häufig an Angstgefühlen, sogar an ADHS oder an Störungen der Konzentration. Weiterhin tritt häufig auch eine innere Unruhe auf, sodass die Betroffenen sehr gereizt sind und unruhig öde nervös wirken. Ebenso können Stimmungsschwankungen oder Störungen der Persönlichkeit durch die Verhaltensstörungen eintreten. Auch die Eltern sind bei Verhaltensstörungen von psychischen Beschwerden oder Depressionen betroffen und benötigen häufig ebenfalls eine Behandlung.

Der weitere Verlauf hängt allerdings sehr stark von der genauen Störungen und ihrer Ausprägung ab. In schwerwiegenden Fällen wird die Behandlung von Verhaltensstörungen allerdings in einer geschlossenen Klinik durchgeführt. Bei der Behandlung selbst treten keine Komplikationen auf. Die Beschwerden können mit Hilfe verschiedener Therapien oder auch durch Medikamente gelöst werden. Eine vollständige Heilung kann nicht vorhergesagt werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Verhaltensstörungen richtet sich immer nach der Störung. Bei ADHS-Kindern muss man anders vorgehen als bei einem hochaggressiven Mann, der sich jeder Behandlung widersetzt oder einer alkoholabhängigen Frau, die sich im Rausch der Fäkalsprache bedient und gelegentlich Wahnvorstellungen entwickelt.

Gesprächs- und Verhaltenstherapie bieten bei vielen Verhaltensstörungen gute Ansätze. Die zu Grunde liegende Ursache für die Verhaltensstörungen muss gefunden werden, wenn die Maßnahme Erfolg versprechen soll. In manchen Fällen muss man mit medikamentöser Behandlung ansetzen. In anderen ist ein Drogen- oder Alkoholentzug in einer entsprechenden klinischen Einrichtung der geeignete Behandlungsansatz. Die Verhaltensstörungen verschwinden oft, wenn man die Ursache behandelt.

Aggressionen von Kindern nach der Scheidung der Eltern oder wegen latenter psychischer Störungen der Bezugsperson können beispielsweise mit einer Familientherapie gut in den Griff bekommen werden. Im Familiengefüge darf vieles nicht ausgesprochen werden, gibt es Tabus und mühsam Unterdrücktes, was Verhaltensstörungen auslösen kann. Im geschützten Raum einer Familientherapie kann man solche Dinge aber ansprechen.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Verhaltensstörungen trägt ein gesundes, offenes Klima bei, in dem jeder sich äußern kann. Bei auftretenden Verhaltensstörungen kann man Ursachenforschung betreiben und gemeinsam versuchen, die zu Grunde liegenden Konflikte zu lösen. Die Person, die Verhaltensstörungen aufweist, kann andere Wege erlernen, mit ihren Konflikten und Problemen umzugehen. Verhaltensgestörte Kinder bezeichnet man heute nicht mehr als schwer erziehbar. Die Probleme liegen oft tiefer.

Bücher über Reizbarkeit & Aggressivität

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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