Manie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Eine Manie ist eine affektive Störung mit weit über das normale Maß hinausgehender, zumeist euphorischer Stimmungslage. Während ein depressiver Mensch eher in sich gekehrt und verschlossen auftritt, ist für einen manischen Patienten starke innere Unruhe, teilweise andauernde Gereiztheit und der Verlust von Hemmungen charakteristisch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Manie?

Das altgriechische Wort mania steht für Wut, Wahnsinn oder Raserei. Daraus wurde der Begriff für die als Manie bezeichnete psychische Bewusstseinsstörung abgeleitet. Der Betroffene befindet sich in einem scheinbar nicht enden wollenden Stimmungshoch und zeichnet sich oft durch ein maßloses Selbstbewusstsein bzw. grenzenlose Selbstüberschätzung aus. In einigen Fällen tritt statt des Stimmungshochs Gereiztheit auf.

Als Folge der Erkrankung geraten die Betroffenen oftmals mit ihrer Umwelt in Konflikte, da sie diesen nicht mehr bewusst aus dem Wege gehen können. Die Manie tritt häufig in Schüben auf und verläuft bipolar, das heißt mit entgegengesetzten Stimmungen. Als häufigste Form der Manie wird die manische Depression benannt, bei der manische und depressive Episoden einander abwechseln.

Ursachen

Die Ursachen der Manie sind noch nicht mit 100%-er Genauigkeit geklärt. Nach dem derzeitigen Forschungs- und Erkenntnisstand geht man jedoch davon aus, dass es mehrere Faktoren sind, die eine manische Episode auslösen können.

Zum einen scheint eine Störung der biochemischen Botenstoffe (Neurotransmitter) eine Rolle zu spielen. Zum anderen wurden bei manischen Patienten Veränderungen in den Genen festgestellt. Schließlich sind es auch häufig schwerwiegende Erlebnisse, wie z.B. der Tod eines nahestehenden Menschen, Trennungen, Verlust- oder Existenzängste, die von außen einwirken und der Krankheit Vorschub leisten.

Dass all diese Faktoren unabhängig voneinander auch bei gesunden Menschen nachgewiesen werden konnten und es durchaus auch Patienten gibt, die ohne äußere Faktoren an Manie erkrankt sind, unterstreicht die Komplexität der Krankheit und ihrer Ursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Stimmungsschwankungen
  • erhöhte geistige und körperliche Aktivität
  • Stimmungshoch, gute Laune, Partystimmung
  • hohes Risikoverhalten
  • hohe emotionale Erregbarkeit
  • hohe soziale Kontakt- und Kommunikationsfreudigkeit
  • weniger Müdigkeit
  • hohes Selbstbewusstsein
  • Reizbarkeit

Diagnose & Verlauf

Manie wird anhand der Symptome und des Verhaltens des jeweiligen Betroffenen durch einen Facharzt für Psychiatrie diagnostiziert. Eine körperliche Untersuchung ist nicht notwendig. Häufig werden ergänzend zum Gespräch mit dem Patienten auch Gespräche mit den Angehörigen geführt.

Die Diagnostik wird oft dadurch erschwert, dass die Betroffenen erst sehr spät einen Arzt aufsuchen. Sie empfinden ihr Verhalten nicht als abnormal oder überspitzt und fühlen sich im Gegenteil sehr gut und gesund.

Als typische Symptome einer Manie gelten unter anderem: ein ständiges, unbegründetes Stimmungshoch, unkritisches Verhalten sich selbst gegenüber, der Verlust von Hemmungen, starker Rededrang, Größenwahn, vermindertes Schlafbedürfnis, teilweise Halluzinationen, starke Gereiztheit, starke Unruhe, rastloses Tun.

Charakteristisch dabei ist, dass alle diese Verhaltensmuster weit über das normale und meist auch für andere Personen erträgliche Maß hinaus reichen. Bei manisch depressiven Patienten folgen den Phase des Stimmungshochs Phasen des "Katzenjammers“, der Antriebslosigkeit und mitunter auch der Scham wegen ihres vorausgegangenen Verhaltens.

Eine Manie tritt von Fall zu Fall mit unterschiedlichem Verlauf und unterschiedlicher Symptomatik auf.

Komplikationen

Die Komplikationen bei einer Manie sind abhängig vom Zustand des Betroffenen. So spielt auch die Depression, die die meisten Betroffenen der Manie heimsucht, eine Rolle. Die Tätigkeiten, die der Betroffene in seinen manischen Phasen ausübt, können schwerwiegende Komplikationen für ihn und sein Umfeld haben.

So führt das enthemmte finanzielle Verhalten oftmals zu schwerwiegenden Schieflagen der Finanzen. Dies kann - durch Leihgaben oder eher selten vorkommender Diebstähle - auch das Umfeld des Manischen betreffen. Die finanzielle Belastung wiederum führt in depressiven Phasen zu einer Verschlechterung des Gemüts.

Auch das Sexualverhalten der Betroffenen kann schwerwiegende emotionale und gesundheitliche Schäden verursachen. Mangelnde Umsicht beim sexuellen - teils wahllosen - Kontakt birgt ein Risiko für Geschlechtskrankheiten. Mangelnder Schlaf und Überanstrengung führen zudem oftmals zu Herzkreislaufproblemen, die das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöhen.

Betroffene neigen gelegentlich zur Verwahrlosung in Sachen Hygiene, was sich in auftretenden Krankheiten manifestieren kann. Zudem belasten sie ihren Körper häufig mit Alkohol oder anderen Substanzen. Insgesamt treten Langzeitschäden durch Substanzmissbrauch signifikant häufiger auf.

Mögliche kriminelle Handlungen ziehen soziale und persönliche Komplikationen mit sich, die von gesetzlichen Maßnahmen bis hin zur sozialen Isolierung reichen. All diese Folgekomplikationen sorgen zudem für ein Verstärken der depressiven Schübe. Das autodestruktive Verhalten Betroffener wird oft verstärkt und kann bis zum Suizid reichen.

Behandlung & Therapie

Eine Manie wird medikamentös behandelt. Dabei können Neuroleptika, Antiepileptika und Lithiumpräparate zur Anwendung kommen. Möglich sind auch Kombinationen einzelner Medikamente, was unter anderem von der Schwere der Erkrankung abhängt. Ziel der Medikation ist es in erster Linie, die Stimmung der Patienten zu stabilisieren.

In den akuten manischen Phasen ist es oft nötig, die Patienten in einer Psychiatrie stationär zu behandeln. Vor allem dann, wenn Suizidabsichten bestehen oder der Betroffene eine Gefahr für seine Umwelt darstellt.

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Vorbeugung

Eine Manie ist im herkömmlichen Sinne nicht heilbar. Da ihre Ursachen nicht wirklich bekannt sind, kann ihr auch nicht vorgebeugt werden. Für den Betroffenen bleibt nur die Möglichkeit, sich mit der Erkrankung zu "arrangieren".

Die hohe Selbstmordrate unter manisch erkrankten Menschen zeigt, dass für viele dieses Leben unerträglich ist.

Dabei haben die Betroffenen durchaus die Chance, ein relativ geregeltes Leben ohne Stress zu führen. Wichtig dafür ist, dass sie sich der Krankheit stellen, die verordnete medikamentöse Behandlung nicht abbrechen und sich in psychologische Betreuung begeben, um vergangene oder bestehende Probleme aufzuarbeiten.

Das können Sie selbst tun

Die Möglichkeiten der Selbsthilfe während einer manischen Phase sind sehr minimal. Da zum Krankheitsbild einer Manie eine fehlende Krankheitseinsicht gehört, mangelt es an dem Patienten an dem notwendigen Bewusstsein der Erkrankung und deren auftretenden Symptome. Wahrscheinlicher ist ein Verhalten, dass einem Größenwahn und einer Arroganz anderen Menschen oder dem Leben gegenüber gleicht. Der Betroffene hat das Gefühl unsterblich und fehlerfrei zu sein. Selbst die Warnhinweise von Menschen, zu denen ein sehr gutes Vertrauensverhältnis besteht, werden ignoriert oder als albern abgetan.

In gesunden und gut reflektierteren gesundheitlichen Phasen kann der Erkrankte jedoch einige Vorkehrungen treffen. Zu ihnen gehören eine medizinische Versorgung und finanzielle Absprachen. Vorsichtsmaßnahmen vor einer weiteren manischen Episode können mit einem Therapeuten, nahen Angehörigen sowie einem gesetzlichen Vormund getroffen werden. Während einer Manie gilt der Betroffene als geschäftsunfähig. Das führt häufig dazu, dass nach einer ersten manischen Phase bereits gesetzliche Vorkehrungen getroffen werden.

Darüber hinaus ist es hilfreich, wenn die Menschen des näheren sozialen Umfeldes über die Erkrankung und deren Wirkung ausreichend aufgeklärt werden. Für den Notfall sind ein Kärtchen oder einen für Dritte gut einsehbaren Pass mit Kontaktdaten von Hilfepersonen nützlich. So kann im Fall einer stark euphorisierten Stimmung jederzeit eine Bezugsperson gerufen werden.

Bücher über bipolare Störung

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.(Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2011
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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