Wochenbettpsychose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 28. Oktober 2016
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Eine Geburt ist für zahlreiche Frauen mit einer großen körperlichen Anstrengung und einer seelischen Erfahrung verbunden. Auf die Frau wartet eine völlig neue Situation, da sie nun Mutter ist, mit allen Anforderungen, die das Baby mit sich bringt. Darauf reagieren viele Wöchnerinnen mit traurigen Verstimmungen. Meist legt sich dies nach einigen Tagen, doch es kann sich in seltenen Fällen daraus auch eine Wochenbettpsychose entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Wochenbettpsychose?

Rund drei Prozent der Wöchnerinnen sind von einer Wochenbettpsychose betroffen. Der Grund hierfür sind beispielsweise die hormonellen Veränderungen, die nach der Geburt eintreten. Traumatische Geburtserlebnisse, die plötzliche Mutterrolle sowie ein großes Schlafdefizit begünstigen die Erkrankung ebenfalls.

Bei der Wochenbettpsychose handelt es sich um die schwerste Form der seelischen Krisen, die nach einer Schwangerschaft auftreten. Bei dieser kann es zum Verlust des Realitätsbezuges kommen. Die betroffenen Frauen benötigen umgehend Hilfe. Die Wochenbettpsychose wird in drei Formen unterteilt, die einzeln, aber ebenso als Mischformen auftreten:

  • Manie

Die Manie ist eine Form der Wochenbettpsychose. Sie zeigt sich durch motorische Unruhe, plötzliche starke Antriebssteigerung, kurze Euphorie, Größenwahn, Verworrenheit, ein verringertes Schlafbedürfnis, mangelnde Urteilsfähigkeit. Auch eine Enthemmung kann auftreten, die für das Kind eine Gefahr sein kann.

  • Depression

Eine weitere Form ist die Depression, die sich durch Teilnahmslosigkeit, Desinteresse und Angstzustände äußert. Auch Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit können auftreten.

  • Schizophrenie

Die Schizophrenie ist ebenfalls eine Form der Wochenbettpsychose. Diese zeigt sich durch starke Störungen der Gemütsregungen, Wahrnehmung und des Denkens. Die Mütter leiden unter Halluzinationen. Sie glauben, dass sie fremde Stimmen hören und sehen Dinge, die nicht existieren.

Ursachen

Warum die Wochenbettpsychose auftritt, ist noch umstritten. Laut Vermutungen kommen insbesondere hormonelle Veränderungen als Auslöser in Frage, beispielsweise der Konzentrationsabfall des Östrogens und Progesterons im mütterlichen Blutkreislauf. Soziale und psychische Faktoren spielen wahrscheinlich ebenfalls eine Rolle, zum Beispiel die Einstellung zum Kind sowie zum Partner.

Sind in der Vorgeschichte bereits psychische Erkrankungen aufgetreten, ist die Gefahr, eine Wochenbettpsychose zu entwickeln, stark erhöht. Eine familiäre Belastung ist ebenso ein Risikofaktor für die Erkrankung. Wenn Angehörige bereits psychotische oder manisch-depressive Episoden durchgemacht haben, besteht ebenfalls eine erhöhte Gefahr für die Mutter, dass nach der Geburt eine Wochenbettpsychose auftritt.

Des Weiteren können eine Traumatisierung, die bei manchen Frauen durch die Geburt entsteht, ein Kaiserschnitt, Stress und eine soziale Notlage das Risiko für die Erkrankung erhöhen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Wochenbettpsychose ist ziemlich schwer zu erkennen, da Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder irreale Befürchtungen den Betroffenen meist nicht angesehen werden. Zudem wird es von den Betroffenen häufig verschwiegen. Dies geschieht aus der Angst heraus, dass sie für verrückt gehalten werden.

Die Symptome wechseln außerdem oftmals sehr schnell, denn der Betroffene kann zwischendurch völlig gesund erscheinen und im anderen Moment psychotisch dekompensieren. Vor allem die psychotischen Symptome sind besonders schwer erkennbar und als solche einzuordnen. Dies gilt für die Betroffenen selber als auch für die Familie, insbesondere wenn die Psychose erstmalig auftritt.

Bei der Wochenbettpsychose sind Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Gedankenunterbrechungen oder –rasen zu beobachten, ebenso wie zerfahrenes Denken, was sich häufig beim Sprechen bemerkbar macht. Darüber hinaus kann es zu einem verminderten oder erhöhten Antrieb kommen, auch sozialer Rückzug der Betroffenen ist nicht selten. Dazu plagen sie Bewegungsunruhe oder –starre sowie Erregungszustände.

Die Stimmung kann euphorisch, gereizt bis hin zu aggressiv, depressiv oder stark ängstlich, verzweifelt und hoffnungslos sein. Die Stimmung wechselt dabei zwischen den verschiedenen extremen Zuständen sehr stark ab. Zwangsgedanken, -impulse oder -handlungen treten innerhalb der Psychose eher selten und Ein- oder Durchschlafstörungen sehr oft auf.

Zudem zeigen sich entweder ein Energiemangel oder eine übergroße Energie. Viele Betroffene leiden unter Schmerzen ohne eine organische Ursache oder körperlichen Missempfindungen. Meist liegen bei der Wochenbettpsychose produktiv-psychotische Symptome vor, zum Beispiel Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Beeinflussungserlebnisse. Im Zusammenhang mit den psychotischen Symptomen kommt es häufig zu Suizidgedanken und im schlimmsten Fall sogar zu Suizidhandlungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die diagnostischen Maßnahmen gleichen bei einer Wochenbettpsychose denen der psychotischen Störungen. Da häufig zunächst einmal ausgeschlossen werden muss, dass die Psychose nicht aus einem Drogenkonsum resultiert, erfolgt meist eine Blutentnahme, um auf Drogenrückstände, aber ebenso Entzündungsmarker und erhöhte Leberwerte zu untersuchen.

Ansonsten befragt der Arzt die betroffene Mutter nach den Beschwerden und den Zeitraum, seit wann sie bestehen, um die Diagnose Wochenbettpsychose anhand der typischen Symptome zu stellen.

Behandlung & Therapie

Je nach Erkrankung und Ausprägung wird die Wochenbettpsychose meist mit Medikamenten wie Neuroleptika und Antidepressiva behandelt. Oftmals erfolgt dies in der Kombination mit einer Psychotherapie. Bei einer vorliegenden Wochenbettpsychose ist eine stationäre Behandlung empfehlenswert, da die psychotische Mutter meist nicht mehr allein für ihr Kind und sich selber sorgen kann.

Zudem besteht bei vielen Psychosen die Gefahr eines Suizids. Von Vorteil ist eine Mutter-Kind-Station in einer psychiatrischen Klinik, damit die Mutter und das Kind nicht getrennt werden. Der Mutter wird dadurch außerdem die Sicherheit im Umgang mit dem Kind vermittelt, die aufgrund der akuten Erkrankung oftmals verloren geht.

Wenn eine Wochenbettpsychose erstmalig auftritt und frühzeitig erkannt und behandelt wird, sind die Chancen gut, dass sie vollkommen abklingt. Das Risiko für weitere Episoden bleibt jedoch lebenslang erhöht.




Vorbeugung

Es wird vermutet, dass Stress während der Schwangerschaft mitverantwortlich für eine Wochenbettpsychose sein könnte. Daher ist es wichtig, auf eine ausgeglichene Balance und ein seelisches Gleichgewicht zu achten.

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